Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.
[mc4wp_form id="4890"]
Zapisz Zapisz

So gelingt das Haltungsschmunzeln

Kaum etwas kostet so viel Mühe wie konstruktive Satire. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk schafft es trotzdem immer wieder – obwohl ihm 86 Cent fehlen. Vier Schritte, wie Sie Regierungspositivity mit helfender Oppositionskritik verbinden

Nehmen wir an, Sie arbeiten in der Satireabteilung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Eine gewisse Erschöpfung nach dem Abgang von Donald Trump macht sich breit: Das bisher wichtigste Ziel für Herrschaftskritik steht nicht mehr zur Verfügung.

Im eigenen Land kann es selbstredend keine satirisch-quertreiberischen Kommentare zur Regierungsarbeit geben, das versteht sich von selbst, dafür sind die Zeiten einfach zu ernst. Im Gegenteil, es wächst die Notwendigkeit für die satirisch unterstützende Begleitung der Kabinettstätigkeit, oder, wie es heute heißt, Regierungspositivity. Wer je in der Satirebranche seine Brötchen verdienen musste, der weiß: Nichts ist so schwer wie die Anfertigung konstruktiver Witze. Und derart undankbar. Das Ergebnis sieht immer so elegant aus wie eine Jeans vom VEB Jugendmodekombinat „Shanty“ Rostock 1980. Und kostet trotzdem unendlich viel Arbeit.

Zur Planerfüllung gibt es aber auch bei der heute-show keine Alternative.
Los geht’s in vier einfachen Schritten: So gelingt das Schmunzeln mit Haltung.

1. Die real existierenden Regierungsvorhaben bilden die Basis Ihrer Satirearbeit. Auf dem Programm steht bekanntlich die Änderung des Infektionsschutzgesetzes, das es künftig der Bundesregierung erlaubt, nach Inzidenzwerten Lockdowns inklusive Ausgangssperren zentralistisch zu verfügen. Gegner des Vorhabens, Wissenschaftler, Richter, Verfassungsrechtler, behaupten unter anderem, dass Ausgangssperren gegen das Infektionsgeschehen nicht nur nichts nützen, sondern sogar kontraproduktiv sind, sie schüren also schlechte Stimmung in einer Lage, die Mitmachen und Zusammenstehen mit Abstand erfordert.
Schreiben Sie also als Mitarbeiter der ZDF heute-show erst einmal hin, worum es geht:

„Die Bundesregierung beschließt die Änderung des Infektionsschutzgesetzes.“

Der eine Quertreiber, selbsternannte Faktenfinder respektive Witzbold, den es in jeder Abteilung gibt, auch im Team der heute-show, weist darauf hin, dass die Regierung keine Gesetze oder Gesetzesänderungen beschließt, sondern das Parlament. Rein formal betrachtet stimmt das sogar. Und sehen Sie: Aus dem Einwurf lässt sich etwas machen, der konstruktiv-satirische Onliner ist schon fast fertig.

Mit der Satireabteilung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verhält es sich ähnlich wie mit dem Parlament: Es handelt sich um ein Relikt, heute würde man beides nicht mehr einführen, wenn man noch einmal ganz von vorn anfangen müsste. Aber es gibt diese Institutionen nun mal. Umso wichtiger, dass sie den Betrieb nicht aufhalten, sondern mitmachen.

 

2. Das tun aber im Fall des Parlaments nicht alle. Einzelne Abgeordnete der FDP etwa kündigen an, gegen das geänderte Infektionsschutzgesetz zu klagen, sollte es so kommen. Konstruktive öffentlich-rechtliche Satire ist immer auch helfende Kritik, in diesem Fall an der FDP: Sie könnte noch rechtzeitig einsehen, dass sie fast in die Falle der Oppositionshaltung getappt wäre. In den zwei Wochen bis zur Verabschiedung des Gesetzes hätte sie Zeit, noch einmal in sich gehen. Schreiben Sie also genau das hin: „Mehrere Mitglieder der FDP wollen dagegen klagen.“ So spießen Sie mit spitzer Feder auf, was schief läuft. Ihre konstruktive Satire ist jetzt fast komplett.

 

3. Es fehlt aber noch etwas, so komisch das vielleicht klingt. Die Pointe. Sie muss aus Konventionsgründen an das Ganze drangeschraubt werden, so wie weiland die Nieten an den Shanty-Jeans. Schreiben Sie also:
„Mehrere Mitglieder der FDP und das Coronavirus wollen dagegen klagen.“

Das Gesetz ist das Gute Infektionsbekämpfungsgesetz, wer als selbsternannter Oppositionspolitiker dagegen vors Bundesverfassungsgericht ziehen will, das es ja übrigens auch noch gibt, besorgt das Geschäft des Coronavirus, das in Wirklichkeit, haha, gar nicht klagen kann. Nein, das war jetzt nur die interne Erklärung. Das sollen sie nicht auch noch dazuschreiben. Ihr konstruktiver Witz ist nämlich schon fertig. Raus damit auf Twitter!

 

4. Falls Ihnen jetzt ihre innere Quertreiberstimme sagt: Dieser Onliner ist so schlecht, dass ihn ein Halbtalentierter noch zehnmal umschreiben müsste, bevor er ihn wegschmeißt: Ja, das ist so. Wie gesagt, die Herstellung von konstruktiv- vorwärtsweisenden Schmunzelerzeugnissen ist saure Arbeit. Deshalb hier zwei aufmunternde Beispiele, wie Kollegen zu anderen Zeiten und unter ähnlich schwierigen Bedingungen ihre Aufgaben gelöst hatten:

Andererseits: Sie arbeiten für den Frischen Wind, frischen Welke, die heute-show. In dieser Funktion tragen Sie einen Shanty-Jugendmodeanzug und eine Stokowski-Kolumne im Allerwertesten resp. im Herzen, quatsch, Sie tragen Verantwortung.
Von Ihnen zu verlangen, dass Sie etwas konventionell Witziges produzieren, das wäre ungefähr so, als würde jemand von Prince Philip erwarten, dass er Schwanensee tanzt, ob nun vor oder nach dem 9. April 2021. Obwohl er das wahrscheinlich besser hinbekommen würde als ein deutscher Staatsfunkmitarbeiter einen Scherz.

Nein, konstruktive Satire ist die Kunst, die Regierung zu unterstützen, und zwar in einer Sprache, die alle Kabinettsmitglieder verstehen. Dafür ist Ihr Witz bestens geeignet, erforderlich und angemessen. Vielleicht lacht nicht jedes Mitglied. Dafür lacht Heiko Maas grundsätzlich dreimal: Einmal, wenn er den Twitterwitz der heute-show liest, einmal, wenn er ihn erklärt bekommt, und noch einmal, wenn er ihn verstanden hat.

 

5. Für 86 Cent mehr Rundfunkgebühren pro Zahler und Monat wäre Ihr Witz natürlich noch qualitätsvoller ausgefallen. Das wird uns allen gern der Leiter der ARD-Satireabteilung, Herr Patrick Gensing, bestätigen. Aber auch für 17,50 hat ihr Tweet Weltniveau. Wie ARD-Intendant Tom Buhrow und die Bundeskanzlerin sagen: „Die Leute lieben das, was wir machen, und zwar alles”.

 

 


Dieser Text erscheint auch auf Tichys Einblick.

 


Liebe Leser von Publico: Die Krise vieler Medien ist keine Krise der Nachfrage, sondern des Angebots. Während sich das Angebot auf der einen Seite verengt, entstehen gleichzeitig neue Medien, die zur Debattenkultur eines Landes beitragen. Denn es gibt viele Themen, über die gestritten werden muss. Für einen zivilisierten Streit braucht es Informationen, gut begründete Argumente und Meinungen.
Publico hat sein Angebot in den vergangenen Monaten erweitert; das Medium bietet mehr Beiträge, auch häufiger von Gastautoren. Dieses Wachstum ermöglichen die Leser mit ihren Beiträgen. Denn es gibt keine anderen Finanzierungsquellen, die Publico tragen.
Für andere Anbieter auf dem Medien- und Meinungsmarkt gilt das nicht. Verlage erhalten beispielsweise reichliche Zuwendungen – aus dem Bundesetat demnächst 220 Millionen Euro an sogenannten Förderungen. Außerdem 43,5 Millionen Euro in Form von Anzeigen der Bundesregierung im Jahr 2019 – wobei es 2020 mehr sein dürfte. Der Organisation „Neue Deutsche Medienmacher“ zahlte das Bundeskanzleramt 2019 für deren Projekte mehr als eine Million Euro. 
Dazu kommen noch großzügige Hilfen von Stiftungen diverser Milliardäre für etliche Medien. 

Publico erhält nichts davon, und würde auch weder Staats- noch Stiftungsgeld annehmen. Unser Unternehmen finanziert die staatlichen Subventionen durch seine Steuern vielmehr mit. Publico erhält nur von einer informellen Organisation Zuwendungen: seinen Lesern. Mit Ihren Beiträgen ermöglichen Sie die Beiträge auf Publico – auch umfangreichere Recherchen und Dossiers, die Honorare für Gastautoren und die Chance auf weiteres publizistisches Wachstum.
Jeder Beitrag hilft. Auch wenn Sie weder Regierungsbeamter noch Milliardär sind, können Sie mit Ihrer freiwilligen Zahlung erstaunlich viel bewirken.
Sie können einen Betrag Ihrer Wahl via PayPal überweisen – oder auf das Konto
Wendt/Publico
DE04 7004 0048 0722 0155 00
BIC: COBADEFF700

Herzlichen Dank.

 


Unterstützen Sie Publico

Publico ist werbe- und kostenfrei. Es kostet allerdings Geld und Arbeit, unabhängigen Journalismus anzubieten. Mit Ihrem Beitrag können Sie helfen, die Existenz von Publico zu sichern und seine Reichweite stetig auszubauen. Danke!

Sie können auch gern einen Betrag Ihrer Wahl auf ein Konto überweisen. Weitere Informationen über Publico und eine Bankverbindung finden Sie unter dem Punkt Über.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter, wir benachrichtigten Sie bei neuen Beiträgen.
* Ja, ich möchte über Neue Beiträge von PublicoMag.com per E-Mail informiert werden. Die Einwilligung kann jederzeit per Abmeldelink im Newsletter widerrufen werden.

14 Kommentare
  • Dr. W. Manuel Schröter
    15. April, 2021

    Nicht so gelungen, diesmal, der Artikel. Aber es ist natürlich sehr schwer, etwas “positiv Witziges” über Regierungsarbeit udgl. positiv witzig zu kommentieren. Meines Erachtens ist es eigentlich schlechterdings unmöglich, weil alles Witzige an Regierungsarbeit udgl. per se nie absehbar und vielleicht gar noch gewollt sondern immer und in jedem Fall unfreiwillig ist. Das reicht von den handelnden Personen bis hin zu ihren Claqueuren. Für die muss der konstruierte “Witz” über sie (und mit ihnen) stets zukunftsweisende “Losung” sein. Und das ist, egal, wie, sterbenslangweilig und tödlich für jede Heiterkeit, es sei denn, es ist eine böse.

  • Andreas Rochow
    15. April, 2021

    Manchmal ist es nötig, auch Staatssatire satirisch aufzuspießen. Und da ich es mit Namen und Personen habe, hat mir der Maas’sche Lachdreisatz besonders gut gefallen. Allerdings hege ich Zweifel, dass der Machtzwerg aus dem Saarland überhaupt über die Witze anderer noch lachen kann. Die Satirekrieger vom ZDF haben in der aktuellen Eskalation (oder soll ich im Hinblick auf die Wahlen im September schreiben: im Endkampf?) so manchen Haltungsschauspieler rekrutiert und erzeugen das alternativlos Unvermeidliche: Amüsement über ihr Niveau im freien Fall.

  • Albert Schultheis
    15. April, 2021

    “Wie ARD-Intendant Tom Buhrow und die Bundeskanzlerin sagen: „Die Leute lieben das, was wir machen, und zwar alles”.” – Sonst würden sie doch nicht die 17,50 € bezahlen, oder?

  • Joseph
    15. April, 2021

    Die Kollegen von extra3 haben beschrieben, was nach ihrer Interpretation Satire ist.

    Sie will nämlich “ihrem Publikum ein Bewusstsein all dessen vermitteln, was im Lande nicht funktioniert oder falsch läuft”. Weiterhin “sollte die zentrale Frage an jeden satirischen Beitrag, egal in welchem Medium, sein: “Wer ist der Feind?” Oder, wem das zu martialisch klingt: “Wer ist verantwortlich für einen (veränderbaren) schlechten Zustand?”

    Demnach wären für die heute-show die Opposition bzw. Mitglieder der FDP Schuld am schlechten Zustand.

    Es wäre nun interessant herauszufinden, ob die Spaßvögel der heute-show die Satire-Definition ihrer Kollegen des NDR Teilen und ob sie die FDP bzw. Teile der Opposition als Feind betrachten und ihnen die Schuld an der aktuellen Situation geben.

    https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/wir_ueber_uns/wasdarfsatire100.html

  • Emmanuel Precht
    15. April, 2021

    Wenn Heikos Walküre mitbekommt, was Sie da über ihren Einherjer schreiben, o weiha. Wohlan…

  • Thomas
    15. April, 2021

    Oppositionskritik im besten Deutschland ever

    Dieter Süverkrüp (geb.: 1934) hat die Kunst,
    Andersmeinende für den Sozialismus zu gewinnen, mal recht einleuchtend besungen;
    https://www.youtube.com/watch?v=t_U65w_lbSk
    was von der Kunstfreiheit gedeckt wird, weiß die Antilopen Gang;
    https://www.youtube.com/watch?v=Y-B0lXnierw
    und daß der Schoß von Frauke Petry fruchtbar noch ist, betrachten gewissen Leuten eben als Provokation.
    Ein Satiredarsteller stand Silvester 2016 am Ende seines Programmes von seinem Klavier auf und flapste noch kurz seine „Kunstfreiheit“ ins Mikro:
    “Ich wünsche mir natürlich für dieses Jahr, daß Frau Frauke Petry von linksradikalen Hebammen entbunden wird“. Das versammelte Hellpublikum gackerte.
    http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=65502
    (leider im Netz verschwunden)

    Als ein Mann aus Böhmen im ZDF-Buntfernsehen den türkischen Präsidenten (in gereimter Form) eine „dumme Sau“ nannte und zusammenreimte, daß dieser „am liebsten Ziegen“ f.cke und „zoophil“ sei, da flog diese Sorte „Humor“ nicht etwa aus dem gebührenfinanzierten Buntfernsehen, vielmehr trat das Bunte Parlament in Berlin zusammen und schaffte den StGB §103 ab, weil „Majestätsbeleidigung“ nicht mehr in die Zeit passe (Juli 2017).

    *Mit der Satireabteilung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verhält es sich ähnlich wie mit dem Parlament: Es handelt sich um ein Relikt, heute würde man beides nicht mehr einführen, wenn man noch einmal ganz von vorn anfangen müsste. Aber es gibt diese Institutionen nun mal. Umso wichtiger, dass sie den Betrieb nicht aufhalten, sondern mitmachen.*

    So ist es. Wozu brauchen Leute dieser Sorte denn ein Parlament.
    Hm. Gibt es eigentlich den §108 StGB noch? Ich habe manchmal den Eindruck, er wurde von der Bewegung bereits stillschweigend abgeschafft. Wenn ja, dann vermutlich um ein Zeichen zu setzen.

    „Der Geist der Dummen ist die Bosheit.“
    (Deutsches Sprichwort)

    • pantau
      15. April, 2021

      Ziegenf. war offenbar in Ordnung gegenüber einem ausländischen Staatsoberhaupt, aber wehe man attestiert via email Hannelore Kraft, sie habe die Intelligenz eines Toastbrotes. Dafür wurde ein Arbeitsloser zu einer Geldstrafe verurteilt. Eine Justiz, die würfeln würde, wäre noch 10x gerechter.

      https://www.wz.de/politik/inland/iq-wie-ein-toastbrot-mann-nach-beleidigung-von-hannelore-kraft-verurteilt_aid-28164375

      • Thomas
        17. April, 2021

        Über die Intelligenz eines Toastbrotes

        „Dafür wurde ein Arbeitsloser zu einer Geldstrafe verurteilt.“

        Das stimmt zwar, allerdings nur halb, denn zum Bild gehört auch, daß Frau Kraft auf die erste eMail noch freundlich geantwortet hatte und auf die Beleidigung nicht einging; vielmehr warb sie mit ausführlichen Begründungen in ihrem Antwortschreiben für ihr Konzept, Langzeitarbeitslose in der Flüchtlingsbetreuung einzusetzen.
        Die persönliche Strafanzeige war eine Folge der zweiten eMail.

        „Natürlich können Sie Ihre Meinung äußern. Aber Sie haben eine Grenze überschritten und die Ehre eines anderen verletzt.“
        (Richterin, Kölner Amtsgericht)
        https://www.ksta.de/koeln/-iq-eines-toastbrotes–arbeitsloser-beleidigt-hannelore-kraft—2250-euro-strafe-24429090?cb=1618660489532

        Als Angehöriger einer „Kinderf..kersekte“ fällt mir von der beschmutzten Soutane meines Papstes bis zu Schmähartikeln über Helmut „Birne“ Kohl einiges ein, was ich dem Bereich „Toastbrot“, „Frauenbande,“, „korruptes Pack“, „Steuerhinterziehung“ zuordne. Aber gut: Im Krieg, auf See oder vor Gericht, …

        Der Ärger über Maßnahmen im Zuge der massenhaften Einreise ohne Ausreiseabsicht und deren Folgen muss wohl manchmal raus, bevor es einem den Kopf zerreißt. Aber eben nicht so. Da hatte dieser Mann offenbar keine gebührenfinanzierten Anwälte an seiner Seite; oder die Zustimmung schwergewichtiger Döpfnereien; oder eine Chefin, die es unter dem bedächtigen Kopfwiegen der Redaktion bei einem „dududu“ belässt. Mal ganz zu schweigen von Kollegen, Seilschaften und funkelnden Silbersteinen, denen „Satire, Satire über alles“ geht. Als staunender Beobachter hat mich 2016 in dieser Sache nur gewundert, daß kein Anwaltsbüro die Interessen von Toastbrot in der Sache vertreten hat (Popularklage). 2500 Euro kann viel Geld sein.

        Nun, bekanntlich geschieht einem Menschen vor Gericht Recht; das Ergebnis bekommt ein Beklagter wohl (heute noch) nicht per eMail in seine Behausung geschickt. Die Frage hierbei ist, ob dieser Mann wirklich selber schuld an seinem Unglück ist, denn erstens steht das Wort vom „Männerstolz vor Königsthronen“ und der „Wahrheit gegen Freund und Feind“ ja bereits bei Schillers „Lied an die Freude“ drin und hat sich in der deutschen Gemütlichkeit verankert. Offenbar hat dieser Mann aber im Geschichtsunterricht nicht gelernt, daß die Antwort des Königs dann seine Huld oder das Schwert sein kann. Vielleicht wurde dieser bedenkenswerte Umstand nicht gelehrt oder der Mann hat in der Schule nicht aufgepasst. Oder er ist schlecht beraten. Oder er hat einfach nicht das Glück, gute Freunde zu haben. Wie auch immer:
        Er ist wohl (zweitens) in diesem Fall wirklich selber schuld, denn er hätte sich wie jedermann mit Reimen auf „Kraft“ und „Brot“ auf das herzlichste Luft machen können – allerdings auch dann eben nicht bei Frau Kraft persönlich, sondern lediglich bei seinem Satirepublikum. Das hat er nicht, und da hat er etwas verwechselt. Will ein Mensch heute ernsthafte politische Kritik üben, dann wählt er heute nicht mehr die Parteien der Bewegung (AfDDR) sondern … Na?
        Genau!

        Natürlich tat sich hier ein arbeitsloser Mensch hervor. Niemand bei Sinnen hat seine Meinungsäußerungsfreiheit im Jahre 2016 noch zügellos angewandt, wenn er etwas zu verlieren hat. Dazu musste bereits 2016 die Intelligenz eines Menschen in Deutschland die Intelligenz eines Toastbrotes nicht wesentlich übertreffen. Schließlich waren da die Hell-Demokraten an den Lichtschaltern von Semperoper und Kölner Dom längst zur Tat geschritten.

        Heute macht der Kölner Dom zur globalen Klima- und Umweltaktion “Earth Hour” für eine Stunde das Licht aus. Die gatet-communities in Hell-Deutschland fühlen sich in ihren geschützten Bereichen und Netzwerken pudelwohl. In der grünen, roten, dunkelroten und hellschwarzen Wohlfühlblase. Diese genießt heute sogar einen besonderen Schutz. Getreten wird heute woanders. Da ist auf die Berliner Staatsanwaltschaft bei ihre Vorprüfungen zu „Kinderf..kersekte“ oder „ACAB“ offenbar Verlass. Sogar Bundesgesetze zum Schutz vor „Hass und Hetze“ werden den Hell-Bewohnern und ihren Blasen auf den Leib geschrieben. Wie drückte es doch Yaghoobifarah in einem Satz so trefflich aus:
        „Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“
        („All cops are berufsunfähig“, Juni 2020, taz)

        Wie wahr, wie wahr. Im Grunde ist es wohl wirklich wahr, daß sich Menschen unter ihresgleichen am wohlsten fühlen. Da singen sie ihre Lieder am liebsten. Da sind sie bei sich und nicht unter Schmuddelkindern. Es ist gegönnt. Und was sich auf „Rechtstaat“, „Toastbrot“, „Kraft“, „Deutschland“, „dumme Sau“, „Polizisten“, „Schrumpelklöten“ oder „Müllhalde“ reimt, ist im Grunde in diesem Zusammenhang ja auch wirklich völlig egal. 🙂

        Mit freundlichen Grüßen,
        Thomas

  • Grand Nix
    15. April, 2021

    Als Kind dachte ich, Seifenblasen in die Welt pusten ist ein beschaulicher und günstiger Zeitvertreib. Die Zeit belehrte mich diesbezüglich eines besseren.

  • Nadine
    15. April, 2021

    Noch besser wird es, wenn bei der Heute-Show so getan wird, als wolle man die Regierung kritisieren; neulich etwa mit einem Mahnmal für die “Opfer des Föderalismus”. Wirklich ein Skandal, dass die Ministerpräsidenten überhaupt noch mitreden dürfen und die Kanzlerin nicht allein entscheiden kann …

  • A. Iehsenhain
    15. April, 2021

    Gerne würde ich das Booking für eine “ZDF heute-show-Tournee” übernehmen. Und zwar für eine einzige Show auf Sentinel Island. Gesetzt den Fall, dass sie es bis in Strandnähe schaffen würden, wäre das Gelächter schallend – und zwar als Pfeilhagel auf Schiffsplanken und Ensemble.

  • pantau
    15. April, 2021

    Gibt es wirklich diese Wortschöpfung “Regierungspositivity”? Macht mich irgendwo fassungslos. Das mündet mutmasslich in der Führerpositivity…

  • Materonow
    16. April, 2021

    Witze bzw. Satire ist ebenso schal wie der Nonsense von der NDR-Restle-Rampe.

  • Libkon
    16. April, 2021

    Zitat:”Wie ARD-Intendant Tom Buhrow und die Bundeskanzlerin sagen: „Die Leute lieben das, was wir machen, und zwar alles”. Zitatende. Hat das nicht schon so ähnlich Mielke gesagt: “Ich liebe doch alle Menschen”? DAS ist Satire. Die “heute-show” ist so lustig wie mein linker Latschen. Das ist “von oben” verordneter Humor für 86 Cent. Und das ist schon zu teuer. Apropos DDR Nieten-Hose. Ist das nicht die Hose, die Nieten tragen/trugen? Oder habe ich da was falsch verstanden?

    Ihre Meinung dazu

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.