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Flusensieb / Juli

Der beste Armhebel, die perfekte Parodie und der größte Trick aller Zeiten

Flusensieb soll ab jetzt am Monatsende mehrere kleine und kleinste Texte versammeln – sozusagen das, was sonst noch hängen blieb. Zwischen den Stücken besteht – flusensiebtypisch – nur ein lockerer Zusammenhang. Diesmal in der Kapsel: Sven Lehmann, QuarkDDR, San Francisco und das Geheimnis hinter der Energiewende

I

Beauftragter für kulturelle Erschöpfung

In einem längeren Interview mit dem Parlamentarischen Staatssekretär des Bundesfamilienministeriums und Queer-Beauftragten der Bundesregierung Sven Lehmann mit einer Zeit-Journalistin findet sich eine kleine, leicht zu überlesende Stelle mit Langzeitwirkung. Das Gespräch selbst beginnt sehr sanft und affirmativ, dann steigern sich die Fragen allmählich. Die Zeit-Redakteurin erledigt das wirklich gut. Ihre Technik erinnert etwas an einen bestimmten Armhebel beim Judo, den der Gehebelte, falls er ihn noch nicht kennt, auch erst einmal für harmlos hält, bis derjenige, der ihn ausführt, seine Hüfte ganz sanft nach oben bewegt.

Die erste Frage gehört noch zu der Sorte, die jeder Politiker lieben muss, wobei Politiker der Grünen es eigentlich auch gar nicht anders kennen:

„Herr Lehmann, sind Sie eigentlich genervt von der Debatte ums Selbstbestimmungsgesetz? So viel Aufregung, dabei geht es eigentlich nur darum: Menschen, denen bei der Geburt ein Geschlecht zugewiesen wurde, mit dem sie sich nicht identifizieren, dürfen in Zukunft ihren Geschlechtereintrag und ihren Namen einfach ändern – ohne psychiatrisches Gutachten, ohne Untersuchung.“

Es handelt sich also um eine Fragetechnik ungefähr nach dem Muster: Ist Ihre Politik so gut, wie Sie aussehen?
So etwas lähmt die Abwehrreflexe.
Etwas später im Gespräch erinnert sie Lehmann daran, dass ja schon bisher jeder sein Geschlecht ändern und damit so leben konnte, wie es ihm gefiel:

„Auch bislang wurde es kaum jemandem verboten, den Geschlechtseintrag zu ändern. 99 Prozent der Begutachtungen wurden positiv beschieden.“

Woraus Lehmann schlussfolgert, deshalb müssten eben die die Begutachtungen weg:

„Was noch mehr dafür spricht, dass diese Verfahren unnötig sind.“

Sie hätten – bei 99prozentig positiver Entscheidungen wohlgemerkt – eben viele davon abgehalten, nach ihren Wünschen zu leben. Wobei dieser Wunsch wiederum, wie er an einer anderen Stelle erklärt, für die betroffenen eine „existenzielle Persönlichkeitsfrage“ darstelle. Aber auf der anderen Seite:

„Ich denke, dass es viele Menschen gibt, die sich lieber versteckt haben, als diese Begutachtung über sich ergehen zu lassen.“

Dann schlägt die Interviewerin einen historisch gut begründeten Haken in die Vergangenheit, in der das erklärte Ziel von klassischen Femininistinnen und sogar von der Begründerin der Gendertheorie Judith Butler gerade daran bestanden hatte, Geschlechtskategorien aufzulösen:

„Simone de Beauvoir hat geschrieben, dass man nicht als Frau geboren wird, sondern dazu gemacht wird. Das, was viele trans Personen fühlen, ist aber wohl: Ich bin eine Frau, bei der Geburt wurde mir aber das falsche Geschlecht zugewiesen. Ist das ein Widerspruch?“

Worauf Lehmann, dem seine wachsende Irritation über den Gesprächsverlauf anzumerken ist, meint:

„Ich bin selber Feminist, ich habe auch Beauvoir gelesen.“

Womit er allerdings nicht den Widerspruch auflöst, dass Geschlecht zum einen etwas Essentielles sein soll, das jemand fühlt („das richtige Geschlecht“), zum anderen etwas, wofür es gar keine objektiven Kriterien gibt, weshalb ja schon ein Sprechakt genügen soll, um unabhängig von der Körperbeschaffenheit von einem Geschlecht zum anderen und wieder zurück zu wechseln. Auch nicht den nächsten Widerspruch, dass es immer um den Wechsel zwischen Geschlecht eins und zwei geht, „binäres Geschlechterverständnis“ aber für Lehmann und andere Anhänger dieser Lehre zu den Begriffen aus der menschenverachtenden Hölle gehört. Auch „nichtbinär“ bezieht sich ja begriffslogisch darauf; seine Definition lautet: weder Geschlecht eins noch zwei.

Die Journalistin der Zeit fragt Lehmann, ob er es – Stichwort Feminist, der seine Beauvoir gelesen hat – nicht als Problem sieht, dass biologische Männer, die sich als Frauen definieren, nach der Trans-Doktrin auch Zugang zu bisher geschützten Räumen für Frauen erhalten sollen, von Frauenumkleideräumen bis zu Frauensaunen und Frauengefängnissen.

„Es gibt inzwischen weltweit zwölf Länder mit einem Selbstbestimmungsgesetz. […] Diese schweren Missbrauchsfälle gibt es dort nicht. Ich würde mir wünschen, dass man das auch mal zur Kenntnis nimmt“, antwortet der Staatssekretär, der es offenbar vorzieht, selbst spektakuläre und bestens dokumentierte Fälle dieser Art nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Ein Fall aus den USA wurde dort landesweit bekannt, weil er dazu führte, dass 2021 die Gouverneurswahl in Virginia kippte. In der Loudoun County High School hatte ein Schüler, der sich als weiblich identifizierte, in der Mädchentoilette eine Schülerin sexuell missbraucht (später stellte sich heraus, das es sich um einen Wiederholungstäter handelte). Der Vater des Mädchens protestierte bei einem School Board Meeting am 22. Juni 2021 sehr laut und in einem nichtakademischen Vokabular gegen diesen Übergriff, aber vor allem gegen seine Vertuschung durch die Schulleitung. Darauf überwältigten ihn Sicherheitskräfte; Medien und Politiker der Demokraten stellten den Vater öffentlich als tobenden Trumpisten, Hillbilly, und Transgenderhasser an den Pranger.

Als dann erstens trotzdem durchsickerte, warum sich der Mann so erregt hatte, und zweitens, dass der Verantwortliche der Schule den Vorfall wider besseres Wissen abgestritten hatte, griff der Republikanische Gouverneurskandidat Glenn Youngkin die Affäre auf – und gewann die Wahl in dem Staat, der bis dahin als sicheres Terrain der Demokraten galt. (Der Jugendliche wurde inzwischen verurteilt.)
Ein anderer Fall in den USA ging ebenfalls durch viele Medien: Im April 2022 verurteilte ein New Yorker Gericht einen 33-jährigen Mann zu 7 Jahren Haft, der eine weibliche Identität angenommen und als Insasse der Frauengefängnisabteilung auf Rikers Island eine weibliche Gefangene vergewaltigt hatte.

Wobei Lehmann möglicherweise von diesen Fällen, die es angeblich nicht gibt, vielleicht doch schon gehört haben könnte, denn er fügt seiner Gibt-es-nicht-Feststellung an: „Und wenn doch Gewalt ausgeübt wird, gibt es das Strafrecht.“
Worauf die Interviewerin (die ihm leider die oben genannten Übergriffe oder andere Beispiele nicht vorhält) sagt:
„Das leider nicht mehr so richtig hilft, wenn man schon vergewaltigt wurde.“
Lehmann: „Deshalb braucht es mehr Schutzräume und Möglichkeiten für Frauen, damit sie etwa aus ihren toxischen Beziehungen ausbrechen können. Aber was hat das jetzt wieder mit trans Personen zu tun?“

Es hat vor allem mit systematischem oder besser systemischem Dummstellen zu tun. Es gibt diese Fälle also gar nicht, und deshalb brauchen Frauen Schutzräume, die aber nach der Doktrin wiederum jeder Person offenstehen müssen, die sich als Frau identifiziert. Denn alles andere wäre ja transphob.

Es folgt noch eine Steigerungsstufe. Niemand könne Vorteile dadurch ergattern, dass er das Geschlecht durch Sprechakt wechsle, meint Lehmann, und das vielleicht aus anderen als aus Gründen der gefühlten Identität.
Worauf ihm die Interviewerin vorhält, bei den Grünen könnte sich beispielsweise ein Mann per Sprechakt zur Frau erklären, um auf der Frauenliste der Wahlversammlung zu kandidieren. Der Parlamentarische Staatssekretär glaubt diesen Einwand mit leichtester Hand wegwischen zu können. Und ausgerechnet da schnappt die Logikfalle hart zu.

„Hier bekommt die Person doch nicht automatisch den Platz, nur weil sie dann einen weiblichen Geschlechtseintrag hat“, antwortet Lehmann: „Es gab den Fall einer Person, die einmal auf einer Grünen-Versammlung gesagt hat, sie sei eine Frau, obwohl es so nicht war. Sie wurde von der Versammlung nicht gewählt.“ Bei diesem „obwohl es so nicht war“ handelt es sich um die oben angekündigte kostbare Fundstelle, und sie verdient eine doppelte Goldeinrahmung.

Das Selbstbestimmungsgesetz, das Lehmann bewirbt, und der gesamte Begründungsapparat dahinter kennt ja nicht nur kein objektives ‘es ist nicht so’, sondern es verdammt grundsätzlich jede an irgendeiner Objektivität ausgerichtete Geschlechtsdefinition. Es stellt sogar unter Strafe zu behaupten, jemand habe ein anderes als das selbstgewählte Geschlecht. Es stimmt schon, wer sich als biologischer Mann in Zukunft nach dem Selbstbestimmungsgesetz beispielsweise per Sprechakt zur Frau erklärt, um auf einer grünen Frauenliste zu kandidieren, kann zwar seine Wahl nicht erzwingen – es sei denn, es gibt keine Kandidatin – aber er beziehungsweise nun sie könnte jeden vor Gericht zerren, der das selbstdefinierte Geschlecht anzweifelt.

Bei jeder Gelegenheit betont Lehmann ja – und mit ihm jeder andere Vertreter der neuen Geschlechterlehre – dass niemand anderes als die betreffende Person selbst ihr Geschlecht definieren darf. Das, was die Person subjektiv empfindet, muss objektiv gelten. Nicht nur für den Staat, sondern auch im Verhältnis zwischen Bürgern. Wohlgemerkt, es geht nicht nur darum, jemandem, der als biologischer Mann in einer Frauenrolle leben möchte oder umgekehrt, diese Rolle auch weitgehend zuzugestehen – da ist die Gesellschaft längst toleranter, als es Antidiskriminierungsbeauftragte berufsbedingt vermuten. Sondern der ideologische Kern der Doktrin verlangt, jemanden nicht nur in einer Rolle zu sehen – etwa als Mann, der weiblich leben will – sondern sie fordert die Unterwerfung unter den Glauben, diese Person sei tatsächlich eine biologische Frau wie andere biologische Frauen, die deshalb Zugang zu Frauenumkleiden erhalten, und, wenn sie straffällig werden sollte, im Frauengefängnis untergebracht werden muss.

An dieser kleinen Stelle führt der Politiker also neben den Kategorien männlich, weiblich und nichtbinär, für die es keine objektiven Maßstäbe gibt und laut Doktrin keine geben darf, eine zusätzliche Kategorie ein: Personen, bei denen er als Experte für Geschlechtstheologie befindet, dass sie eben doch ein anderes als das von ihnen gewählte Geschlecht haben. Natürlich war und ist der grüne Politiker, den Lehmann erwähnt, keine Frau. Genauso wenig wie andere biologische Männer, die sich zu Frauen erklären, und genau so wenig, wie es sich bei der amerikanischen Sportlerin Lia Thomas wirklich um eine Frau handelt, die ihren Vorstoß an die Weltranglistenspitze der Schwimmerinnen und damit auch ihre Nominierung für den NCAA Woman of the Year Award 2022 gerade der Tatsache verdankt, dass sie biologisch keine Frau ist.

Solange es nur um Geschlechtsrollen ging, gab es diese Konflikte nicht, die erst entstehen, seit eine Rolle, also eine Fiktion, auch ganz buchstäblich für materielle Wahrheit gehalten werden muss. Da unterlaufen selbst Leuten wie Lehmann, die meinen, die hätten ihren Katechismus im Griff, erstaunliche Fehler, die das gesamte Definitionsgebäude ins Wanken bringen.

Diese Ideologie produziert so viel Widersprüche, die sich nach eigenen Regeln nicht mehr auflösen lassen, dass der innere Druck das Gebilde erst einmal stark aufbläht, dann aber ab einem bestimmten Punkt – jeder kennt den Verlauf vom Luftballonaufblasen – die Stabilität seiner Hülle überreizt.
Der amerikanische Anthropologe Alfred Louis Kroeber prägte den Begriff Cultural Fatigue, kulturelle Erschöpfung für die Endzeit der polynesischen Tabu-Kultur, deren Speise-, Berührungs- und sonstigen Vorschriften im Laufe der Zeit so kompliziert, widersprüchlich kräfteraubend, kurzum: so unlebbar für die gesamte Gesellschaft geworden waren, dass der damalige König von Hawaii unter großer Zustimmung seiner Untertanen das gesamte Tabu-System 1819 abschaffte.

Dieser Erschöpfungspunkt steht auch dem neuen magischen Denksystem bevor, das sich geschickterweise mit dem Überwurf der Aufklärung und des Fortschritts tarnt.
Aber es steht zu befürchten, dass seine deutschen Hohepriester wieder einmal am längsten durchhalten.

 

II

In der Nähe liegt die Kraft

Viele klagen, sie könnten in Medien, den so genannten sozialen Netzwerken und besonders auf Twitter ernst gemeinte Bürgererziehung und deren Parodie nicht mehr auseinanderhalten. Überhaupt, das Parodieren werde immer schwerer, das Handwerk würde wie das Flickschustern und Kerzenziehen demnächst aussterben. Die Unbekannten hinter dem Twitter-Angebot QuarkDDR zeigen seit ein paar Wochen, dass es noch möglich ist, eine Fingerbreite Abstand zum Original zu halten: Sie gestalten die blauen Social-Media-Kacheln des WDR-Formats Quarks liebevoll nach, die Grafiken also, mit denen die Macher der öffentlich-rechtlichen Sendung Bürger zum korrekten Sprechen, Essen, Gehen, Liegen, Atmen und Medien zur angemessenen Besetzung von Talkshows anhalten. Schließlich ist man ja Fakten- und Wissenschaftsmagazin.

QuarkDDR fügt bei seinen Nachschöpfungen ein Minimum dazu. Allerdings so wenig, dass viele auf Twitter tatsächlich glauben, sie hätten das ARD-Original vor sich. Wie gesagt: für einen Parodisten liegt in der Nähe die Kraft.

Bemerkenswert an QuarkDDR und QuarksWDR ist zweierlei: Erstens kommt das erste Format ohne Gebühren aus. Zweitens findet es, obwohl brandneu, schon ein bemerkenswert großes Publikum. Dem Quarks-Twitteraccount des WDR, der seit Dezember 2013 existiert, folgen 80593 Nutzer, dem QuarkDDR-Twitterkonto, seit Juli 2022 aktiv, schon 24531, Stand 28. Juli.

 

III

Apokalypse und Höhepunkt

In Berlin traf ich den amerikanischen Autor Michael Shellenberger, dessen Buch „Apocalypse, Never!“ es seit einigen Monaten auch auf Deutsch gibt („Apokalypse, Niemals“, LMV). Darin entwirft der Autor, der zu den wichtigsten Vertretern des Ecomodernism zählt, ein Gegenbild zu dem Klimaalarmismus, der mit parareligiösen Weltuntergangsentwürfen einen radikalen Gesellschaftsumbau vorantreiben will. Ecomodernism heißt für ihn: den Klimaveränderungen können Menschen mit technischer Entwicklung begegnen, auch durch Anpassung, während eine Verteufelung von Wachstum und Industriegesellschaft nicht nur kein Umweltproblem löst, sondern zusätzlich ganz neue Krisen schaffen würde.

Für sein neuestes Buch „San Fransicko. Why Progressives Ruin Cities“ gibt es noch keine deutsche Übersetzung. Es beschreibt beispielhaft den Niedergang von Shellenbergers Heimatstadt San Francisco: Der Distriktstaatsanwalt setzte dort durch, dass Diebstähle unter 950 Dollar faktisch nicht mehr zu Haftstrafen führten, auch nicht im zigfachen Wiederholungsfall, die Stadtverwaltung tolerierte eine offene Drogenszene nicht nur, sondern errichtete mitten in der Stadt ganze Zeltdörfer für die oft psychisch zerrütteten Abhängigen (ohne ihnen aber ansonsten wirklich brauchbare Hilfe zukommen zu lassen). Dem städtischen School Bord war es während der Corona-Zeit wichtiger, gegen angeblich überall lauernde White Supremacy in der amerikanischen Hauptstadt des Wokeismus zu kämpfen, als die Schulen endlich wieder zu öffnen.

Dann geschah allerdings etwas Unerwartetes: Eine Mehrheit der Bürger in der mehrheitlich linken Metropole wählte den Distriktanwalt und die drei radikalsten Mitglieder des School Board ab. Auf die Frage, ob das der peak woke war, also der Höhepunkt des Prinzips Problemmaximierung, sagt Shellenberger: „Ja, die Abwahl war der peak woke in den USA.“ Von jetzt an werde der Einfluss der Erweckungsideologie – die er eher als religionsähnliches System sieht – wieder zurückgehen. Allerdings nur sehr langsam. „Sie haben Jahre für den Aufstieg gebraucht. Auch der Abstieg wird sich über Jahre hinziehen.“

 

IV

Es ist kein Trick. Es ist Deutschland

Vor etwa acht Jahren erzählte mir ein Bundestagsabgeordneter (mittlerweile in Ruhestand), bei Gesprächen mit chinesischen Politikern würde er regelmäßig auf starkes Misstrauen stoßen, wenn es um Deutschlands Energiewende gehe. Viele chinesische Vertreter, so der Abgeordnete, seien mit den technischen Schritten der Deutschen hin zu einer Stromversorgung hauptsächlich durch Wind und Sonne und ohne Kernkraft gut vertraut gewesen. Seine Gesprächspartner, so der Deutsche, hätten aber einen geheimen Plan hinter dem Vorhaben vermutet, irgendeine sehr schlau eingefädelte Täuschung, die sie, die Chinesen, einfach noch nicht durchschauten. Es wollte ihnen einfach nicht in den Kopf, wie ein Industrieland mit einem Zwei-Prozent-Anteil am weltweiten menschengemachten CO2-Ausstoß sich gerade daranmachte, seine sichere und kostengünstige Energieversorgung durch ein teures wetterabhängiges System zu ersetzen, von dem jeder Ingenieur wusste, dass es niemals genügend Strom liefern würde.
Und nicht irgendein Industrieland, sondern die Nation, die damals in Fernost als Muster an Rationalität und Effizienz schlechthin galt. Irgendetwas ganz Entscheidendes im Hintergrund glaubten die Partner in Peking also übersehen zu haben. Die Beteuerung des Deutschen, es gebe da nichts hinter der Kulisse, und das sei ja gerade das Problem, stachelte ihren Argwohn nur noch mehr an.

Diese Geschichte erzählte ich in diesem Jahr einem Wissenschaftler, der enge berufliche Kontakte zu chinesischen Kollegen pflegt.
Ja, sagte er, diese misstrauischen Fragen, was denn in Wirklichkeit hinter der deutschen Politik stecke, kenne er auch. Allerdings nur von früher.
„Heute“, sagte er, „wissen die, dass es keinen raffinierten Plan dahinter gibt. Sie wissen Bescheid.“

Damit unterscheiden sie sich von immer noch nicht ganz wenigen in Deutschland selbst, die darauf warten, dass der große Plan, der große Trick – es handelt sich ja um Synonyme – sich noch zeigt beziehungsweise beweist. Auch dieses Warten kann übrigens mit kultureller Erschöpfung enden. Auch mit dem Gefühl, zwischen Original und Parodie eingeklemmt zu sein. Aber eine nennenswerte Zahl von Menschen gerade mit formal hohen Bildungsabschlüssen überhaupt dorthin gebracht zu haben und erst einmal in dieser Warteposition zu halten: Das spricht vermutlich für den größten Trick aller Zeiten.

 

 

 


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12 Kommentare
  • Jürgen
    29. Juli, 2022

    Glückwunsch – eine fantastische Ergänzung zu den bisherigen Ausgaben. Helfen diese doch, unseren “woken” und ach so modernen Politikern und Medien die verlogene Maske vom Gesicht zu ziehen. Weiter so!

    • Immo Sennewald
      30. Juli, 2022

      Ein grandioser Sommersonntag – die Philharmonische Parknacht in Badebade soll ihn krönen – hat mit diesem witzigen Artikel schon ein erstes Highlight. Nur weiter!

  • A. Iehsenhain
    29. Juli, 2022

    Ein lesenswertes “Flusensieb”, dessen Titelbild mich ein wenig an einen der Vorspanne von “Monty Pythons flying circus” erinnert. Während dem Lesen hatte ich “The dream police” von Cheap Trick im Ohr…

    • Albert Schultheis
      29. Juli, 2022

      Die Lösung könnte so einfach sein! Jeder soll wählen können, was er sein will – aber sorry! Die Begriffe “männlich” und “weiblich” sind älter als ein etwas einfältiger aber zudringlicher Herr Lehmann, sie sind wahrscheinlich seit über 100.000 Jahren in der menschlichen Sprache genau so verankert, wie sie auch die Biologie ( es gibt dafür keine andere Wissenschaft, die zuständig wäre) versteht, binär, festgeschrieben durch einen unveränderlichen Chromosomensatz.
      Wenn nun ein Sven daherkommt und meint, er sei ab jetzt eine Svenja, dann ist das meinetwegen seine Sache. Aber niemals wird aus dieser Svenja eine Frau – auch wenn er/sie/es das noch so sehr beteuern mag. Svenja darf sich gerne einen neuen Phantasienamen ausdenken für das, was sie dann ist, aber sorry, der Begriff “Frau” ist bereits vergeben. Also bitteschön “divers”, oder “trans*”, auch mit mehreren Sternchen, oder “viral”, auch gerne mit großem Anfangsbuchstaben, aber definitiv “Frau”, Nein! Die Frage entsteht dabei, wie diese neue Kategorie zu benennen wäre – die Kategorie “Geschlecht” ist dafür leider ebenso bereits belegt. Plöt! Wie wär’s
      mit “Aura” als neue Kategorie, oder “Chimära”? Ja, es gibt nun mal Gefängnisse, Schutzräume und Sportarten, die sind nun mal Frauen vorbehalten – die Eignung dafür, kann jedes Kind ab 5 Jahren feststellen und richtig benennen. Bei den Kategorien “Aura” oder “Chimära” ist das durchaus sehr viel komplexer. Da braucht es neue “Experten” vom Schlage eines Sven Lehmann, die dafür zu Rate zu ziehen wären. Das wäre doch durchaus ein sinnvoller Lebensinhalt, der sicherlich ein gutgehendes Auskommen garantieren würde für jemanden, der ansonsten nicht so recht weiß, wo er sein Ei hinlegen sollte.

  • Rolf
    29. Juli, 2022

    super, danke!!

  • Oskar Krempl
    29. Juli, 2022

    Ach Herr Wendt, so viel Eloquenz und sprachliche Eleganz und der öffentliche Veitstanz wird trotzdem immer ärger. Ihr Wirken hätte es verdient zumindest in einer “Chronik des Untergangs” zusammengefaßt zu werden.

  • S.Hildenbrand
    29. Juli, 2022

    Diese Genderei driftet immer mehr ins Bizarre ab (Assoziationen zu Monty Python halte ich für berechtigt).
    Speziell die Sprech-Akt-Nummer müsste doch logischerweise auf jede (Neu)Definition meiner selbst abgewandt werden. Wenn ich z.B. nicht so auf Mann/Frau/Geschlecht fixiert wäre sondern mich eher einer anderen Lebensform zuordnen würde (wahllose Beispiele: Gänseblümchen/Tüpfelhyäne/BGesundheitsminister etc.) sollte das doch genauso funktionieren, oder nicht?
    Ich sage dann z.B. ich bin ab heute eine Tüpfelhyäne (also psychisch) und wer das bezweifelt, den zeige ich an.
    ?
    Des weiteren habe ich
    ” Ich bin selber Feminist und habe auch Beauvoir gelesen” von S.Lehmann
    nicht verstanden – war das ein Argument?
    Also jede Menge Flusen sausen hier herum – super:))

  • Thomas
    30. Juli, 2022

    Moderne Zeiten
    oder: Vorwärts immer

    Dem ist mit Logik nicht mehr beizukommen:

    *Das, was die Person subjektiv empfindet, muss objektiv gelten.*

    Das stimmt – so soll es heute sein.
    Das ist modern. Und das gilt heute nicht nur für das eigene Geschlecht, es soll auch für den „Kampf gegen rechts“ gelten, den „Kampf gegen Kapitalismus“ oder den „Kampf gegen die Katholische Kirche“. Wehe dem, der subjektiv anders empfindet, als die Vielfaltspinsel. Dann fährt die zeitgenössische „Toleranz“ aber ihre Krallen aus, daß es im Grundgesetz nur so raucht.

    *Solange es nur um Geschlechtsrollen ging, gab es diese Konflikte nicht, die erst entstehen, seit eine Rolle, also eine Fiktion, auch ganz buchstäblich für materielle Wahrheit gehalten werden muss. Da unterlaufen selbst Leuten wie Lehmann, die meinen, die hätten ihren Katechismus im Griff, erstaunliche Fehler, die das gesamte Definitionsgebäude ins Wanken bringen.*

    Aber nein, dieser Komplex ist doppelt und dreifach abgesichert. Mit Queerverweisen und subjektiver Logik vollgestopft und “queerwissenschaftlich” unterfüttert. Wahr ist in diesem Komplex das, was wahr sein soll. Da wankt gar nichts. Und das ist ja nur der Anfang. Beispielsweise wurde mit der Einführung der „Ehe für Alle“ mittelfristig die Monogamie abgeschafft:

    „Was haben Sie vor?

    Ich nenne drei beispielhafte Vorhaben. Wenn ein Kind in eine Ehe zweier Frauen geboren wird, hat es rechtlich nur einen Elternteil, das ist eine enorme Benachteiligung. Wir werden deshalb lesbische Mütter mit heterosexuellen Paaren beim Abstammungsrecht gleichstellen. Zudem wollen wir Mehrelternschaften rechtlich absichern und Verantwortungsgemeinschaften einführen. Damit können auch Menschen ohne Kinder rechtlich Verantwortung füreinander übernehmen – zwei verwitwete Frauen etwa oder der schwule Mann mit zwei queeren Freun­d:in­nen zum Beispiel. Das Transsexuellengesetz schließlich führt zu einer Fremdbestimmung trans geschlechtlicher Menschen. Sie müssen bisher psychiatrische Gutachten vorlegen, nur um in dem Geschlecht anerkannt zu werden, mit dem sie sich identifizieren. Das ist diskriminierend, das widerspricht der Würde des Menschen, und das müssen wir überwinden.“
    https://taz.de/Queerbeauftragter-ueber-Diversitaet/!5827363/

    Das wird ja nicht einmal mehr offen debattiert. Übrigens wurde der Herr Habeck bei einem dieser „Bürgerdialoge“ kürzlich in Bayreuth von einem Ingenieur gefragt, was dieser seinem Schwiegervater sagen soll, der gerade erst in eine neue Ölheizung investiert habe. Habeck reagiert kühl und trocken: „Er ist falsch beraten worden.“
    https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2022/habeck-bei-buergerdialog-ausgepfiffen-und-niedergeschrien/

    Nach meinem Dafürhalten haben sich viel zu viele Queerdenker in Politik und Gesellschaft längst einen ausgewachsenen Vogel angeraucht oder -geschnupft. Dem könnten die Leute im Lande nur über den freien Austausch von Meinungen und freie Wahlen beikommen. Aber wie kämen denn die Leute heute noch dazu, Pack, Spinner, Arsc..öcher und Idioten zu wählen. Also kommt das Fernsehvolk eben aus der Schule oder aus dem Stadion
    https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2022/dfb-klimawandel/
    und wählt selbstverständlich die Grünen (lach). „Falsch beraten worden“. Einer dieser Treppenwitze der Geschichte.

  • Michael Grieme
    31. Juli, 2022

    Der “größte Trick aller Zeiten” besteht genau darin, dass es bei der sog. “Klimapolitik” keineswegs ums Klima geht, sondern ums Geld. Diese Erkenntnis droht zumindest denen, die sich mal mit den Details beschäftigen.

  • Jochen Schmidt
    1. August, 2022

    Oben in Text IV heißt es am Ende:

    “… eine nennenswerte Zahl von Menschen gerade mit formal hohen Bildungsabschlüssen überhaupt dorthin gebracht zu haben [ nämlich die deutsche Energiewende zu befürworten und große Hoffnungen in sie zu setzen ] und erst einmal in dieser Warteposition zu halten: Das spricht vermutlich für den größten Trick aller Zeiten.”

    Hierzu möchten ich anregen, den obigen Hinweis von Michael Shellenberger zu einem “religionsähnlichem System” Ernst zu nehmen. Aus vielen Religionen ist bekannt, dass sie Lehrsätze beinhalten, die besonders unplausibel sind, im Christentum bspw. die Rede von der Dreifaltigkeit und von der unbeflekten Empfängnis. Der “Trick” solcher Absurditäten scheint darin zu bestehen, dass sie den Gläubigen ein echtes “commitment” abverlangen, so dass die Gläubigen auf die jeweilige Religion nachhaltig eingeschworen werden. Zudem ermöglichen derartige Lehrsätze eine leichte Erkennbarkeit von Leuten, die nicht zur religiösen Gemeinschaft gehören: nämlich all jene Leute, die den “common sense” höher gewichten als die entsprechenden Lehrsätze. Diese Leute kann man dann leicht stigmatisieren und so die Gläubigen um so fester an die eigene Gemeinschaft binden (Angst vor Statusverlust, sozialer Isolation usw.)

    Bei dem Glauben an den Klimawandel und an die Energiewende verhält es sich ähnlich. Es handelt sich hierbei um ein religionsartiges Glaubenssystem, das ebenfalls mit unplausiblen Lehrsätzen arbeitet. Dabei geht die Stigmatisierung anders Denkender soweit, dass man bspw. die Position des Politikers Armin Laschet als “sehr weit rechts” kritisiert hat (Kommentar in “Tagesthemen” von ARD, Sommer 2021). Zuvor hatte Laschet eine kompromislose Klima-Politik abgelehnt, weil man auch die Interessen von Arbeitnehmern berücksichtigen müsse.

    Im angelsächsischen Kulturkreis gibt es übrigens die Konzepte der “civil religion” und der “political religion”. Derartige Religionen sind nicht theistisch, ähneln aber Gottes-Religionen in anderen Aspekten sehr stark. Auch bei dem Glauben an den Klimawandel und an die Energiewende handelt es sich um eine solche “political religion”. Die Frage bleibt dann natürlich, warum diese Religion für “Menschen gerade mit formal hohen Bildungsabschlüssen” so attraktiv ist, obwohl viele ihrer unplausiblen Lehrsätze schon hundertfach widerlegt worden sind.

    • Thomas
      3. August, 2022

      Im Spannungsfeld von Utilitarismus und Deontologie

      – Aus vielen Religionen ist bekannt, dass sie Lehrsätze beinhalten, die besonders unplausibel sind, im Christentum bspw. die Rede von der Dreifaltigkeit und von der unbeflekten Empfängnis.

      Es heißt unbefleckt. Und etwas Unbeflecktes ist nicht unbedingt unplausibel. Außerdem sind die Schritte von der Einfalt zur Zweifalt und Dreifalt bis hin zur Vielfalt ja sogar hochmodern – bei „Brahma, Vishnu und Shiva“. 🙂
      Über die Jahrhunderte gewachsen, mag bei uns Katholiken manche Gewohnheit heute schrullige Züge haben, auch die Reform des Judentums war ja nun wirklich keine einfache Sache. Aber so ganz unplausibel ist es nach meinem Dafürhalten nun auch wieder nicht.
      Bei uns Katholiken wurde die Trinitätslehre in der 11. Synode von Toledo 675 als Dogma formuliert, im 4. Laterankonzil 1215 bestätigt und danach nie Frage gestellt. Die unbefleckte Empfängnis von Mutter Maria hat etwas mit der Erbsünde zu tun, zuletzt verkündete Pius IX. 1854 das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens (Conceptio immaculata). Dreifaltigkeit und unbefleckte Empfängnis sind Dogmen der Katholischen Kirche.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Trinit%C3%A4t
      https://de.wikipedia.org/wiki/Unbefleckte_Empf%C3%A4ngnis

      – Der “Trick” solcher Absurditäten scheint darin zu bestehen, dass sie den Gläubigen ein echtes “commitment” abverlangen, so dass die Gläubigen auf die jeweilige Religion nachhaltig eingeschworen werden.

      Man wächst da rein, das stimmt.
      Natürlich macht Religion Sinn, meine ich. Sonst gäbe es keine. Der „Trick“ solcher Absurditäten besteht nach meinem Dafürhalten darin, daß so etwas mit einer gewissen Glaubensgewissheit einhergeht, die einem Menschen im Gemüt und im Zusammenleben gut tut – eine Glaubensgewissheit, die auch der Gruppe im Allgemeinen gut tut. Man kann natürlich auch zum Psychologen gehen oder zum Kegeln, man kann ein Instrument spielen lernen, Kinder in die Welt setzen, ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, … oder man kann Globulis, Cannabis, Cognac oder Klangschalen benutzen, … das Klima retten, …

      – Die Frage bleibt dann natürlich, warum diese Religion für “Menschen gerade mit formal hohen Bildungsabschlüssen” so attraktiv ist, obwohl viele ihrer unplausiblen Lehrsätze schon hundertfach widerlegt worden sind.

      Auf welche Weise gewisse Expertengruppen gewisse Fake News und Desinformation „widerlegen“, ist ja durchaus bekannt. Im Grunde kommt man da wieder bei den Glaubensgewissheiten von Religionen an, meine ich. Die gibt es natürlich auch im der Zivilreligion „Grünfaschismus“. Und daß dort, in einem System jenseits der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland, die Chancen für “Menschen gerade mit formal hohen Bildungsabschlüssen” attraktiver sind, als beispielsweise die Chancen für einfacher strukturierte Gemüter auf der „Baustelle Bundesrepublik“ oder an der Kasse im Supermarkt (noch), das liegt in der Natur der Sache. Moderne Zeiten eben. So mancher frischgebackene „Bachelor“ wird sich da im Gespräch mit der BfA noch sehr wundern.

      Mit freundlichen Grüßen
      Thomas

  • Werner Bläser
    1. August, 2022

    Dieses Flusensieb verbreitet in mir aufwallende Glücksgefühle. Denn es zeigt doch ganz klar eines: Die Grünsekte hat Recht – wir leben in einer Endzeit und treiben auf eine Katastrophe zu.
    Allerdings etwas anders, als die Gretas und Luisas sich das vorstellen. Wir treten in einen Grad der intellektuellen Dekadenz ein, der eigentlich nur noch als tröstlich wahrgenommen werden kann: Denn dass es auf diese Weise viel weitergeht, ist kaum vorstellbar. Irgendwo lässt sich selbst abgrundtiefe Dummheit nicht mehr steigern und muss sich letztlich selbst schlagen.
    In den USA ist es schon soweit. Die Abwahl von District Attorney Chesa Boudin (der übrigens aus einer Terroristenfamilie stammt) ist nur ein kleines Zeichen.
    Der fast schon legendäre Wahlkampfstratege der Demokraten, James Carville (“It’s the economy, stupid!”) stellt schon seit etwa zwei Jahren fest, dass der Woke-Flügel der Demokraten mehr und mehr bröckelt (siehe z.B. Carville, “Wokeness is a problem and we all know it”, ‘Vox’, 27.4.21; P. Norman, “Democrats need to face down the woke”, ‘WSJ’, 11.11.21; Th. Edsall, “Is wokeness ‘kryptonite’ for Democrats?”, ‘NYT’ 26.5.21 [das fiktive “Kryptonit” ist eine der wenigen Schwachstellen von “Superman”]; N. Stanage, “The memo: Democrats go to war over wokeness”, ‘The Hill’, 11.6.21).

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