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Das sollten Sie jetzt wirklich wissen: alles über Sylt und das Richtige über Mannheim

Besser als durch die fast parallelen Fälle von Nordsee-Suffgesang und Messerterror lässt sich der politmediale Betrieb nicht illustrieren: Da werden die Informationskanäle druckbefüllt, dort tröpfelt nur Gefiltertes heraus. Und führende Journalisten meinen: Genau in dieser Steuerung besteht ihre Aufgabe

Wer nicht weiß, was auf der „Republica“ in Berlin passiert, muss sich keine Sorgen über seine Alltagstauglichkeit machen. Die Veranstaltung schreibt sich re:publica, was sofort bedeutender klingt, sie findet seit 2007 statt und anfangs, so heißt es, soll sie noch einen Hauch des Subversiven besessen haben, subversiver noch als der Hahnenkamm von Mitgründer Sascha Lobo.

Seit Jahren dient die von mehreren Bundesministerien mitfinanzierte Sause dem Austausch zwischen Regierungspolitikern und Angehörigen des erweiterten Medienbetriebs, zu denen Tom Buhrow gehört, die einen oder anderen Digital-Irgendwas-Unternehmer, eine Auswahl der schätzungsweise 40 Millionen deutschsprachigen Podcastanbieter, außerdem die Transformatorin Maja Göpel, die in Berlin über „Wackelzeit, Waschmaschinenzeit“ unter dem Titel „Lost in Ego-Fixation“ sprach. Einen Ghost speaker, also eine Entsprechung des Ghost writers, der bei Göpels Schrifttum immer noch einmal sanft über die Sätze hobelt, gibt es bisher nicht. Das Problem löst sich vermutlich erst durch den Fortschritt der künstlichen Intelligenz.

Es kommen also diejenigen unter einem großen Dach zusammen, die sich das ganze Jahr über in Berlin kleingruppenweise treffen. Die Republica-Ausgabe für 2024 trug den Titel „Who Cares?“, zu Deutsch also: ‚Wen schert’s?‘ So lautet jedenfalls die treffendste Übersetzung, denn die Beteiligten wollen auch ausdrücklich unter sich tagen, um über Waschmaschinenzeit, Medien und Transformation nachzudenken. Sie sprechen nicht zu einem Publikum draußen, obwohl es öffentliche Videos aller Auftritte gibt, sondern untereinander in einer Art erweiterter Wohnzimmeratmosphäre. In diesem intimen Raum jedenfalls hielt Tilo Jung, ein Verfertiger von Videointerviews, als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion einen Monolog über den Zweck von Journalismus. Es sei nicht die Aufgabe von Journalismus, so Jung, die Bürger „über Themen zu informieren, über die sie informiert werden wollen“. Als Beispiel nannte er Migration, verbunden mit dem Hinweis: „Es ist nicht unsere Aufgabe, das abzubilden“. Vielmehr habe zu gelten: „Journalisten informieren über das, worüber die Bevölkerung informiert werden soll.“

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Für ihn steht es also außer Frage, dass ein Gremium existiert, wie informell auch immer, das diese Festlegung trifft. An einer anderen Stelle kurz heißt es bei ihm: „was die Bevölkerung wissen soll“. Das geht noch ein bisschen über ‚informiert‘ hinaus. Was die Leute hören und sehen sollen, so seine Ausführung, soll als Wissen möglichst unverändert in ihr Bewusstsein übergehen. Nun fällt Jung dadurch auf, dass er in der Bundespressekonferenz ab und an andere Fragen stellt als andere Journalisten, die sich die Möglichkeiten offenhalten möchten, auf die andere Seite des Tisches zu wechseln, wie es in der Branche heißt. Er besetzt also innerhalb des Berlin-Mitte-Konglomerats eine gewisse Sonderstellung und diese Position führt höchstwahrscheinlich auch dazu, dass er ausspricht, was die meisten seiner Kollegen denken und in ihrer Arbeit längst praktisch verwirklichen, aber nicht diskutieren. Denn darin liegt der eigentliche Punkt: Niemand auf der Republica-Bühne will ihm widersprechen. Es gibt nur eine ignorierte Zwischenruferin, die wissen will: „Wer legt das fest?“ – also den Kanon dessen, was die Leute draußen hören und sehen sollen. Jeder im Saal weiß, dass Jung aus der Mitte ihres Milieus spricht und das nicht nur in dieser einen Passage. Auch seine Feststellung, jeder, der meint, es gäbe mit dieser Art von Migration in Europa ein Problem, befände sich schon deshalb auf der rechten Seite, dürften fast einhundert Prozent in diesem Saal teilen.

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Wenn Qualitätsjournalisten es als ihre Aufgabe sehen, über das zu informieren, was das Publikum wissen soll, verflüchtigt sich ganz automatisch die Trennlinie zwischen ihrem Gebiet und professionellen Meinungsbildnern, deren Aufgabe ganz offiziell darin besteht, bestimmte Ansichten und Informationshappen in die Öffentlichkeit zu bringen und andere strikt herauszuhalten – also zu PR-Kräften von Regierung, Parteien und Unternehmen. Wie diese Gleichrichtung der beiden Gruppen, die in einer offenen Gesellschaft eigentlich Positionen von institutionellen Gegenspielern besetzen sollten, schon den Medien-Blob-Blob prägt, fällt erst auf, sobald sich jemand ausnahmsweise nicht an dieses Prinzip von Wissensollen hält. Dazu gab es vor wenigen Tagen einen anderen Videoschnipsel mit hohem Erklärwert, der eine Antwort von Regierungssprecher Steffen Hebestreit während des „Talk im Tipi“ zeigt, einer von mehreren Veranstaltungen zum 75. Jahrestag der Grundgesetzverabschiedung. Dort erzählt er nach einer entsprechenden Frage aus dem Auditorium, warum er 2020 – damals noch als Sprecher des Bundesfinanzministers Olaf Scholz – einen Journalisten, der etwas zu Scholz‘ Verwicklung in die Cum Ex-Affäre wissen wollte, mit körperlichem Einsatz beiseitedrängte. Diese Übung beherrscht der fast zwei Meter große Hebestreit übrigens ganz passabel.

Der heutige Regierungssprecher erklärte im besagten Tipi, es habe sich um keine abgesprochene Frage gehandelt, beziehungsweise: nicht die abgesprochene Frage.

Interessanterweise verriet er auch, wie denn die abgesprochene Frage lautete, bei der es sich seinen Ausführungen nach gar nicht um eine echte Frage handelte, sondern um ein Stichwort, auf das Scholz etwas zur Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten sagen sollte. Statt also nach etwas zu fragen, was die ARD-Zuschauer wissen sollten (wie denkt der Vizekanzler über die rückgängigzumachende Kemmerich-Wahl?) benutzte der Panorama-Mitarbeiter die Gelegenheit, nach etwas zu fragen, was tatsächlich eine nicht ganz kleine Zahl von Bürgern gern wissen wollte.

Hebestreit konnte auch im Mai 2024 nichts Verkehrtes daran finden, den Reporter mitten im Satz abzuwürgen. Er begründete das mit der Feststellung: „So arbeiten wir eigentlich nicht miteinander“ – also die Politik und das Medienkorps. Wenn es einen Satz von Hebestreit gibt, der sofort aus sich heraus völlig glaubwürdig wirkt, dann dieser. Die Wortmeldungen von Jung und Hebestreit stammen nicht nur aus der gleichen Sphäre. Sie zeigen auch den wirklichen Strukturwandel der Öffentlichkeit.

Vor zehn, selbst fünf Jahren betonten die meisten Journalisten noch, sie würden sich selbstverständlich zum einen nach dem Informationsinteresse des Publikums richten und zum anderen danach streben, alle relevanten Vorgänge im Land und aus der Welt abzubilden. Idealerweise falle beides sowieso zusammen. Und noch vor einem Jahrzehnt galt es als üblich, dass Reporter impertinente Fragen wenigstens aussprechen konnten, bevor ein Politiker ihnen eine Nichtantwort gab. Vor allem hielt die Branche es für ausgesprochen ungut, von abgesprochenen Fragen zu sprechen, obwohl es so etwas natürlich schon immer gab. Aber es bestand eine Einigkeit darüber, so etwas nicht vor Zuhörern auszubreiten.

Gegen mehr Klarheit spricht natürlich nichts. Und nie lag die Dialektik zwischen dem, was die Öffentlichkeit falscherweise wissen will, und dem, was sie wissen soll und folglich auch bekommt, so deutlich zutage wie in den vergangenen zehn Tagen, als Leser, Zuhörer und Zuschauer nicht nur alles über ein halbes Dutzend junge Ausländer-raus-singende Leute auf Sylt erfahren konnten, sondern auch mussten, falls sie die unter Hochdruck befüllten Medienkanäle nicht von sich aus gemieden hatten. Im Fall des Anschlags auf den Politiker und Publizisten Michael Stürzenberger und Mitglieder seiner Bewegung durch einen afghanischen Islamisten, der einen Polizisten tötete und fünf Menschen mit dem Messer verletzte, bedienten Medien- und Politikvertreter die Öffentlichkeit nicht ganz so umfassend. Denn hier handelte es sich um exakt die nachrangige und niedere Wissensgier, der Journalisten Republica-Jung zufolge am besten überhaupt nicht nachgeben sollten.

Was sich auf Sylt abspielte, gehört in die Abteilung der Internet-Memes, die sich analog ausbreiten: Schon vor etlichen Monaten verbreitete sich eine Videoaufnahme aus einer ostdeutschen Großraumdisco, die Besucher zeigt, wie sie zu dem Discohit von Gigi D’Agostino „L’Amour Toujours“ „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ grölen. Dass sie das zu dem Döp-dödö-döp-Rhythmus eines Songs tun, dessen Titel immer nur Liebe verspricht, wirkte so grotesk und gleichzeitig als authentische Bestätigung aller Vorstellungen von der Prollprovinz, dass es sich flott verbreitete, ohne dass es für einen einzigen Redakteur der Süddeutschen oder des WDR die Relevanzschwelle überschritten hätte. Das passierte erst, als Vertreter aus dem Milieu junge Erben im „Pony“ auf Sylt es witzig und noch ein bisschen grotesker fanden, die Ostprolls nachzuspielen, dazu Prosecco zu trinken und sich gegenseitig mit ihren iPhones zu filmen. Natürlich hält das kein zurechnungsfähiger Mensch für einen Intelligenzbeweis. Aber die Döp-Parole fällt nicht unter strafbare Äußerungen nach Paragraf 130 StGB. Und sie stellte so wenig eine Ankündigung dar, wirklich Ausländer zu vertreiben, wie ‚Wir -haben-Platz‘-Transparentaufhänger ernsthaft anbieten, Migranten in ihrer Wohnung einzuquartieren.

Bekanntlich verlief die politisch-mediale Behandlung von Döp-dödö-döp auf Sylt etwas breiter, als es diese schmale faktische Basis nahegelegt hätte. Deshalb hier nur die Auswahl einiger Höhepunkte im Schnelldurchlauf: Nicht nur die Meldung von der „Resurrektion des Führers“ (Botho Strauß) an der Nordsee schaffte es in die Tagesschau, sondern auch die Mitteilung, zwei Personen hätten die gleiche Zeile beim Bergkirchweihfest irgendwo in Süddeutschland gesungen. Der WDR sendete das Video vom Ungeheuerlichen auf Sylt, ohne die Personen zu verpixeln, ein Bundestagsabgeordneter der SPD verschickte das unverpixelte Foto einer Beteiligten unter Nennung ihres Namens. Dass die betreffenden Leute aus dem „Pony“ im Netz mit Bedrohungen bombardiert wurden (und außerdem noch Leute, die ihnen ähnelten oder ähnlich hießen), dass zwei ihre Arbeit verloren und eine Studentin Hausverbot an ihrer Hochschule bekam, fanden die allermeisten Medienschaffenden, der CDU-Hinterbänkler Armin Laschet und noch ein paar andere Mitglieder des Ankläger- , Richter- und Vollstreckerkommandos nicht nur nicht problematisch, sondern ausdrücklich vorbildhaft für kommende (selbstverständlich gleichgelagerte) Fälle.

Zu dem, was die Nachrichtenkonsumenten ausdrücklich wissen sollten, gehörte auch immer der Hinweis „der Staatsschutz ermittelt“. Kein in die Aburteilung verwickelter Journalist fragte wenigstens der Form halber: weswegen eigentlich? Allenfalls ließe sich eine Anklage wegen Verstoßes gegen Paragraf 86a StGB gegen den einen jungen Mann mit übergeworfenem Pullover herbeibiegen, der seinen Arm ausstreckte und dabei seine Hand auf und ab wackeln ließ, der also einen Nazi spielte. Aber auch hier gibt es nichts zu ermitteln, sondern nur rechtlich zu bewerten, und diese Aufgabe liegt bei der Staatsanwaltschaft, nicht bei der Polizei. Der WDR begründete sogar schriftlich, warum er etwaige Persönlichkeitsrechte der Döp-dödö-Meute gar nicht erst diskutieren wollte. Bei der Grölerei des halben Dutzend im „Pony“, teilte die Redaktion mit, handle es sich erstens um ein „zeitgeschichtliches Ereignis“; außerdem hätten sich die jungen Leute, die dort mit Aperol Zeitgeschichte schrieben, „in eine zumindest halb-öffentliche Lage gebracht“.

„Zumindest halb-öffentlich“; man sieht, es entstehen völlig neue Rechtsbegriffe, so, dass ein Carl Schmitt der Gegenwart schreiben könnte: Der WDR schützt das Recht.
Der Stern widmete seine Titelgeschichte komplett den „Champagner-Nazis“; die Chance, kurz nach dem Spiegel ebenfalls ein Hakenkreuz auf die Frontseite zu packen, konnte die Redaktion unmöglich verstreichen lassen.

An dem nervösen und gleichzeitig süffisanten Grienen des Stern-Chefredakteurs lässt sich ablesen, dass er selbst nicht eine Sekunde lang an den Blödsinn glaubt, auf Sylt wären echte Nazis erschienen und sein Blatt hätte „alarmierende Zustände in der Gesellschaft“ aufgedeckt. Es stellt noch nicht einmal einen alarmierenden Zustand dar, wenn ein Illustriertenchef die Sylt-Bagage mit dem Satz kurzschließt: „Wir haben uns nach den furchtbaren Verbrechen der Nazizeit darauf geeinigt, dass so etwas nie wieder möglich ist.“ Denn dafür besitzt der mittlerweile an RTL verramschte Titel längst nicht mehr das entsprechende Gewicht.
Die vorerst letzte Auffächerung von ‚Sylt – er ist wieder dö‘ veröffentlichte die Zeitung für Deutschland mit einer Betrachtung zum übergelegten Pullover, für den es jetzt auch keine Unschuldsvermutung mehr gibt.

‚Ins IV. Reich mit dem V-Ausschnitt’ wäre auch keine schlechte Überschrift gewesen, dazu noch ein Fragezeichen, das bildungsbürgerliche Halbironie anzeigt, also die deutsche Entsprechung von half wit, der Konstitution, mit der ein FAZ-Redakteur auch schon mal Israel von der Landkarte wünscht.

Der Sprung von Sylt nach Mannheim wirkt ein bisschen, als hätte sich hier jemand ein überdidaktisches Lehrstück über Doppeldenk, Gehirnkollektivismus und eben das Wissensollen vs. Wissenwollen inszeniert, korrekt in der Aussage, aber heillos übertrieben in seiner Machart. Als künstlerisches Abbild wirkt die Chose also völlig unglaubwürdig, als Realität geht sie gerade so durch. Die Besonderheit des Anschlags von Mannheim mit einem Toten und fünf teils Schwerverletzten liegt darin, dass hier von dem Zeitpunkt Minuten vor dem Angriff bis danach durchgehend eine Kamera mitlief. Wer will, kann alle Einzelheiten aus nächster Nähe betrachten.

Für den WDR, aber auch die Sächsische Zeitung und die meisten anderen Medien versteht es sich von selbst, den Angreifer vollständig zu verpixeln. Der WDR tut sogar noch mehr, er legt eine Blur-Schicht über die Szenerie.


Wenn ein Islamist zum ersten Mal in der Bundesrepublik einen Politiker zu erstechen versucht und einen Polizisten niedermetzelt, dann handelt es sich nach Ansicht des ARD-Senders um kein zeitgeschichtliches Ereignis, der Täter befindet sich auch nicht in einer selbst hergestellten Semiöffentlichkeit, sondern genießt vollsten Persönlichkeitsschutz. Überhaupt: Was heißt hier ‚islamistischer Täter‘? Ein herbeigerufener Experte der ARD warnt vor vorschnellen Schlüssen zu dem Motiv des 25-jährigen Afghanen, der mit dem Messer in der Hand auf einen prominenten Gegner des politischen Islam losstürmt. Bei der Tagesschau heißt das unhistorische Ereignis zunächst einmal „Vorfall“, ein Täter kommt nicht vor, auch keine Nennung des Opfers Michael Stürzenberger, obwohl dessen Name von Anfang an feststeht, und jeder auf dem frei verfügbaren Video sieht, dass der Messerschwinger zuerst auf ihn einsticht.

Auch in der Meldung während der Sendung heißt es „Vorfall“, andererseits weiß die Tagesschau-Redaktion sofort, dass es sich bei Stürzenbergers Leuten um eine „islamfeindliche Gruppe“ handelt, die, wie eine Reporterin vor Ort meldet, in Mannheim „vermeintliche Aufklärungsarbeit“ betrieben habe.

Medien und Politikvertreter ziehen an diesem Tag ihre Rahmen synchron und deckungsgleich. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lamya Kaddor schreibt auf X: „Stürzenberger ist ein bekannter ‚Islamkritiker‘, der durchaus Abwertendes und Hasserfülltes zum Islam kundtut.“

Abwertendes und von Mitgliedern der Religion als Hass Empfundenes zu verbreiten, fällt generell unter Meinungsfreiheit. Der Staat darf die Religionsausübung nicht einschränken, Bürger dagegen dürfen eine oder auch alle Glaubensrichtungen ablehnen, solange sie nicht zu Gewalt aufrufen. Und ob Stürzenberger tatsächlich den Islam in toto hasste oder ablehnte, dazu gleich mehr.

Von dem ebenfalls grünen Parlamentarier Konstantin von Notz heißt es auf X: „Meine ganze Solidarität gilt dem verletzten Polizeibeamten.“ Also ausdrücklich nicht Stürzenberger und den anderen vier Verletzten.

Staatsoberhaupt Frank-Walter Steinmeier, der sich vorher zur imaginären Nachfolge der Wannseekonferenz in Potsdam und zu dem Abend im „Pony” geäußert hatte („Die jüngsten Ereignisse, die wir gerade in einem Video aus einer Bar auf der Insel Sylt gesehen und gehört haben, verstärken diese Beunruhigung”), kommentierte den Anschlag von Mannheim aus dem Stehsatz: „Ich habe große Sorge angesichts der Verrohung der politischen Auseinandersetzung und der wachsenden Gewaltbereitschaft in unserem Land“. Das Attentat des Islamisten Sulaiman A. rückte er damit in den Bereich der politischen Auseinandersetzung. Das Wörtchen „Islamismus” bringt er nicht über seine präsidialen Lippen.

Ein scharfgestelltes Bild für die Öffentlichkeit gibt es erst dann, wenn es um Stürzenberger und seine „Bürgerbewegung Pax Europa“ geht. In diesem Fall gilt kein vielleicht und angeblich, eine ganze Reihe von Verlautbarungsorganen schreibt gleich direkt aus dem Dossier des bayerischen Verfassungsschutzes zur Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) ab. Die Notizen des Geheimdienstes zu den „islamfeindlichen Bestrebungen“ Stürzenbergers und seiner Bewegung lesen sich tatsächlich sehr interessant. Naive Zeitgenossen dachten möglicherweise bis jetzt, jeder könnte gegen eine Religion oder Religionen im Allgemeinen agitieren, so etwas fiele unter Meinungsfreiheit, solange es nicht in einen Aufruf zu strafbaren Handlungen mündet. Der lässt sich bei Stürzenberger aber nirgends finden. Der Nachrichtendienst wirft ihm stattdessen einen „verschwörungstheoretischen Ansatz“ vor, weil Stürzenbergers Bewegung über den „politischen Islam“ behaupte, er arbeite
„auf sämtlichen Ebenen in Gesellschaft und Politik daran […], ihrer auf weltliche Machtübernahme angelegten Ideologie zur Verbreitung und zunehmenden Einflussnahme zu verhelfen. Letztendlich mit dem Ziel Deutschland in ein islamisches Land zu verwandeln, in dem die Scharia herrscht.“

In einem Deutschland, in dem ein Verein unbehelligt die Errichtung eines Kalifats in der Bundesrepublik fordern kann, in dem eine Scharia-Befürworterin im Aufsichtsgremium des Hessischen Rundfunks und auch immer wieder in Talkshows sitzt, und in dem alle möglichen Gruppen mit Verbindungen bis hin zu den Muslimbrüdern sogar Geld aus der Schatulle von Lisa Paus‘ „Demokratie leben“-Programm abfassen, könnte man fast auf den Gedanken kommen, Stürzenberger liege gar nicht so falsch. In keinem der Medienbeiträge zu Mannheim kommt eine direkte Aussage Stürzenbergers vor. Es existiert eine Videoaufnahme seiner Bewegung, die ihn ganz zum Beginn der Veranstaltung in Mannheim zeigt. Er spricht in die Kamera und geht an aufgehängten Plakaten vorbei; auf einem steht der Satz, die BPE richte sich gegen den politischen Islam, nicht gegen einzelne Muslime. Das kann jemand natürlich für selbstverharmlosende Propaganda halten. Aber dafür müsste es überhaupt erst einmal gezeigt und erwähnt werden.

Es gibt noch ein anderes Detail, das in keinem Bericht zu Mannheim auftaucht. Und auch sonst so gut wie nirgends. Am 30. Mai fand eine Großkundgebung in der Hauptstadt der Republik statt, in der die Annahme, es gebe so etwas wie ein islamisches Machtstreben, amtlicherseits als Verschwörungstheorie gilt.

Der Betrachter sollte sich bitte nicht von der Szenerie täuschen lassen, es handelt sich nicht um ein Video aus Ramallah oder Sanaa, sondern es spielt auf dem Alexanderplatz in Berlinistan. Was der Redner Ahmad Tamim von der „Generation Islam“ dort vortrug, lässt sich durchaus als konkrete Vernichtungsdrohung gegen alle verstehen, die sich auf die Seite Israels stellen (was Stürzenberger und seine Bewegung seit Jahren tut). In Mannheim könnten also tatsächlich aus diesen Worten Taten geworden sein. Die Bilder dieser Kundgebung fanden natürlich nicht ihren Weg in die Nachrichten von ARD und ZDF, sie führten nicht zu einem Stern-Titel und zu keinem Satz des besorgten Bundespräsidenten. Und sie erschienen, wie schon erwähnt, bisher in keinem der Mannheim-Berichte. Anders als bei der Sylt-Erschütterung herrscht einfach kein allgemeiner gesellschaftlicher Zustandsalarm in den Redaktionen. Und ohne diese Warnstufe leuchtet nun einmal kein Medienschaffender mit funktionierenden Instinkten allzu tief in den Raum.

Selbst nach der Nachricht vom Tod des Polizisten Rouven L. am Sonntag ändert sich die offizielle Tonlage nicht.
Die ARD-Tagesschau fertigte die Nachricht von dem Tod des Polizisten am Sonntag in 27 Sekunden ab. Im ZDF lautet die Meldung: „Messerattacke in Mannheim: Polizist ist tot.“

 

In der Süddeutschen Zeitung schafft es die Redaktion, die Meldung vom Tod des Polizeibeamten ganz rechts unten in der Mitte einer Kurzmeldung auf Seite eins zu verstecken.

Im Blatt selbst befasst sich der Kommentar dann nicht mit Islamismus, sondern mit „Verschwörungsideologen“ und rügt, dass CDU-Chef Friedrich Merz schon von „Terror“ gesprochen habe, obwohl die „Beweggründe“ von Sulaiman A. „unklar“ seien. Schließlich habe die Polizei ihn noch nicht vernehmen können.
Das konnte sie im Fall des Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri und des 9/11-Planers Mohammed Atta auch nicht. Und überhaupt: Nicht immer liegen die Motive ja so offen zutage wie bei Döp-dö-Mitgrölern auf der Nordseeinsel, die ohne das Eingreifen des politmedialen Korps morgen mit Fackeln durchs Brandenburger Tor oder zumindest mit übergelegten Pullis über die Friedrichstraße in Westerland marschiert wären. Anders als bei dieser Gefahr, die es unumgänglich machte, die ganze Republik nach weiteren Döpern zu durchkämmen, gibt es nach Mannheim auch nicht das geringste Medieninteresse daran, wer den Anschlag auf Stürzenberger beklatscht.

Da gibt es nämlich durchaus einige, weshalb die Parole auch sofort heißen muss: „Kein Generalverdacht“. Und natürlich auch keine Aufklärung im Detail, aus der jemand „seine braune Suppe kochen“ könnte.

 

Am gründlichsten wischt auch hier wieder das Fachorgan Stern den Ereignissen hinterher, nur ein bisschen anders als beim Wissensollen-Sylt. Autorin Kerstin Herrnkind stellt zu Mannheim endlich die Frage, die haltungsdeutsche Journalistenaugen zuverlässig zum Glänzen bringt: „War der Täter womöglich psychisch krank?“ Aber auch falls nicht: „Sollte der 25-jährige Afghane geplant haben, den Islam-Kritiker Michael Stürzenberger und womöglich auch andere Menschen zu töten, ist das unter Umständen die Tat eines Einzeltäters und noch lange kein Terroranschlag.” Das skrupulöse „unter Umständen“ kann man gar nicht hoch genug würdigen. Falls es fehlen würde, hätten wir es nämlich unter Umständen mit einer Vorverurteilung zu tun, die der Pressekodex selbstredend strikt verbietet. Herrnkind teilt bei der Gelegenheit auch ein anderes wertvolles Wissen mit, das in die Köpfe muss, muss, muss: „Bauarbeiter leben gefährlicher als Polizisten.“

Wenn nicht sogar gefährlicher als Leute wie Theo van Gogh, die Redaktion von Charlie Hebdo, Salman Rushdie, Stürzenberger und andere.
Die meisten Unfälle der Medienbranche ereignen sich übrigens nicht erst beim Schreiben, sondern schon vorher im Oberstübchenhaushalt.
Es gab noch ein kurzes Intermezzo zwischen der Syltgefahr und dem Vorkommnis in Mannheim, das sich noch gar nicht richtig einordnen lässt, solange Sulaiman A. zu seinen Beweggründen schweigt. Eine Gebührenzahlerin hatte auf der Internetseite des Norddeutschen Rundfunks der Redaktion dazu geraten, sich statt um sechs betrunkene Jungerwachsene im „Pony“-Club journalistisch lieber mit Messerangriffen und Gruppenvergewaltigungen zu befassen (letztere gab es 2023 nur in Berlin 111 mal).

Worauf der zuständige NDR-Mitarbeiter ein Gähn-Symbol als Antwort daruntersetzte. Also exakt die grafische Entsprechung des Republica-Mottos von 2024: „Wen schert’s?“ Beziehungsweise: Will da etwa jemand etwas wissen? Und das einfach so, ohne dass die Zuständigen entschieden hätten, dass es auch gewusst werden soll? Diese delegitimierende Einmischung in innere Angelegenheiten von Politik und Medien verdient auch noch gründlichere Beobachtung. Im Grunde entlarven sich Einzelbürger selbst, wenn sie unautorisiert Fragen stellen, statt erst einmal die abgesprochene Antwort abzuwarten.
Das sollte der Bürger wirklich wissen.

 

 

 

 

 


Dieser Text erscheint auch auf Tichys Einblick.


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14 Kommentare
  • Majestyk
    5. Juni, 2024

    Ich habe um die Jahrtausendwende eine Weile als freier Reporter beim Lokalradio gearbeitet und damals schon gelernt, daß Umfragen nicht dazu dienen zu erfahren was die Leute denken, sondern um den Leuten mitzteilen was die Mehrheit angeblich denkt und welcher Meinung sich die Leute anschließen sollen.

    Es war die Zeit unmittelbar nach 9/11. Damals war ich auch das erste Mal in einer DITIB-Moschee, ich erlebte da nur Haß, berichtet wurde aber, daß die aufrichtig trauern.

    Nach einer Weile hat man mir zu verstehen gegeben, daß ich nicht richtig hineinpasse und im Rückblick muß ich eingestehen, die Einschätzung meines Chefredakteurs war absolut richtig.

    • Werner Bläser
      5. Juni, 2024

      Dazu nur eine kleine unwesentliche Urlaubserinnerung: Vor einigen Jahren in Florenz, auf dem Ponte Vecchio, wurde von einem Lokalradio eine Umfrage unter Passanten durchgeführt. Einer der Befragten war zufällig ich – vielleicht haben die nicht gemerkt, dass ich Tourist war, ich spreche leidlich italienisch. Aus Neugier – meine Frau besichtigte in der Nähe einige Schuhgeschäfte, was erfahrungsgemäss länger dauert – blieb ich dort und beobachtete die Arbeit der Journalisten. Ich habe leider vergessen, worum es genau ging, um irgendeine Sache von lokaler Bedeutung.
      Aber ich habe dann gefragt, wann man die Sendung hören könne, und habe das auch getan. Das, was in der Radiosendung zu hören war, hatte nichts mit dem zu tun, was die Befragten auf der Brücke sagten. Es fand eine ziemlich unverschämte Verfremdung statt.
      Sogar in solch einer kleinen, nicht weltbewegenden Sache. Viele heutige Journalisten können es wohl nicht ertragen, eine andere Meinung als ihre eigene zu transportieren.

      • Majestyk
        6. Juni, 2024

        Guten Tag Herr Bläser,

        auche eine interessante Geschichte. Apropos Umfrage. Ich sollte damals eine Umfrage machen, ob die Stadt dem lokalen Fußballverein (damals noch zweite Liga) der vor der Insolvenz stand unter die Arme greifen soll und die Kosten für den Stadionneubau übernehmen.

        Der Tenor bei den befragten Menschen war eindeutig, die sollen lieber an den Profis sparen und das Geld lieber sinnvoll für die Bevölkerung einsetzen. Genauso ging die Umfrage abends auf Sendung. In der Nacht hatten die Betreiber hyperventiliert und am nächsten Morgen konnten ich und der Moderator beim Chefredakteur antanzen. Genau da habe ich gelernt was eine Umfrage sein soll, daß man die Leute schon mit der Fragestellung zu einer bestimmten Antwort motivieren soll und den Rest würde man am Schneidetisch erledigen.

        Nachrichten werden ja auch gemacht und verkauft und Medien haben eher selten etwas mit Wahrheitsfindung zu tun.

        Bezüglich Sylt frage ich mich übrigens, ob das Ganze nicht womöglich genauso inszeniert ist wie früher schon Berichte über Partyexzesse auf Mallorca.

  • Werner Bläser
    5. Juni, 2024

    Wir erleben, wie peu à peu die dritte Diktatur auf deutschem Boden eingeführt werden soll. Dabei hat man sich eine besonders perfide Ablenkungsstrategie ausgedacht: Man zeigt mit dem Finger auf “rechts” und ruft “haltet den Dieb”, während man selbst zielstrebig auf die salamitaktische Abschaffung der Freiheitsrechte zielt.
    Zur Ablenkungsstragie der Regierung im Bereich Öffentliche Meinung bitte ansehen: Norbert Bolz auf Youtube, “Es geht um Ablenkung” (dargestellt am Beispiel Sylt). Ab etwa Minute 38 geht Bolz auf die tieferen Ursachen von linkem Antisemitismus und Fanatismus ein – er sieht sie in grassierender Ignoranz, auch und gerade bei Studenten und Professoren, ein Thema, das ich hier öfters aufgerufen habe.
    In Anlehnung an den Schlussatz aus Alfred Anderschs berühmter Geschichte “Der Vater eines Mörders” könnte man fragen “Schützt humanistische Bildung denn vor gar nichts?”
    – Nein, offenbar tut sie das nicht.
    Im Gegenteil. Der südamerikanische Terrorismus hatte seine Ursprünge an den Universitäten, der RAF-Terror ebenfalls. Konträr zu vielfachen Perzeptionen war die Spitze des deutschen Nazi-Regimes mit Akademikern durchsetzt (Gürner, Frick, Himmler, von Krosigk, Seldte, Ribbentrop…).
    Für die Sylt-Gröler gilt bei Politik und Medien: temporäre Suff-Aussetzer sind unentschuldbar, permanente Dummheit hingegen sehr wohl: deshalb wird die Regierung vom Mainstream kaum kritisiert. Man ist ja schliesslich auch gleichen Geistes.
    Alle von der Regierung zu verantwortenden oder mitzuverantwortenden Desaster werden beschönigt, geframed, beschwiegen – dafür werden künstlich Skandälchen gebastelt, die die Aufmerksamkeit auf andere – genehmere – Dinge lenken sollen. Man braucht nur die Schlagzeilen des Mainstreams durchzugehen, um die Evidenz dieser Tatsache vor Augen geführt zu bekommen. Da werden Petitessen zu Staatsaffären aufgebauscht, essentiell Wichtiges für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft aber so weit möglich unter den Teppich gekehrt.
    Das könnte ja zu Zweifeln an der Regierung führen.
    Das Muster, dem man folgt, ist nicht Hitlers Machtergreifung oder die der SED. Deutschland erinnert mich eher an Venezuela, wo die Errichtung der Diktatur schrittweise vollzogen wurde. Nach der Methode “Frosch in heissem Wasser”: Wenn man das Wasser, in dem der Frosch sitzt, langsam erhitzt, statt abrupt, merkt das Tier angeblich nichts und stirbt (ist natürlich biologischer Unfug, aber die Mär hat Exempelwert).
    Ich glaube aber nicht mehr, dass sie Erfolg haben werden.
    Zu grobschlächtig und primitiv sind ihre Methoden, die Öffentlichkeit hinters Licht führen zu wollen. Die Mainstream-Medien schreiben zu klar erkennbar gegen ihre Leser an.
    Zu klar erkennbar ist die Diskrepanz zwischen vorgegebener Fiktion und Realität. Zu lächerlich wirken die Regierenden (die Häufigkeit böser Witze über die Regierung in den sozialen Medien scheint mir ein recht guter Stimmungsindikator zu sein), und zunehmend auch Journalisten/Aktivisten.
    – In Venezuela hatte Chavez dafür gesorgt, dass die kritische Presse mundtot gemacht wurde, indem er missliebige Journalisten öffentlich anprangerte, worauf diese dann sehr häufig von missgelaunten Chavez-Anhängern (sozusagen Chavez’ Antifa) auf der Strasse angegriffen wurden. Der von Chavez dominierte Oberste Gerichtshof des Landes drohte Medien mit Konsequenzen, wenn sie “Halbwahrheiten” berichten würden. Eine der wichtigsten Tageszeitungen bekam “unfreundlichen Besuch” einiger hundert Chavez-Anhänger, es gab einen Bombenanschlag auf ein kritisches Medium.
    Chavez stärkte die eigene, ihm freundlich gesonnene Presse und schüchterte die kritische ein beziehungsweise infiltrierte sie. Im Jahr 2004 wurde dann das “Gesetz über Soziale Verantwortung in Radio und Fernsehen” (Ley Resorte) verabschiedet. Die netten Formulierungen dieses Gesetzes scheinen harmlos, hinter den sehr vagen Paragraphen verbirgt sich aber ganz erhebliches Zensurpotential, zumal unter der Pflicht, “kulturelle Inhalte” zu senden, ganz unverhohlen die Pflicht, Regierungspropaganda zu verbreiten, verstanden wird.
    – Jeder mag selbst beurteilen, ob dies an gewisse Gesetze, die in Berlin und Brüssel ausgebrütet werden, erinnert.
    Der aktuelle venezolanische Diktator, Maduro, hatte einen Werdegang, der durchaus dem einiger deutscher Spitzenpolitiker vergleichbar ist: Von früher Jugend an in gewissen linken Organisationen sozialisiert und engagiert, Tätigkeit als “Studentenführer”, ohne selbst zu studieren, politische Schulungskurse als Ersatz für eine Ausbildung, etc.
    Da gehen einem bestimmte deutsche Namen durch den Kopf…
    – Trotzdem glaube ich: no pasarán. Deutschland ist nicht Venezuela. Während sich die venezolanische Diktatur auf das unter dem Offizier Chavez “umgedrehte” Militär stützen kann, trotz ruinierter Wirtschaft, kann sich in Deutschland auf Dauer keine Regierung auf Militär und Polizei gegen das Volk stützen.
    Der wirtschaftliche Ruin oder Teilruin wird dem Spuk ein Ende setzen. Ich bezweifle, dass dies bei den nächsten Bundestagswahlen schon der Fall sein wird. Spätestens aber bei den übernächsten.

    • Majestyk
      6. Juni, 2024

      Woher sollten Diktatoren und deren Technokraten sonst kommen als aus den oberen Schichten und dem akademischen Milieu? Wer sonst hat die Muße und ist der Realität so fern? Gleichzeitig kommt man in Führunsgpositionen ja eher selten mit einer normalen Ausbildung. Ich finde es logisch, daß sowohl der Wille zur Weltrettung als auch die Totalitarität der Umsetzung aus linken, akademischen Kreisen kommt. Die anderen müssen ja schließlich arbeiten. Hätte Marx nicht seinen Buddy Engels gehabt und hätte für seinen Lebensunterhalt real arbeiten müssen, er hätte nie soviel Zeit für Müßiggang und verkopfte Spinnereien gehabt.

    • Albert Schultheis
      7. Juni, 2024

      “Der wirtschaftliche Ruin oder Teilruin wird dem Spuk ein Ende setzen.”
      Ich schreib’s noch mal: Ich bezweifle das, werter Herr Bläser! Sie werden sich durchsetzen mit aller Gewalt. Die juristischen Sturmgeschütze sind bereits gegossen, die Demunziationsplattformen scharfgestellt, Verfassungsgericht und -Schutz parallelisiert und die EU vertieft den “State” kontinuierlich in Richtung Totalüberwachung. Was der Staat (eigentlich) nicht darf wird out-gesourced an “N”-GOs, Correctiv, Faktenchecker, Antonio Amadeo – und das Grobe eben an Faesers/Eskens AntiFa bzw gleich an “befreundete” psychopathische Messermörder.
      In ein paar Jahren wird es keine frei herumlaufende Opposition mehr geben, außer der Einzigen, vom braven Merzel.
      Ihr Wort in Faesers Ohr, Herr Bläser!

      • Majestyk
        8. Juni, 2024

        @ Albert Schultheis:

        Sehe ich haargenauso. Sowohl duch eigene Erfahrungen als auch Beobachtungen bin ich mir sicher der friedlich/ demokratische Point of no Return ist längst überschritten (falls ein demokratischer Richtungswechsel je vorgesehen war). Da steckt auch zu viel Macht und Geld hinter der Gegenseite und die ist international perfekt vernetzt. Die Grünen haben keinen Einfluß gegen den Willen des Großkapitals, sie vertreten deren Interessen, auch wenn es auf den ersten Blick absurd erscheint.

        Ich weiß ja nicht ob das Wort Gleichschaltung politisch noch genehm ist, aber die Gleichschaltung von Verbänden und Institutionen aller Art ist abgeschlossen und auf subtile Weise genauso perfekt wie einst.

        Das läßt sich alles nur aufhalten und umkehren wenn entweder dieser westliche Komplex so richtig eins auf die Mütze bekommt wie anno ’45 oder wenn sich das Volk erhebt. Das wird es aber nur vom Sofa tun, wenn bei der EM die Korken knallen. Der Wille des eigentlichen deutschen Volkes ist längst gebrochen.

        So verzerrt die etablierten Medien Themen darstellen, auch die meisten “alternativen” Medien bleiben brav im Narrativ als wäre der jetzige Zustand eine Delle die man mti ein bißchen “richtig wählen” ausbeulen könnte. Ich kenne kaum Menschen meines Alters die Freiheitseinschränkungen, Ideologie wie Feminismus oder auch die Zersetzungsmigration ernsthaft in Frage stellen. Wie sollen das die Kinder meiner Generation tun, die schon in den Mist hinein geboren wurden? Und die sind die Zukunft, nicht Ü 50 oder älter.

        Speziell Deutschland ist verloren, sowohl was die Bevölkerungsstruktur angeht, aber auch die wirtschaftlichen Entwicklungschancen und Schutz individueller Freiheit. All die Leute die vom Staat nehmen lassen sich genauso wenig verdrängen wie die importierten jungen Krieger aus dem Morgenland.

        Deutschland wird in einigen Jahren eine perfekte Diktatur sein, dank Gegenaufklärung wird es kaum noch Leute geben die ernsthaft den Zustand der Gesellschaft hinterfragen können, die anderen wird man mit sozialen Waffen mundtot machen und die Mehrheit wird trotz Unfreiheit glücklich sein, keine Verantwortugn mwhr fürs eigene Leben übernehmen zu müssen.

        Stell Dir vor es ist Diktatur und alle halten es für Demokratie.

  • Skepticus
    5. Juni, 2024

    Wo holen Sie, Herr Wendt, bloß die Kraft her, sich mit der ehemaligen “Presse” auseinanderzusetzen? Die verstehen doch Ihre vernünftigen Argumente nicht mal im Ansatz. Und ich frage ob der Bemerkungen von Strenglinks: “Watt is”? Wenn man sagt: Einfach gar nicht ignorieren, dann ist damit gemeint: Nicht provozieren lassen. Das ist die Lösung, sonst wird man noch “malad”.

  • Andreas Rochow
    5. Juni, 2024

    Ich muss persönlich werden: Es ist ein Schlag ins Gesicht der Zwangsbeitragszahler, dass ein ausgewiesener illiberaler Antidemokrat und Linkshetzer wie Georg Restle “Redaktionsleiter Monitor” bei der ARD werden konnte und wie man hört, sich geeignet hält, den Posten des Intendanten auszufüllen! Restle gehört in erster Reihe zu jenen Volkserziehern, die das unbotmäßige Verhalten seiner Kritiker für ein kriminelles Phänomen sui generis hält. Nie käme er auf den Gedanken, dass sein megamultipliziertes ö.-r. Propagieren Unmut, Widerspruch, Ablehnung und Widerstand erzeugt. “Hass” oder das, was der politmediale Komplex für einen solchen hält, steht für die verzerrte, selbstgerechte Wahrnehmung der in Sachen Meinungsfreiheit und innerer Sicherheit kolossal versagenden Kampagnen “gegen Rächtz”, für schlagseitige und schlagbereite Regierungsorgane und Medien. Man darf diese dysfunktionale Regierung auch ohne Hass vollständig ablehnen und ihr die öffentlich-rechtlichen Medien durchaus als problemblind und hetzerisch um die Ohren hauen! Sollte sich nach der EU-Wahl eine Abkehr von der linksgrünen Kulturrevolution und nationalen Selbstzerstörung mit wehenden Kriegsfahnen ergeben, könnte der Marsch der Linksgrünen durch die Institutionen ein für alle Mal zuende sein. Das ahnen sie bereits. Deswegen haben sie in ihrer blinden Torschlusspanik auf gnaden- und empathielos geschaltet – sie können gar nicht mehr anders: Es ist vorbei, bei, bei, bei… Michael Stürzenberger demonstriert unter unsäglichen Opfern, dass es sich lohnt, den demokratischen Rechtsstaat gegen die linksgrüne Zerstörung zu verteidigen. Ihm und seinen Gefährten von der Pax Europa gelten meine Genesungswünsche, den Angehörigen des ermordeten Polizisten mein tiefempfundenes Mitgefühl. Allen Beamten im Polizeidienst ist eine Innenpolitik zu wünschen, die ihnen nicht auf Dauer die schwerwiegenden Folgen des gescheiterten Grenzschutzes anlastet.

  • A. Iehsenhain
    6. Juni, 2024

    Auch wenn er ein wenig wie ein Frisur-Double von Christoph Schlingensief daherkommt – mit der Aussage „Journalisten informieren über das, worüber die Bevölkerung informiert werden soll“ erinnert Tilo Jung eher an den Gefängnisdirektor aus „Flucht von Alcatraz“ (1979), der Häftling Morris erklärt: „Der Informationsaustausch ist untersagt. Was Sie von der Welt draußen erfahren werden, ist das, was wir Ihnen erzählen“.
    Wenn ich indes die Auftritte von Regierungssprecher-Bodyguard Hebestreit sehe, kommt mir in den Sinn, dass jemand wie der Nahkampf-Einzelfallmanager aus Mannheim womöglich zu einer Art zweiter Leibgarde der links-grünen Herrenmenschen gehört, um den Pöbel aus dem eigenen Vorgarten fernzuhalten (oder bis in alle Ewigkeit auf Distanz); und wenn der Pöbel dann von Messerschwinger und Co. abgelöst wird und letztere Anstalten machen, den Volkstretern auf die Pelle zu rücken, werden die Samthandschuhe nach Möglichkeit abgestreift und auf die Loyalität der hauptberuflichen Personenschützer vertraut. Wären weitere Reste vom alten Fußvolk dann noch existent, würden sie wahrscheinlich auch dort um zusätzlichen Beistand betteln. Bis dahin kann aber noch in aller Ruhe über den Pullover-Faktor der Migrationsforschung angeregt debattiert werden, und statt Sylter Nazi-Champagner verköstigt man in geselliger Runde (z. B. mit „Generation Islam“) Schaumwein, der im Eichmann-Fass gereift ist und mit Restle-Kakao (Monitor-Trockendünnpfiff) zu einem braunen Kir Royal veredelt, der jedem deutschen Weltverklärer schmecken dürfte…

  • Peter Meyer
    6. Juni, 2024

    Menschen entwickeln sich in Phasen – auch in der Elite.

    Nach der Pubertät folgt die Konformität. Sie besteht aus zwei Teilen: Folgen und Einfordern desselben.
    Zitat: “3. Stufe … Moralische Erwartungen anderer werden erkannt. … Korrespondierend dazu richtet er ebenfalls moralische Erwartungen an das Verhalten anderer.”
    Quelle: Moralentwicklung

    Das Einfordern wird sprachlich überwiegend mit ‘müssen / sollten / sollen’ formuliert. Wobei der Bezug auf die Bezugsgruppe in der Konformität den Selbstwert bestimmt, daher sprachlich: ‘wir müssen / sollten / sollen’.

    Die jeweilige Phase kann nicht einfach verlassen werden, denn dazu ist das Dilemma, was das Verlassen auslöst, zu bewältigen.

    Deshalb kann die Epoche Aufklärung es nicht lösen, denn der Verstand führt nicht zur Vernunft, um sich beispielsweise der Floskel ‘wir müssen’ bewusst zu werden – Myside Bias.

    • Jochen Schmidt
      8. Juni, 2024

      Sehr interessant, was Sie hier skizzieren. Haben Sie dafür eine Quelle – irgend ein schlaues Buch oder so? Ist das von Kohlberg, Piaget oder gibt’s da was Neueres?

  • Karsten Dörre
    6. Juni, 2024

    Stern-Redakteurin Kerstin Herrnkinds Terrordefinition, die Tat eines Einzeltäters sei noch lange kein Terroranschlag, lässt fragen, wann Verstand und Bildung bei ihr verloren gegangen sind. Noch heute wird öffentlich zwischen Amok und Terror unterschieden, so als ob Amok kein Terror ist, sondern lediglich tragisches Ereignis sei, egal wie hoch die Opferzahl ist (siehe z.B. Germanwings-Flug 9525) und die Einpreisung des Todes fremder Personen durch den Täter eine geistige Verwirrung sei. Breivik war z.B. explizit als Terrorist ein Einzeltäter. Ihr Vergleich, dass Bauarbeiter gefährlicher leben als Polizisten, wird daran liegen, dass Herrnkind vermutlich Arbeit allgemein als Terror wahrnimmt.

  • Jochen Schmidt
    8. Juni, 2024

    Oben im Artikel ist die Rede von Tilo Jung und seiner Aussage: „Es ist nicht unsere Aufgabe, das abzubilden“. Vielmehr habe zu gelten: „Journalisten informieren über das, worüber die Bevölkerung informiert werden soll.“

    Was mir als Idee eingefallen ist: Vielleicht möchte sich dieser Tilo Jung mit derartigen Äußerungen bei der Regierung empfehlen (bewerben?) für einen entsprechenden Job (oder empfehlen bei einer Regierungsnahen Stiftung, oder ähnliches)? Es sind doch in den letzen Jahren so viele Journalisten gewechselt in die Politik.

    Allgemein möchte ich folgenden Aspekt ergänzen: Nach meinem Eindruck sind Journalisten so eine Art Prekariat (das ist jetzt natürlich eine Übertreibung). Seit Jahrzehnten wissen Journalisten, dass ihre Arbeit völlig überflüssig ist, weil es um Zehnerpotenzen zu viele Zeitungen und Magazine gibt, viel zu viele Sender, viel zu viele Informations-Sendungen und -Formate.

    Spätestens seit ein oder zwei Jahren wissen Journalisten, dass in nur wenigen Monaten bereits nahezu alle Artikel, Meldungen, Kolumnen, auch Video-Clips von der Künstlichen Intelligenz verfasst werden werden. Journalisten werden dann nicht einmal mehr benötigt für das kleine Passbild neben der Überschrift – auch solche Bilder werden von der KI erzeugt, samt den zugehörigen Angaben zum Werdegang. Redaktionsschluss also, diesmal endgültig.

    Seit Jahrzehnten haben Journalisten diesen Abgrund auf sich zuwalzen sehen, unaufhaltsam. Seit Jahrzehnten haben sie sich diese eine bange Frage gestellt und bis heute keine Antwort darauf gefunden: “Und jetzt? Wie soll es weitergehen?” Meine Vermutung wäre, dass dieses Abgleiten des klassischen Journalismus in die ungenierte Prostitution eben auch mit dieser Ratlosigkeit zu tun hat: Diese Leute wissen nicht mehr weiter, müssen aber weiterhin ihre Miete bezahlen.

    Natürlich geht es weiter, natürlich gibt es Rettung: im neuen Wahrheitsministerium nämlich, mit freundlicher Unterstützung auch der Open Society Foundation. Mein Eindruck ist: die ökonomischen Verhältnisse erklären den Verfall des Journalismus der letzten Jahre weitgehend – wir benötigen hierfür keine besondere Indoktrination (Wokeness oder so) bei diesen plappernden Marionetten. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Propaganda.

    Um es noch allgemeiner zu sagen: Mein Eindruck ist, dass ein Großteil der jungen Leute eine höhere Bildung genossen hat und nun feststellt, dass sie mit ihrer Qualifikation im realen Wirtschaftsleben eigentlich nicht unterkommt, oder nur sehr schlecht unterkommt.

    Obendrein stammen diese jungen Leute aus wohlgesinnten Verhältnissen, in denen keine größeren Konflikte zwischen Eltern und Kindern ausgetragen worden sind. In der Mehrzahl der Fälle haben die Eltern ihre Kinder bis ins Erwachsenen-Alter hinein finanziert.

    Ergebnis: Diese ehemaligen Kinder wollen sich nicht “durchbeißen”, sie wollen sich ihren Platz im Arbeitsleben nicht “erkämpfen”. (Auf diesen Punkt hat Patrik Baab hingewiesen.) Ergebnis hiervon: sie üben sich in Konformismus, sind fügsam, beflissen, geradezu liebedienerisch.

    Und vor allem: sie ordnen sich der Autorität nicht bloß unter, sondern stellen sich bereitwillig in den Dienst der Autorität. Der Grund hierfür: diese Leute scheuen die Auseinandersetzung mit dem Arbeitsmarkt und hoffen, dass die Autorität – vor allem die staatliche Autorität – ihr berufliches Auskommen sicherstellen wird, jedenfalls dann, wenn sie sich dieser Gunst würdig erweisen. Diese bange Hoffnung macht die Leute zu Erfüllungsgehilfen der Autorität. Und zu entschlossenen Kämpfern gegen Freiheit und Mitbestimmung der normalen Bevölkerung.

    So, dies wäre meine kleine Theorie über das Elend unserer Gesellschaft …

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