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Mit kühlem Blick von der Insel

Der britische Publizist Rupert Darwall hat nach den totalitären Wurzeln der grünen Ideologie gegraben. Demnächst erscheint sein Buch auch in Deutschland

In seinem Browstone House mit dezent verwildertem Garten in Kentish Town, London, lebt ein Autor, der in Deutschland noch völlig unbekannt ist, ganz im Gegensatz zu seiner Heimatinsel und den USA. Demnächst wird Rupert Darwall allerdings nicht mehr ganz unerkannt nach Berlin, Frankfurt und München reisen (bisher hauptsächlich, um dort Opern zu hören). Denn sein Buch „Green Tyranny Exposing The Totalitarian Roots Of The Climate Industry Complex

erscheint demnächst auf Deutsch. Eigentlich ist es eine Recherche, die er vor allem für ein deutsches Publikum verfasst hat: sie handelt, wie schon im Untertitel angedeutet, von den totalitären Wurzeln der weltweiten grünen Bewegung. Und diese Wurzeln entdeckt Darwall vor allem in Deutschland, genauer, er gräbt sie aus. In der Bewegung und schließlich der Partei steckte nämlich von Anfang an eine ziemlich starke Blut-und-Boden-Beimischung: Zu ihren Gründungsmitgliedern gehörte etwa der Landwirt Baldur Springmann, ehemals SA- , SS- und NSDAP-Mitglied, der mühelos Ökolandbau, Mutter-Gaia-Esoterik und Club of Rome-Alarmismus miteinander zu verbinden verstand. Eine bizarre Ausnahme war Springmann nicht; Werner Vogel, 1983 Grünen-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen für die Bundestagswahl, hatte vor 1945 als SA- und NSDAP-Kader im Reichsinnenministerium Karriere gemacht. Er stand nach der Wahl kurz davor, Alterspräsident des Bundestages zu werden, wenn seine Biografie nicht kurz vorher aufgeflogen wäre. Auf sein Bundestagsmandat verzichtete er, blieb aber Parteimitglied. Die spezielle Mischung aus Antitechnizismus, einem quasireligiösen Naturbegriff und einem Sendungsbewusstsein weit über die deutschen Grenzen („Vorreiter“) entstanden mit der Grünen-Gründung 1980 also nicht voraussetzungslos. Von der Bundesrepublik wiederum breitete sich diese Erlösungsideologie nach und nach auf andere westliche Länder aus. Heute gehört dieses Sediment der Bewegungsgeschichte selbstredend zu den Themen, die ihre Anhänger tief unten im Giftschrank lagern.

Am meisten interessiert sich Darwall für die Technik, Kritikern der grünen Ideologie – etwa des exzessiven Windradausbaus und der Antiatom-Bewegung – nicht argumentativ zu begegnen, sondern sie moralisch zu brandmarken und damit zum Schweigen zu bringen. Die deutsche Ausgabe seines Buchs trägt konsequenterweise den Titel „Das Grüne Reich“, 2018 soll sie auf den Markt kommen.

Im englischsprachigen Raum gehört Rupert Darwall schon zu den bekannten liberal-konservativen Publizisten, die – anders als in Deutschland – auch in traditionellen Medien schreiben. Der frühere Banker und politische Berater ist regelmäßig Autor des Spectator, des Wall Street Journal und veröffentlicht im National Review. Sein Buch „The Age Of Global Warming – A History“, erschienen 2013, gehört zu den besten nüchternen Bestandsaufnahmen des Klima-Alarmismus.

Mit Deutschland verbindet ihn schon lange eine amour fou zur klassischen Musik. Und deshalb beginnt das Gespräch in seinem Wohnzimmer erst einmal nicht mit der deutschen Energiewende und Angela Merkel, sondern der Aufführung von Hayns 82. Sinfonie am Abend vorher in der Royal Albert Hall. „Viel zu lasch dirigiert“, findet der Hausherr, und legt eine CD mit einer deutlich schmissigeren Version ein. Überhaupt ist Darwall frei von Ressentiment. Er analysiert stets nüchtern-freundlich und mit einem soliden Sachverstand, egal, ob es um Musik oder Ökonomie geht.

An Merkels Deutschland fasziniert ihn, wie jährlich mittlerweile fast 30 Milliarden Euro in den exzessiven Ausbau der Wind- , Biogas- und Solarenergie gesteckt werden, was bisher nur den Strompreis nach oben jagt, aber den CO2-Ausstoß nicht im mindesten drosselt. Und dass die (deutsche) Presse Angela Merkel trotzdem als „Klimakanzlerin“ feiert. „Es ist erstaunlich, wie sie damit durchkommt“, meint er.

Auf seine Buchvorstellung im Mutterland der Grünen freut er sich schon. Sein Plan für die nächsten Monate: „Ich werde ein bisschen Deutsch lernen müssen.“


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2 Kommentare
  • Stefan Märtins
    7. November, 2017

    Bin gespannt auf das Buch .
    Die Durchschnittstemperatur soll 2016 bei 14,8 Grad Celsius gelegen haben . Erinnerlich sind mir aber auch schon Werte von über 15. Natürlich sagen diese Werte ohne Veröffentlichung der Fehlerbreite nicht viel aus , aber sind schon interessant. Im veröffentlichten Weltklimabericht soll es einen Passus geben , der besagt alle Unwetter , Orkane und etc. würden den menschengemachten Klimawandel bestätigen , weil es sonst kein mögliche Erklärung gäbe. Wenn das wahr ist , haben sich die Typen wohl endgültig von der Wissenschaft verabschiedet .

  • Olaf Ramcke
    7. November, 2017

    Selbstverständlich gibt es Überschneidungen zwischen Blut und Boden und Umweltschutz, und wo es begriffliche Überschneidungen gibt, da gibt es auch personelle. Und daß eine Ideologie, welche beansprucht, die menschlichen Lebensgrundlagen zu verteidigen, an den deutschen Grenzen nicht haltmachen kann, folgt auch rein begriffslogisch und braucht keine weiteren ideengeschichtlichen Betrachtungen.

    Interessant ist doch einzig, was aus der Ideologie im Rahmen ihres parteilichen Lebens geworden ist, mit welchen anderen Ideologien sie aus parteitaktischen Gründen amalgamiert wurde und welche Funktion dieses Amalgamat heute ausfüllt.

    Aus britischer Perspektive mag das ideologische Mobilisierungspotential der deutschen Wählerschaft, die Möglichkeit, Menschen im Einsatz für das Gemeinwohl spontan organisatorisch zu verbinden, interessant erscheinen, insbesondere hinsichtlich der Frage, wie dergleichen Vertrauensbeweise langfristig gesehen zu unterdrücken seien, beziehungsweise was genau es ist, was ihr Versiegen bisher verhindert haben mag (nach Schopenhauer Dummheit, und die einfachsten Erklärungen treffen die Sache öfter, als man meinen könnte), aber ich sehe dort doch keinen Stoff für eine Sachbuchreihe.

    Selbstverständlich besitzt die parlamentarische Demokratie auch schlicht einen Hunger auf Säue, welche durch die Dörfer des also verfaßten Staates getrieben werden können, und warum sollte so eine Sau nicht zufälligerweise auch einmal mit einem ernsthaften Anliegen verbunden sein, gar eines, an welches man glauben kann?

    Vielleicht sehen wir also auch Gespenster, wenn wir den Deutschen einen besonderen Hang zur Verdientmachung um das Gemeinwohl zuschreiben. Unter dem Strich ist Deutschland sicherlich ordentlicher als andere Länder, aber nicht unbedingt vorbildlicher hinsichtlich auch nur irgendeiner tief empfundenen Ethik. Vielleicht sind die Deutschen schlicht unausgelastet und würden gerne nach Feierabend noch was Nettes im politischen Bereich basteln, immer davon ausgehend, daß das Leben in Deutschland ja doch ordentlich und langweilig bleibt, und somit erwägen sie seine Grundlagen weder, noch beabsichtigten sie je, etwas an ihnen zu ändern, weshalb sie denn auch jedes Mal wieder wie die Jungfrau zum Kind kämen, wenn sich denn doch einmal ein Unfall ereignet haben sollte.

    Aber wie der Volksmund schon sagt: Et kütt, wie et kütt, und wenn’s so weit gekommen ist: Wat mutt, dat mutt.

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