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Mein Lebensziel: Ich will ein alter weißer Mann werden

Von Air Tuerkis

Sie beuten ihre Arbeitnehmer*innen aus, ihr yetihafter ökologischer Fußabdruck zerstört den Planeten gleich dreimal, sie sind verlogen und skrupellos. Und das Schlimmste: Zuweilen pflegen sie junge Frauen am Knie zu berühren, was auch noch 20 Jahre später zu Traumabewältigung und Anklagen führen kann.

Und falls sie nicht die Herren der Welt sind, dann handelt es sich um Abgehängte, Ewiggestrige, Zurückgebliebene, die der Jugend die Zukunft klauen und aus lauter Ressentiment die AfD oder Trump wählen.

Kurz gesagt: Sie sind alt und weiß, männlich, und vereinigen damit alle Eigenschaften, die man braucht, um den ewig oben treibenden Abschaum der Gesellschaft zu bilden. Oder um es weniger alt und weiß und männlich zu sagen: Sie treiben ihren Faustkeil in die diverse Society.

Nun wäre ich als begeisterungsfähiger 16jähriger angesichts der allgemeinen Empörung gegen die Altweißmänner eigentlich gerne dabei, diesen privilegierten Pöbel zu bekämpfen, und würde dazu sogar queerfeministische Texte in der taz schreiben. Allerdings: Beim Blick in den Spiegel sehe ich schwarz. Nämlich weiß.

Außerdem bin ich auch noch männlich. Das hatte ich schon seit längerem vermutet. Wie viele Mädchen spielen schließlich schon Fußball, duellieren sich unter ihren Kumpellottinnen mit Spielzeug-Pistolen, sammeln Matchbox-Autos und Panini-Bildchen?

Und als wäre nicht alles schon schlimm genug, da begann es in meinem Kopf zu rattern, und dank meiner humanistisch und mathematisch geprägten Berliner Bildung schaffte ich es zur nächsten Schlussfolgerung: Wenn ich jetzt ein junger weißer Mann bin, dann werde ich irgendwann mal ein alter weißer Mann sein. Nach Adam Riese müsste das so hinkommen, falls mir nicht vorher Feinstaub und Rindfleisch das Leben verkürzen.

Was tun? Ich spielte meine Handlungsmöglichkeiten durch. Und ich entwickelte eine Strategie: Ich wollte mich so oft wie möglich bräunen – im Urlaub oder im Solarium – und mir die Weißheit austreiben. Mein großes Vorbild auf dem Gebiet war Donald Trump, der es tatsächlich geschafft hatte als junger, weißer Mann zu beginnen, und später, nun ja, ein orangefarbener alter weißer Mann zu werden. Allerdings sah ich gerade an seinem Beispiel, dass sich auch die Feindlichkeit gegenüber alten, orangenen Männern ausbreitet. Ich musste mich also akzeptieren und mich selbst finden und so weiter.

Und dann merkte ich: Eigentlich ist es ziemlich prima, ein alter weißer Mann zu sein. Viel Geld verdienen, viel herumfliegen und damit zur Bekämpfung des Winters beizutragen. Die Welt beherrschen. Ich checkte, wie allseits empfohlen, meine Privilegien. Sie gefielen mir. Ich fasste einen tollkühnen Plan: Ab jetzt wollte ich alles tun, um völlig rücksichtslos ein alter, weißer Mann zu werden. Denn: “Wer alt werden will, muss beizeiten damit anfangen“ (Karl Kraus). Das Zitat reichte mir der Publico-Gründer Alexander Wendt herüber, ein weißer und aus meiner Sicht alter Mann.

Ich esse seitdem soviel ich kann Schnitzel mit Pommes, trinke Coca Cola, fahre 2-Takt- Moped, ich fliege nach Mallorca, trage Anzug und ich wasche mich sogar täglich. Ich bin auch gut dabei, junge Damen konsensual zu berühren. Bisher hat sich noch keine bereit erklärt, mich zu verklagen. Das kommt wahrscheinlich erst mit dem Alter. Nur mit dem Rauchen klappts nicht so gut. Dafür hat sich der alte weiße Herr Klonovsky bereit erklärt, mir das seriöse Trinken beizubringen (und er ist Spezialist). „Die Jugend ist den Anstrengungen des Trunkes nicht mehr gewachsen“ (Ernst Jünger). Dieses Zitat wiederum reichte mir Michael Klonovsky weiter.

Alles in allem ist es gar nicht so leicht, ein alter weißer Mann zu werden. Und das nicht wegen Leuten wie Rezo, dem blauen Youtube-Schreck, der das Lebenswerk von Frau Merkel für sich beansprucht: die Zerstörung der CDU. Nein, er und Fridays for Future die sagen ja nur, was ihnen Tagesschau & Co. vorsagen. Die einzige Angst, die ich habe, ist, unter solchen Leuten zu leben. Denn Lektion 1, um ein alter weißer Mann zu werden, heißt: Man braucht eine Frau, die kocht, abwascht, putzt und auf die Kinder aufpasst, konsensual natürlich und vice versa. Ich will ja ein moderner alter weißer Mann werden. Trotzdem, wie soll man unter diesen blauhaarig-gepiercten Spaßvögeln etwas Passendes finden?

Weitere Probleme, die ich beim Erreichen meines Lebensziel sehe, sind folgende:

1. Wenn die Grünen so weitermachen, essen wir alle bald vegane Rohkost, gedüngt mit Ausscheidungen von ungeimpften Rindern, die nicht mal Antibiotika bekommen. Medizin ist Teufelszeug und in Krankenhäusern wird man mit Naturheilerde behandelt. Mit Altwerden sieht’s da nicht gut aus.

2. Bei mir in Kreuzberg ist ein ziemlich witziger Sport entstanden. Nämlich Migrationshintergrund-Konstruieren. Wenn man beispielsweise auf den Bolzplatz kommt, geht die Frage: Ey, woher kommst du eigentlich? Wer hier so etwas wie Deutschland sagt, der hat verloren und muss das Spielfeld verlassen. Gewonnen hat der, der den migrantischsten Migrationshintergrund aufweisen kann. Gut kommt “Türkei”. Am besten ist allerdings so etwas wie “Also, isch bin viertel Kurde, halbe Albaner, 3/4 Russe, 2/3 Araber und 200% Perser”.

Ich bin in dem Spiel noch nicht so gut. Mehr als Österreicher kann ich nicht glaubhaft vermitteln. Und wenn ich das versuche, hängt mir auch noch diese toxische Ibiza-Geschichte an. Als Weißer kommt man hier nicht weit.

3. Männlich bleiben, das ist allerdings das Schwierigste. “Men-Spreading” wird bald verboten. Und was gibt es Unmännlicheres, als beim Sitzen in öffentlichen Verkehrsmitteln die Beine zusammen zu halten? Ich wäre zu einem Kompromiss bereit: In Zukunft können auch Frauen die Beine spreizen.

Sie merken schon, liebe Leser, ich unternehme den verzweifelten Versuch, meine Männlichkeit zu beweisen, indem ich akut sexistische Äußerungen von mir gebe und durch albernes Macho-Gehabe auffalle.

Ich muss Ihnen daher eröffnen: Alte weiße Männer sind nicht mehr selbstverständlich. Dafür aber ein anspruchsvolles Projekt, an dem man auch scheitern kann. Was mich betrifft: ein alter weißer Mann ist mein Lebensziel, mein Mount Everest. Hoffentlich bleibe ich nicht im Stau der vielen Jüngeren stecken, die gerade den gleichen Aufstieg unternehmen.

 


Air Tuerkis ist das Pseudonym eines Berliner Schülers und Autors, der das liberale Schülermagazin „Apollo News“ herausgibt.

 

 


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20 Kommentare
  • caruso
    29. Mai, 2019

    Ich, eine urzeitliche Hexe, die im Lauf ihres langen Lebens mehrmals von alten weißen Männern am Knie berührt wurde, wünsche dir vom Herzen, daß du dein Ziel erreichst: ein alter weißer Mann zu werden. — Kein Spaß, ich meine es ernst
    lg
    caruso

  • oldman
    29. Mai, 2019

    Herrlich geschrieben, ich halte ihnen die Daumen und hoffe, dass Sie ein alter weißer Mann werden dürfen, man weiß ja nie. Weiser als das linksgrünrote Gesindel jemals werden wird sind Sie trotz ihres jugendlichen Alters eh schon.

  • Andreas Dumm
    29. Mai, 2019

    Ich wünschte mir mehr junge weiße Männer, die gerne alte weiße Männer werden möchten. Denn dies bedeutet nichts anderes als die Anerkennung der Realität. Und wer “seine” Realität nicht versteckt, von dem kann man am ehesten erwarten, daß er/sie willens und in der Lage ist, “die” Realität ebenfalls “wahr-zu-nehmen”! An solchen Menschen herrscht akuter Mangel. Die Zeit, ihn zu beheben, ist (knapp) bemessen.

  • Andreas Stüve
    29. Mai, 2019

    Weitermachen, “Air Tuerkis”. Dann wird es etwas mit ” alter WEISER Mann”. Früh krümmt sich, was einmal ein Häkchen (oder gar Haken) werden will. Und die Großen hast Du schon begeistert. Auf der “Achse” präsent, mit Wendt und Klonovsky Seit´an Seit´. Chapeau!
    Und herzliche Grüße von einem alten weißen und leider nur halbweisen Mann.

  • Peter Thomas
    29. Mai, 2019

    Das wird schon alles werden, lieber Air Tuerkis, Ernst Jünger hat es ja auch geschafft und Martin Walser ist mit recht gutem Erfolg unterwegs. Einen Haken hat die Sache allerdings, vielleicht bemerkten Sie’s schon, vielleicht auch nicht: es dauert! Und zwar erheblich. In lebenspraktischer Hinsicht empfehle ich deshalb, sich vor dem finalen Ziel auch Etappenziele zu setzen. Hier bieten sich beispielsweise der junge, der jüngere und der mittelalte weiße Mann an, sowie, in der Verfeinerung, der jüngere bzw. ältere mittelalte weiße Mann. Texte können Sie ja auch auf dem Weg zum jeweiligen Etappenziel weiter verfassen, das fänd ich gar nicht mal schlecht, denn Ihre Texte haben etwas, das zum Beispiel die Texte der Sonnenkanzlerin schmerzlich vermissen lassen: Ihre Texte machen Spaß!

  • grünediktaturneindanke
    29. Mai, 2019

    Richtig schöner und pointierter Beitrag, vielen Dank!

  • JP
    30. Mai, 2019

    Herzerfrischend geschrieben! Herzlichen Dank, Air Tuerkis! Damit passen Sie prima zur Publico-Mannschaft. Ich freue mich auf weitere Artikel aus Ihrer Feder.

  • Dirk Neidhardt
    30. Mai, 2019

    Ausgezeichnet!

  • Chris Groll
    30. Mai, 2019

    Total super Artikel. Habe Tränen gelacht. Dass dieser Artikel von einem so jungen Mann geschrieben wurde, ist besonders bemerkenswert. Ich hoffe, wir hören noch viel von Ihnen auf Ihrem Weg zum “alten weißen Mann”. Viel Erfolg.

  • Marion Schrezenmaier
    30. Mai, 2019

    Köstlich und traurig zugleich. Der junge Mann hat etwas, was die Upperclass aus Grünen und Migrationsverstehern, aus arroganten Besserwissern nicht haben: er hat Humor.
    Ganz wichtig ist es, zu wissen, dass sich Humor ohne Verstand im Hintergrund nicht entfalten kann.
    Ich habe bei Annalena Baerbock , Claudia Roth, Robert Habeck und Herrn Hofreiter noch keinen Ansatz von Humor entdecken können.
    In diesem Sinne bitte ich gerade zu Pfingsten den Heiligen Geist, auch den Grünen ein bisschen Humor zu senden – mit Feuerzungen, natürlich mit grünen. Sie werden ihn brauchen, wenn sie demnächst auch Regierungsverantwortung übernehmen werden. Heiliger Geist, gib ihnen Humor, respektive Verstand, damit sie nicht gleich wieder einen Krieg anfangen, einen grünen natürlich. Das hatten wir nämlich schon mal.
    Frohe Pfingsten

  • Sigrid Ebert
    30. Mai, 2019

    WOW! Das ist richtig gut. Dieser junge Mann macht Hoffnung.

  • Bitterling
    30. Mai, 2019

    Solange es Nachwuchs von solchem Kaliber gibt, ist mir um die Zukunft des Journalismus in unserem Lande nicht bange. Gut gebrüllt, junger weißer Löwe!

  • Martin1
    30. Mai, 2019

    Tja, bei mir ist es anders: weiß bin ich schon.

    Ich möchte ein alter weiser Mann werden!
    🙂

  • Jens Richter
    31. Mai, 2019

    Ich umgebe mich nur noch mit Erfindungen und Entwicklungen nicht-weißer Männer (Frauen inkludiere ich einfach mal). Ja, man kann auch in einem Erdloch glücklich sein. Elektrisches Licht braucht auch niemand. Schon gar nicht Kühlschränke, Computer und HiFi. Diese Nachricht habe ich auf dem Computer meines rückständigen Nachbarn verfasst und versendet (Internet brauche ich auch nicht).

  • DJ_rainbow
    31. Mai, 2019

    Der beste Teil ist mittendrin versteckt: “Ich checkte, wie allseits empfohlen, meine Privilegien. Sie gefielen mir.”

    So kurz, so einfach, so wahr. Treffer, versenkt! Zwei Sätze für die Ewigkeit – denn genau das (bzw. die Aussicht darauf) ist der innere Antrieb des Menschen gewesen, die Höhle und den Baum zu verlassen sowie Kultur und Zivilisation zu entwickeln. Und zwar bis zu dem Punkt, für den Michael Klonovsky notierte: “Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.”
    (Quelle: https://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna)

    Insgesamt:
    Sehr viel mehr Substanz als bei den blau-, grün-, rot-, buntlockigen Klimatubbies. Respekt, junger Mann! Und weiter so!

    Ein mittelalter weißer Mann, der auch gerade seine Privilegien gecheckt hat. Und festgestellt hat, dass er sie genießt.

  • Mandarine
    1. Juni, 2019

    Genau. Als Gegenrede gegen antiweißen (und jeglichen) Rassismus lesen: Sophie Liebnitz: “Tote weiße Männer lieben”. Antaios 2018.

  • S.W.
    2. Juni, 2019

    Lieber AirTürkis,

    wie schön, von Ihnen jetzt auch auf publico zu lesen. Bei Ihnen läuft’s gerade richtig gut: Klonovsky-Interview hier, Achgut da, Samuel Schirmbeck-Interview dort, und ich gönne Ihnen Ihren Erfolg von ganzem Herzen. Wenn es doch nur mehr Ihres Kalibers in Ihrer Altersgruppe gäbe! Weniger Rezo und Greta, mehr AirTürkis lautet die Devise.
    Ich wünsche Ihnen und uns, dass Sie und viele Ihrer Altersgenossen (u.a. auch mein eigener Sohn) alte, weiße Männer werden können und dass der grassierende Wahnsinn doch sein Ende finden möge.

    Viele Grüße von einer “alten”, weißen Frau!

    P.S: Auch das Lesen der Kommentare gibt mir Hoffnung, dass es viel mehr vernünftige Menschen in diesem Land gibt als man denkt. Wie herrlich wäre ein Zusammentreffen aller “alten weißen Männer und Frauen” im echten Leben….!

  • Oliver Hoch
    7. Juni, 2019

    Sehr schön geschrieben, Respekt (und hier NICHT meiner Religion geschuldet – wobei die auch nicht so schlecht ist, im Vergleich). Richtige Frauen sind nicht gegen Männer, richtige Junge sind nicht gegen Alte, richtige Nicht-Weiße sind auch nicht gegen Weiße. Es ist nur diese ekelhafte grün-rot-braun-schwarze Soße, welche sich wie schwerer Schleim über unsere Kultur legt, über unser Leben. Wir müssen das wegwaschen, wegwatschen. Wenn die Intelligenten zusammenhalten, dann können sie immer noch gewinnen.

  • grünes schleimiges Monster
    14. August, 2019

    Köstlich geschrieben!
    Die Welt braucht keine alten Weißen Männer: Sie führen Kriege, verbrauchen Ressourcen und unterdrücken Schwächere, ohne zum Fortbestand der Spezies beizutragen.
    Aber genau das ist das Schöne, ein alter weißer Mann zu sein: Zu wissen, dass es einen Grund geben muss, weshalb man dennoch existiert.

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