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In Merkels Land ist immer Endkampf

Ob Impfpflicht, Corona- , Klima- und Europapolitik – große Teile des politisch-medialen Apparats haben sich von Argumenten verabschiedet. Stattdessen schlagen sie im Panzer der Hochmoral Breschen in die Gesellschaft. Die Extrempolarisierung ist ein effizientes Herrschaftsmittel. Niemand weiß das so gut wie die Kanzlerin

Nikolaus Blome, ehemaliger Vizechef von Bild, gehört zu denen, die beim Spiegel die Rolle des Konservativen besetzen. Eine gewisse Distanz zu den Kolumnistinnen des gleichen Mediums besteht tatsächlich, jedenfalls fällt sie größer aus als der Abstand der Meinungsschreiberinnen untereinander.

Blome also schrieb dort kürzlich in seiner Eigenschaft als mittelalter weißer Staatsträger einen Text, in dem er für eine allgemeine Impfpflicht gegen Corona plädierte. Hauptsächlich, indem er, schon bevor der erste Arzt seine Spritze aufgezogen hat, die Bevölkerung in eine helle und einen dunkle Herde unterteilte und die Pflicht, sich den Stoff injizieren zu lassen, zum Kriterium der Zuweisung zu der einen oder anderen Seite machte. In dieser Logik fällte er sein moralisches Urteil über alle, die seinem Pflichtruf keine Folge leisten möchten:

„Ich […] möchte an dieser Stelle ausdrücklich um gesellschaftliche Nachteile für all jene ersuchen, die freiwillig auf eine Impfung verzichten. Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.“

Im Fahneneid der NVA, das ganz nebenbei, hieß es übrigens ganz ähnlich:

„Sollte ich jemals diesen Fahneneid verletzen, so möge mich die Verachtung des werktätigen Volkes treffen.“

Um auf historischen Spuren zu wandeln, muss man sie nicht unbedingt kennen. Es erschließt sich in Blomes Darlegung nicht ganz, wer eigentlich die gesamte fingerzeigende Republik sein soll, wenn es nicht wenige Abweichler gibt. In der Befragung von Spiegel Online, eingebettet in seinen Text, gaben immerhin 33 Prozent an, sich nicht gegen Corona impfen lassen zu wollen. Gehören die nicht zur Republik? Offenbar meint er es so. Mit dem Einwand, sein Duktus sei autoritär, muss man Blome gar nicht erst kommen:

„Der Staat hat schon umstrittenere Sachen durchgepaukt.“

Und Bedenken, Gründe?

„Vielleicht nehmen die Politiker ja Rücksicht auf die medizinischen Sorgen der Bürger. Aber das erscheint mir überflüssig, da sich dankenswerterweise ein knorriges Inselvolk im Nordatlantik als Probandenschar zur Verfügung stellt.“

 

Kandidat für den Ausschluss aus der Gesellschaft

Den Punkt, dass auch dort keine Impfpflicht existiert, lässt der Kolumnist zur Glättung seiner Argumentation beiseite.

Um einem Missverständnis vorzubeugen – eigentlich will der Autor unentwegt Missverständnissen vorbeugen, darin sieht er seinen wichtigster Antrieb – um also diesen Punkt gleich zu klären: Ich bin kein Impfgegner, als Kind gut durchgeimpft, gegen gut erprobte und bewährte Immunisierungen habe ich für mich nichts einzuwenden. Mir liegt es fern, jemanden zu missionieren, aber ich kann mich als gutes Beispiel anbieten. Allerdings bezieht sich meine Offenheit bei diesem Thema auf bewährte, seit langem bekannte Impfstoffe. Und in diese Kategorie fällt das neue Mittel von Biontech und Pfizer eindeutig nicht. Normalerweise vergehen vom Beginn der Stoffentwicklung bis zum Einsatz vier bis fünf Jahre, dazwischen liegt ein langes Zulassungsverfahren mit Test- und Karenzzeit, um auszuschließen, dass größere Schäden erst später eintreten.

Der Corona-Impfstoff kommt nach nur neun Monaten auf den Markt. Wie er in der Massenanwendung wirkt, muss sich noch herausstellen. Auch, ob Langzeitprobleme auftreten. Sollte das bei dem von Blome gelobten Inselvolk passieren, werden in Deutschland schon viele Impfdosen verteilt sein. Vielleicht beziehungsweise hoffentlich geht alles gut. Auffälligerweise gibt es weder in England noch hier großes Gedränge um die ersten Plätze in der Corona-Impfungsschlange, und das nicht nur aus irrationalen Ängsten und grundsätzlicher Skepsis gegen die Spritze, sondern auch aus verständlichen Gründen.
Bisher gibt es in Deutschland eine im internationalen Vergleich ganz gute Impfbereitschaft. Wer das unbedingt zum Schlechteren ändern will, muss es so anstellen wie Blome, indem er die Frage ‘Coronaimpfung ja oder nein beziehungsweise erst später’ unbedingt zum moralischen Endkampf der Gut- gegen die Schlechtbürger erklärt. Beziehungsweise wie CSU-Generalsekretär Markus Blume, der kürzlich im Welt-Interview davor warnte, „eine typisch deutsche Impfdebatte zu führen“ und das Thema zu „vergiften“, um im nächsten Satz genau das zu machen und die Entgegennahme der Corona-Spritze zur „patriotischen Selbstverständlichkeit“ zu erklären.

Wer nicht will, auch aus durchaus diskutierbaren Gründen, ist also wahlweise ein Kandidat für den Ausschluss aus der Gesellschaft oder ein Nicht-Patriot. Letzteres, daran hatte Blume möglicherweise nicht gedacht, wirkt al Drohung allerdings nur noch sehr bedingt in einem Land, in dem die Kanzlerin persönlich ihrem damaligen Generalsekretär das Deutschlandfähnchen aus der Hand zupfte, um es indigniert zu entsorgen.

Blume & Blome folgen mit ihrem moralischen Kulissenaufbau einer Praxis, die in Deutschland spätestens seit 2015 die Behandlung großer Themen formt und ihre Diskussion unterdrückt: Die Aufladung aller Fragen zum Endkampf zwischen den Kräften des Guten und den Mächten der Finsternis. Ob Energiepolitik, Migration, Klimaentwicklung, Europapolitik, Coronamaßnahmen, Anhebung der Rundfunkgebühr um 86 Cent oder eben die Impfung: Der moralische Endkampf ist Dauerzustand in der von Merkel geprägten Republik. Immer steht alles auf dem Spiel und die Uhr auf fünf Sekunden vor Zwölf. Immer haben sich die Bürger entweder zu der jeweils gerade angebotenen politisch-medialen Orthodoxie zu bekennen, oder sie zählen zu den Feinden des „besten Deutschland, das es je gab“ (Frank-Walter Steinmeier), tertium non datur.

Wo es früher eine ausdifferenzierte Gesellschaft mit den dazu passenden Medien gab, und zwar Medien, die überwiegend Regierungskritik für eine normale und jedenfalls nicht ehrenrührige Aufgabe hielten, stehen jetzt zwei Blöcke mit Grenzzaun dazwischen: Haltungsbekenner und innere Feinde.
Politischen Naturen, die es übersichtlich mögen, kommt das entgegen.

 

Uckermärkische Steppe statt Garten der Meinungen

Ein Paradiesgarten von Meinungen und Streit war Deutschland nie so recht, allerdings, in früheren Zeiten, immerhin eine passable Anlage mit Blumenrabatten und getrimmtem Rasen. Nach und nach verwandelte sich dieses Schrebergrundstück in eine uckermärkische Agrarsteppe mit verhärtetem Boden. Kürzlich widmete die NZZ diesem Wüstenbildungsprozess in Deutschland einen längeren Beitrag. Woher kommt das „alternativlose deutsche Meinungsklima“, fragt die Autorin dort: „Wann hat die Stimmung in Deutschland derart umgeschlagen?“

Vielleicht wurde sie umgeschlagen?
Wer ins Archiv schaut, kann wie ein Archäologe die einzelnen Schichten freilegen. Von heute auf morgen kam das Klima jedenfalls nicht, in dem ein Kolumnist mindestens ein Drittel aller Bürger zu Republik- wenn nicht gar Menschenfeinden stempelt, ohne dass der Chefredakteur dessen Karriere beendet.
Wann also fing das an?

Am 31. August 2015, als sie ihre Wende in der Migrationspolitik noch nicht öffentlich vollzogen, faktisch, wie heute bekannt, aber schon entschieden hatte, ging Angela Merkel vor die Journalisten der Bundespressekonferenz und verkündete Folgendes:

„Die Zahl derjenigen, die heute für Flüchtlinge da sind, die Zahl der Helfenden, die Zahl derjenigen, die fremde Menschen durch die Städte und Ämter begleiten, sogar bei sich aufnehmen, überragt die Zahl der Hetzer und Fremdenfeinde um ein Vielfaches, und sie wächst noch, dank vieler wunderbarer Berichte darüber von Ihnen, den Medien, gerade in den letzten Tagen.“

Hetzer und Flüchtlingsfeinde einer- und Flüchtlingshelfer andererseits, das waren für sie die relevanten Gruppen. Dazu noch die Medien als Hilfskraft, der sie ausdrücklich dankte. Der gesellschaftliche Abschnitt dazwischen interessierte sie nicht weiter. In diesem Abschnitt hielten sich damals gut 80 Prozent der Deutschen auf. Nur eine Minderheit, bei denen Merkel in der gleichen Pressekonferenz „Kälte, ja sogar Hass in deren Herzen“ diagnostizierte, demonstrierte vor Asylbewerberheimen. Nur eine Minderheit meldete sich dort als freiwillige Helfer. Eine sehr große Mehrheit, nicht nur Biodeutsche, sondern auch Migranten der früheren Jahre, stellten Fragen. Wer kommt da eigentlich? Wie viele werden noch über die Grenze wandern? Handelt es sich tatsächlich um überwiegend gut ausgebildete Facharbeiter? Wie viele werden von Sozialtransfers leben? Was passiert mit diesen Zuwanderern, wenn das Land in eine Wirtschaftskrise rutscht? Kommen alle in friedlicher Absicht? Haben die Politiker die Kraft, die vielen Asylbewerber, die absehbar kein Asyl erhalten, auch wieder abzuschieben?

In ihrer Pressekonferenz sagte Merkel nichts, was auch nur darauf hingedeutet hätte, dass sie diese Fragen ernsthaft aufnahm. Dafür ließ sie einen Satz fallen, mit dem sich die von ihr belobigten Medien nicht weiter befassten:

„Wir müssen das, was uns hindert, das Richtige zu tun, zeitweise außer Kraft setzen und deshalb auch ein Stück Mut dabei zeigen.“

Damit meinte sie die Verfassung, die eigentlich ein Asylrecht für alle ausschloss, die aus sicheren Drittstaaten kommen, dazu noch eine ganze Reihe von Gesetzen, die sich daraus ergeben. Die säuberliche Aufteilung in Hetzer und Helfer, die Indienstnahme der Medien, um dieses neue Gesellschaftsbild zu festigen, die Verdrängung aller berechtigten Fragen und schließlich ihre Ankündigung, beiseite zu räumen, was uns hindert: In dieser Pressekonferenz finden sich schon alle Zutaten für die Demokratie in den Farben von Angela Merkel. Ihr Protokoll sollte für Historiker zu den kanonischen Texten gehören.

Schon von Anfang an fiel der Umbau des Energiesektors in Deutschland in die Rubrik alternativlos. Aber parallel mit der Migrationsfrage entwickelte sich auch die Umstellung der Stromversorgung auf Wind- und Solarkraft von einer technischen und volkswirtschaftlichen Angelegenheit zu einem Bekenntnis, spätestens, seit sich der Komplex mit der Klimadebatte zu einem amorphen Ganzen entwickelte. Die technischen und volkswirtschaftlichen Details verschwanden einfach unter dem Gewicht der Moral, das sich über das Thema schob, ein Effekt, den viele Politiker und sonstige Interessierte als nützlich empfinden dürften. Nach 20 Jahren hochsubventioniertem Ausbau der Wind- und Solarstromanlagen lag auch im November 2020 der Beitrag dieser Quellen an vielen nebligen und windstillen Tagen im einstelligen Prozentbereich, großindustrielle Speicher sind nirgends in Sicht, die Strompreise in Deutschland dafür die höchsten in Europa. Unter diesen Bedingungen halten es viele Bürgerinitiativen für absurd, immer mehr Landschaft inklusive Wälder für neue Windparks zu opfern, deren Strom sich nicht speichern lässt, und die in der Flaute genau so stillstehen wie die 30 000 existierenden Turbinen.

Alles Problemstellungen, deren Diskussion sich lohnen würde. Allerdings nicht in einem Deutschland, in der jede Debatte durch letzte Fragen ersetzt wird. Etwa in einer Sendung des ARD-Politmagazins „Monitor“, das sich mit den Bürgerinitiativen gegen Windkraft befasst, die unter dem Dach des Bundesverbandes „Vernunftkraft e. v.“ zusammengeschlossen sind. In „Monitor“ kommt Patrick Graichen, von der Lobbyorganisation „Agora Energiewende“ mit folgendem Urteil zu Wort:

„Im Grunde leugnen die Vernunftkraftleute natürlich den menschengemachten Klimawandel. Was sie ja dann beantworten müssten, wenn sie denn, die Klimakrise und die Herausforderungen der Erderwärmung ernst nehmen würden, ist, wie soll denn sonst unser Strom produziert werden, wenn nicht mit Wind und Sonne?“

Zwar „leugnen“ die Vernunftkraftmitglieder den menschengemachten Anteil am Klimawandel keineswegs, weder wörtlich noch sinngemäß. Aber nach Graichen beziehungsweise der ARD-Sendung tun sie es „im Grunde“ doch – sonst würden sie ja nicht gegen den Bau von Windrädern im Wald protestieren. Nicht von ungefähr lehnt sich die Wortschöpfung „Klimawandelleugner“ an „Holocaustleugner“ an. Entweder steht jemand also auf der hellen, vernünftigen Seite – das muss er dann allerdings ständig neu beweisen, indem er jedes Windrad und jede Energiewendemaßnahme der Regierung begrüßt. Oder er bewegt sich eben im Bereich des moralisch Indiskutablen, auf den die Republik der Guten mit dem Finger zeigen darf. ARD-„Monitor“ ist nur eine Kraft von vielen, die das immer gleiche Narrativ wiederholen. Die mit Millionen Steuereuro finanzierte Amadeu-Antonio-Stiftung der ehemaligen Stasizuträgerin Anetta Kahane etwa schreibt in ihrer Broschüre „Demokratie in Gefahr“, die AfD würde die „gesundheitliche Schadwirkung“ durch Windräder zum Thema machen: „Aussagen wie diese ignorieren die wissenschaftliche Forschung“. Die Zeit titelt: „Wo die AfD gegen Windmühlen kämpft“.

 

Die ziemlich komplexe Frage: ’Wie soll Deutschlands Energieversorgung einmal aussehen’ schnurrt bei dieser Themenbehandlung auf die Alternative zusammen: Stehst du auf der hellen oder der dunklen Seite? Bist du Hetzer oder Helfer?

Eine noch etwas schrillere Tonlage übertönt die ebenfalls komplexe Klimadebatte mittlerweile derart, dass jeder, der noch an einer Diskussion statt an einem kollektiven Glaubensbekenntnis teilnehmen will, sehr starke Nerven braucht. In einem Interview mit dem Spiegel sagte der Gründer der extremistischen Klima-Endzeitbewegung „Extinction Rebellion“ Roger Hallam:

„Der Klimawandel ist nur das Rohr, durch den Gas in die Gaskammer fließt. Er ist nur der Mechanismus, durch den eine Generation eine andere tötet.“

Fridays for Future distanzierte sich zwar ein bisschen von Hallam, allerdings nur sehr graduell. Auch deren deutsche Frontfigur Luisa Neubauer droht mit hunderten Millionen Klimatoten, sollten die FFF-Forderungen nicht buchstabengetreu umgesetzt werden. Das Bild vom drohenden „Verbrennen“ der Welt gehört zum Standardrepertoire ihrer Bewegung. Ganz in diesem Sinn präsentierte vor kurzem die ARD ihr dystopisches Dramolett „Ökozid“, in dem Angela Merkel 2030 vor einem Gericht steht, das eine Klage des hitzeverwüsteten Südens gegen die EU verhandelt. Merkel muss zwar nur als Zeugin auftreten, ideell verkörpert sie aber die Schuldige, weil sie es 2020 versäumt hatte, die Parolen Luisa Neubauers politisch zu exekutieren. Die Macher des Films lehnten sich mit „Ökozid“ ganz bewusst an den Begriff Genozid und mit ihrem Setting an die Nürnberger Prozesse an.

Selbst politische Detailfragen quetscht der politisch-mediale Apparat mittlerweile in das Raster des Armageddons zwischen den Mächten des Lichts und der Finsternis, etwa die Entscheidung, ob der Rundfunkbeitrag 2021 um 86 Cent pro Monat und Zahler steigen soll oder nicht. ’Oder nicht’ – so lautete zusammengefasst die Formulierung im Koalitionsvertrag des Bündnisses aus CDU, SPD und Grünen in Sachsen-Anhalt. Dass SPD und Grüne sich nicht mehr an diesen Vertrag halten und doch erhöhen wollten, ließen viele Politiker und eine ganze Reihe von Medien einfach weg; stattdessen inszenierten sie die Geschichte vom „Dammbruch“ (so eine SPD-Politikerin), weil es trotzdem immer noch eine Mehrheit aus CDU und oppositioneller AfD gegen den Rundfunkstaatsvertrag gab. Darüber, ob der teuerste öffentlich-rechtliche Rundfunk der Welt tatsächlich noch mehr Geld braucht, ob er über 60 Hörfunkprogramme anbieten muss und was Grundversorgung in Zeiten von Netflix bedeutet – darüber könnte es einen detaillierten öffentlichen Streit geben. Praktischerweise kann sich ein Politiker, dem Argumente zu mühsam sind, diese Prozedur auch sparen, so wie die sachsen-anhaltische Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann:

„Es geht hier um die Frage der politischen Haltung gegenüber Rechten und Nazis. Es wäre ein absolutes No-go, wenn […] Demokraten mit Faschisten abstimmen.“

Nach dieser Logik haben alle anderen Parteien grundsätzlich anders zu votieren als die AfD, egal, worum es geht – anderenfalls tritt der Faschismus, der sowieso immer vor der Tür steht, endgültig in die gute Stube. Interessant ist, welches Gesellschaftsbild sich dabei herausschält. „Schon wieder hat Reiner Haseloff seine Fraktion nicht im Griff“, empört sich etwa der Deutschlandfunk. Haseloff ist Ministerpräsident, also Chef der Exekutive. Nach Vorstellungen des „Gemeinwohlsenders“ (ARD-Framing-Manual) sollte er also eine Fraktion von Abgeordneten „im Griff“ haben, ihr also Weisungen erteilen. Es handelt sich übrigens um den gleichen Deutschlandfunk, der fast täglich mit Tremolo über die autoritäre Orbán-Regierung in Ungarn berichtet.

 

Auschwitz und Gott, die Pole des Absoluten

Wer den Endkampf zum politischen Dauerbetrieb macht, braucht ein entsprechendes Vokabular und passende historische Kostümierung. Auf ihrer Sommerpressekonferenz am 20. Juli 2018 wollte Angela Merkel eine Botschaft zu ihrer Europapolitik abgeben – es ging wieder einmal um eine europäische Lösung statt einer nationalen Grenzkontrolle, wie sie Seehofer damals anstrebte – und so schloss sie kurzerhand sich selbst mit dem 20. Juli 1944 und Graf Stauffenberg kurz. „Diese Pressekonferenz“, so Merkel, „findet am 20. Juli statt. Der 20. Juli ist nicht irgendein Tag in der deutschen Geschichte. Viele Menschen haben ihr Leben für Europa, für ein gemeinsames Europa gelassen. Das sehe ich schon als einen wichtigen Auftrag an, der im Übrigen auch schon in der Präambel des Grundgesetzes niedergelegt ist.” 

Was ihr der Mantel Stauffenbergs ist, war dem Autor Robert Menasse Ausschwitz – denn dort, auf dem Gelände der Gedenkstätte, so behauptete er in einem Essay, habe der erste Präsident der EU-Kommissionspräsident Walter Hallstein 1958 seine Antrittsrede gehalten. Und in dieser Ansprache habe sein zentraler Satz gelautet: „Die Abschaffung der Nation ist die europäische Idee!”

Auschwitz als eigentlicher Gründungsort der EU, die Auslöschung der Nationen zugunsten eines europäischen Einheitsstaates als deren Ziel von Anfang an: so lautete Menasses Geschichtsschreibung. Was spiegelbildlich bedeutete: Wer sich der Idee des europäischen Einheitsstaates verweigert, der will zurück nach Auschwitz, oder nimmt diese Richtung zumindest billigend in Kauf.
Es stellte sich dann heraus, dass es sich um eine Komplettfälschung durch den Autor handelte. Weder hielt Hallstein seine Antrittsrede in Auschwitz, noch hatte er irgendwann diesen Satz von der Abschaffung der Nationen als EU-Endziel gesagt.

Dem Spiegel-Autor Claas Relotius wurden Preise aberkannt, als seine Schwindelgeschichten aufflogen. Menasse bekam trotz seiner Fälschung die Zuckmayer-Medaille aus der Hand der SPD-Politikerin Malu Dreyer. Ein bisschen Fälschung für das Gute, argumentierte sie damals sinngemäß, sei verzeihlich. Sie passte auch ganz gut in ein Klima, in dem ein Heiko Maas seine Dürftigkeit als Außenminister in den großen Mantel der Geschichte hüllt, wenn er erklärt, er sei „wegen Auschwitz“ in die Politik gegangen. Und nicht etwa deshalb, weil sein schlechtes Juraexamen den Karriereraum für ihn etwas eng machte.

Lässt sich auch Corona irgendwie mit Auschwitz verbinden? Bis vor wenigen Tagen war dazu noch keinem etwas eingefallen. Dann kam Julia Probst, Grünen-Aktivistin und Bloggerin. Sie hielt dem Virologen Hendrik Streeck, der einige Corona-Maßnahmen der Regierung kritisierte, auf Twitter vor, sein Großvater habe Auschwitz mitgeplant, und irgendwie setze der Enkel dessen Werk fort: „Welches Gedankengut wird hier hochgehalten?“ Immerhin löschte sie dann ihren Twitteraccount.

Ob es um Windräder geht, Klimapolitik, den Weg zum EU-Einheitsstaat, Rundfunkgebühren, selbst Eindämmungsmaßnahmen gegen ein Virus: In diesen permanenten Endkämpfen bildet immer der Nationalsozialismus und ziemlich oft Auschwitz den zentralen Punkt der historischen Perspektive, das absolut Böse. Das erzwingt geradezu eine Entgegensetzung am anderen Ende der Skala. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch verglich Greta Thunberg mit Jesus und die FFF-Demonstrationen mit den „biblischen Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem”. Endzeit also hier und da.

Zwischen den absoluten Polen Auschwitz und Jerusalem, dem Bösen und Gott lässt es sich als Moral-Entrepreneur ganz gut leben. Nur eben nicht mehr diskutieren. Denn unter der Last des Absoluten zerbröselt jede Sachfrage. Das ist aus Sicht sehr vieler Politiker und Angehöriger des Kommentariats kein Problem, sondern gerade das Ziel der Übung. Von Merkel und Söder bis zu medialen Hintersassen wie Blome haben sich viele daran gewöhnt, nicht mehr zu argumentieren, sondern im Panzer der Hochmoral ihre Breschen in die Gesellschaft zu hauen. Das teilt die Bevölkerung in Gefolgsleute und Feinde. Gerade die Beschwörung des inneren Feindes, des Bösen, des drohenden „Unheils“ (Merkel) festigt die eigene Anhängerschaft. Dieser Effekt sollte nicht unterschätzt werden. Eine Teilung in das undiskutierbar Gute und das diskussionsunwürdige Böse funktionieren zumindest auf Zeit als effizientes Herrschaftsmittel.

Denn es macht Gesellschaftsmitgliedern das verlockende Angebot, auf der Seite der Guten und gleichzeitig der Stärkeren zu stehen. Es dient gewissermaßen als moralisches Exoskelett. Wie ganz normale Bürger in diesem Exoskelett handeln und reden, lässt sich seit einiger Zeit in Internetforen, aber auch zuweilen auf der Straße besichtigen. Es gibt durchaus nicht wenige, die im Netz Schusswaffeneinsatz gegen Querdenker-Demos fordern, Isolierungslager, Ausschluss der medizinischen Behandlung für Impfunwillige. Genau so wie Haftstrafen für „Klimaleugner“; vor kurzem bildete die Süddeutsche einen Demonstranten ab, der „Konzentrationslager für Neonazis“ verlangte – wobei ein Quasi-Nazi, siehe oben, schon jemand sein kann, der findet, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte nicht noch mehr Geld bekommen. Die Redaktion der Süddeutschen sah in dem Ruf nach KZs nur eine „erregte“ Meinungsäußerung. Erregt – das siedelt schon fast in der Nachbarschaft von ’engagiert’.

In der DDR gab es vor dem regelmäßigen Einwurf der Einheitswahllisten in die Urne die staatliche Losung:

„Wer für den Frieden ist, wählt die Kandidaten der Nationalen Front“.

Das verbanden die Herrschenden wiederum mit der Losung:

„Nie wieder Krieg und Faschismus“.

Wer also nicht wie erwartet den Zettel faltete und zu den 99,9 Prozent Zustimmung beitrug, hatte schon mit einem Bein das Terrain des Faschismus betreten.

Selbstverständlich wird Merkel sich gegen den Gedanken wehren, dass dieses Verständnis das ist, „was mich leitet“ (wie eine ihrer psalmodierenden Lieblingsformulierungen lautet). Aber je länger sie herrscht, desto deutlicher tritt ihr Konzept hervor, die gesamte Gesellschaft in Gefolgsame und Feinde zu unterteilen. Der Dialog mit Feinden, die „Hass im Herzen“ tragen, erübrigt sich. Auf die Frage eines Journalisten, ob sie denn auch plane, mit Kritikern der Corona-Maßnahmen zu diskutieren – mit FFF-Aktivisten habe sie sich ja auch getroffen – antwortete Merkel im Sommer, das habe sie nicht vor. Ihre Botschaft lautet: Da gibt es nichts zu besprechen. Wer nicht mitmacht, ist zu exkludieren. Blomes Formulierung: ’möge die gesamte Gesellschaft mit dem Finger auf sie zeigen’ könnte auch von ihr stammen.

In der Spätestzeit der DDR lautete ein Kommentar Erich Honeckers zu denjenigen, die aus seinem Land ausreisen wollten: „Man sollte ihnen keine Träne nachweinen.“ So ungefähr dürfte Merkel auch über diejenigen denken, die sie demonstrativ von jedem Gespräch ausschließt.

Das erstaunliche des Jahres 2020 besteht darin, dass große Teile der bundesdeutschen Funktionselite ihr Gesellschaftsverständnis teilen. Es stellt sich nur die Frage, wer eigentlich den Dauer-Endkampf weiterführen sollte, wenn sie, die begabteste Kämpferin, ihren Dienst 2021 tatsächlich quittieren sollte.

 

 


Dieser Text erscheint auch auf Tichys Einblick.

 


 

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37 Kommentare
  • Jürgen Schmidt
    10. Dezember, 2020

    Vielen Dank. Erinnert mich daran, wie wir in den 1980er-Jahren, damals in der beschaulichen Bonner “Schrebergarten”-Republik unseren Großvater fragten “Wie konnte das damals eigentlich passieren, das mit den Nazis?” Es war uns wirklich ein völliges Rätsel. Er hat keine Antwort gegeben, es gab für uns nur ein mildes Lächeln, dann noch eine Runde Korn.
    Ich hätte nie gedacht, dass ich 40 Jahre später die Antwort selbst erleben würde. Es ist wieder der gleiche Menschenschlag aktiv, auf die gleiche Weise. Er hat “Oberwasser”, sich gegenseitig selbstverstärkend.
    Meinen Großvater hat “das mit den Nazis” u.a. einen Teil seiner Därme und seiner Bauchdecke gekostet, die blieben im schönen Italien in irgendeinem Granattrichter, da wo er an die 8.8er Flak zwangsrekrutiert war (im Kampf gegen das Böse, natürlich). Danach war er Frührentner, sein Leben ruiniert.
    Welchen Preis werden *wir* noch wegen dem Treiben dieser Figuren, die Sie im Artikel beschreiben, bezahlen müssen?
    Was werden *wir* dann unseren Enkeln antworten?

    • H. Grieger
      11. Dezember, 2020

      Am Deutschen Wesen soll wieder die Welt genesen! Mit Deutscher Gründlichkeit wird die Gesellschaft von einigen verrückten Extremisten umgebaut und der Michel, beseelt vom Untertanengeist, maschiert mit.

  • Libkon
    10. Dezember, 2020

    Nach der sehr aufwühlenden Reportage des Herrn Wendt komme ich zu dem Ergebnis: Nein, wir leben nicht mehr in einem demokratischen Land. Frau M. gelernete Sozialistin, hat eine neue (innere) Mauer errichtet. Sie WILL KEINE Demokratie mehr, sie WILL ein autoritäres Land. Und zwar um jeden Preis. Weg von der Nation, der Heimat, dem Glauben und der Familie. Weg damit. Demokratie bedeutet lebendige Auseinandersetzung. Streit um den richtigen Weg, der möglichst viele Bürger überzeugen soll. NICHT MEHR.

    Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns, so verstehe ich das. Das ist totalitär. Wer will soetwas? Ich habe mein Deutschland verloren, wo wir alle miteinander stritten FÜR eine gemeinsame Zukunft. Das hat sich wohl nun erledigt. Diesmal werden uns die Amerikaner nicht befreien. Die haben genug mit sich selbst zu tun.

  • Frank Danton
    10. Dezember, 2020

    Geehrter Herr Wendt. Man kann ja mit Fug und Recht behaupten, dass dieses Jahr für jene, die die Fähigkeit besitzen aus Informationen Wissen zu generieren, eine schwere Last war und ist. All die von Ihnen angesprochenen Themen bleiben als Narben des Intellekts zurück. Aber es gibt auch das Gute, Wahre und Schöne in dieser Zeit der Anti-Vernunft, und das sind Ihre Texte. Sie stemmen sich exzellent gegen das Ordinäre und die Mediokrität in dieser Gesellschaft, Sie sind, trotz der surrealen Ausgangslage, ein literarischer Ästhet mit höchsten Ansprüchen und sind für jeden bewussten Leser, zu jeder Zeit, ein Maßstab für Kritik an dem was einen umgibt. Heute wo der Putz von allen Wänden bröckelt und es immer kälter und grauer wird, die Menschen in einer Massenpsychose verharren und bei jeder kleinen Regung von Verstand mit dem Höllenfeuer drohen, heute sind Ihre Kommentare nicht nur Freude, sondern dienen der Vergewisserung des eigenen Existenzrechts. Danke

  • Heike Olmes
    10. Dezember, 2020

    Mit leichter Hand erklären Sie eine der schwersten Fragen: Wie und warum wurde Deutschland so, wie es heute ist ? Danke dafür. Ihre letzte Frage kann ich Ihnen übrigens beantworten: Merkel wird so lange an der Macht bleiben, bis auch der Letzte auf Spur gebracht wurde – trotz ihrer Krankheit und der Trotzigkeit ihrer Untertanen. Ist das nicht lieb und aufopferungsvoll von ihr? Sie mag uns wirklich.

  • Jaspers
    10. Dezember, 2020

    Ja, das neue schönere Deutschland, welches uns die antinationale Einheitsfront unter Führung der alternativlosen Kaiserin gebastelt hat, ist ein quasi religiöses ideologisches Konstrukt. Widerspruch und
    Widerstand sind zwecklos, weil Nazi! Nur komisch, dass genau dieses Konstrukt mehr und mehr mit Nazi-Denken und Nazi-Methoden verteidigt werden muss. Weil……der neue Faschismus gibt sich natürlich als Antifaschimus aus! Das hat ein schlauer Italiener schon in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts vorausgesagt.

  • Gotlandfahrer
    10. Dezember, 2020

    Dieser Artikel verdient aufgrund seiner verdichteten Beispiele und Zielführung hin zum eschatologischen Grundübel unserer Zeit weiteste Verbreitung und Dokumentation für die Nachwelt.

    Zwar wäre es falsch, Merkel die Alleinschuld an den Zuständen zuzuweisen, denn – so las ich letztens trefflich – die Zeiten machen die Meister, nicht umgekehrt. Merkels Samen autistisch-psychopathischer Verbohrtheit, den sie als Funkenflug über den geistig ausgedörrten Zunderschwamm-Nährboden Deutschlands ausbrachte, ließ ihn zwar wie durch Brandbeschleuniger in einen um sich greifenden Flächenbrand auflodern. Die Bereitwilligkeit der Selbstentzündung und die vorhergehende Austrocknung wiederum sind aber Voraussetzungen, die nicht sie zu verantworten hatte.

    Die einzige Hoffnung – neben “Big things to happen these days” – ist, dass jedem Feuer einmal der Brennstoff ausgeht. Und aus der Asche Neues erwachsen kann. Anders als bei Stalin, dessen Menschenhass sich immerhin noch eines zeitenübergreifend wahrhaftigen Überlebenswillen des eigenen Volkes bediente, der dem einen oder anderen Russen heute ein Begründungsrest für das ansonsten objektiv nur satanisch zu nennende Erbe liefert, wird bei Merkel nach dem Zusammenbruch nichts bleiben, womit sich irgendjemand identifizieren können wird. Wer auch immer dann die deutsche Immobilie noch bewohnt, Merkel wird ihm nur als Zeugnis dafür dienen, welcher Geisteshaltung nachweislich stets zu wehren ist.

    Zu dem, “was mich leitet”, noch ein Link auf einen Gastbeitrag bei Vera Lengsfeld aus 2018, der an Aktualität nichts verloren hat, und der sich der für ihre katalytische Treiberfunktion notwendige geistige Verfasstheit durch Quellenstudium anzunähern versucht:

    https://vera-lengsfeld.de/2018/10/17/mit-dem-weltheilungspanzer-durch-das-leben-der-anderen/

  • Gustav Jaspers
    10. Dezember, 2020

    „Der Staat hat schon umstrittenere Sachen durchgepaukt.“
    Das stimmt – aber mit welchen Mitteln wurde gepaukt.

    Wie erreicht man, dass es „gesellschaftliche Nachteile für all jene“ gibt, die nicht „freiwillig“ etwas tun, auch wenn „die gesamte Republik mit dem Finger auf sie“ zeigt.

    Die nationalen Sozialisten der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts haben das mustergültig vorexerziert. Zuerst muss die „Realität“ de-konstruiert werden. Erst dann kann eine andere Realität bildmächtig neu konstruiert werden.
    Die US-amerikanische Autorin Susan Sontag hat das in ihrem Essay Faszinierender Faschismus so beschrieben: Im Propagandafilm „Triumph des Willens“ von Leni Riefenstahl ist das Dokument (das Bild) nicht nur die Aufzeichnung der Realität; die ‚Realität‘ wurde nach der De-Konstruktion neu konstruiert um dem Bild zu dienen.
    Um das zu erreichen war und ist eine gleichgeschaltete Presse notwendig. Diese Presse muss die Sogwirkung der ausgewählten „neuen“ Bilder gleich verteilen – da darf niemand ausscheren. Ob wie damals die bildliche Überhöhung Hitlers und Mussolinis und die anmutig wirkende Massenchoreografie oder wie heute Migranten-Trecks von Frauen mit kleinen Kindern. Alternative Realitäten. Nur damit lassen sich umstrittene Sachen durchpauken. Leere Impfzentren passen da nicht ins Bild.

  • P. Schmidt
    10. Dezember, 2020

    Was für ein toller Artikel!

  • Carlos Redder
    10. Dezember, 2020

    Von “Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen” verehrter Herr Blome, könnte erst dann die Rede sein, könnte mannfrau diese “dunklen Elemente” auch stantepede erkennen. Also, Herr Blome, treten Sie konsequenterweise ab sofort auch für eine gut sichtbare Kenntlichmachung dieser Unmenschen ein. Seit dem Mittelalter bis hinein in die jüngste Vergangenheit dieser grandiosen Edelmenschenrepublik gibt es viele probate, erfolgreiche Muster solches in missliebige Bevölkerungsgruppen zu implementieren. Bewährterweise durch eine abartige Kopfbedeckung, diverse bunte Aufnäher? Ihren diesbezüglichen, offensichtlich ziemlich affinen Pranger-Phantastereien seien keine Grenzen gesetzt. Gibt es in diesem Lande zunehmend sowieso nicht mehr – und die Frage sei erlaubt, wie sich demnächst diese neue Gutvölkische Bewegung nennen wird, und nein, wenn nicht braun, wie wird die Farbe dann? Ich hätte da mal einen Vorschlag zu machen…Herr Wendt, wie stets: vielen Dank für Ihre makellos-ehrlichen Arbeiten.

  • Starhemberg
    10. Dezember, 2020

    Es ist so furchtbar. Und so furchtbar wahr. Diese Frau hat innerhalb von etwa 9 Jahren (ab Fukushima) fast alle funktionierenden Strukturen der Bundesrepublik nachhaltig zerstört. Innerhalb der ihr nun hörigen Trümmer dilettiert sie stotternd, hampelnd und zitternd weiter. Falls es wahr sein sollte, dass jedes Volk jene Politiker bekommt, die es verdient, dann kann ich nur sagen, um solch ein Volk kann es nicht schade sein. Übrigens – “Es gibt kein Volk” Zitat Robert Habeck.

  • Gustav
    10. Dezember, 2020

    Es reicht aus, dass man einen Unsinn systematisiert, damit er zur Meinung von vielen wird.
    Nicolás Gómez Dávila

  • Anonymer Leser
    10. Dezember, 2020

    Dieses neue Gut-oder-Böse – mit ständigem Bekenntniszwang und erwarteten rituellen Distanzierungen von allem Bösen – erlebe ich sogar in meiner eigentlich wenig politischen Herkunftsfamilie. Dort wurde neulich über den schrecklichen Trump gesprochen, der endlich gehen solle und der jetzt sogar zu behaupten wage, die Wahl sei gefälscht. Unerhört. Schlimm.

    Als ich daraufhin anmerkte, dass meines Wissens die US-Briefwahlen wirklich viele Fragen aufwerfen würden und es z.B. zur Versendung von Unterlagen an Tote und zu weiteren Unregelmäßigkeiten gekommen sei, da wurde nicht etwa über dieses Thema gesprochen. Da half auch meine nachgeschobene Distanzierung/ das Bekenntnis nichts, dass ich den Politikertyp, den Trump verkörpert, eigentlich ablehne.

    Das “eigentlich” war zuviel. Und als ich dann noch sagte, dass man nicht wisse, ob der offensichtlich überforderte und vielleicht bereits an Demenz erkrankte Biden nicht lediglich ein Platzhalter für eine Vizepräsidentin sei, die niemals eine Wahl hätte gewinnen können, die aber nach seinem “Hingang” dann Präsidentin würde – da war es endgültig aus.

    Mein Bruder sagte: “Wenn ich das höre, mache ich mir Sorgen um Dich. Nicht, dass Du auch noch AfD wählst.”

    Ich hätte ihn am liebsten geschüttelt und gesagt: “Ich mache mir Sorgen, ich bin sogar verweifelt. Was soll aus meinem “eigentlich” geliebten Heimatland werden, wenn der Rechtsstaat vor die Hunde geht, und sich die Parteien dieses Land zur Beute machen? Und ich nur zwischen der AfD, der Ex-SED und vier mehr oder weniger linken Parteien wählen kann, die zu wichtigen Themen nur verschiedene Dosierungen des in meinen Augen Falschen wollen?”

    Jetzt streichen die GRÜNEN sogar noch die Volksentscheide aus ihrem Grundsatzprogramm. Da man jetzt an den Trögen angelangt ist, an denen man sich am Land fettfressen kann, stören Volksentscheide nur, die einen bei einzelnen Themen auf Diät setzen könnten. Also sind die jetzt auch böse. Weil AfD. Damit Nazi. Wie Trump und die Corona-Leugner.

    • P. Groepper
      11. Dezember, 2020

      Wahrscheinlich sind Sie nicht alt genug, um mit Ihrem wirklichen Namen zu zeichnen. Sie könnten Ihren Job verlieren oder auf andere Weise Ihre Existenz riskieren. Das ist nur zu verständlich. Und das ist völlig in Ordnung. Ich würde es an Ihrer Stelle nicht anders machen. Es ist nur traurig, dass es so sein muss. In dieser Zeit muss sich verstecken, wer seine nicht-extreme Meinung äußern will, ohne Job, Gesundheit oder beides zu riskieren oder zu verlieren. Früher war das anders. Und davor wiederum war es genauso. Ein ewiges Wechselspiel. Was ist mit den vielen bekannten Personen, deren Meinungen wir NICHT hören? Auch sie wollen sich nicht ihre Autos oder Häuser abbrennen lassen. Das Beispiel Uwe Steimle zeigt: Bestrafe einen und erziehe Hunderte. Hochachtung und Dank für Uwe Steimle, Michale Klonovsky, Alexander Wendt, Bernd Zeller, Thorsten Polleit, Roland Tichy, Henryk Broder und VIELE andere mehr.

  • P. Groepper
    10. Dezember, 2020

    Sehr geehrter Herr Wendt,
    ganz große Hochachtung für diese Beschreibung und Zusammenfassung der olfaktorischen Eigenschaften unseres besten Landes, welches wir je hatten. Bildlich gesprochen: Bis zum Halse tief in menschlichem Dung (um das Sc…… Wort zu vermeiden) zu waten und dabei die wahrgenommenen verschiedenen Pest-Geruchsnuancen treffend zu beschreiben, ohne vor Abscheu und Verachtung ohnmächtig zu werden, nötigt mir allerhöchsten Respekt ab. In dieser Form können das nur Sie!

  • Annerose
    10. Dezember, 2020

    Danke – Ein hervorragender Artikel !!!!!
    Schönen Gruss an die kommunistische Staatsratsvorsitzende, denn als solche – und nur als solche – macht sie ihre Arbeit hervorragend ! (s i e hat es bald geschafft)

  • JL
    10. Dezember, 2020

    Was für ein Artikel! Alexander Wendt rettet die Ehre des deutschen Journalismus, obwohl dieser es nicht mehr verdient. Spontan unterstütze ich ein weiteres Mal eine dieser Rettungsinseln im Meer der regierungsfrommen Plattitüden. Wenn Sie eingesperrt werden, backe ich Ihnen ein Brot mit Feile.

  • Jens Richter
    10. Dezember, 2020

    In England kommt es nicht zur Schlangenbildung, weil bestimmte Kohorten zuerst geimpft werden: Menschen über 80 und Krankenhauspersonal in Bereichen mit hoher Ansteckungsgefahr. Wenn die durchgeimpft sind, kommen die nächsten dran. Hier warten alle auf die Impfung, die sich sonst auch impfen lassen. German Angst kennt man nur aus Filmkomödien. Wie überall gibt es auch hier Naturtrübe, die jede Impfung ablehnen, weil sie böse ist.

  • ToNo
    10. Dezember, 2020

    Wie immer beneidenswert klug geschrieben. Vielen Dank für den viel zu seltenen Trost Ihrer Beiträge, Herr Wendt.
    Ich finde es erschreckend, welch große Teile der Bewohnerschaft Deutschlands heutzutage tatsächlich eine stramme Gefolgschaft für Merkel & Co. aufs Parkett legen. Und wie wenig Widerstand sich regt. Das gibt Merkels Kurs der Hysterisierung und Polarisierung, wie Sie ihn beschrieben haben, im reinen Machterhaltungssinn absolut Recht. Sie war zwar diejenige, die diese Art des Herrschens am konsequentesten von allen Bundeskanzlern, die ich erlebt habe, umgesetzt hat. Aber schuld daran ist sie “nur” insofern, als dass sie damit einfach nur skrupellos an der Macht bleibt und ihr jegliche Sympathie für das Konstrukt namens “Volk” fehlt. Die Kräfte dahinter haben sich lange Zeit aufgebaut und konnten immer ungehemmter ihren Einfluss stärken, bis sie heute in allen wichtigen Sparten an der Macht sind. Die Gegenkräfte in Form von Konservativen und Liberalen haben hier schon lange versagt. Die Ursache dafür ist vielleicht einfach nur der “Zeitgeist”? Was tun? Ich habe mich in den letzten Monaten zwei, drei Mal ernsthaft gefragt, ob ich tatsächlich an einem charakterlichen Defekt leide und mich doch einfach nur umpolen lassen müsste. Lohnt sich diese ganze Widerspenstigkeit? Oder um mit Herrn Wolkenspalter zu sprechen: was macht das mit uns? (Letzteres nur Ironie!)

  • Rolf
    10. Dezember, 2020

    Danke, Herr Wendt!

  • Sepp
    10. Dezember, 2020

    Wirklich ein sehr starker Text über jene manichäischen “Statsträger”, die “jede Debatte durch letzte Fragen ersetzten”, Herr Wendt.

  • Immo Sennewald
    11. Dezember, 2020

    Das ist eine brillante Analyse der “Endzeit”, in der wir zweifellos leben. Was allerdings zu Ende geht, ist noch nicht gänzlich entschieden; Keime einer Erneuerung sind – wie immer in solchen Endzeiten – zu erkennen. Alexander Wendt arbeitet sich – dafür verdient er sich immer wieder meinen Respekt – an Figuren ab, bei denen Hopfen und Malz verloren sind. Vor 40 Jahren konnte ich’s mir nicht aussuchen und tat dasselbe. Tröstlich: Was verdientermaßen zugrunde geht, geht zugrunde. Bitter: Es kostet viel zu viel Lebenszeit, wenn nicht gar Leben. Kein Gerichtshof der Welt konnte je die “Kollateralschäden” heilen, als die Menschen, Kulturen, Zukunftsaussichten abgetan wurden, wenn die Hybris der Regierenden wieder einmal in eine Endzeit hineinsteuerte. Keine Illusionen zu haben, aber zu wissen auf wessen Schultern wir stehen, wenn wir’s nicht einfach hinnehmen, ist schon eine Hilfe.

  • Skeptiker
    11. Dezember, 2020

    Ich will mich nicht wiederholen und erneut Ihren wie immer aufklärerischen und stilistisch hervorragenden Artikel loben. Wenn ich sage, dass ich hoffe, Ihre Artikel weiterhin lesen zu können, so knüpfe ich an Ihre Diagnose an. Wir werden die kommenden Monate Exzesse von Zensur, Manipulation und Lügen erleben. Endkampf ist eben Endkampf – und die Blomeschen Vorschläge, die ohne Polemik nur mehr als krypto-faschistisch zu benennen sind, geben die kommende Richtung im Kampf gegen impfkritische Bürger vor. Auch der Rattenpsychologe bekommt die Nager nicht ohne Zwang in die Skinnerbox. Wenn man die Analogie zum 2.Weltkrieg bemühen sollte: auch nach Stalingrad war noch ein langer Weg bis zum 8.Mai. Mir graust nur noch.

  • Jürgen
    11. Dezember, 2020

    Wieder einer von diesen brillanten Artikeln. Nur: Die Schar derer, die ihn erreichen ist leider viel zu klein, um so mehr, als, wie richtig ausgeführt, sich die “Qualitätsmedien” strikt dem Diskurs verweigern und statt dessen eisern auf “Haltungskurs” sind. Immer wieder erschreckend ist zudem die Tatsache, dass sich die jüngeren Generationen diese Politik klaglos gefallen lassen, dabei sind sie es, die die Folgen der unseligen Politik zu tragen haben. Und zwar in einem letztlich deindustrialisierten Land, ohne vernünftige Energieversorgung, mit Millionen von völlig unqualifizierten “Merkelgästen”, die durchzufüttern sind, mit Billionen Euro Schulden, mit denen andere EU Länder davon abgehalten werden, ihre Staatshaushalte in Ordnung zu bringen und für die sie werden arbeiten müssen. Nein – Hauptsache, das Recht im Verfassungsrang auf “Party” wird nicht eingeschränkt. Und eins steht auch fest (wenngleich es nicht viel hilft), dass Frau Merkel in die Geschichte als diejenige im Vergleich zu ihren Vorgängern eingehen wird, die Deutschland auf einen verderblichen Weg geführt hat.

  • alacran
    11. Dezember, 2020

    “Es ist Zeit, “Wehret den Anfängen zu rufen!” , -schreibt Henrik M.Broder auf Achgut.
    Wer aber soll rufen, wenn die angeblich 4. Gewalt , der Mainstream-Journalismus, von den Regierenden in “geistige Käfighaltung” gelockt wurde und dort alimentiert wird.
    Die Artikel in ehemals kritisch und weitgehend sachlich berichtenden Zeitungen klingen wie Bewerbungen auf subalterne Planstellen, die unter einem “Reichs- ,pardon, Bundesgutwart” zu besetzen wären.
    Wobei der “zwangseinweisende bzw. absondernde” Innenminister Strobl für den Rang eines “Landesgutwarts” nicht der einzige aussichtsreiche Kandidat ist.
    Auf das mit “Demokratieabgabe” finanzierte Staatsfernsehen können wir nicht mehr zählen, da wird statt Nachricht, Information und konstruktiver Kritik, Propaganda und Framing gefordert, haltungsstarke Meinung gefördert und bezahlt.
    Stärken wir also unabhängige Medien auch finanziell, damit kritische Stimmen wie A. Wendt, H.M.Broder und viele andere, in den alternativen Medien eine breitere Öffentlichkeit erreichen.

  • Dr. Wolfgang Hintze
    11. Dezember, 2020

    Wieder ein großartiger Beitrag, Herr Wendt. Vielen Dank!

    Sehr gut auch das Bild von Angela Merkel in FDJ-Kluft beim Basteln eines Transformators. Früh übt sich, wer die große Transformation will.

  • Jochen Schmidt
    11. Dezember, 2020

    Um hier nur einen der vielen Aspekte des obigen Artikels aufzugreifen – die Impfung gegen COVID-19: Wenn diese Impfung wirklich so notwendig und so segensreich ist, dann verstehe ich nicht, warum nicht bereits seit dem Sommer 2020 geimpft wird – mit dem Impfstoff aus Russland, der seit Sommer verfügbar ist.

    Warum hat man nicht bereits Millionen von Menschen in Deutschland mit dem Impfstoff aus Russland behandelt? Warum müssen seit dem Sommer 10.000e von Menschen in Deutschland an Corona erkranken und teilweise sterben – obwohl es seit Monaten einen Impfstoff gegen COVID-19 gibt?

    Die Antwort liegt auf der Hand: weil es gar nicht um die Impfung und schon gar nicht um die Gesundheit der Menschen geht, sondern darum, dass West-Firmen ihr Millionen-Geschäft machen. Wenn man seit Sommer impfen würde, dann würde der Profit ja an russische Firmen gehen – das darf natürlich nicht sein! Da muss die Gesundheit der Menschen in Deutschland zurückstehen, dafür muss man Todesopfer in Kauf nehmen. Allein West-Firmen dürfen Profit machen – keine Ossies!

    Und für dieses West-Marketing trommeln die Massenmedien fleißig und denunzieren Impf-Skeptiker. Apropos Skeptiker – sehr erhellende Informationen zu den neuen Impfstoffen gegen COVID-19 finden sich im aktuellen Arzneimittelbrief:

    https://www.der-arzneimittelbrief.de/de/index.aspx

    Erschreckend.

  • Materonow
    11. Dezember, 2020

    Vielen Dank, Herr Wendt für diesen Artikel!

    Wie die meisten Obergrünen sektenkommunistisch sozialisiert worden sind, ist letztlich auch Angela Merkel sozialisiert worden, nämlich SED-sozialisiert.

    Ideologien wie der Kommunismus/Maxismus/Leninismus/Stalinismus und Maoismus und letztlich auch der NS und eine gewisse Religion haben ein bipolares Weltbild und auch für Frau Merkel gilt, bist du nicht für mich, bist du gegen mich und damit mein Feind.

    Zwischentöne sind sämtlichen Ideologien unbekannt, ja, sie müssen bekämpft werden, da Abweichen von der jeweils reinen Heilslehre selbige gefährden könnte.

    Überall sind die politischen Sittenwächter und Blockwarte zu finden, ob es die üppig aus Steuermitteln protegierte Spitzelin Anetta Kahane oder ein ör Rundfunk ist, oder die Merkel-Herolde des Süddeutschen Beobachters, überall wird darüber gewacht, daß der linksgrüne Zeitgeist geschützt und gehätschelt wird.

  • Stefan Ries
    11. Dezember, 2020

    Wieder einmal ein toller Artikel von Herrn Wendt, für den ich gerne 50€ überwiesen habe. Ich möchte noch mehr Artikel in dieser Qualität lesen und dafür meinen Beitrag leisten. Herrn Wendt sehe ich neben Don Alphonso von der Welt und (wenigen) anderen als Lichtblick in der deutschen Medienlandschaft!

  • Melanie McBride
    12. Dezember, 2020

    Danke!

  • Herbert Wolkenspalter
    12. Dezember, 2020

    Für den „Zeller der Woche“ einen Tipp: Gegen Lockdown und andere Maßnahmen zur Eindämmung von Corona etwas haben, d.h. die Krankheit mit ihren langzeitigen Folgen inkauf nehmen, aber vor den Folgen der Impfung warnen.

    Es geht also gar nicht um Folgen. Sie werden nur vorgeschoben und opportunistisch genutzt, wenn es in die Argumentation passt und weggelassen, wenn es sie stören würde. Es geht darum, dass nichts bestimmt werden soll, auch wenn es vernünftiger ist als das, was notorische Ablehner von Bestimmung selber bestimmen würden, die keineswegs weniger extrem sind, aber im Falle einer Epidemie Gefährder.

    Nikolaus Blome hat sich freilich so exponiert, dass er sich als dankbares Opfer anbot. Sonst hätte es nichts zu schreiben gegeben. Gibt es irgend einen Fall, wo schon mal jemand auf ihn gehört hat?

    Dass in der neumodischen, deutschen Politik einges faul und überflüssig ist, ist, wenngleich eine Binse, dennoch eine andere Sache. Trotzdem gehört nicht alles in einen Topf. Sowas machen nur Extremisten nach Art einer Generalablehung, ohne sich mit der Komplexität der einzelnen Themen auseinandersetzen zu wollen und mangels Kompetenz auch gar nicht zu können.

  • AMC
    12. Dezember, 2020

    Lieber Herr Wendt, u.a. danke ich Ihnen, dass sie diese guten Kommentatoren „hervorschreiben“, und einige wenige andere auch, die sich auf ihre Art offenbaren.

    Zu Corona, Weihnachten, Impfen: der eine sieht es so, der andere so, die Hintergründe sind ja vielschichtig. – Jedes Jahr regte ich mich auf, wie stupide und stereotyp Weihnachten absolviert wird, auch bei „Besinnlichen“. Nie habe ich, auch in diesem Bezug, so viel Menschliches erlebt, wie in diesem Jahr.

    Ich habe die gleichen Sorgen, Befürchtungen und Hoffnungen wie die meisten Ihrer Leser. Auch fragte ich mich oft, wie eine Person, an der auf den ersten Blick „nichts dran“ ist, und für die es in der Geschichte einige Vorbilder gibt, es dann „so weit“ bringen konnte. Ein Ende gibt es für sie allemal, so oder so, aber der Geist existiert weiter, was die Geschichte auf mannigfaltige Weise bewiesen hat. Darum danke ich Ihnen für Ihre Wachsamkeit.

  • pantau
    14. Dezember, 2020

    „Wann hat die Stimmung in Deutschland derart umgeschlagen?“

    Vielleicht wurde sie umgeschlagen?

    Zitatende.

    Volltreffer, versenkt. Und zwar auch gegen die NZZ. Für mich gibt es wohl keinen größeren Gegensatz als den zwischen Kritik und kritischem Anstrich. Nicht der Kriminelle ist der moralische Gegenpol zum Rechtschaffenen, sondern der korrupte Richter. Wir haben ja nicht nur einen regierungsopportunen Blätterwald, sondern auch einen pseudokritischen Feigenblätterwald.

  • Eckart
    16. Dezember, 2020

    Dieser Essay von Herrn Wendt lässt mich wirklich – fast ungläubig – staunen:

    Derart brillant, wortgewaltig und scharfsinnig habe ich kaum jemals einen gefunden, der das verhängnisvolle Treiben Merkels untersucht bzw. zu ergründen versucht hat.

    Herzlichen Dank dafür!!

  • Eckart
    16. Dezember, 2020

    Noch eine Ergänzung:
    Allen Lesern hier möchte ich eine Äußerung von Merkel “präsentieren”, die ich aus einer Fernsehsendung aufgenommen habe (es war die Heute Show vom 28.10.2016 – eine Sendung, die ich mir wegen ihrer politischen “Schlagseite” schon längst nicht mehr ansehe):
    „Das vergangene Jahr war ein sehr herausforderndes Jahr – auch dieses Jahr ist es so, aber wieder anders als im letzten Jahr, und ich darf Ihnen die schöne Aussicht in die Zukunft sagen, dass nächstes Jahr noch wieder´n ganz besonderes Jahr sein wird, also denken Sie nicht, dass es einfacher wird, aber es wird immer wieder anders.“
    Möglicherweise stammt dies von einem Treffen mit Mitgliedern der Jungen Union – jedenfalls gibt es rauschenden Beifall.
    Ein solches Stummeldeutsch ist genauso unerträglich wie die Chuzpe, es zu verwenden.

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