Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.
[mc4wp_form id="4890"]
Zapisz Zapisz

Die große vollelektrische Bundesillusionsmaschine

Es ist wieder einmal Energiewende-Zeit: Politiker überschlagen sich mit Ideen, russische Gas-Importe zu kappen. Ihre Pläne bestehen aus Überschriften, zu denen der Text fehlt. Nach diesem Prinzip arbeiten deutsche Energiepolitiker schon seit 20 Jahren – als Fachkräfte für den Bau von Luftschlössern

Kaum etwas wächst derzeit so deutlich exponentiell wie die Zahl der Politiker, die Deutschland in die „Energiesouveränität“ (Ricarda Lang) führen wollen.

Darunter finden sich nicht nur Vertreter mit relativ kurzer Amtszeit wie die Grünen-Vorsitzende, sondern auch altgediente, etwa Norbert Röttgen, ehemals Bundesumweltminister und langjähriger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Deshalb drängt sich die Frage auf, warum die mit ihren Ideen so lange hinter dem Berg hielten.

Im Tagesspiegel veröffentlichte Röttgen einen Beitrag, in dem er wie eine lange Reihe anderer Politiker, Journalisten und öffentliche Figuren wie Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimaforschung einen sofortigen Stopp der Energieimporte aus Russland fordert. Der Aufruf des CDU-Politikers kommt ganz ohne Zahlen aus, und liest sich in seiner Kernaussage so:

„Der Krieg ist ein Geschäftsmodell für Putin, und wir finanzieren es! Also worauf warten wir noch? Wie viele bombardierte Städte sind genug? Wie viele Menschen müssen sterben, bevor wir beginnen zu handeln? […]
Ich bin überzeugt: Das Öl- und Gasembargo wird kommen. Wir können die ausbleibenden Gaslieferungen durch unsere Gasvorräte bis zum nächsten Winter ersetzen. Bis dahin haben wir Zeit und Möglichkeiten, unsere Energiepolitik neu auszurichten. […]
Ich appelliere an die Bundesregierung: Wir müssen die russischen Gas- und Ölimporte jetzt stoppen!“

 

Bisher bezieht Deutschland gut 55 Prozent seines Erdgases und 42 Prozent seines Öls aus Russland. Dafür zahlte es 2021 etwa 20 Milliarden Euro. Interessanterweise nennt Röttgen in seinem Text zwar Gas und Öl, geht aber bei der Frage, wie diese Mengen seiner Meinung nach kurzfristig ersetzt werden sollten, ausschließlich auf Gas ein. Zu alternativen Lieferungen von Öl äußert er sich überhaupt nicht.

 

„Wir beherrschen die Lage“ – Röttgen im Jahr 2012

Seine Idee zur künftigen Gasversorgung besteht darin, siehe oben, als Ersatz für die russischen Lieferungen einfach die deutschen Gasvorräte zu verbrauchen, und ansonsten „die deutsche Energiepolitik“ innerhalb von acht Monaten „neu auszurichten“. In acht Monaten beginnt nämlich der von ihm immerhin erwähnte nächste Winter.

Im Februar betrug der Füllstand der Gasspeicher Deutschlands etwa 33 Prozent, was 33,3 Milliarden Kubikmetern entspricht. Die aus Russland 2021 importierte Gasmenge, hauptsächlich zugeführt über zwei Pipelines, belief sich auf 56,3 Milliarden Kubikmeter. Es braucht also keine detaillierte Rechnung, um festzustellen, dass der Röttgenplan nicht ganz aufgeht.
In dem größten Gasspeicher Westeuropas, in Rehden, der Gazprom gehört, gab es schon im Dezember 2021 kaum noch Reserven.

Insgesamt sah es in der EU etwas, aber nicht sehr viel besser aus.

Dazu, wie er sich die völlige Umstellung der deutschen Energiepolitik binnen 32 Wochen im Detail vorstellt, und vor allem, wie sie dann aussehen soll, verliert Röttgen in seinem Tagesspiegel-Beitrag ebenfalls kein Wort.
Dafür gibt er seiner „festen Überzeugung“ Ausdruck, ein Boykott von russischem Gas und Öl sei unumgänglich. Die vergangenen festen Überzeugungen Röttgens und ihre weiteren Entwicklungen kann jeder in den Archiven nachschlagen. In einem Spiegel-Interview unter dem titelgebenden Zitat „Wir beherrschen die Lage“ sagte er 2012 voraus: „Es dauert nicht mehr lange, dann brauchen Solaranlagen gar keine Subventionen mehr.“

In dem gleichen Interview erklärte er allerdings, er werde die Subventionen für die Solarenergie aber nicht zu stark kürzen: „Dann wäre alles umsonst gewesen. Es käme zu massiven wirtschaftlichen Verlusten und zum Abbau von Arbeitsplätzen.“
Bekanntlich existiert die deutsche Solarindustrie heute nicht mehr, im Gegensatz zu den EEG-Subventionen. Im vergangenen Jahr erhielten die Erzeuger von Wind-, Solar und Pflanzengas-Strom laut Bundesnetzagentur insgesamt 34 Milliarden Euro. Davon stammten 7,2 Milliarden aus dem direkten Verkauf an der Strombörse – und 26,8 Milliarden aus der von Verbrauchern gezahlten EEG-Umlage zuzüglich eines Bundeszuschusses von 10,8 Milliarden Euro.

Ohne den Bundeszuschuss wäre die EEG-Umlage 2022 auf 9,651 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Auch in einem Detail wie dem EEG-Aufschlag lohnt sich ein Blick zurück, um die Prognosefähigkeit des Politikers einzuschätzen. Im Jahr 2011 erklärte Röttgen der Rheinischen Post: „Im nächsten Jahr könnte die EEG-Umlage im Vergleich zum laufenden Jahr wieder sinken. Das wird den Anstieg der Strompreise dämpfen.“ In dem folgenden Jahr stieg die Umlage dann, statt zu sinken. Zunächst moderat auf 3,59 Cent. Diese Steigerung erwies sich als viel zu gering, um die Ansprüche der Wind- , Solar- und Biogasstrom-Erzeuger abzudecken, weshalb die Bundesnetzagentur im Jahr 2013 die Umlage um 47 Prozent auf 5,28 Cent pro Kilowattstunde erhöhen musste. Zu ihrem aktuellen Stand: Siehe oben. Ab 2023 sollen die Grünstromsubventionen komplett aus dem Bundeshaushalt fließen, damit sie den Verbrauchern auf der Stromrechnung nicht mehr auffallen.

In dem Spiegel-Interview lobte Röttgen damals auch den deutschen Atomausstieg als Vorbild für alle anderen Staaten: „Aber ich weiß, dass die Welt mit höchster Aufmerksamkeit auf die Energiewende in Deutschland schaut. Das Interesse ist riesengroß, und wenn ein Industrieland wie Deutschland die Wende schafft, dann wird das seine Strahlkraft entfalten, da bin ich ganz sicher.“

Im Atomausstiegsjahr 2011 importierte Deutschland etwa 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland. Im Jahr 2021 waren es mit 56,3 Milliarden Kubikmetern fast doppelt so viel. Wenn Strahlkraft so etwas wie Auswirkung bedeuten soll, dann lässt sich diese Wirkung vor allem am dieser Zahl ablesen. Der Effekt des deutschen Atomausstiegs auf das Globalklima des Jahres 2100 liegt faktisch bei Null, obwohl er einen zusätzlichen Ausstoß an CO2 zur Folge hat – der aber im Weltmaßstab keine Rolle spielt. Seine wirtschaftliche und geopolitische Strahlkraft ist allerdings gewaltig. Die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas kam nicht über Nacht, und Röttgen verantwortete sie auch nur als einer von mehreren, und das an untergeordneter Stelle. Trotzdem gibt es durch den Blick zurück etwas für die Gegenwart zu lernen. Denn in dieser Gegenwart legt ein Wir-beherrschen-die Lage-Röttgen, der die aktuelle Misere mitverantwortet und seit mehr als zehn Jahren zuverlässig von einer falschen Prognose zur nächsten Illusionsvorstellung stolpert, seinen nächsten Doktor-Eisenbarth-Generalplan vor, dieses Mal für beziehungsweise gegen Gas. Und er findet dafür ein Medium als willigen Abnehmer.

 

Die Überschriften-Politiker und ihre medialen Abnehmer

Die Person des Unionspolitikers selbst ist nicht wichtig. Mit Röttgen befasst sich dieser Text deshalb so detailliert, weil er den Prototypen des Politikers verkörpert, der zwar nie irgendeine Lage, aber inzwischen die Berliner Szene beherrschte: Ein Mandatsträger, der ausschließlich in Überschriften spricht, aber nie den Text liefert, der dann folgen müsste. Von Fußnoten ganz zu schweigen.

Es gehören immer zwei dazu: Jemand wie Röttgen, der einen ausschließlich aus Überschriften und Textbausteinen hastig zusammengestoppelten Text als Plan für ein Deutschland präsentiert, das ohne Energieimporte aus Russland auskommen soll – und ein Tagesspiegel-Redakteur, der ihn entgegennimmt, ohne wenigstens einmal nachzusehen, wieviel Gas sich tatsächlich in den Speichern befindet, die der Umweltminister a. D. ernsthaft als Ersatz für russische Gaslieferungen von gut 60 Milliarden Kubikmetern vorschlägt, und ohne einen Gastautor außerdem mit der Frage zu behelligen, ob er es wirklich für eine gute Idee hält, dann mit völlig geleerten Vorratslagern in den nächsten Winter zu gehen. Durch ihre Kopplung an die Medien und Twitter – übrigens auch eine Abhängigkeit, die sie nicht einfach wieder abschütteln können – haben sich praktisch alle Politiker auf das Stanzen von Überschriften konditioniert. Wer es dann doch einmal mit Text versuchen sollte, dem fällt die Talkshowmoderatorin mit absoluter Sicherheit ins Wort mit der Ermahnung, jetzt verliere sich der Gast aber in Details, dazu reiche die Sendezeit nicht aus. Und bei Twitter handelt es sich um das Überschriftenmedium für Politiker schlechthin.

Robert Habeck, Röttgen und praktisch jedes Mitglied des Berliner Kommentariats unterbreitet jetzt Pläne, um die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl schnellstmöglich zu beseitigen. Immerhin nehmen sie diese Abhängigkeit überhaupt zur Kenntnis. Noch bis vor Kurzem galt es schließlich bei ehemals führenden Politikern und ihren medialen Trabanten als ausgemacht, dass dieser missliche Zustand überhaupt nicht existiert.

Eine Szene in der UN-Vollversammlung ging seinerzeit mit großer Zustimmung durch die deutschen Medien und sozialen Netzwerke: Auf den Hinweis des Redners Donald Trump, Deutschland begebe sich mit seiner Energiepolitik in die Abhängigkeit von Russland, reagierten Außenminister Heiko Maas und der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen mit Gelächter und Kopfschütteln.
Sie wussten, was auch jeder deutsche Qualitätsjournalist wusste: Wenn Trump etwas sagt, kann es unmöglich stimmen.

Es handelt sich, siehe oben, um die gleichen Journalisten, die jetzt gerade jedem Überschriften-Politiker die Spalten freiräumen, der erklärt, diese Abhängigkeit – bis eben noch ein Hirngespinst – mit dem nächsten Masterplan aus der Welt zu schaffen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der gerade einen Themenwechsel vom Corona- zum Energieminister vornimmt, konnte kürzlich in der FAZ seine Strategie vorstellen: Deutschland muss einfach ganz raus aus Gas, Atom und Kohle.

Es handelt sich im Wesentlichen um die gleiche Vorstellung, mit der Wirtschaftsminister Robert Habeck gerade die Lage beherrscht. Nachdem sein Satz, es dürfe jetzt „keine Denktabus“ geben, für einige Tage zu der Spekulation geführt hatte, er könnte einer Laufzeitverlängerung der letzten drei verbliebenen deutschen Kernkraftwerke über das Jahresende 2022 zustimmen, schloss er diese Tür gleich wieder. So viel Realitätssinn ist der Grünen-Wählerschaft offenbar nicht zu vermitteln, ebenso wenig wie den Großkommentatoren in den meisten Medien.

Die neue Überschrift aus Habecks Ministerium heißt jetzt „All Electricity“; von Verkehr bis Gebäudeheizung soll künftig alles im Eiltempo auf Strom umgestellt werden, was bis jetzt noch Gas und Öl braucht. Zusammengefasst bedeutet sein Lagebeherrschungsplan also, gleichzeitig alles zu elektrifizieren und alle grundlastfähigen Quellen zur Stromproduktion abzuschalten.
Immerhin stellte der Wirtschaftsminister fest, die Bundesrepublik könne nicht von jetzt auf gleich auf russische Energieimporte verzichten. Das würde den „sozialen Frieden gefährden“, also eine Gas- und Ölrationierung unumgänglich machen. Mit diesem Maß an Wirklichkeitsnähe macht sich Habeck bei seinem Anhang schon verdächtig. Mehr dazu weiter unten.

 

Das Grundprinzip der Energiepolitik: „Die Arbeit machen die anderen“

In der politisch-medialen Rückkopplungsdebatte ist selten von Primärenergieverbrauch die Rede, der die Bereiche Elektrizität, Wärme und Mobilität umfasst. Erst ein Blick auf diese Zahlen zeigt, was der Ausstieg aus Gas, Öl, Kohle und Atomkraft bedeuten würde. Im Jahr 2021 deckten die erneuerbaren Energien 16,1 Prozent des Primärenergiebedarfs. Vielen, die gerade ganz neue radikale Pläne entwerfen, ist die derzeitige Lage gar nicht bewusst: Nach mehr als 20 Jahren Subventionierung mit mehreren hundert Milliarden Euro decken die erneuerbaren Energien tatsächlich nur wenig mehr als 15 Prozent des deutschen Gesamtenergiebedarfs. Und das auch nur im Jahresschnitt; an manchen nebligen Wintertagen tragen alle Anlagen zusammen weniger als fünf Prozent zur Stromerzeugung und weniger als ein Prozent zum Primärenergiebedarf bei.

Die Idee Habecks, Lauterbachs und anderer läuft also darauf hinaus, die restlichen 83,9 Prozent der Energieerzeugung innerhalb kürzester Zeit abzuschaffen – den 55-Prozent-Anteil am Gas und 42-Prozent-Teil am Öl, also den Import aus Russland praktisch sofort – und ihn durch den Ausbau von Wind- und Solarenergie und ein wenig Import zu ersetzen.

Zu dem Plan, den Habeck in dieser Woche vorstellte, gehört unter anderem ein Ausbau der Solarenergie-Kapazität Deutschlands auf 200 Gigawatt bis 2030. Auch diese Zahl wird von den meisten Medien ohne jede Bezugsgröße kolportiert. Die gesamte installierte Solarenergie-Leistung in Deutschland, entstanden in 21 Jahren, liegt bei gut 59 Gigawatt. Der Zubau betrug im vergangenen Jahr 5,25 Gigawatt. Habecks Vorhaben würde also bedeuten, innerhalb von acht Jahren mit 141 Gigawatt mehr als das Doppelte von dem aus dem Boden zu stampfen, was bisher überhaupt an Kapazität existiert. Dafür müsste sich die Zubaugeschwindigkeit ab morgen mehr als verdreifachen.

Bis ebenfalls 2030 sollen nach den Plänen der Bundesregierung 6 Millionen Wärmepumpen installiert werden. Die Monteure sowohl für Solaranlagen als auch für Wärmepumpen kommen aus der gleichen Branche. Nach Schätzungen von Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima, fehlen in diesem Bereich gemessen an den Plankennzahlen aus Berlin etwa 60 000 Monteure. Bei seinem Auftritt vor der Bundespressekonferenz Ende 2021 sagte Robert Habeck, angesprochen auf das Problem, dass es die Arbeitskräfte für seinen Ausbauplan gar nicht gibt:
„Als Wirtschaftsminister mache ich mir große Sorgen, dass all das, was wir uns vornehmen, am Ende an der Verfügbarkeit von Fachkräften scheitert. Das Problem ist lange bekannt und gehört mit zu den Dingen, die jetzt mit Hochdruck und viel stärker als in der Vergangenheit angegangen werden müssen.“

Als Lösung schlug er unter anderem vor: Umschulung und Zuwanderung. Das Experiment, wie gut sich Leute mit Sozialwissenschafts-, Gender- und Medien-Diplomen zu Monteuren umdirigieren lassen, steht noch aus. Aber nach einer von seiner Partei sehr umfangreich begrüßten Asylzuwanderung von mehr als zwei Millionen Menschen seit 2015 hätte ihn wenigstens jemand fragen können, warum heute trotzdem derartige Facharbeiterlücken im Land klaffen. Und wieso er glaubt, neue Zuwanderung aus überwiegend den gleichen Herkunftsländern würde sein Problem im Handumdrehen lösen. Denn das große Installationswerk soll ja 2030 schon abgeschlossen sein.

Auch das Rechnen in installierter Leistung gehört zum Kernbereich der überschriftengetriebenen deutschen Energiepolitik. Dabei entgeht den jeweils amtierenden Planern, dass es keine große Rolle spielt, ob 33000 oder 100 000 Windräder in der Flaute stillstehen, ob eine installierte Solarleistung von 59 oder 200 Gigawatt unter einer Winter-Hochnebeldecke im Halbdunkel liegt, und nachts überhaupt nichts liefert. In dem Bericht der Bundesnetzagentur finden sich Zahlen, die sehr aktuell zeigen, welchen Schwankungen eine wetterabhängige Energieversorgung unterliegt. Obwohl es 2021 mehr Windkraftanlagen als 2020 gab, ging die Stromerzeugung aus Wind demnach im vergangenen Jahr um 16,4 Terawattstunden zurück, weil der Wind schwächer wehte. „Vor allem die Stromerzeugung aus Windenergieanlagen an Land lag um über 20 Prozent unter dem Vorjahreswert“, heißt es in dem Bericht der Agentur.

Nennenswerte Speichermöglichkeiten existieren nicht. Es wird sie auch in den kommenden Jahren nicht geben. Selbst die Stromtrassen, die Windstrom vom Norden in den industriell geprägten Süden transportieren sollen, befinden sich noch auf Jahre im Bau.
Die Aushilfsidee der Politiker, die immerhin verstanden haben, dass ein Industrieland bei einem Verzicht auf Atom und Kohle wenigstens Gas benötigt, das aber jetzt nicht mehr aus Russland kommen soll, besteht darin, dann eben mehr verflüssigtes Erdgas (Liquified Natural Gas, kurz LNG) einzukaufen, das auf Schiffen transportiert wird. Auch hier gibt es – vom Preis bei kurzfristigem Einkauf einmal abgesehen – so genannte begrenzende Faktoren. Wichtigster Lieferant für LNG sind derzeit die USA (wobei die EU neben Pipeline- auch Flüssiggas aus Russland bezieht, das dann ebenfalls ersetzt werden müsste).

Nach Angaben der US Energy Information Administration (eia) liegen die Exportkapazitäten des Landes derzeit bei 11,4 Milliarden Kubikfuß pro Tag (ein Kubikmeter entspricht 35,31 Kubikfuß); bis Ende 2022 soll diese Kapazität auf 13,9 Milliarden Kubikfuß steigen. Ebenfalls nach Angaben der eia lieferten die USA im Januar 2022 mit Tankern den Rekordwert von 6,5 Milliarden Kubikfuß pro Tag an die EU. Die größten Einzelabnehmer von amerikanischem LNG liegen allerdings bislang nicht in Europa, sondern in Asien.

Im Jahr 2021 gingen 13 Prozent der amerikanischen LNG-Exporte nach Südkorea, 13 Prozent nach China und 10 Prozent nach Japan. Das heißt: Die Exportkapazitäten der USA sind auf absehbare Zeit weitgehend ausgereizt. Deutschland könnte wahrscheinlich kurzfristig kleinere Mengen zusätzlich einkaufen – aber unmöglich zusätzliche 60 Milliarden Kubikmeter jährlich.

Noch ein Blick auf die derzeitigen Spotmarktpreise, wo sich jeder versorgen muss, der ohne langfristigen Vertrag zusätzlich einkaufen muss: Am 7. März lag der Preis für eine Megawattstunde Gas in Europa bei 345 Euro. Im Januar 2022 kostete die Megawattstunde noch etwa 200 Euro. Und das war bereits das Fünffache des Preises, der dafür noch im Januar 2021 gezahlt werden musste.

Dann, so eine Vorstellung aus dem Bundeswirtschaftsministerium, könnte Deutschland eben auch aus Quatar mehr Flüssiggas beziehen. Quatar – war das nicht eben das Land, in dem die Menschenrechtslage so schlecht ist, dass nach Ansicht vieler wohlmeinender Deutscher die Fußball-WM dort boykottiert werden sollte?

Ein weiterer begrenzender Faktor besteht darin, dass Deutschland noch nicht einmal über einen eigenen LNG-Terminal verfügt, sondern die Anlagen in Rotterdam und im polnischen Swinemünde mitnutzen muss. Es gibt in Europa kein zweites Land, das über eine derartige Dichte an Gaskraftwerken verfügt – aber über keinen einzigen eigenen Hafen für Flüssiggas.

Wenn es eine ungeschriebene, aber ausnahmsweise einmal zutreffende Überschrift für die deutsche Politik allgemein und die Energiepolitik im Besondern gibt, dann der Satz von Helmut Schelsky: „Die Arbeit machen die anderen.“ Angela Merkel perfektionierte das Prinzip, dass es völlig ausreicht, wenn Nachbarländer Atomkraftwerke betreiben und sogar ausbauen, wenn das Nachbarland Polen seine Kohlekraftwerke einstweilen behält, wenn die USA und Polen über eine einsatzfähige Armee verfügen, wenn andere Länder Fracking praktizieren (mit dieser Technologie nämlich wird das US-Flüssiggas gefördert), und andere Staaten LNG-Ports betreiben.
Als Stütze für dieses ideologiestarke, aber sehr windschiefe Gebäude dient Gas aus Russland, von dem Merkel die Bundesrepublik abhängig machte. Jetzt ahnen Amtsträger wie Habeck, was passieren würde, wenn jemand diese Stütze von heute auf morgen wegschlägt.

Deutschlands Energiepolitik der vergangenen 20 Jahre verlief erratisch, ruckartig, mit immer neuen Kehrtwenden: Atomausstieg, damals mit Merkels ausdrücklichem Versprechen, die konventionelle Energieerzeugung zu stärken, dann Kohleausstieg mit Gas als „Brückentechnologie“, jetzt Abriss dieser Brücke, sofern ihre Bestandteile aus Russland stammen. Andererseits zieht sich stilistisch ein roter Faden durch die gesamte Energieplanung. Von Jürgen Trittins Kugel Eis, die das Unternehmen eine Familie pro Monat kosten sollte über Norbert Röttgens subventionsfreie Solarenergie samt blühender deutscher Photovoltaik-Industrie bis zu der Praxis, mit französischem Atomstrom und russischem Gas die immer größeren Lücken zu stopfen: Immer handelte es sich um Großpläne, um mediengängige Überschriftensammlungen, „mega-ambitionierte Programme“ (Robert Habeck), die immer wieder aus den gleichen Gründen innerhalb kurzer Zeit zu Staub zerfielen wie ein Vampir, den ein Tageslichtstrahl trifft.
Jede deutsche Energiepolitik der vergangenen zwanzig Jahre begann damit, erst einmal den Kontakt zur Realität zu kappen. Und das ging und geht immer noch nicht ohne eine Mithilfe zahlreicher Medien.

Die Welt gehört sicherlich zu den noch realitätsfreundlichen unter den alteingesessenen Zeitungen, ihre Klima- und Energieberichterstattung zählt zu den soliden der Branche. In dem Blatt erschien ein Gastbeitrag, dessen Textsorte nicht ganz ersichtlich ist. Es könnte sich um einen ernstgemeinten Artikel handeln, aber auch um eine dann allerdings brillante Parodie auf den deutschen Begleitjournalismus, der die Überschriftenpolitik überhaupt erst ermöglicht hat. In diesem Text erklärt die Autorin namens Olivia Mitscherlich-Schönherr, Robert Habeck sei mutlos, wenn er feststellt, Deutschland könnte nicht sofort auf russisches Gas verzichten.


Zahlen vermeidet sie genau so konsequent wie Norbert Röttgen, sie macht sich im Gegensatz zu ihm noch nicht einmal die Mühe, sich irgendeinen realitätsfernen Ersatz für Putins Gas und Öl auszudenken. Olivia Mitscherlich-Schönherr zufolge soll Deutschland den Verzicht einfach als Gewinn betrachten – denn er führt zu einer wohltuenden wirtschaftlichen Depression.

„Bei näherer Betrachtung“, heißt es in ihrem Text, der überhaupt nichts näher betrachtet, „zeigt sich, dass wirtschaftliches Schrumpfen gerade auch eine Chance für langfristigen sozialen Frieden in unserem Land darstellen kann – wenn es denn richtig gestaltet wird.“

Kalte Wohnungen, Stromsperren, Zusammenbruch von Lieferketten, da Gas im erheblichen Maß auch in der Grundstoffindustrie benötigt wird – das alles stärkt ihrer Ansicht nach den sozialen Frieden, jedenfalls bei richtiger politischer Gestaltung, zu der sie sich selbstredend auch jeden näheren Hinweis spart.

Frau Mitscherlich-Schönherr lehrt laut Welt in München „Philosophische Anthropologie mit Schwerpunkt auf Grenzfragen des Lebens“.

Sollte in Deutschland jemals eine Ethikkommission zum Ausstieg aus der Industriegesellschaft berufen werden, kommt niemand mehr an dieser Fachkraft vorbei. In dieser Branche herrscht generell kein Personalmangel.

Alles in allem ist es ein Verdienst der Welt, diesen Text gedruckt zu haben. Denn die Schrumpfungsanthropologin gehört zu einem nicht ganz kleinen Kreis aus Politikern, Medienvertretern und akademischen Stichwortgebern, der den deutschen Illusionsapparat in nimmermüdem Schwung hält – wahrscheinlich bis zum Blackout. Aber selbst danach läuft die Maschinerie garantiert schnell wieder auf gewohnten Touren.
Jeder, der eine halbwegs realistische Energiepolitik in Deutschland durchsetzen will, müsste von der ersten Minute an gegen dieses Konsortium ankämpfen, in dem es geradezu verpönt ist, sich für Zahlen zu interessieren, für technische Möglichkeiten und für physikalische Grenzen.

Es wäre nicht unmöglich, das wacklige deutsche Energiegebäude einigermaßen zu befestigen. Nicht sofort, aber in mehreren Schritten. Der erste besteht sicherlich darin, die verbliebenen drei Kernkraftwerke weiterlaufen zu lassen. Damit würde schon einmal verhindert, dass die zusätzlichen Importe an Flüssiggas, die möglich sind, gleich wieder für die Kompensation der grundlastfähigen Energie verbrannt würden, die nach der Abschaltung auch der letzten Atommeiler fehlt. Mit zusätzlichen LNG-Lieferungen ließe sich der Anteil russischen Erdgases immerhin leicht reduzieren. Zum Energierealismus zählt auch das Eingeständnis, dass ein Totalboykott russischer Gas- und Öllieferungen in Deutschland größere Wunden schlagen würde als bei Putin. Das gehört nun einmal zu den Konsequenzen der Schröderschen und Merkelschen Politik. Mit dem Einstieg in die neue Generation der Kernreaktoren ließe sich die deutsche Energieabhängigkeit vom Ausland in den kommenden Jahren zumindest mildern, wenn auch nicht schnell. Flüssigsalzreaktoren – einer wird in China gerade erprobt – können alte Kernbrennstäbe weiterverarbeiten. Sie kommen also ohne Uranimport aus.

Mittelfristig könnte Deutschland außerdem erhebliche Gasmengen auf dem eigenen Territorium fördern. Dazu müsste es sich zum Fracking durchringen.

Die aufgezählten Schritte setzen allerdings den Abschied vom deutschen Illusions- und Lebenslügentheater voraus. Bis jetzt gilt dort immer noch die Regel: Die Weltklimarettung ist zwar wichtig – aber die grüne Antikernkraft-Doktrin noch wichtiger.
Und die Reduzierung der Gaseinfuhr aus Russland ist moralisch geboten, solange Putin regiert. Aber noch stärker ist das Gebot, kein Fracking zu betreiben, sondern höchstens Fracking-Gas aus den USA zu kaufen.

Auch wenn es eine Mehrheit für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke gibt – bis jetzt diktiert das Milieu einer 14,8-Prozent-Partei die Energieversorgungspolitik für das ganze Land.

Nicht nur diese Partei, auch alle angeschlossenen Unterstützer in Medien, NGOs und Institutionen müssten anderenfalls ihre bedingungslose Kapitulation vor der Wirklichkeit erklären. Bis dahin beherrschen sie jede imaginäre Lage.
Kapitulation – so etwas geschieht in Deutschland grundsätzlich nur fünf nach zwölf. Wenn überhaupt.
Gäbe es so etwas wie Illusionsenergie: Deutschland wäre autark.

 

 

Mehr zur Geschichte der deutschen Energiewende: Alexander Wendt „Der Grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann“, Edition blueprint

 

 

 


Dieser Text erscheint auch auf Tichys Einblick.


Liebe Leser von Publico: Die Krise vieler Medien ist keine Krise der Nachfrage, sondern des Angebots. Während sich das Angebot auf der einen Seite verengt, entstehen gleichzeitig neue Medien, die zur Debattenkultur eines Landes beitragen. Denn es gibt viele Themen, über die gestritten werden muss. Für einen zivilisierten Streit braucht es Informationen, gut begründete Argumente und Meinungen.
Publico hat sein Angebot in den vergangenen Monaten erweitert; das Medium bietet mehr Beiträge, auch häufiger von Gastautoren. Dieses Wachstum ermöglichen die Leser mit ihren Beiträgen. Denn es gibt keine anderen Finanzierungsquellen, die Publico tragen.
Für andere Anbieter auf dem Medien- und Meinungsmarkt gilt das nicht. Verlage erhalten beispielsweise reichliche Zuwendungen – aus dem Bundesetat demnächst 220 Millionen Euro an sogenannten Förderungen. Außerdem 43,5 Millionen Euro in Form von Anzeigen der Bundesregierung im Jahr 2019 – wobei es 2020 mehr sein dürfte. Der Organisation „Neue Deutsche Medienmacher“ zahlte das Bundeskanzleramt 2019 für deren Projekte mehr als eine Million Euro. 
Dazu kommen noch großzügige Hilfen von Stiftungen diverser Milliardäre für etliche Medien. 

Publico erhält nichts davon, und würde auch weder Staats- noch Stiftungsgeld annehmen. Unser Unternehmen finanziert die staatlichen Subventionen durch seine Steuern vielmehr mit. Publico erhält nur von einer informellen Organisation Zuwendungen: seinen Lesern. Mit Ihren Beiträgen ermöglichen Sie die Beiträge auf Publico – auch umfangreichere Recherchen und Dossiers, die Honorare für Gastautoren und die Chance auf weiteres publizistisches Wachstum.
Jeder Beitrag hilft. Auch wenn Sie weder Regierungsbeamter noch Milliardär sind, können Sie mit Ihrer freiwilligen Zahlung erstaunlich viel bewirken.
Sie können einen Betrag Ihrer Wahl via PayPal überweisen – oder auf das Konto
Wendt/Publico
DE04 7004 0048 0722 0155 00
BIC: COBADEFF700

Herzlichen Dank.

 

 


Unterstützen Sie Publico

Publico ist werbe- und kostenfrei. Es kostet allerdings Geld und Arbeit, unabhängigen Journalismus anzubieten. Mit Ihrem Beitrag können Sie helfen, die Existenz von Publico zu sichern und seine Reichweite stetig auszubauen. Danke!

Sie können auch gern einen Betrag Ihrer Wahl auf ein Konto überweisen. Weitere Informationen über Publico und eine Bankverbindung finden Sie unter dem Punkt Über.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter, wir benachrichtigten Sie bei neuen Beiträgen.
* Ja, ich möchte über Neue Beiträge von PublicoMag.com per E-Mail informiert werden. Die Einwilligung kann jederzeit per Abmeldelink im Newsletter widerrufen werden.

28 Kommentare
  • Dr. rer. oec. habil. Wolf Manuel Schröter
    11. März, 2022

    Danke, Herr Wendt.
    Ansonsten: Kein weiterer Kommentar, alles stimmig.
    Armes Deutschland.

  • Wolfgang Welz
    11. März, 2022

    Lieber Herr Wendt,
    dieser Artikel müsste zur Pflichtlektüre in unseren Schulen erhoben werden, mindestens ab Jahrgangsstufe 8! Wenn dann unsere “Leitpädagogen” in den Kultusministerien der Länder die Beherrschung der Grundrechenarten wieder zum Ziel schulischer Ausbildung erklären würden, wäre schon viel geholfen.
    Herzliche Grüße!

  • Alexander Peter
    11. März, 2022

    Welche Möglichkeiten gibt es also?
    Die “Energiewende” funktioniert. (Nicht nur) Herrn Habeck steht allerdings die Überforderung deutlich ins Gesicht geschrieben.
    Das Land und den Bürgern (nicht Herrn Gauck, Herrn Röttgen und dem ganzen Gefolge) stehen harte Zeiten bevor, deren Auswirkungen auch die EU treffen werden. Wir sind schließlich – noch – Nettozahler.
    Die Politik wurschtelt sich weiter durch und kauft den Energiebedarf woher und zu welchen Preisen auch immer.
    Man sollte als Bürger zumindest schon einmal ernsthaft über eine Verlegung des Wohnsitzes nachdenken.

  • Emmanuel Precht
    11. März, 2022

    Ich hab mal gelesen, auf der Achse glaube ich, dass die “abgenutzten” Brennstäbe das Industrieland BRD 350 Jahre vollständig[!] mit Energie versorgen könnte, so denn Gen4 Reaktoren genutzt werden. Und wieder ein hervorragender, mit Zahlen (igitt) hinterlegter Hand aus Ihrer Zauberfeder. Vielen Dank! Wohlan…

    • Jörg
      12. März, 2022

      Die heiße Luft die dem politischen Establishment unentwegt entströmt würde auch sehr lange reichen, vielleicht sogar länger als 350 Jahre, weil unerschöpflich!
      Ansonsten immer daran denken: Diese egomanischen Vollidioten sind nicht vom Himmel gefallen. Sie sind, meist im Westen dieser Gegend, geboren, aufgezogen, verhätschelt und dann gewählt worden. Dass der Zusammenprall von Illusionsblasen mit der Realität irgendwann kommt, ist immer unausweichlich. Die Bewohner dieser Gegend scheinen aber besondets anfällig für alle Arten von realitätsfernen Heilsbringern zu sein. Rechnung wird für Generationen (wieder mal) teuer werden. Jede Wette!

  • Immo Sennewald
    11. März, 2022

    Eine ebenso vollständige wie niederschmetternde Analyse von Traumtänzen deutscher Politbürokraten und ihnen dienstbaren Medien. Dankeschön an Alexander Wendt. Ein wichtiger Text, auch wenn Unwissenheit und Gleichgültigkeit, der Verfall von Bildung, Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein im Nanny-Staat so weit gediehen sind, dass anscheinend jede Krise, jeder lebensbedrohliche Konflikt nach dem Merkel’schen Vorbild einfach “ausgesessen” wird. Weltmeister im Ausblenden der Realität und “Haltung” zeigen: Deutschland. “Wir schaffen das!”. Der Endsieg steht unmittelbar bevor.

  • Oskar Krempl
    11. März, 2022

    Vielen Dank Herr Wendt,

    dass Sie wieder einmal die Spitzen des Eisbergs der Dummheit beleuchtet haben. Das Elend von Deutschland wird sehr rasch noch viel schlimmer werden. Verantwortlich dafür sind die Menschen, die so gewählt haben. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

  • Thomas Rudolph
    11. März, 2022

    Vielen Dank für diesen fundierten und wohl durchdachten Beitrag. Es wird sogar ein realistisches Ausstiegsszenario aus der Misere geboten!!!

    Sorry, aber zuvor müssen wir irgendwie diese polit-medialen Realitäts- und Bildungsverweigerer loswerden.

  • Thomas M.
    11. März, 2022

    Ein wichtiges Problem wurde noch gar nicht angesprochen. Angenommen der Zubau von Solaranlagen und Windkraftanlagen geht so zügig wie geplant, dann gibt es bis 2030 200GW Solar und vielleicht eben soviel Windkraft. Zu Spitzenzeiten (kräftiges Tief über der Nordsee und viel Sonne im Süden im Mai um 13 Uhr MESZ) könnten also über 300GW Leistung zur Verfügung stehen. Selbst bei optimistischer Planung für Anlagen, die bis 2030 Strom speichern oder konvertieren können, wären dann bis zu 200GW völlig nutzlos und müssten abgeregelt, bzw. wie Müll weggeworfen werden. So geht der gesamte europäische Strommarkt kaputt, die Effizienz aller Anlagen wird lächerlich gering und der Verbraucher zahlt auch noch den Müll-Strom mit seinen Subventionen. Genau das ist das aktuell geplante Szenario.

  • Reider
    11. März, 2022

    Perfekt das Problem des zerstörerischen deutschen Illusionismus auf den Punkt gebracht! Was Sie leider nicht erwähnen: Politiker und Medien reichen nicht aus, dieses Spiel dauerhaft zu betreiben. Dazu gehören auch Wähler, die den Narren vertrauen. Das zu einer kruden Politik in der Demokratie auch das Volk gehört, ist eine bittere Erkenntnis, lässt es die Lage doch fast aussichtslos erscheinen. Bei Ihrem Kapitulations Hinweis klingt es zumindest an. An der (gesellschafts)politischen Naivität der Mehrheit hat sich seitdem wenig geändert.

  • Joseph
    11. März, 2022

    Ich habe hier letztes Jahr unter einen Artikel von Herrn Wendt geschrieben, dass ich notfalls Bündnis90/Die Grünen wählen werde um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass diese Truppe ihre Ideen der vergangenen Jahre aus der Regierungsverantwortung heraus rechtfertigen darf.

    Ich hätte nicht gedacht, dass meine Schadenfreude so schnell einsetzen wird, auch wenn sie zu meinen Lasten als Steuerzahler führt. Eigentor?

    Wie auch immer: Deren Inkompetenz wird auch dem hinterletzten Tagesschau-Provinzler nicht entgehen.

    Hochachtungsvoll

  • Thomas
    11. März, 2022

    Antrieb und innere Logik der Illusionsmaschinerie
    wird von Kobold-Batterien gespeist, da nützen Zahlen und Fakten gar nichts.

    *Die aufgezählten Schritte setzen allerdings den Abschied vom deutschen Illusions- und Lebenslügentheater voraus. Bis jetzt gilt dort immer noch die Regel: Die Weltklimarettung ist zwar wichtig – aber die grüne Antikernkraft-Doktrin noch wichtiger.
    Und die Reduzierung der Gaseinfuhr aus Russland ist moralisch geboten, solange Putin regiert. Aber noch stärker ist das Gebot, kein Fracking zu betreiben, sondern höchstens Fracking-Gas aus den USA zu kaufen.*

    Abschied vom deutschen Illusions- und Lebenslügentheater? Das geht längst nicht mehr, denn dieses grüne Regie-Theater ist angewandtes Experiment, und zwar seit Jahrzehnten. Die Empfehlung, gefälligst mit dem Herzen zu denken, gilt längst als alternativlos. Seit Jahrzehnten geht das so. Wehe jedem Widerspenstigen, der dem im Wege steht. Ob das nun ein Bundespräsident Wulff oder Köhler ist, ein Generalbundesanwalt Range, ein Schlagersänger oder ein Präsident des Bundesverfassungsschutzes, völlig egal. Die Medienwaffe walzt alle platt. Wer sich beispielsweise mit der Bundesillusionsmaschine und deren Grünlogik auf einer sachlichen Ebene befasst, der stellt beispielsweise den wild gewordenen Illusionen aus den Nachrichtenredaktionen der Republik „lediglich pauschales Bestreiten entgegen“ (Sagt übrigens nicht etwa eine Redaktion voller grüner und linker Logistikstudierende, sondern ein zeitgenössisches deutsches Gericht).

    – #Wolf: Diese Aussage der Richter – „lediglich pauschales Bestreiten entgegengesetzt“ – ist so was von abwegig. Wir haben nicht nur die Arbeitsweise des politisierten VS kritisiert. Wir sind zugleich auf jede einzelne Behauptung des VS eingegangen – nicht nur mit unserem historischen Riesenschriftsatz von rund 1.400 Seiten samt Anlagen, sondern auch mit mehreren weiteren Schriftsätzen – im Februar nochmals auf über 500 Seiten. Diese Behauptung des Gerichts ist derart haltlos, als wenn man Sisyphos vorwerfen würde, er tue nichts.#
    https://jungefreiheit.de/debatte/interview/2022/afd-wolf-vs/

    Welche „kleinen Richterlein“ (Montgomery) möchten heute noch den Ärger mit einer Kommission oder einem Ausschuss im Lande riskieren.
    https://www.welt.de/politik/deutschland/plus235826200/Frank-Ulrich-Montgomery-Stosse-mich-daran-dass-kleine-Richterlein-2G-im-Einzelhandel-kippen.html
    Nicht nur in Frankreich zieht man besser den Kopf ein, während eines dieser Experimente läuft, die man gemeinhin „Revolution“ nennt. Überall im Lande hat man gelernt, das Herz besser am grünen Fleck zu haben und dort zu denken. Somit ist es also eine Illusion, daß es sich bei dieser Groteske, diesem historisch einzigartigen Experiment (Mounk),
    https://www.youtube.com/watch?v=eFLY0rcsBGQ
    um eine Frage von Argumenten oder Zahlen handelt. Ein groteskes Beispiel, siehe oben:

    *Jeden Tag zahlen wir annähernd eine Milliarde Dollar an den Kreml-Herrscher, weil wichtige Banken vom SWIFT-Ausschluss ausgenommen sind. Das ist fatal.*
    (Ein Gastbeitrag von Norbert Röttgen)

    Die Sprache ist verräterisch. Sonnenklar ist es eine faustdicke … Behauptung, daß „wir“ annähernd eine Milliarde Dollar täglich „an den Kreml-Herrscher“ zahlen – vielmehr sollen derlei faustdicke … Behauptungen aus der so genannten „Freien Presse“ künftig vom Staat subventioniert werden. Das Relotius-Prinzip ist quicklebendig. Nachrichten-Seilschaften feuern die kalten Bürgerkriege dieser Welt an, und sie feinden (je nach Bedarf) mal Saddam-Iraker an, mal Gadafi-Libyer, mal die Mullah-Iraner oder die al-Assad-Syrer. Da tropft Blut aus den Zeilen, daß kein Auge trocken bleibt. Da wird in einem Maße hergezogen, beispielsweise über die Orbán-Ungarn, daß es bei den „Experimenten“ nur so raucht. Da wird gegen die Bolsonaro-Brasilianer agitiert, die Trump-Amis, Kaczyński-Polen, Salvini-Italiener, Wilders-Holländer, Åkesson-Schweden, Strache-Österreicher, Conde-Spanier, Le Pen-Franzosen, Chrupalla-Deutschen oder Farage-Briten. Längst haben Sozialisten und willige Helfer den Sozialismus aus dem Nationalsozialismus entfernt, zu dem Begriff „Nazismus“ verstümmelt und den Hang zum Vaterland geächtet. In dieser konzertierten Verachtung greifen Rädchen ineinander, es wabern „Putin-Russen“ neben „Soros-Ungarn“ durch die Zeilen und kulminieren im Dunstkreis der Grünlogistik längst zu einer perfekten Befreiungstheologie „gegen Rechts“. Mal ganz zu schweigen vom Narrativ, daß beispielsweise „Putin-Russen“ und BRD-Demokraten ihren politischen Kampf vor 77 Jahren verloren hätten, aber „Soros-Ungarn“ und DDR-Demokraten hätten ihn gewonnen. Die Politik der Illusionen macht es möglich.

    In Wirklichkeit nimmt Churchills Plan von Großbritannien als „Freund und Förderer“ der „Vereinigten Staaten von Europa“ zunehmend Gestalt an.
    https://www.europa-union.de/fileadmin/files_eud/PDF-Dateien_EUD/Allg._Dokumente/Churchill_Rede_19.09.1946_D.pdf

    Der nächste große Europäische Bürgerkrieg war lange Zeit ein kalter, und er tritt nun, im Zuge des historisch einzigartigen Experiments, anscheinend so langsam in die heiße Phase ein. Argumente oder Zahlen richten da längst nichts mehr aus. Das geht längst unter, im Geschwafel von „young global leaders“, die ihr politisches Handeln aus dem Glauben an Kobold-Batterien und „Fortschritt“ herleiten.

    • Jochen Schmidt
      18. März, 2022

      “das Herz besser am grünen Fleck zu haben und dort zu denken” 😉 Und dabei können eigentlich nur “faustdicke … Behauptungen” herauskommen 😛

  • ToNo
    11. März, 2022

    Brillant!
    Es sind leider nicht nur die grünen 14,8%, die die Energieversorgungspolitik unserer Klappsmühle diktieren – Merkel, Röttgen und Co. tragen hier auch Hauptverantwortung. Die “vernünftigen Konservativen”, was für ein Witz die Schwarzen doch sind! Schwarz, rot, grün und gelb scheinen aber zu wissen: Beknacktismus ist Medienmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes.

  • Jens Richter
    11. März, 2022

    Aus warmen Wohnungen ist gut stin*en. Ob die 68% Affektheuristiker aus deutschen Landen, die lt. Umfrage für den Totalboykott russischen Gases und Öls zeichneten, auch frierend zu ihren Forderungen stehen werden? Da fehlt mir der Glaube. Vielleicht wird die Klimakirche Anfang Oktober Bittgottesdienste abhalten und den wärmenden Klimawandel herbeisehnen.

  • A. Iehsenhain
    11. März, 2022

    Im Prinzip grundsätzliche Zustimmung! Das “Fracking” sollte man aber vorerst wirklich den Vereinigten Staaten von Amerika überlassen, denn wahrscheinlich wissen die wenigstens die richtigen Stellen zum Anbhohren. In Deutschland könnte das ähnlich schiefgehen wie beim ‘Geothermie-Ab-Fracking’ in Staufen im Breisgau, wo in der Folge ein Steinenthebungsverfahren eingeleitet wurde. Letzteres untermauert womöglich Herrn Wendts Umschulungs-Hypothese, wenn man den Fall neu aufrollt. Wenn Gestalten wie Röttgen und Vergleichbare indes vom nicht funktionierenden Swift-Bann salbadern, konnte das auf Putin auch wie die “Flucht aus Liliput” wirken…

  • Frode
    12. März, 2022

    Danke Herr Wendt.

    Ein Kommentar:
    “Die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas kam nicht über Nacht, und Röttgen verantwortete sie auch nur als einer von mehreren, und das an untergeordneter Stelle.”

    Röttgen war immerhin 2011 Bundesumweltminister und hat den Atomausstieg mit verbrochen. Maßgeblich Schuld ist sicher A. Merkel, aber Röttgen war live mit dabei.

  • Thomas
    12. März, 2022

    Freiheitsenergie

    • *Nach diesem Prinzip arbeiten deutsche Energiepolitiker schon seit 20 Jahren – als Fachkräfte für den Bau von Luftschlössern*

    Das stimmt.
    Was hat der Ausfall der ukrainischen Weizenexporte mit erneuerbarem Wackelstrom zu tun? Na?

    #Gut, der Mann ist Grüner. Pragmatismus und wirtschaftlichen Sachverstand haben wir da noch nie erwartet. Muss auch nicht sein, dafür haben wir in der Ampel schließlich die Liberalen. Dachten wir.

    Wir müssen umdenken: FDP-Chef Lindner will die Bedrohung unserer Energieversorgung mit noch mehr erneuerbarem Wackelstrom parieren, den er – wir haben uns nicht verhört! – „Freiheitsenergie“ nennt. Tiefer kann man eigentlich nicht drinstecken im wolkigen Denken der Vorkriegs-Bundesrepublik, wo jede hässliche Wirklichkeit mit einer pathetischen Phrase hinfortgesungen werden konnte.#
    https://paz.de/artikel/von-wegen-aufgewacht-a6452.html

    Tja.
    Willkommen in der Freiheit 2.0.
    Energie, allzeit bereit!
    Maske nicht vergessen!

  • Andreas Hofer
    12. März, 2022

    Super!
    Zwei Ergänzungen von mir noch:
    Holzheizungen sollen auch noch verboten werden – Passt zur deutschen Gründlichkeit.
    Und in Versailles werden die Umrisse des neuen Europa gezeichnet. Könnte auf folgenden, knallharten Deal herauslaufen: Wenn Deutschland den französischen und italienischen Staatshaushalt saniert, darf Deutschland Atomstrom aus Frankreich kaufen. Wenn das nicht eine Win-Win-Situation ist?
    Nachdem Frau Merkel alles an Souveränität von Deutschland weggeworfen hat – und das in einer absolut perfiden und heimtückischen Art und Weise – fangen wir langsam an, die Früchte ihres „Wirkens“ zu ernten.

  • Dr.+rer.+nat.+Konrad+Klein
    14. März, 2022

    Apropos Kernkraftwerke weiterlaufen lassen: Lt. Betreiber gehen nach Abschaltung der letzten drei die meisten geplant in Rente, und die Einarbeitung von Nachfolgern würde Jahre dauern. Wo die Abrissbirne aus der Uckermark hinlangt, wächst kein Gras mehr.

  • Dr.-Ing. Hans-Dieter Sommerlatt
    15. März, 2022

    Ein wunderbar geschriebener Artikel. Nachfolgend Text-Teile meiner Energiewende-Info per Mail an alle Bundestagsabgeordneten und ihre Wahlkreise:
    … Die Zeit drängt also und das Thema übertrifft in seinen Folgen die Auswirkungen von Corona bei Weitem. Nicht nur Verwundbare, Leichtsinnige, Ignoranten, Leugner, Impfgegner und damit das Gesundheitssystem sind betroffen, sondern die gesamte Wirtschaft, Gesellschaft, schlichtweg alles was uns umgibt, was wir nutzen oder schön finden …
    Es ist dringend geboten faktenbasiert noch einmal mehr & intensiv darüber nachzudenken
    … 2022 fallen 6 AKW = 8113 MW und zusätzlich 2400 MW aus KKW weg.
    15160 Windräder (3,3MW, 229m hoch, 103dBA laut) oder 838/2396 km² Photovoltaik (Plan/real) ersetzen sie mangels Speicher nur theoretisch.

    Aus meiner Studie „100% EE-Versorgung 2019“ – pdf-Datei in der Cloud https://c.gmx.net/@329903630603786192/3wbgo9TBSaiUKT1CfJJvEw – folgt u.a.:
    (2035 – 10060) Goldisthal-Pumpspeicherwerke oder <1,11 Milliarden ID.4-Akku sind nötig (EE-Ausbau gleichmäßig, nur Seewind, nur Solar, S.13)
    Ohne Speicher, Import … ist der Bedarf <69% des Jahres nicht gedeckt. 90% Deckung erfordert <33 Irsching-Gasturbinen-Reservekraftwerke (S.32).
    H2 als Speicher scheitert mangels Giga-Elektrolyseure/Transportkapazität/Brennstoffzellen, gutem Wirkungsgrad (Goldisthal bis 83%). Der geringe H2-Heizwert (S.1) bedingt bei Gasturbinen-Umstellung die <4-fache Kraftwerkszahl (<133 Irsching).
    Extrem volatiler EE-Strom (S.15) verursacht hohe Unsicherheit & Kosten – je Stunde 35 – 100% Deutschlands zu/abschalten.

  • Dr.-Ing. Hans-Dieter Sommerlatt
    16. März, 2022

    Nachtrag zu meinem gestrigen Kommentar!
    Ein letzter Gedanke zum CO2-Problem, dem Auslöser der gesamten Energiewende.
    Mit der Absorption der Wärmestrahlung der Erde durch CO2 verhält es sich so wie mit der Absorption des Lichtes beim Blick in einen See: Sie sehen den Grund noch bei 1m, 2m … evtl. auch 5m Wassertiefe, aber nicht mehr bei 10m, 20m, 50m usw. (alles vom Grund reflektierte Licht wird ab einer bestimmten Tiefe absorbiert und mehr geht nicht). D.h. übertragen auf CO2: Ab einer bestimmten Konzentration ist der Absorptionskoeffizient a=1, d.h. jede weitere Erhöhung hat keinen Einfluß!!!
    S.34 meiner o.g. Studie (vgl. https://c.gmx.net/@329903630603786192/3wbgo9TBSaiUKT1CfJJvEw) gibt also den maximalen CO2-Einfluß wieder. Mit der Datenquelle auf S. 33 ist quasi nur der 15,1µm-Bereich mit a ca. 0,6 von Bedeutung (bei 4,26µm ist a bereits 1), so daß bei 1/0,6 bzw. ab dem 1,67-fachen CO2-Gehalt (ca. 670 ppmv) jede weitere Steigerung ohne Bedeutung für die Erderwärmung ist.

    • Thomas
      16. März, 2022

      Gedanke zum CO2-Problem

      Ist eigentlich die Frage schon beantwortet,
      ob es auf der Erde wärmer wird, weil der CO2-Gehalt der Luft steigt
      oder ob der CO2-Gehalt der Luft steigt
      weil die Erde sich wegen anderer Faktoren erwärmt?

      • Dr.-Ing. Hans-Dieter Sommerlatt
        17. März, 2022

        Beide Fragen von Thomas sind aus physikalischer Sicht theoretisch (praktischer Einfluss?) mit ja zu beantworten (CO2-Absorption erwärmt, erwärmter Ozean setzt gelöstes CO2 frei wie bei Sekt/Mineralwasser). Ich wollte mit dem o.g. Beispiel (Blick in einen sehr unterschiedlich tiefen See) deutlich machen, dass die von Konzentration (landläufig wird nur sie genannt) & Schichtdicke (Sauberkeit & Tiefe des Wassers) abhängige Wirkung von CO2 (Absorption der Strahlung mit ca. 15,1µm Wellenlänge) auf die Erderwärmung – neuerdings schon Erderhitzung – ein bestimmtes Maß nicht überschreiten kann (ab einer bestimmten Tiefe sehe ich, egal wie tief, den Grund nicht mehr) – nämlich wenn der Absorptionskoeffizient den Wert 1 erreicht hat.
        Weiterhin ist zu beachten, dass der C-Gehalt der Erde quasi konstant ist (Massenerhaltungssatz), d.h. bei der Verbrennung der Kohle (oder anderer fossiler Energieträger) wird genau die Menge CO2 frei, die die versunkenen Wälder – aus denen die Kohle bekanntlich besteht – aus der Luft aufgenommen haben.
        Das Klima ändert sich seit Jahrtausenden und ist ein sehr komplexes Thema. Urquell des Lebens ist vor allem die Sonne. Zu beachten ist, dass nach vollendeter Energiewende Luftströmungen durch große Windparks gebremst/umgelenkt werden (Leistungen von mehreren hundert Gigawatt werden der Atmosphäre entzogen), riesige Solarpark-Flächen das Reflexionsverhalten der Erdoberfläche verändern und durch die massive H2-Verbrennung viele Wolken (H2O) entstehen mit weiteren Nachteilen, wie z.B. Abschattung der Solar-Anlagen, ggf. Starkregen usw.
        Man muss eigentlich noch einmal ganz genau nachdenken, ehe man erprobte Technik, der wir unseren bisherigen Lebensstandard verdanken, mutwillig & planlos zerstört. Meine Datei in der Cloud (Link s.o.) sollte dazu anregen, denn sie gewährt einen konkreten Blick in die angestrebte Zukunft. Alles auf den CO2-Anstieg zu schieben und mit CO2-Preisen zu regeln, ist mir zu einfach. Landläufig nennt man die Menschen, die für komplizierte Probleme einfache Lösungen haben, Populisten!

        • Jochen Schmidt
          18. März, 2022

          Besten Dank für Ihre Infos und Ihre PDF-Dateien!

        • Thomas
          19. März, 2022

          Herzlichen Dank für Ihre Erläuterung.

          Der menschengemachte CO2-Verzicht ist als Thema komplex verflochten. Es ist knifflig.

          „Man muss eigentlich noch einmal ganz genau nachdenken, ehe man erprobte Technik, der wir unseren bisherigen Lebensstandard verdanken, mutwillig & planlos zerstört. Meine Datei in der Cloud (Link s.o.) sollte dazu anregen, denn sie gewährt einen konkreten Blick in die angestrebte Zukunft. Alles auf den CO2-Anstieg zu schieben und mit CO2-Preisen zu regeln, ist mir zu einfach. Landläufig nennt man die Menschen, die für komplizierte Probleme einfache Lösungen haben, Populisten!“

          Sehr richtig.
          Man müsste noch einmal ganz genau nachdenken. Man müsste Debatten führen. Man müsste zulassen, „outside the box“ zu denken. Man müsste. Allerdings halte ich den Internationalen Wissenschaftsrat (Juli 2018 in Paris gegründet, aus ICSU und ISSC) längst für gleichgeschaltet. Nach meinem Dafürhalten zählt auch dort nicht mehr die Kraft der Argumente, sondern eine quasi ddr-demokratische Mehrheit. Daß beispielsweise die „Förderung der Sozial-Kompetenz der Bürger“ zu den Aufgaben des ISSC-Rates (Sozialwissenschaft) gehörte,
          https://de.wikipedia.org/wiki/International_Social_Science_Council
          quillt heute als „Framing“ aus sämtlichen Informationsquellen der Republik. Und das gilt für so gut wie alle gesellschaftspolitisch bedeutsamen Bereiche. Wer schulpflichtige Kinder hat und in der BRD aufgewachsen ist, der merkt das.

          Eine Mitgliedsorganisation des Internationalen Wissenschaftsrats (ISC)
          https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Wissenschaftsrat_(ISC)
          ist beispielsweise die Deutsche Forschungsgemeinschaft.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Forschungsgemeinschaft
          Diese ist eine eingetragener Verein, der als Selbstverwaltungseinrichtung zur Förderung der Wissenschaft und Forschung in der Bundesrepublik Deutschland fungiert und 2019 über einen Förderungsetat von gut 3,3 Milliarden Euro verfügte, aus dem 31.150 Projekte unterstützt wurden. Aus Steuergelde (gut zwei Drittel zahlt der Bund, den Rest zahlen die Länder). Mitglieder sind größtenteils Hochschulen und Forschungseinrichtungen von „allgemeiner Bedeutung“ sowie die deutschen Akademien der Wissenschaften.

          Wer heute versuchen wollte, an einer deutschen Hochschule eine abweichende Ansicht zu den katastrophalen Auswirkungen des so genannten „menschengemachten“ Klimawandels zum Ausdruck zu bringen, der könnte das vermutlich tun, aber eben nur ein Mal. Die „kleinen Richterlein“ (Montgomery) in Deutschland können gegen die Bewegung heute allenfalls noch an…denken. Denn was die Bewegung stört, wird entweder ignoriert oder zermalmt – begleitet von den Stampf-Rhythmen und Posaunen des Populistenpop. Und vom Berliner Kommentariat. Populistenpop der hellen Sorte, versteht sich.

          Mit freundlichen Grüßen
          Thomas

  • Jochen Schmidt
    18. März, 2022

    “Berliner Kommentariat” – einfach nur genial 🙂

  • Albert Schultheis
    27. März, 2022

    „Aber ich weiß, dass die Welt mit höchster Aufmerksamkeit auf die Energiewende in Deutschland schaut.” – Nicht nur die Grünen glauben das, diese Ideologie vom deutschen Wesen, das Hirngespinst von uns Deutschen als die energiepolitischen Vorreiter, ja, als die hypermoralischen Vorbilder für die übrige Welt, sie durchzieht das gesamte politische Spektrum von der Linke über die SPD bis in die ausgelaugten, opportunistischen liberal-konservativen Residuen bei der FDP und den Christdemokraten. Wir anderen, die versprengten, politisch heimatlosen Liberalkonservativen, die heimatlos gewordenen Linken und Grünen, einschließlich der parteilichen Opposition der AfD, wir sind politisch völlig entmachtet. Wir besitzen keine Waffen, wie die US-Opposition, wir sind zahlenmäßig weit unterlegen und wir sind längst aus allen Positionen mit politischer Hebelwirkung und Einfluss verdrängt. Zudem sind wir durch eine aggressive, über Jahre ausgeübte Diffamierungskampagne der Mainstream-Medien dem infantilisierten und kretinisierten Rest-Bürgertum völlig entfremdet. An ernstzunehmende Gegenwehr, gar an Revolution ist nicht zu denken. Realistischerweise bleibt uns nur die Wahl zwischen innerem oder tatsächlichem Exil.
    Gerade in diesem jämmerlichen Zustand der völligen Ohnmacht und des Ausgeliefertseins liegt das einzig Rettende in der totalitären, zur theologisch-teleologischen Doktrin erhobenen obigen Ideologie. Sie wird unweigerlich zum Sprengsatz, der das gesamte illusionäre linksgrünschwarzgelbe Kartenhaus in die Luft jagen wird. Deutsche lernen nur aus Ruinen, wenn die Mahlzeiten ausfallen und der Arsch auf Grundeis geht. Anders als die Generation unserer Eltern und Großeltern verfügt die heutige degenerierte, verhätschelte Generation nicht über die geringste Resilienz, diesen Zustand über längere Dauer zu ertragen.
    Je schneller also dieser Zustand eintritt, desto eher keimt die Hoffnung auf Erneuerung, auf die notwendige Wende. Putin ist überdies noch ein Brandbeschleuniger, der mit seinem Krieg den Zusammenbruch der heilen, braven neuen Welt nur noch beschleunigt. Dann werden den Besserwissern, den Moral-Weltmeistern die Argumente und die Worte ausgehen. Man wird ihnen einfach nicht mehr zuhören, die Programme und Talkforen einfach abschalten. Dann werden über Nacht wieder die einfachen Realitäten zählen. Fressen, ohne Moral. Und der Kurs der Klugheit und der Vernunft wwirdallmählich wieder steigen. Wetten!

    Ihre Meinung dazu

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.