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A. Iehsenhain
21.09.2026Vielleicht unterliegen wir auch nur einer Wahrnehmungsstörung und fühlen uns, nur weil wir am Fernseher oder Radio sitzen und gelegentlich Toilettenpapier mit antibakterieller Druckerschwärze benutzen, von den Leuten auf der anderen Seite angesprochen. Könnte es nicht sein, dass die ganzen Memes in Newsroom und Boulevard lediglich zum internen Gebrauch gedacht sind, weil direktes Umfeld oder Angehörige der besorgten Prominenz ebenfalls auf dem besten Weg sind, deren Geschwätz bald nicht mehr hören zu können?
Werner Bläser
21.09.2026„Denkst du daran, mein Lieb, was jenen Sommermorgen
Wir sahn im Sonnenschein?
Es war ein schändlich Aas, am Wegrand kaum geborgen
Auf Sand und Kieselstein.
Die Beine hochgestreckt nach Art lüsterner Frauen,
Von heissen Giften voll
Liess es ganz ohne Scham und frech den Leib uns schauen,
Dem ekler Dunst entquoll.
Die Sonne brannte so auf dies verfaulte Leben,
Als koche sie es gar
Und wolle der Natur in hundert Teilen geben,
Was sie als eins gebar.
Der Himmel blickte still auf dies Gefaule nieder,
Wie er auf Blumen schaut.
So furchtbar war der Dunst, dir schauderten die Glieder
Von Ekel wild durchgraut.
Die Fliegen hörten wir summend das Aas umstreichen
Und sahn das schwarze Heer
Der Larven dichtgedrängt den faulen Leib beschleichen,
Wie ein dickflüssig Meer.
Und alles stieg und fiel aufsprudelnd, vorwärtsquellend
Nach Meereswogen Art,
Fast schien’s, als ob dem Leib, von fremdem Leben schwellend,
Tausendfach Leben ward….“
(Baudelaire, Une charogne. Frage an die Romanisten unter uns: Sprach Baudelaire hier irgendwie vorausschauend-prophetisch von der politischen Elite, die uns regiert?)
Werner Bläser
23.09.2026Ich gebe zu, es mag Leute geben, die diesen Vergleich als übertrieben empfinden. Der Verfassungsschutz klassifiziert ja schon Elitenkritik als rechtsradikal. Allein das belegt ja, da der VS williges Werkzeug der herrschenden Eliten ist, den Wahrheitsgehalt meines Vergleichs. Nach dem deutschen VS müßten schon politologische Klassiker wie Ibn Khaldoun. R. Michels, G. Mosca… posthum als rechtsextrem angesehen werden. In diesen Behörden werkeln an maßgeblicher Stelle entweder extreme Opportunisten oder Geisteskranke.
Seit Monaten behauptet die Union, daß es zwischen ihr und der AfD keinerlei Gemeinsamkeiten gäbe. Jeder, der sich selbst nur oberflächlich informiert, kann sofort sehen, dass dies absoluter Bullshit ist. Die Parteiprogramme decken sich in weiten Teilen. Und wer weiß, wie die Kohl-Union, wenn es sie noch gäbe, zu jetzigen Zeiten auf den Ukrainekonflikt oder den autoritären Zerstörungwillen Brüssels reagieren würde. Ich vermute einmal, dass sie sich in puncto Ukraine gegen die AfD stellen würde, in puncto von der Leyen aber ein heiliges Gewitter über Brüssel hereinbrechen lassen würde, das weder vdL noch ihre Bürokratensoldateska überleben würden.
Nein, ich finde, die Assoziation Baudelaire-Politelite ist überlegenswert.
Werner Bläser
21.09.2026„….und leer ruht von Gesange die Luft.
Trüb ists heut, es schlummern die Gäng’ und die Gassen
und fast will Mir es scheinen,
es sei, als in der bleiernen Zeit“.
(Wo ich schon mal bei Lyrik bin: Hölderlin, Der Gang aufs Land. – Margarethe von Trotha hat damals einen Film gedreht mit dem Titel „Die Bleierne Zeit“. – Die Linke hat nun seit ihrem Sieg im Kulturkampf eine Zeit fabriziert, die „bleierner“ nicht sein könnte. Was für eine verlogene Bagage!).
Werner Bläser
23.09.2026Vielleicht müßte man zur „Ehrenrettung“ der deutschen Politeliten anführen, dass ihre Auswahl ja nicht im luftleeren Raum stattfindet. Sie ist eingebettet in die unselige Diederich Heßling-Untertanenmentalität der Deutschen, die durch die Merkeljahre noch verstärkt wurde („lassen wir die da oben einfach machen“, und halten wir uns an Regeln).
Andere Nationen sind da anders. Die französische Regierung hat einen Heidenrespekt vor ihren „Untertanen“; z.B. dergestalt, dass sie aufgrund des Drucks von rechts abgelehnten Asylbewerbern die staatlichen Bezüge auf Null streicht. Gibt vielleicht Ärger mit der EU, geht den Franzosen aber am Allerwertesten vorbei. Undenkbar in Deutschland, wo eine Revolution schon deshalb nicht stattfinden kann, weil das Betreten des Rasens verboten ist.
Ist jemandem das „Nadelöhr von Poitou“ noch ein Begriff? (Bei KI suchen, nützt nichts, KI ist zu dämlich, das zu wissen.). 1982/83 überschwemmten die Japaner mit billigen Videorekordern den europäischen Markt. Aufgrund internationaler Regelungen war es den Franzosen nicht möglich, diese Flut legal einzudämmen. Also verfügten sie, daß alle zu importierenden japanischen Videorekorder über das kleine Zollamt von Poitou abgewickelt werden müßten. Natürlich stauten sich dort die Geräte, weil die armen Provinzbeamten nicht im geringsten in der Lage waren, des Geräteansturms Herr zu werden.
Folge: Es kamen kaum noch japanische Geräte auf den französischen Markt, bis Tokio ein Einsehen hatte.
Die Italiener sind absolute Meister darin, Regelungen zu umgehen. Es ist wahrscheinlich eine Legende, aber eine, die die italienische Nationalkultur treffend beschreibt: die berühmten Trulli-Dächer von Alberobello und Locorotondo bestehen aus locker pyramidenförmig übereinandergelegten flachen Steinen. Angeblich geht dies auf eine Besteuerung von Hausdächern zurück (jedes Haus muß ja ein Dach haben, so stellt sich die Regierung das jedenfalls vor). Wenn aber in Apulien früher das Wort die Runde machte, der Steuereintreiber aus Neapel sei im Anmarsch, wurden in Windeseile die Dächer einfach entfernt. –
Ich war lange genug in Italien, um dieses Volk nicht nur wegen seiner Kreativität in der Kunst zu bewundern; ebenso bewundernswert und kreativ sind sie im Umgehen von Regeln.
Die Vorstellung, die „Oberen“ einfach auf deutsche Art machen zu lassen, oder sich an unpraktikable Regeln zu halten, ohne daß man sich nach Kräften wehrt, gilt in Italien einfach als idiotisch.
Schon in meinem ersten Italienischkurs vor über 40 Jahren erklärte uns unsere Lehrerin, eine entzückende junge Dame aus Bari, genüßlich, wie ihre Landsleute bei der Steuererklärung tricksen.
In Deutschland ist es vielleicht eine Folge der jahrelangen Wohlstandsverwahrlosung, dass wir uns alles gefallen lassen – auch, dass wir uns von Leuten regieren lassen, die jeden Zeitungskiosk in den Ruin treiben würden.