Qualitätsjournalisten desinformieren nicht nur gern, sondern vor allem immer gleich. Dieser Mustertext ersetzt den Medienkonsum von zwölf Monaten nahezu komplett. Und zwar ein für alle Mal


Nur wenige Filmtitel setzten sich im kollektiven Gedächtnis als Metapher fest. “Groundhog Day“ von 1993, deutsch „Und täglich grüßt das Murmeltier“ gehört zu dieser Ausnahmeklasse. Dem schnöseligen TV-Wetterreporter Phil Connors, gespielt von Bill Murray, gruselt es davor, schon wieder am 2. Februar darüber berichten zu müssen, wie das Murmeltier in Punxsutawney den restlichen Verlauf des Winters vorhersagt. Er findet das Ritual sturzlangweilig und unter seiner Würde, möchte den Job so schnell wie möglich erledigen und das Kaff wieder verlassen – stellt aber am nächsten Morgen fest, dass der Tag wieder exakt so abschnurrt. Murray-Connors – und nur er allein – steckt in einer Zeitschleife fest, die ihn im Murmeltiertag festhält. Den Rest des Films verbringt er mit Ausbruchsversuchen. Selbst Suizidversuche helfen ihm nicht weiter, denn die überlebt er ausnahmslos. Natürlich schafft er es am Ende doch aus der Zeithaftanstalt. Das verlangt schon die Filmdramaturgie.

Wer ausschließlich wohlmeinende Medien konsumiert – und selbst, wer sie nur aus der Distanz beobachtet – steckt in einer ganz ähnlichen Falle. Nicht allein, sondern zusammen mit anderen. Diese Dauerschleife zirkelt nicht einen Tag ein, sondern gleich das ganze Jahr: Mit bestimmten Desinformationsgeschichten und Erbauungsmärlein grüßen Qualitätsjournalisten immer zur gleichen Zeit; das immergleiche Material kommt so zuverlässig aus der Wiedervorlage wie das Marmota aus seinem Loch.

Der große kontrafaktische Dauerreigen beginnt seit sechs Jahren immer am 9. Februar, dem Jahrestag der Morde von Hanau 2020. An diesem Tag erschoss Tobias Rathjen – ein Mann mit einer schweren wahnhaften Störung, wie die Untersuchung später ergab – neun Männer mit Migrationshintergrund, seine Mutter und sich selbst. Den Ermittlungen zufolge zeigte er vorher kein ausländerfeindliches Verhalten, er unterhielt auch keinen Kontakt zu rechtsextremen Organisationen oder irgendeiner Partei. In dem Manifest, das er kurz vor der Tat vor einer Videokamera verlas, gab es einen einzigen Bezug zu Deutschland, und den nur im weitesten Sinn: Er beschuldigte darin den Fußballtrainer Jürgen Klopp, seine, also Rathjens, Gedanken zu stehlen. Seit Jahren gehört es zur Routine der meisten Politiker und Journalisten, von nur neun Opfern zu sprechen, zu schreiben und zu senden: Die ermordete Mutter stört die Erzählung vom rechtsextremen, rassistischen und vor allem geistig gesunden Attentäter.

„Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet“, behauptet der NDR 2026 ohne zu erwähnen, dass es auch ein zehntes Opfer gab, so wie es dutzende Medien seit 2020 immer wieder gleich und nachweislich falsch abspulen – hier ein Pars-Pro-Toto-Beispiel von 2023, damals beigesteuert vom ZDF. Neun Opfer zählt der Sender auch 2026 wieder; die Frankfurter Rundschau meldet in ihrem Format „FR-üh dran“, ein 2020 verletzter Mann mit Migrationshintergrund sei jetzt mit 70 Jahren gestorben: „Sechs Jahre nach dem rassistischen Anschlag in Hanau steigt die Zahl der Opfer auf zehn und die AfD feiert ein Comeback.“

Ganz wichtig in jedem Jahr: Die faktenfreie Verknüpfung von Täter und einer Partei, mit der er nie in irgendeiner Verbindung stand. Die falsche oder vielmehr gefälschte Zahl der nur neun Opfer von 2020 leiern nicht nur Medien alle Jahre wieder herunter. Sie gehört mittlerweile auch zum regierungsoffiziellen Kanon. Zum 19. Februar gab Kulturstaatsminister Wolfram Weimer – welcher schwer beunruhigt, wie man weiß, auf Fake News blickt – diese Erklärung von Amts wegen ab: „Am 19. Februar jährt sich der rassistische Anschlag von Hanau zum sechsten Mal. Neun Menschen wurden bei dem Attentat ermordet, sechs weitere Menschen zum Teil schwer verletzt.“ Kurz danach folgen die Sätze: „Sechs Jahre nach Hanau denken wir an die Menschen, deren Leben gewaltsam ausgelöscht wurde. Ihr Verlust schmerzt bis heute. Wir dürfen und wir werden sie nicht vergessen.“

Auch 2027 bis ad infinitum läuft und läuft und läuft die Geschichte von den neun (beziehungsweise mit dem Nachgestorbenen aus der richtigen Kategorie jetzt zehn) Opfern weiter. Selbstredend fällt immer die psychische Störung des Täters und seine völlige Isolation weg. Und genauso selbstverständlich bietet kein Medium der Guten vergleichbare Beiträge mit Say-Their-Names über das Attentat auf dem Breitscheidplatz an. Die Nachrichtenfrau Dunja Hayali erklärte kürzlich, beim ZDF würde „jedes Wort und jedes Komma“ geprüft. Das darf man ruhig für alle hier aufgezählten Medien annehmen. Der Zweck der Übung besteht ganz offensichtlich darin, jede inhaltliche Abweichung der Beiträge von einem Jahr zum anderen auszuschließen.

Im ewigen Journalistenkalender folgt der 11. März, Jahrestag des Fukushima-Unfalls 2011. Damals kam es bekanntlich zu einem gewaltigen See- und Erdbeben, das um die 20 000 Menschen tötete; die Riesenwelle beschädigte auch das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi und löste dort eine Kernschmelze aus. An diesem Tag gab es in der Anlage mehrere Verletzte durch eine Gasexplosion, aber keinen Toten. Als einer der Fukushima-Mitarbeiter 2018 an Krebs starb, zählte ihn die Internationale Atomenergiebehörde als Strahlenopfer, weil sich eine Kausalität zwar nicht feststellen, aber auch nicht widerlegen ließ. Soweit die Fakten, die jeder in seriösen Quellen nachlesen kann.

Also nicht beim Bayerischen Rundfunk. „Japan gedenkt Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima: Landesweit legten die Menschen Blumen und Kränze für die rund 20.000 Toten nieder“, hieß es dort auf der Online-Seite. Erst weiter unten erwähnte der Sender das Beben. Die „Tagesschau“ funkte zum Jahrestag: „Angehörige suchen noch immer nach Vermissten“; die große Überschrift unter der Dachzeile lautete: „15 Jahre nach der Atomkatastrophe“.
Schon 2023 setzte die „Tagesschau“ am 11. März exakt die gleiche Falschmeldung ab: Damals behauptete die ARD-Hauptnarrativsendung über Fukushima: „Es war das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986, etwa 18 500 Menschen kamen ums Leben.“

In den Jahren vorher erledigten Politiker der Grünen diesen Job. Annalena Baerbock übernahm es 2021, Massensterben und Atomunfall zusammenzurühren: „Zeit innezuhalten und an die vielen Menschen zu denken, die durch das Unglück zu Schaden gekommen sind oder ihr Leben verloren haben. Es ist beruhigend, dass Deutschland nächstes Jahr aus der Hochrisikotechnologie #Atomkraft aussteigt.“
Am 11. März 2013 dichtete Claudia Roth auf Facebook: „Heute vor zwei Jahren ereignete sich die verheerende Atom-Katastrophe von Fukushima, die nach Tschernobyl ein weiteres Mal eine ganze Region und mit ihr die ganze Welt in den atomaren Abgrund blicken ließ. Insgesamt starben bei der Katastrophe in Japan 16.000 Menschen, mehr als 2700 gelten immer noch als vermisst.“

In “Groundhog Day“ darf der Held immerhin seinen Tagesablauf leicht variieren, was aber nichts daran ändert, dass für ihn auch morgen wieder ein 2. Februar anbricht. Im Fall der Tausende-Atomopfer-Geschichte beweisen deren Urheber einen gewissen Schöpfergeist bei der Begründung, warum sie immer wieder den gleichen Unfug senden. Der BR erklärte seine Überschrift 2026 nachträglich nach vielfacher Kritik für „missverständlich“, und korrigierte sie klein und unauffällig.

Ihre Kollegen von der „Tagesschau“ antworteten 2023 auf eine Anfrage von Publico: „Beim Bearbeiten dieser Meldungen wurde Text gekürzt. Durch diese Kürzung kam es im Artikel zu einem falschen Eindruck. Die Redaktion hat dies schnellstmöglich korrigiert.“ Warum die Redaktion eine Online-Meldung überhaupt kürzen musste, erklärte sie nicht. In Wirklichkeit änderte sie den Text nur an einer allerdings entscheidenden Stelle. Denn der Satz aus der Original-Agenturmeldung vor der Tagesschaubearbeitung lautete völlig korrekt:
„Durch den Tsunami kamen etwa 18.500 Menschen ums Leben.“

Wer das längst widerlegte stumpf immer wieder auftischt, der desinformiert nicht nur. Er arbeitet bewusst so, das heißt: Er lügt. Der nächste 11. März kommt garantiert, und wenn die Öffentlich-Rechtlichen dann immer noch senden, stehen die tausenden Atomopfer auch in Zukunft auf dem Plan. Den anschließenden Ausreden weit unten in der Fußnote sehen wir mit mäßiger Spannung entgegen.

Wie in jedem Frühling schließt sich ein kleines Intermezzo mit nur ganz geringen Variationen an, keine direkte Falsch- , sondern eher eine Kokolores-Darstellung, nämlich pünktlich zu jeder Spargelsaison. Wer vorher nicht wusste, dass es sich um ein patriarchalisches Gemüse und um einen deutschen Kult handelt, weiß es spätestens, seit ein selbst für Spiegel-Verhältnisse ungewöhnlich trübes Licht 2019 die Stangen als „alten weißen Mann der Kulinarik“ und „Dicpic-Ersatz im Netz“ anprangerte.

Hier der unvollständige Schnelldurchlauf: 2023 „braucht“ es „ein Ende des Kults“, jedenfalls laut Neues Deutschland; im selben Jahr erklärt ein sog. Experte in der Berliner Zeitung: „Der Spargel hat gerade bei jungen Leuten einen Image-Schaden erlitten als Gemüse der sozialen Ungleichheit.“ Weil sie beim Schälen im Gegensatz zu Boomern zur Selbstverletzung neigen?Die ARD fragt 2026 mit schlecht unterdrückter Hoffnung: „Kultgemüse in der Krise?“ In der Zeit bestreitet ein Medienschaffender ebenfalls 2026 eine ganze Reportage damit, dass er von seiner Abneigung gegen Asparagus officinalis erzählt. Spannend!
Mit den ersten zarten Spitzen, die in den nächsten Jahren aus dem Boden treiben, heben Redaktionen auch in aller Zukunft ihr Antispargelstück #0815 ins Blatt oder Sendeprogramm. Auf wenige Dinge kann man sich dermaßen fest verlassen.

In der Mitte des medialen Murmeltierjahres meldet sich der Sommer mit ein paar warmen, mitunter sogar heißen Tagen in Europa. Höchste Zeit für Print- und Funk-Redaktionen, jetzt die bewährte Klamotte „Frankreichs Atomkraftwerke stehen wegen der Hitze still“ wieder aus dem Archiv zu zotteln. Kein Atomkraftwerk in Frankreich stand jemals still, weil die Anlage hohe Außen- beziehungsweise Wassertemperaturen nicht vertragen würde. Damit kam und kommt die Technik zurecht. Einige wenige der 56 Reaktoren des Landes drosseln ihre Leistung, um die Flüsse, aus denen sie Kühlwasser entnehmen, nicht weiter aufzuheizen. Die Leistungsreduzierung geschieht also aus Rücksicht auf die Flussfauna. Jedes Jahr. Sie betrifft wenige Anlagen; nur zehn der 56 Reaktoren kühlen mit Flusswasser. Jedes Jahr. Die Leistungsreduzierung gefährdet die Stromversorgung Frankreichs nicht im Geringsten. Jedes Jahr. Im Jahresverlauf führt sie zu maximal 0,3 Prozent weniger Stromerzeugung, verglichen mit der möglichen Produktion, wenn nicht gedrosselt worden wäre. Auch hier gilt: jedes Jahr. Deutsche Medien drucken und senden trotzdem die Mär von den hitzeanfälligen französischen Atommeilern – jedes Jahr – und erweitern sie zu einem Traktat über die generell unzuverlässige Kernkraft.  Jedes Jahr. Die Ausgabe 2026 der Standardstory las sich bei Focus online so: „Hitzewelle wird jetzt zum Problem für Frankreichs AKW“.

Der SWR desinformiert sein Publikum mit der Behauptung: „Zu heiß für Atomstrom“, und zwar konkret über das Kernkraftwerk Beznau in der Schweiz, das – man ahnt es, jedes Jahr – bei großer Wärme für ein paar Tage herunterfährt. „Atomkraftwerk Beznau muss wegen Hitze heruntergefahren werden. Die anhaltende Hitze bringt das Atomkraftwerk Beznau an seine Grenzen“, verkündet die ARD-Anstalt.
„AKW-Hitzeflaute: Schluss jetzt mit dem Gefasel vom Wiedereinstieg“, – so lautete die einschlägige Quatschgeschichte im Stern 2025.

Im selben Jahr durfte Universalexpertin Maja Göpel 2025 bei Markus Lanz ihre Spinnerei über „ausgetrocknete Flüsse“ in Frankreich unterbringen, weshalb dort angeblich die Kernkraftwerke ihren Geist aufgäben. Ihre frei flottierende Erzählung ging unwidersprochen von ÖRR-Faktenfindern über den Sender. Wie jedes Jahr auf diesem Gebiet.

Im Januar 2023 fiel es dem Meteorologe Mojib Latif zu, bei „Anne Will“ über die Kernkraftwerke im Nachbarland zu fabulieren: „Die AKW standen nicht nur deswegen still, weil sie marode waren […], sondern auch, weil sie nicht mehr gekühlt werden konnten.“ Um dann auf die Atomanlagen in Deutschland zu kommen: „Stellen Sie sich mal vor, wir haben jetzt wieder einen Supersommer, […] und dann funktionieren die Kernkraftwerke auch nicht mehr.“ Niemand in der Runde hielt ihm entgegen, dass die deutschen Kernkraftwerke niemals Rücksicht auf zu warme Flüsse nehmen mussten – weil ihre Kühlung anders funktionierte, oder weil sie an Flüssen lagen, die auch im Sommer kalt blieben.
Bei seinem Auftritt erwähnte Latif, er sei kein Kernkraftexperte. Nein, ist er wirklich nicht. Deshalb laden ihn Talkshowredaktionen ja immer wieder ein. Fast jedes Jahr.

In jedem Redaktionsplan steht felsenfest, was nach den Antiatomwochen im Hochsommer zum Publikum muss: der Beitrag über das schlimmpatriarchalische Oktoberfest, gewissermaßen der Spargel oder vielmehr die AfD unter den Großveranstaltungen. Die Wiesn vereinen alles, was eine wohlgesinnte Journalistenperson verabscheut, Tracht, ein eher binäres Geschlechterverständnis, Massen, die sich nicht zum Zweck des Zeichensetzens und überhaupt nicht kollektiv bewegen. Obendrein steht es auch noch für das, was Medienschaffende beneiden und sich gleichzeitig selbst verbieten, nämlich ein bisschen Gaudi. „Bereits 180 hilfesuchende Frauen im Safe Space‘“, meldete der Bayerische Rundfunk 2024 schon zur Wiesn-Halbzeit in der Überschrift. Weit unten im Text erklärt der Sender, dass es sich bei dem „Safe Space“ gar nicht um einen letzten Fluchtpunkt vor Männerhorden handelt, sondern um einen allgemeinen Kummerpunkt, „egal ob die Handtasche gestohlen, die Clique verschwunden oder der letzte Zug bereits abgefahren ist oder ein sexueller Übergriff stattgefunden hat“.

Bei den meisten sexuellen Oktoberfest-Übergriffen, auch das erfährt man nur in einem Nebensatz, handelt es sich um Handyaufnahmen in der Zone unter dem Dirndl. Jedes, wirklich jedes Jahr entdecken die Kreislaufmedien „die dunklen Seiten“ der Wiesn, der Standardtext – hier Süddeutsche von 2025, sieht ungefähr so aus.
Seit das ZDF zusammen mit einer Aktivistin im Januar 2016 die Lügengeschichte von den hunderten verschwiegenen Vergewaltigungen auf dem Oktoberfest in die Welt pustete, um schnell von den unschönen Vorgängen auf der Kölner Domplatte abzulenken, kann kein Medium mit Haltung und Botschaft auf den Bericht aus dem Herzen der bayerischen Finsternis verzichten.

Man würde sich anderenfalls ja zum Mittäter machen. Wer ein bisschen rechnen kann und die Dauer des Festes, die Besucherzahl (2025: 6,5 Millionen) und die Delikte ins Verhältnis setzt (2025: ein Raub, 134 Körperverletzungen, 33 Sexualdelikte, überwiegend Angrapschen oder Filmen unter dem Rock), der stellt fest: Auf der Theresienwiese geht es trotz erheblicher Alkoholmengen wesentlich sicherer zu als in Berlin oder Bremen im Normalbetrieb. Wie jedes Jahr. Aber gerade deshalb muss es auch 2026 wieder die Normtexte und TV-Beiträge geben, so zuverlässig und sicher, wie sich andererseits kein Hauptstadtjournalist für eine Reportage über die dunklen Seiten des Alexanderplatzes ausrückt.

Der große Kreislauf nähert sich langsam seinem formalen Ende, das es in Wirklichkeit nicht gibt, weil danach alles wieder von vorn losgeht. Das Fest des rassistischen Onkels dräut: Weihnachten. Die Argumentationshilfen gegen diesen Onkel (es ist immer der Onkel) kann die Redaktion einfach aus dem Vorjahr nehmen, sie braucht dort noch nicht einmal die Jahreszahlen auszutauschen. Zwischen AZ München und Weserkurier finden sich auch immer ein paar Qualitätsschreiber für den fälligen Beitrag: „Nikolaus war Türke“ und den Leitartikel über das Flüchtlingskind Jesus, das uns allen zu denken geben muss. Natürlich neben dem Text: „Ist Weihnachten noch zeitgemäß?“

So geht es hin, das Medienjahr, und genauso rollt es nach teuflischem Ratschluss auch weiter ab.
Der große Unterschied zwischen dieser großen Zeitschleife und dem Murmeltier-Film liegt auf der Hand: Dort will der Held unbedingt aus seinem Zeitgefängnis ausbrechen. Die Medienschaffenden und ihre verbliebenen Kunden empfinden das Abschnurren des Immergleichen offensichtlich als anheimelnd. Ihnen graut eher davor, irgendwann aus ihrem inneren Punxsutawney zu fliegen. Die Frage drängt sich auf: Warum beschäftigen Redaktionen überhaupt noch humanoide Mitarbeiter? Für die Öffentlich-Rechtlichen lautet die Antwort: Weil sie nun einmal dort sitzen und ihr Geld nicht am Markt verdienen müssen. Aber der Rest der Branche? Der Stoff für zwölf Monate liegt längst fix und fertig samt Framing und Fake bereit, das Einfügen der aktuellen Jahreszahl lässt sich mühelos vorprogrammieren. Höchstwahrscheinlich läuft es in vielen Verlagen schon so. Künstliche Intelligenz verdrängt in den nächsten Jahren den größten Teil der Journalisten nicht deshalb, weil die Programme so gut wären (sie verbessern sich tatsächlich, aber hier liegt nicht der Punkt), sondern weil der deutsche Kreislaufjournalismus so öde, langweilig, faktenresistent und vor allem absolut voraussehbar daherkommt wie in kaum einem anderen westlichen Land.

Zugegeben, ab und zu ereignen sich kleine Ausbrüchen aus der Routine. Beispielsweise, wenn die ARD-Journalistin Anja Kohl in einer BR-Sendung fordert, die AfD müsste sich davon „distanzieren“, dass in Erfurt Reporter von Apollo und der Jungen Freiheit von einem linksextremen Mob gejagt und zusammengeschlagen wurden. So etwas denkt sich keine KI aus, jedenfalls Stand heute. Selbst den Leuten der „Aktuellen Kamera“ wäre das ein bisschen zu plump vorgekommen.

Welchem Zweck dieser Text dient, deutet die Überschrift schon an: Er fasst einen sehr, sehr großen Teil des jährlichen Altmediengeschehens auf knapp 20 000 Zeichen zusammen. Man liest ihn einmal und weiß, was man alles nicht verpasst. Vor allem veraltet er nie. Wer will, kann auch die einzelnen Desinformationen und Agitpropstückchen durchnummerieren, so wie früher Handlungsreisende auf Zugfahrten die Witze, die sie alle schon kannten.

Der Autor seinerseits hakt die Demontage der wichtigsten bundesrepublikanischen Qualitäts-Fake-News in einem Rutsch ab, um sich dann wieder anderen Themen zuzuwenden. Wie Phil Connors will er vor allem eins: raus. Wer als Konsument freiwillig in der Zeitschleife bleibt und auch noch für seinen Gefängnisaufenthalt zahlt, dem ist in dieser Welt nicht zu helfen.

 

 

 

 


Dieser Text erscheint auch auf Tichys Einblick.


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