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Wochenrückblick: Die Matrix kennt den richtigen Kurs

Für diejenigen Privilegierten, die 1989 die Montagsdemonstrationen in der DDR miterlebt hatten, gab es am Wochenanfang eine interessante Reminiszenz: In Hamburg auf dem Jungfernstieg fand zum dritten Mal die Demonstration unter dem Motto „Merkel muss weg“ statt. Die erste bestand nur aus einer Einzelfrau namens Uta Ogilvie, mithin einer Einzelfällin schlechthin, die mit einem rosa Pappschild den Jungfernstieg entlanglief, auf dem „Merkel muss weg“ stand. Es schlossen sich gut 60 Leute an.

Am vergangenen Montag waren es dann etwa 200 Bürger, die meinten, zwölf Jahre Merkel wären genug. Zu Friedenszeiten fiel so etwas unter Regierungskritik. „Kohl muss weg“ war übrigens 1998 eine gewissermaßen offizielle Parole von SPD und PDS.

Bekanntlich sind aber heute die Verhältnisse nicht so, jedenfalls nicht so wie 1998. Die „Hamburger Morgenpost“ jedenfalls reagierte auf das merkelfeindliche Treiben in Hamburg mit dem Artikel: „Was trieb Frau U. O. ins Stadtzentrum?“

„Es wären eine ganze Menge ehrenwerter Gründe denkbar, warum Frau U. O. am vergangenen Montagabend in der Hamburger Innenstadt anzutreffen war. Sie ist jung und hat dementsprechend Einkaufswünsche oder will sich einen neuen Film ansehen oder in der Eisbar den Feierabend genießen. Aber nicht solche ehrenwerten Gründe bestimmten den Weg der Frau, sondern ein höchst verurteilenswerter. Sie fuhr in eindeutig provokativer Absicht nach Hamburg, um mit Vertretern bestimmter Gruppierungen im Zentrum der Hansestadt die öffentliche Ordnung zu stören, die Ruhe und Sicherheit der Bürger anmaßend zu beeinträchtigen und auf Konfrontation mit unserem Staat und mit unserer Gesellschaft zu gehen.“

Nein, das schrieb die Morgenpost nicht ganz so. Der Text – mit leichten Strichen aktualisiert – stammt in Wirklichkeit aus dem damaligen SED-Bezirksorgan „Leipziger Volkszeitung“ vom 24. Juni 1989; es handelte sich um einen Artikel über eine der ersten Montagsdemonstrationen in Leipzig. In der Geschichtsschreibung der friedlichen Revolution in Ostdeutschland besitzt der LVZ-Text den Rang eines Leitfossils, er findet sich in vielen historischen Abhandlungen und zeitgeschichtlichen Artikeln*. Nein, die „Morgenpost“ hatte vielmehr über die „rechte Demonstration“ von Uta Ogilvie geschrieben, die „Gegendemonstration“ mit größter Sympathie begleitet, und schließlich folgendermaßen berichtet:

„Knallt es heute in Hamburg? 300 Linke demonstrieren friedlich – Rechte starten bald.“

„Heute knallt’s“ lautete auch rein zufällig die an Ogilvies Haus geschmierte Parole, angemalt bei Gelegenheit eines Anschlags mit Farbe auf ihre Wohnung.

Außerdem nannte die „Morgenpost“ die Demonstranten, um das erwartete Knallen auf der Straße ein wenig zu unterfüttern, in ihrem Facebook-Auftritt „Neonazis“. Das löschte sie später, leugnete, es jemals geschrieben zu haben, und gab es am Ende zu, weil ein Screenshot davon existierte.

Der Hamburger Autor und Journalist Matthias Matussek schrieb über diese Sorte von Journalismus, er habe sich noch nie derart für seinen Berufsstand geschämt. „Eine wirre Hassattacke“, recherchierte die Morgenpost daraufhin, von dem „feinen Herrn“, dem „irrlichternden Intellektuellen“, kurz, von Herrn M.K., den es übrigens am vergangen Montag auch ins Hamburger Stadtzentrum trieb.

Natürlich sind die Verhältnisse heute nicht so wie weiland in Leipzig und der gesamten DDR 1989, bei der DDR handelte es sich um eine harte, aber ökonomisch hoffnungslos unterminierte Diktatur. Hier und da gibt es allenfalls stilistische Ähnlichkeiten, und die größte Ähnlichkeit findet sich heute zweifellos in der Presse: Es ist der gleiche Sound von Redakteuren, die sich als Schild und Schwert der real existierenden Verhältnisse fühlen. Übrigens geht es der „Hamburger Morgenpost“, die vor einiger Zeit auch schon mal ganz Sachsen als „Schandfleck“ bezeichnete, nicht so blendend.

Auch das ist eine keine schneidende Linie, aber eben eine Parallele zur DDR 1989, dass gesellschaftsstützende Redakteure einerseits und Lesekundige andererseits getrennte Wege gehen. Werfen wir einen kurzen Blick in das Branchenblatt „meedia“, das über die „Hamburger Morgenpost” folgendes schreibt:

„Im 4. Quartal 2017 setzte der Verlag gegenüber dem Vorquartal 63.526 Exemplare ab. Das ist ein Minus von 7,74 Prozent. Der Einzelverkauf brach sogar in diesem Zeitraum um 8,4 Prozent auf 43.825 Exemplare ein. Vergleicht man das 4. Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahresquartal ist das Bild deutlich schlechter. Hier sank der Verkauf sogar um knapp 13 Prozent. Die Hamburger Morgenpost, die die Hamburger liebevoll kurz „Mopo“ nennen, kämpft seit Jahren gegen den Leserschwund. Noch vor einem Jahrzehnt verkaufte die zur DuMont Mediengruppe gehörende Tageszeitung mehr als 114.000 Exemplare.

Nun sollen mehr Kommentare, mehr Kolumnen, mehr Standpunkte dem Blatt aus der Krise helfen. Damit will sich Niggemeier unabhängiger vom aktuellen Nachrichtengeschehen in der norddeutschen Metropole machen, um bei den Lesern mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Doch der neue publizistische Kurs hat auch personelle Konsequenzen. Die Geschäftsführung will im Verlagsbereich und der Redaktion Stellen abbauen. Von dem Personalabbau erhofft sich die Geschäftsführung Kosteneinsparungen. Dennoch macht sich die weiter rückläufige Auflage der gedruckten Zeitung, die noch immer wesentlicher Erlösträger des Unternehmens ist, unvermindert in der Ertragslage bemerkbar. Operativ rutschte die Gesellschaft im Geschäftsjahr 2016 in die roten Zahlen. 2017 ist keine Besserung in Sicht. ‚Es liegen noch keine Bilanzzahlen für 2017 vor. Ich gehe aber davon aus, dass wir im vergangenen Jahr operativ einen Verlust geschrieben haben’, betont Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow.“

Das Verblüffende ist, wie eine bestimmte Matrix in Deutschland offenbar über Jahrzehnte und Gesellschaftsbrüche hinweg lebt und arbeitet: Die Redakteure der Morgenpost sind– falls nicht schon gefeuert, möglicherweise aber selbst dann – trotz ihrer Auflagenzahlen davon überzeugt, dass ihr Kurs richtig ist. So, wie die Union, derzeit in Umfragen teils bei, teils unter 30 Prozent, an der Richtigkeit ihres Kurses zumindest in der Parteispitze nicht zweifelt. Die SPD, aktuell um die 16 Prozent, auch nicht. Die EKD, die sich im vergangen Jahr um über hunderttausend Mitglieder erleichtert hatte, schon gar nicht. ARD und ZDF, denen mittlerweile selbst bei Androhungen von Pfändung und Haft jeder zehnte Beitragspflichtige den Beitrag verweigert, veröffentlichten vor kurzem eine Studie, die besagt, das Zuschauervertrauen sei ungebrochen hoch.

Am Ende der Woche fand ein Marsch unter dem Motto „Frauen sind kein Freiwild“ in Berlin statt (Publico 18.2.18), organisiert von der Deutschkurdin Leyla Bilge. Die Qualitätspresse setzte die Bezeichnung „Frauenmarsch“ nahezu durchweg in Distanzierungstüttelchen und informierte ihre Leser darüber, dass es sich um eine rechte Demonstration handelte, die – wie freudig berichtet – von politisch nicht näher apostrophierten Gegendemos „gestoppt“ wurde. Die BZ, ein ethisch und qualitativ besonders hochstehendes Organ mit erschlaffender Auflagenkurve, nannte Bilge eine „selbsternannte Frauenrechtlerin“.

Doch, doch, bei allen Unterschieden zur untoten DDR beziehungsweise Täterä: Ein Land, in dem Redakteure meinen, Frauenrechtlerinnen müssten von einer Stelle – am besten von der Presse selbst – als solche ernannt werden, ein solches Land leidet unter einem zähen, luftabschnürenden grauen Nebel, der sich vom Kanzleramt her ausbreitet und zumindest das offizielle Land nahezu vollständig bedeckt.

 

*Hier noch der vollständige Text der LVZ vom 24. Juni 1989 zum historisch-kritischen Vergleich:

„Es wären eine ganze Menge ehrenwerter Gründe denkbar, warum Frau A. K. aus Wurzen am vergangenen Montagabend in der Leipziger Innenstadt anzutreffen war.

Sie ist jung und hat dementsprechende Einkaufs- wünsche oder will sich einen neuen Film ansehen oder in der Eisbar den Feierabend genießen. Zeit hat sie, denn sie nutzt nach der Geburt ihres zweiten Kindes das hierzulande mögliche “Babyjahr”.

Aber nicht solche ehrenwerten Gründe bestimmten den Weg der Frau, sondern ein höchst verurteilenswerter.

Sie fuhr in eindeutig provokatorischer Absicht nach Leipzig, um gemeinsam mit Vertretern bestimmter Gruppierungen – darunter solche aus Halle, Dessau und Dresden – im Zentrum der Bezirksstadt die öffentliche Ordnung zu stören, die Ruhe und Sicherheit der Bürger anmaßend zu beeinträchtigen und auf Konfrontation mit unserem Staat DDR und mit unserer Gesellschaft zu gehen.

Das hatten Gruppen solcher Personen in den vergangenen Monaten schon einige Male versucht und hatten dazu im Januar schamlos auch das Gedenken an Karl Liebknecht/Rosa Luxemburg oder im März die Frühjahrsmesse mißbrauchen wollen.

Jetzt also war zu diesem Zweck auch Frau A. K. angereist.

 

Alle Vorzüge genießen, aber unsere Gesellschaft negieren

Welche Unverfrorenheit gehört dazu, zu Hause alle Vorzüge zu genießen, die unsere Gesellschaft den Bürgern und insbesondere den Familien zukommen läßt und dann auf der Straße entgegen allen gesellschaftlichen Normen die Leistungen und Errungenschaften dieser sozialistischen Gesellschaft in den Straßenstaub treten zu wollen.

Frau A. K. konnte sich in einer dreijährigen Lehrzeit auf den gewünschten Beruf vorbereiten, Sie bekam einen Arbeitsplatz als Facharbeiter in einem Betrieb. Sie erhielt bei der Geburt des zweiten Kindes eine bezahlte Freistellung von einem Jahr. Sie bekam bei Erkrankung der Kin- der Unterstützung zu deren Pflege.

Bestimmt wird der Frau gleichermaßen bekannt sein, daß sie im anderen deutschen Staat, den sie für lebenswerter hält, ein solches Umsorgtsein, eine solche Fürsorglichkeit, eine solche soziale Geborgenheit für sich und ihre Kinder nie erwarten kann. Aber sie gesellte sich dennoch zu denen, die ihr Heimatland DDR auf Leipzigs Straßen verketzern und beleidigen wollen und dar- über hinaus die öffentliche Ruhe und Ordnung stören.

Diese Unruhestifter setzen sich mit ihrem Treiben in voller Absicht über die bei uns gültigen Normen des Zusammenlebens und über Rechtsnormen hinweg. Sie haben – das gilt auch für Frau A. K. – die Folgen ihrer provokatorischen Handlungen selbst zu verantworten.

Diese Leute werden zu willkommenen Handlangern jener Kräfte in der BRD, die unsere sozialistische DDR von innen her- aus so langanhaltend und tief- greifend “reformieren” wollen, bis die Agonie eintritt und vom Sozialismus nichts mehr übriggeblieben ist.

Genau das ist ihr Ziel. Seitdem es die DDR gibt und seitdem dieses Land ein neues Kapitel deutscher Geschichte schreibt.

Natürlich sagen das die Gralshüter des kapitalistischen Systems nicht immer so offen und so unverblümt, wie sie es 1949 oder im Juni 1953 oder vor dem 13. August 1961 gesagt und geschrieben haben. Aber ihre er- klärte Absicht ist es geblieben, sich im Gegensatz zu allen internationalen Verträgen und Verbindlichkeiten in die inneren Angelegenheiten der DDR ein- mischen zu wollen. Das ist Ausdruck Ihres anmaßenden AIleinvertretungsanspruchs, der längst in die Mottenkiste der Geschichte gehört, von Bonner Politikern aber entgegen den Realitäten immer wieder rausgezerrt wird.

Und dazu bedienen sie sich auch solcher Gruppen wie in Leipzig, denen sie empfehlen, sich “stärker in die inneren Angelegenheiten des Staates einzumischen”.

Die so reden und so handeln, scheinen übersehen zu haben, in welcher Vielfalt und mit welchem Tiefgang das Volk der DDR als Träger und Gestalter umfassender sozialistischer Demokratie sich einmischt, damit unsere gute, solide, stabile Entwicklung weiter voranschreitet. Mir ist nicht bekannt, daß es in der Bundesrepublik auch nur im entferntesten solche Möglichkeiten des Mitplanens, des Mitregierens, des Mitverwirklichens für die Werktätigen gibt.

An insgesamt acht Wahlveranstaltungen nahm ich vor dem 7. Mai teil, – von Zusammenkünften im kleinen Kreis der Etagenbewohner bis zur öffentlichen Wahlkreisberatung im überfüllten großen Saal. Dort hätten jene Leute, die sich auf eine den BRD-Ratgebern genehme Art mit ihren Provokationen in Leipzigs Zentrum in die inneren Angelegenheiten des Staates einmischen wollen, eine Lehrstunde produktiver, verantwortungsbewußter Einmischung kostenlos erleben und studieren können.

 

Leipziger Bürger fordern Ordnung, Ruhe und Sicherheit

Aber der A. K. und ihresgleichen geht es ja nicht um solcherart staatsbewußtes Verhalten. Sie suchen nicht die Kooperation mit den gesellschaftlichen Kräften, sondern die Konfrontation mit einer Gesellschaft, in der sie ohne Zukunftsangst aufwachsen konnten und in der sie in Friedensgewißheit und in sozialer Sicherheit leben können.

Darauf legen sie es an, Begriffe, die sie auf der Zunge tragen – mehr Meinungspluralismus, mehr Offenheit, mehr Erneuerung, mehr Reisen – können darüber nicht hinwegtäuschen und machen aus Provokateuren keine Unschuldsengel.

Von Unverständnis bis zur hellen Empörung über die Unruhestifter sind folgerichtig Briefe bestimmt, die Leipziger Bürger an staatliche Organe geschrieben haben und mit denen sie fordern, solche Umtriebe nicht zuzulassen. Einige Auszüge aus diesen Briefen:

Frau Ferber schreibt: “Wir älteren Bürger sind beunruhigt über die Ansammlungen vor der Nikolaikirche. Man fühlt sich belästigt und muß die Abendstunden meiden, durch die Innenstadt zu bummeln.”

Der Wohnbezirksausschuß 112 in Leipzig- Mitte fordert, “dem Treiben einiger Menschen Einhalt zu gebieten, die Ordnung und Sicherheit in unserem Wohngebiet stören. Unsere Bürger empfinden das als Belästigung und Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit im Zentrum unserer Stadt.”

Herr Urban fordert im Auftrag der Bürger seines Wohnbezirkes:

“Stadtordnung und Straßenverkehrsordnung müssen komplexer und ohne Ansehen der Person durchgesetzt werden… Veranstalter müssen sichern, daß der Mißbrauch ihrer Veranstaltung verhindert wird.”

Weil ihm letzteres ausdrücklich am Herzen liegt, schickte Herr Urban einen Durchschlag seines Briefes zugleich an Herrn Superintendent Magirius mit dem Hinweis, “daß der Ruf der Stadtkirche St. Nikolai in letzter Zeit mehrfach durch Menschen belastet wurde, die die Kirche für persönliche und teils provokatorische Handlungen nutzen”.

Wir haben volles Verständnis für das Bedürfnis der Leipziger Bürger und ihrer Gäste, ungestört und in harmonischer Ruhe auch in den Abendstunden unser schönes Stadtzentrum genießen zu wollen, Einkäufe zu erledigen oder auf Freisitzen der gastronomischen Einrichtungen Entspannung zu suchen. Der jetzt beginnende “Leipziger Sommer” mit seinen vielen Veranstaltungen weckt solche Bedürfnisse erst recht. Sie wollen dabei von Frau A. K. und ihresgleichen nicht gestört und nicht belästigt werden.“


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12 Kommentare
  • Seppelfricke
    18. Februar, 2018

    Bei der MOPO leiden sie offenbar an Kanzleritis. Sie können wohl auch nicht erkennen, was sie anders machen sollen. So bleibt Gott sei Dank noch die Hoffnung, dass dieses Schmutz-Blatt bald unter geht.

  • PhilosII
    18. Februar, 2018

    Lieber Herr Wendt,
    Ihr Artikel macht Hoffnung – vor allem aber der zitierte Artikel von 89. Haben wir nicht auch unter Merkel das Elternjahr bekommen? Und dennoch zeigt die Antagonie zwischen Artikel und damaligen Demonstranten, dass bei allen materiellen Zusagen (die in der DDR freilich nicht gehalten werden konnten) der Wunsch nach Freiheit und vor allem die Kotzgrenze in Bezug auf Doppelmoral und Verlogenheit zum gesellschaftlichen Umschwenken führen können. Die Hoffnung stirbt zu letzt und mit Cottbus, Kandell, Hamburg und Berlin wächst sie sogar.

  • Van Nelle
    18. Februar, 2018

    Im Gruselkabinett von Merkel und den Medien fragt man sich allmählich, wer hier wirklich das Sagen hat. Diese sich selbst zur vierten Gewalt hochgejazzt habende Zunft der Journaille hat immer noch die Lufthoheit über die Steuerung der Wahlentscheidung des sich aus Bequemlichkeit selbst entmündigt habenden Souveräns.
    Für die noch nicht ganz Eingeschläferten und allmählich Aufwachenden gilt der ursprüngliche Wendeslogan von 1989 einmal mehr: “Wir sind das Volk”, gerne zusammen mit auch später hinzu Gekommenen, die gerne mit dazu gehören wollen.

  • Rainer
    18. Februar, 2018

    Die Zeitungen können neidisch auf die Kirchen schauen, da diese trotz Mitgliederverlusten die Kirchensteuereinnahmen wegen höherer Einkommen der Schäfchen vergangenes Jahr wohl erneut auf Rekordhöhe verbuchen konnten.

  • Peter Thomas
    18. Februar, 2018

    Hallo Herr Wendt,
    noch nicht einmal die Hälfte des von Ihnen der MoPo untergespaßten Kommentars hatte ich gelesen, als ich wußte, das kann nur aus einer SED-Feder stammen… Gebrannt ist eben gebrannt. Dennoch hielt ich es für möglich, einen MoPo-Text von heute vor mir zu haben.
    Auch für Ihre Reportage von der Berliner Frauen-Demo besten Dank! Es ist absolut erschreckend, wie schnell sich das Lügen-Niveau unserer Republik dem der DDR annähert. Wenn das im Tempo der letzten beiden Jahre weitergeht, werden wir die Lügendichte der Zone in zwei Jahren deutlich übertroffen haben. Und das will was heißen bei einer DDR-Lügenquote von 99,8 Prozent.

  • Bernd Lauert
    19. Februar, 2018

    Was bin ich froh, dass die Jugend von der Grundschule an Alt-Right ist.
    Was bin ich froh, dass sich diese Jugend nicht erschrecken lässt von Nazikeulen und ähnlichem.
    “Initiativen gegen Rechts” werden denn dann doch als das erkannt, was sie sind.

    Was nun?
    Die Vernetzung so einschränken, wie die Chinesen das tun? Die Macht direkt an Brüssel abgeben? Den Müller so einsperren, wie der Türke den Yüzel eingesperrt hat?

    Das Overton Window hat sich längst verschoben. Wir gewinnen, die verlieren.

    • Thomas F.
      19. Februar, 2018

      Danke für die Bemerkung über das Overton Window. Da habe ich wieder einmal etwas sehr interessantes Neues gelernt.

  • kdm
    19. Februar, 2018

    “…war übrigens 1998 eine gewissermaßen offizielle Parole von SPD und PDS.
    Bekanntlich sind aber heute die Verhältnisse nicht so, jedenfalls nicht so wie 1989. …”
    .
    Ein Zifferndreher, oder?

  • kdm
    19. Februar, 2018

    Nee, nur Zufall, dass die Zahlen hintereinander…

  • Uncle Jack
    19. Februar, 2018

    Vielen Dank für diesen Artikel. Sehr interessant die Vergleiche zu 1989.
    ‘Fairerweise’ müßte man wohl anmerken, daß die (Druck-) Auflagen eigentlich aller Zeitungen wohl auch dann immer weiter zurückgehen würden (Internet, andere Gewohnheiten der nachwachsenden Generationen), wenn sie sich mehr an der Wahrheit und den Sorgen und Nöten weiter Gesellschaftsschichten orientieren würden. Aber – so wie sie heutzutage ‘berichten’ und kommentieren – werden die meisten heutigen Zeitungen wohl nach ihrem Verschwinden kaum vermißt werden. Und man hofft in der Tat, daß ihre heutige Arbeitsweise jenes Verschwinden tatsächlich beschleunigt.
    Ganz kleine Anmerkung: Die mutige Frau aus Hamburg heißt Uta (nicht Ute) Ogilvie.

  • André Dreilich
    21. Februar, 2018

    Absolute Klassiker aus dem Jahre 1989 sind auch der Leipziger Kampfgruppenkommandeur (Leipziger Volkszeitung) und der Mitropa-Kellner, der im “Neuen Deutschland” enthüllte, wie er per Entführung zum Bundesbürger gemacht wurde. Die Mainstreammedien sind bald wieder soweit …
    Noch eine Anmerkung: Die Leipziger Volkszeitung hat dem Frauenmarsch nach meinem Kenntnisstand übrigens keine einzige Zeile gewidmet.

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