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Das Elend des deutschen Klima-Journalismus

Sehr viele Medien inszenieren das globale Thema als griffiges Drama: wissenschaftliche Helden gegen „Leugner“. Kontroversen unter Fachleuten kommen kaum vor. Ambivalenz gilt als schädlich für die korrekte politische Botschaft

Beruht die berühmte und viel zitierte „Hockeyschläger-Kurve“ des amerikanischen Klimaforschers Michael Mann auf einer Fälschung? Die Kurve hatte Mann und seine Kollegen Raymond Bradley und Malcolm K. Hughes 1998 schlagartig berühmt gemacht.

Das Trio rekonstruierte damals eine Temperaturkurve von 1998 zurück bis in das Jahr 1400. Über Jahrhunderte blieb der Graph konstant und fiel leicht ab – der Griff des Hockeyschlägers – um mit dem Beginn der industriellen Moderne schlagartig nach oben zu springen – der Schlägerkopf. Im Jahr 2001 stellte das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) den Graph in seinem Bericht prominent heraus, als eingängigen Beleg für eine rasante Klimaerwärmung. Weltweit wurde die Kurve zur leicht verständlichen Chiffre für die aufrüttelnde Klimabotschaft des IPCC.

Stellte ein kanadisches Gericht nun kürzlich in seinem Urteil fest, die Kurve sei falsch? Um es gleich zu sagen: nein. Der Gerichtshof in British Columbia hatte auch gar nicht die Absicht, über eine wissenschaftliche Kontroverse im Allgemeinen und Michael Mann im Besonderen zu entscheiden. Trotzdem verhält sich der Fall ziemlich komplex. Die WELT veröffentlichte dazu einen Artikel unter der Überschrift „Warum ein Klimaforscher seit Jahrzehnten attackiert wird“, dessen Autorin Birgit Herden Fakten zu dem Mann-Prozess gegen das „Internet“ geraderücken will.
Allerdings lässt sie dabei entscheidende Punkte weg, andere schiebt sie an den Rand. Der WELT-Artikel steht – leider – prototypisch für das Elend der Klimaforschungs-Berichterstattung in den meisten deutschen Medien. In ihm findet sich vieles an unsystematisch zusammengetragenen Informationen, gemischt mit Kommentaren. Der entscheidende Punkt fehlt allerdings völlig – eine Beschreibung der jahrelangen wissenschaftlichen Kontroverse über die „Hockeyschläger-Kurve“ Manns. Im Fall Michael Mann gegen Kollegen geht es eben nicht nur um Wissenschaft, sondern auch um Politik und Deutungshoheit.

Für den Prozess Michael Manns gegen Timothy Ball gilt das erst recht. Ball, pensionierter britisch-kanadischer Geograf, zuletzt an der Universität Winnipeg, hält nach eigenem Bekunden die These für Unfug, 95 Prozent der Erderwärmung der letzten Jahrzehnte sei menschengemacht. Er attackierte Mann und vor allem dessen Erwärmungskurve als Datenmanipulation und Betrug. Über den Wissenschaftler aus Pennsylvania ätzte er in einem Wortspiel, Mann „should not be in Penn State but in state pen“, also im Gefängnis. Worauf Mann Timothy Ball im Jahr 2011 wegen Verleumdung verklagte.

Allerdings lieferte Michael Mann in den folgenden Jahren keine Argumente gegen Ball und für die Richtigkeit seiner Hockeyschläger-Kurve, sondern verzögerte den Prozess immer weiter. Im August 2019 verlor das Gericht schließlich die Geduld und stellte das Verfahren mit der Begründung ein, Mann beziehungsweise dessen Anwalt hätten keine Argumente vorgetragen, und auch keine Begründung für die jahrelange Verzögerung genannt. Drei von Ball benannte Zeugen waren mittlerweile verstorben. Richter Christopher J. Giaschi befand in seinem Schlussstatement, diese Hinhaltetaktik Michael Manns sei nicht entschuldbar („I now turn to whether the delay is excusable. In my view, it is not. There is no evidence from the plaintiff explaining the delay. Dr. Mann filed an affidavit but he provides no evidence whatsoever addressing the delay. Importantly, he does not provide any evidence saying that the delay was due to his counsel, nor does he provide evidence that he instructed his counsel to proceed diligently with the matter“).

Aus dieser Verfahrenseinstellung lässt sich kein Urteil gegen Mann und erst Recht keines über die Hockeyschläger-Kurve herauslesen. Aber der Wissenschaftler machte in dem Prozess eine außerordentlich schlechte Figur.

In ihrem Text referiert die WELT-Autorin über lange Strecken, diese Verfahrenseinstellung sei auf „rechten Seiten“ im Internet fälschlich als Urteil gegen Mann gefeiert worden, sie erwähnt, der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen habe etwas dazu getwittert. Im historischen Rückblick beschreibt sie noch, wie der republikanische Senator James Inhofe und der konservative Kongressabgeordnete Joseph Barton Mann in früheren Jahren angegriffen hatten. Beide stützten sich damals schon auf wissenschaftliche Kritiker Manns. Erst im letzten Drittel kommt die Autorin überhaupt darauf zu sprechen, dass bis heute in der Wissenschaft eine Kontroverse über die Hockeyschläger-Kurve anhält. Sie erwähnt immerhin den Artikel in Science, in dem der Paläoklimatologe Eduardo Zorita und der Meteorologe Hans von Storch im Jahr 2004 Michael Manns Kurve einer vernichtenden Kritik unterzogen hatten. Beide Autoren zählen zu den Schwergewichten der Klimaforschung: Zorita forscht am Helmholtz-Zentrum Geesthacht, von Storch, mittlerweile pensioniert, war damals Meteorologe an der Universität Hamburg, Direktor des Instituts für Küstenforschung in Geesthacht und Autor für das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Allerdings schafft es die Journalistin, mit keinem Wort zu erklären, worin eigentlich die Kontroverse bestand und bis heute besteht.

Der Kern des wissenschaftlichen Streits besteht, etwas gerafft, aus zwei grundsätzlichen Kritikpunkten. Michael Mann und seine Kollegen rekonstruierten für ihre Temperaturkurve die Klimadaten der vergangenen Jahrhunderte bis ins Jahr 1400. Da Thermometerdaten erst ab etwa 1860 existieren, müssen Wissenschaftler bei der Erforschung historischer Werte auf so genannte Proxydaten zurückgreifen – Eisbohrkerne, Sedimente, Baumringe, Korallen – an denen sich Temperaturentwicklung, Atmosphärenzusammensetzung und Meeresspiegel ungefähr ablesen lassen. Nur eben nicht mit der Genauigkeit einer Thermometermessung. Allerdings können Forscher seit 1860 Baumringe und Thermometerdaten miteinander vergleichen.
Dabei zeigte sich: Sie weichen teils erheblich voneinander ab. Trotzdem formten Mann und Kollegen aus Proxy- und Thermometerdaten eine durchgehende Kurve. Die Abweichung von Thermometer- und Baumring-Daten erklärte Mann mit dem verzerrenden Einfluss des CO2 in der Neuzeit. Vorher habe es diese Differenz nicht gegeben. Da für die Zeiten vor 1860 nicht die Ergebnisse beider Ermittlungsmethoden vorliegen, lässt sich die Behauptung nicht widerlegen. Aber sie bleibt eben eine Behauptung.

Um aus den disparaten Daten eine Kurve zu bauen, entwickelte Mann mit seinem Team eine Modellationsformel. Datenmodellation ist generell üblich, um das statistische Rauschen (’white noise’) mit vielen Ausreißern möglichst in den Hintergrund zu drängen, so dass sich ein Trend aus einer Zahlenmasse herauslesen lässt. Die Berechnungsformel von Mann, Bradley und Hughes von 1998 ging in die Wissenschaftsgeschichte als MBH98 ein. Und in ihr lag das eigentliche Problem: Sie begünstigte generell einen langen flachen Verlauf der Temperaturkurve und einen schlagartigen Anstieg in der Gegenwart, indem sie größere Temperaturvariationen kleinrechnete. In dem MHB98-Graphen kommt die mittelalterliche Warmzeit, in der selbst in Schottland Wein gedieh, kaum vor.

Hans von Storch und sein Team erstellten eine große Zahl historischer Temperaturkarten, die ihnen zur Überprüfung von Manns These dienten. Als die diese Daten mit der MBH98-Formel durchrechneten, flachte sich ihre Temperaturkurve ebenfalls deutlich ab. Klimavariationen der Vergangenheit spielten plötzlich eine viel geringere Rolle. Die Schlussfolgerung Manns, so von Storch, wurde also von der Berechnungsformel zumindest stark begünstigt. Zu diesem Schluss kam später auch eine ganze Reihe weiterer Wissenschaftler. Das IPCC verwarf Manns Hockeyschläger zwar nicht völlig, benutzte ihn aber schließlich auch nicht mehr als zentrales Argument. Über die Kontroverse, deren Kern sie gar nicht erklärt, schreibt die WELT-Autorin den wertenden Satz: „Sicher nicht zu Unrecht hält Mann die Vorwürfe für politisch motiviert.“

Die Formulierung lässt in der Schwebe, worauf sie sich eigentlich bezieht. Auf die Attacken republikanischer Politiker gegen Michael Mann? Politiker haben meistens politische Motive. Oder auch auf den Widerspruch durch Zorita, von Storch und etliche andere renommierte Wissenschaftler? Dafür präsentiert sie keinen Beleg. Welches politische Motiv hätte von Storch – selbst jahrelang Autor für das IPCC – dabei auch treiben sollen?

In dem WELT-Text heißt es auch, als Kommentar der Autorin: „Die Hockeyschlägerkurve war nie der eine, entscheidende Beweis für einen menschengemachten Klimawandel.“ Was freilich niemand behauptet. Interessanterweise handelt es sich um die fast wörtliche Übersetzung eines Satzes, der sich auf Michael Manns Website in seinem autobiografischen Abriss findet: „The hockey stick is not one of the central lines of evidence for human-caused climate change.“

An einer anderen Stelle schreibt die Autorin: „Unter Laien sind Vorwürfe gegen Mann indes nie ganz verstummt.“ Was grober Unfug ist. Detaillierte Vorwürfe gab und gibt es gerade von wissenschaftlichen Kollegen. Keiner sah bisher einen Grund, sie zurückzunehmen.
Wissenschaftliche Kritiker Manns mussten übrigens lange öffentlich Druck ausüben, bis er und seine Verbündeten ihnen die Rohdaten seiner Berechnungen aushändigte – was bei kontrovers diskutierten Ergebnissen eigentlich zum Standard gehört. Als er und Kollegen von ihm die Daten dann endlich widerstrebend herausgaben, warf ihm vor allem der Mathematiker und Statistiker Ross McKitrick erhebliche Ungenauigkeiten im Umgang mit dem statistischen Rohmaterial vor, die seiner Meinung nach die Grenze zur Manipulation überschritten hatten.

Sowohl in der Kontroverse als auch in dem verschleppten kanadischen Gerichtsverfahren gegen Tim Ball schaffte es Mann nicht, seine Kritiker überzeugend zu widerlegen. Trotzdem zählt er gerade in der deutschen Klimaberichterstattung zu den unumstrittenen Protagonisten der hellen Seite – eine Deutung, für die vieles ausgespart und andere Details journalistisch ausgeschmückt werden müssen. Und zwar nicht nur in dem WELT-Artikel. Das Prinzip zieht sich durch etliche deutschsprachige Veröffentlichungen.

In der ZEIT erschien schon im November 2012 eine umfangreiche Reportage von Anita Blasberg und Kerstin Kohlenberg unter dem Titel Die Klimakrieger. Wie von der Industrie bezahlte PR-Manager der Welt seit Jahren einreden, die Erderwärmung finde nicht statt. Chronologie einer organisierten Lüge.“ Blasberg und Kohlenberg gewannen für ihren Text den mittlerweile ziemlich ramponierten „Deutschen Reporterpreis“.

Nach den Kriterien der Nach-Relotius-Ära müsste ihnen die Auszeichnung eigentlich nachträglich aberkannt werden. In dem Stück des Autorinnen-Duos gibt es zwei Helden ohne Graustufen – Michael Mann, den Wissenschaftler, der die Klimaforschung mit seiner Hockeyschläger-Kurve revolutioniert, und Marc Morano, einen PR-Manager und Zuarbeiter republikanischer Politiker, der ihn attackiert. Der gesamte Artikel beschreibt eine Auseinandersetzung mit klar verteilter Sympathie und eindeutigen Rollen. Hier der Wissenschaftler, dort PR-Leute, die Ölindustrie und ihre politischen Unterstützer auf der rechten Seite.
Die Reporterinnen gehen noch etwas weiter als andere. Sie lassen die gesamte wissenschaftliche Kontroverse über den Hockeystick zwischen Mann und Zorita, von Storch, McKitrick und anderen einfach weg. Ihre Botschaft lautet: Wer Mann angreift, ist ein Klimawandelleugner, ein Handlanger der Industrie, ein Teil der dunklen Macht. Die ZEIT-Journalistinnen sprachen für ihren Text mit Mann – aber nicht mit seinem angeblich großen Gegenspieler Morano. In einer kleinen, leicht überlesbaren Notiz ganz am Ende ihres Textes wiesen sie darauf hin, dass sie alle Morano-Zitate von dessen Webseite abgeschrieben hatten. Woher dann die bei Reporterpreis-Juroren so beliebten szenischen Beschreibungen stammen („Marc Morano sät den Zweifel per Tastendruck. Er sitzt im Fond einer schwarzen Lincoln-Town-Car-Limousine und bedient seine wichtigste Waffe, den Laptop. Draußen fliegt der Herbstwald vorbei, Morano lädt eine neue Schlagzeile auf seine Website: ‚Die amerikanische Umweltbehörde wird beschuldigt, Menschenversuche durchzuführen’“) erfährt der Leser nicht.

Über Manns Forschung heißt es in dem preisgekrönten ZEIT-Text:
„Es ist das Jahr 1998, Mann ist damals 33 Jahre alt, ein junger Wissenschaftler, der davon träumt, die Schwankungen des Klimas zu erklären. Gemeinsam mit zwei Kollegen sammelt er Temperaturdaten aus Tausenden von Jahren, sie analysieren Korallen, Baumrinden und Bohrproben aus dem Polareis.“
Bei dem, was Mann und seine Kollegen analysierten, handelte es sich, siehe oben, um Baumringe, nicht um Baumrinden. Das wirft die Frage auf, wie weit sich die Autorinnen überhaupt mit Manns Arbeit beschäftigten, beziehungsweise, was sie davon verstanden hatten. Der Fehler findet sich auch heute noch in der Onlineversion des ZEIT-Artikels. Mann und Kollegen analysierten übrigens auch nicht Baumringe und Eisbohrkerne selbst, sondern die Daten, die andere darüber erhoben hatten.

Dem ZEIT-Duo ging es erkennbar nicht darum, eine wissenschaftliche Auseinandersetzung beziehungsweise überhaupt wissenschaftliche Forschung nachzuzeichnen, sondern eine Gut-Böse-Story zu servieren, die keine Spuren von Ambivalenz enthält. Genau darin liegt das Elend der deutschsprachigen Klima-Berichterstattung.
Das Prinzip zieht sich nicht nur durch journalistische Texte. Sondern auch durch eine Quelle für viele Journalisten – die deutschsprachige Ausgabe von Wikipedia. In dem englischsprachigen Artikel über den Klimaforscher Hans von Storch findet sich eine kurze, aber prägnante Zusammenfassung seiner Kritik an Mann und der Hockeyschläger-Kurve:

“In late 2004 Storch’s team published an article in the journal Science which tested multiproxy methods such as those used by Mann, Bradley, and Hughes, 1998, often called MBH98,[14] or Mann and Jones,[15] to obtain the global temperature variations in the past 1000 years. The test showed that the method used in MBH98 would inherently underestimate large variations had they occurred; but has subsequently been challenged: see hockey stick controversy for more detail.

To reach this conclusion, Storch et al. used a climate model to generate a series of annual temperature maps for the world over the past several centuries. They then added white noise to the proxy data and applied the methods used in MBH98, a variation of principal component analysis, to the computed temperature maps and found that the amount of variation was considerably reduced.

Der deutsche Artikel über von Storch enthält zwar anders als der englische die Mitteilung, bei der AfD-Politikerin Beatrix von Storch handle es sich um eine angeheiratete Verwandte des Wissenschaftlers (mit der er nicht sympathisiert). Aber hier fehlt die Beschreibung des Streits mit Michael Mann komplett. In dem deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zu Michael Mann wird die Kritik von Wissenschaftlern zur Hockeyschläger-Kurve ebenfalls nicht ausgeführt. Stattdessen heißt es:
„In der wissenschaftlichen Literatur wird die grundsätzliche Korrektheit des Hockeyschläger-Diagramms nahezu durchgehend bestätigt.“
Zwar ist der englischsprachige Eintrag zu Mann ebenfalls sehr freundlich gehalten. Aber nicht derartig einseitig und propagandistisch.

Warum findet die Kontroverse unter Klimawissenschaftlern in deutschen Medien kaum statt? Weil sie einfach nicht zu dem etablierte Narrativ passt, „die Wissenschaft“ sei sich in der Beurteilung des Klimawandels praktisch einig, und jetzt gehe es nur noch darum, die Gesellschaft von den richtigen Schritten zu überzeugen. In dem Drama existieren nur zwei Seiten: „die Wissenschaft“ auf der einen, und „die Leugner“, „die Industrie“, und diejenigen, die die apokalyptische Botschaft eben noch nicht begriffen haben.

In Wirklichkeit ist die Wissenschaft in der Klimafrage eben nicht “crystal clear“, wie Greta Thunberg bei ihrem Vortrag in New York behauptete (“For more than 30 years the science has been crystal clear“). Über das Tempo des Klimawandels gibt es nach wie vor eine erhebliche Kontroverse, ebenso über die Prognosekraft von Klimamodellen, über den menschlichen Anteil am Klimawandel, den Einfluss der Sonne, der Wolkenbildung, den Wärmeaustausch zwischen Atmosphäre und Ozean und die CO2-Bindekraft von Pflanzen. Und zu Recht gibt es einen Streit darüber, ob etwa das Verbot von neuen Ölheizungen in Deutschland einen überhaupt messbaren Effekt auf die Globaltemperatur haben wird (eher nicht).

Ein Hans von Storch kommt in den Talkrunden des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zum Thema Klima praktisch nicht vor. Die amerikanische Klimawissenschaftlerin Judith Curry schon gar nicht. Sie hatte wiederholt von dem „Unsicherheits-Monster“ in den gängigen Klimamodellen gesprochen. Von dem aktuellen Appell von 500 internationalen Klimawissenschaftlern – unter ihnen auch Curry – der erklärt, dass es sehr wohl eine Klimaerwärmung und einen menschengemachten Anteil gebe, aber keinen Grund, einen Klima-Notfall auszurufen, nahmen die meisten größeren deutschen Medien kaum Notiz. Offenbar, weil sehr viele Journalisten jede Ambivalenz in der Klimadebatte für schädlich halten. „Skeptiker“ ist für sie ein strikt negativ belegter Begriff.

Kein Wunder, dass Hans von Storch nicht zu ihren bevorzugten Interviewpartnern gehört. Seine beiden Lieblingssätze lauten: „Skepsis ist eine wissenschaftliche Grundtugend.“ Und: „Die neueste Theorie ist immer die am schlechtesten überprüfte.“

 


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31 Kommentare
  • Wilhelm Lohmar
    9. Oktober, 2019

    Ich habe neulich einen Beitrag von Timothy Francis Ball gelesen, in dem es eigentlich um die Veränderungen des magnetischen Pols in der Arktis ging. Erst am Ende fragt sich Prof. Ball, ob solche Änderungen im Erdmagnetismus nicht vielleicht auch Auswirkungen auf das Klima haben könnten und er hofft auf diesbezügliche Forschung und wissenschaftliche Untersuchung. https://wattsupwiththat.com/2019/01/13/what-are-the-implications-for-climate-of-recent-north-magnetic-pole-activity/

  • Klaus D. Mueller
    9. Oktober, 2019

    Apropos: Hans von Storch war in jüngeren Jahren “Chef” der Donaldisten (gar deren Gründer?)
    Schon deshalb: für mich eine positive Figur.

    • Jens Richter
      10. Oktober, 2019

      Ja, im “DD” (Der Donaldist) bleibt die Klimadiskussion wenigstens interessant und vor allem wissenschaftlich. Mein kleiner Beitrag im DD 155 eröffnet ganz neue Aus- und Einsichten. Duck auf!

  • Jacob
    9. Oktober, 2019

    Was die szenischen Beschreibungen angeht, kann man Marc Morano fragen, ist ja nicht so lange her. Hört sich wirklich arg nach Relotiade an.

  • Christoph Nielen
    9. Oktober, 2019

    Was soll ich sagen, lieber Herr Wendt:
    Excellent ! Mein Einsatz wird verdoppelt.
    CN

  • J.Gerke
    9. Oktober, 2019

    Kürzlich hat P. Frank in Frontiers in earth Science einen kritischen Beitrag zu den Klimamodellen veröffentlicht. Nach einem Monat 80.000 Aufrufe und knapp 4.000 Downloads, das sind Fabelwerte für einen Fachartikel, die zeigen, daß die Kritiker der Klimamodelle für die Scientific community sehr interessant sind.
    Wer nur CO2 in der Luft als Problem ansieht und nur die Verbrennung fossiler Energien reduzieren will, beachtet nicht den CO2-sink Meere und den bei weitem größten sink Boden. Dazu auch Beiträge auf ostdeutsche-Bodenpolitik.de.

    • Gerhard Sauer
      10. Oktober, 2019

      Danke, daß Sie den Artikel von P. Frank erwähnen, denn wenn man den gelesen hat, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Hätten Sie gedacht, daß sich hinter all den bombastisch bejubelten Klimamodellen eine simple lineare Gleichung des Typs

      T = a*x+b

      verbirgt? Darin ist T die Luft der Atmosphäre, die Variable x steht für den CO2-Gehalt und a und b sind Anpassungsparameter. Auf diese Gleichung scheint die Weisheit der Klimamodelle zu schrumpfen, wenn man die Blähgase der in der Öffentlichkeit als sehr komplex bewunderten Klimamodellierung abläßt. Jeder mit nur ein wenig naturwissenschaftlichem Verstand wird erkennen, daß man die durch das chaotische Wetter bestimmte Lufttemperatur nicht durch eine derart schlichte Gleichung beschreiben kann. Der Leser Gastino spricht im übernächsten Kommentar die Nichtlinearität des Regelkreises „Wetter“ an, die keinesfalls durch einen linearen Ansatz erfaßt werden kann. Es kommt einem folglich so vor, als beruhten die sog. Klimamodelle auf einer ganz trivialen, ergo falschen Grundlage.

      Frank zeigt zudem, daß die Temperatursensivität des CO2‘ aus den Ergebnissen der Klimamodellrechnungen nicht herausgelesen werden kann. Sie verschwindet im Rauschen der Unsicherheiten anderer Einflüsse auf die Lufttemperatur, die wesentlich stärkeren Einfluß haben als der CO2-Gehalt, falls er überhaupt einen nennenswerten hat.

      Vermutlich ist der Rummel um die Klimaerwärmung buchstäblich aus der Luft gegriffen. Die naturwissenschaftliche Basis dieses Tanzes ums Klima ist nicht dünn, nein, sie ist nicht vorhanden.

  • M. Roth
    9. Oktober, 2019

    Herr Wendt… Ohne Lobhudelei sind Sie wirklich der brillanteste Journalist, den ich kenne. Mag vielleicht an meiner Ignoranz liegen, ist aber so. Zehn von Ihrer Sorte in den entscheidenden Zeitungen dieser Republik und vielleicht würden unzählige Menschen in diesem Land das kritische nüchterne Denken wieder lernen. Soweit sind wir noch lange nicht, aber Sie geben immerhin schon mal die anzustrebende Exzellenz für künftige hoffentlich wieder bessere Journalistenzeiten vor.

  • Wanninger
    9. Oktober, 2019

    Es hat doch überhaupt nie eine öffentliche Debatte stattgefunden, in der die Kritiker von Manns Thesen einmal ausführlich zu Wort kamen, um auf die methodischen Schwächen hinweisen zu können. Oder habe ich da etwas verpasst? Es wäre ja auch interessant zu erfahren, was seine prominenten Unterstützer auf die Kritik von Zorita und von Storch antworten würden. Stattdessen wird die 16-jährige Greta zur Kronzeugin der Anklage gemacht. Man hat eher nicht den Eindruck, dass sie pro und contra der wissenschaftlichen Kontroverse schon nachvollziehen kann. Stattdessen bedient sie sehr konsequent und rhetorisch und medial geschickt das Narrativ von der in seinem Wesen zerstörerischen Gewalt des Kapitalismus. Ihr könnt darauf wetten, dass sie den Nobelpreis erhält. Es ist wirklich ein Elend!
    Vielen Dank Herr Wendt, dass Sie das noch einmal so klargestellt haben.

  • Kurt-L. Schornsheim
    9. Oktober, 2019

    Sehr geehrter Herr Wendt,

    für diese gelungene populärwissenschaftliche Abhandlung des komplizierten Wissenschaftsstreits und seiner Darstellung in den Gleichsprechmedien gebührt Ihnen großer Dank und Respekt.
    Um den Blick der Leser noch etwas zu weiten sei mir der Hinweis auf folgende weiterführende Veröffentlichung gestattet:
    https://sciencefiles.org/2019/09/26/klimaalarmisten-das-ipcc-die-un-denken-nachweislich-die-erde-sei-eine-scheibe-keine-satire/
    Mit besten Grüßen

  • Gastino
    9. Oktober, 2019

    Sehr guter Artikel, nicht umsonst ist der Rest meines (diesjährigen) Abo-Geldes für das WELT-Abo als Spende an den Autor gegangen und nicht mehr an die WELT. Vorrangig wegen des Umganges mit Lesern und deren ungeliebten Kommentaren, aber auch wegen solcher unqualifizierten und gefärbten Artikel, die zu Recht hier auseinandergenommen werden.

    Als Ingenieur mit Erfahrungen in Sensorik, Modellierung und Signalverarbeitung habe ich größte Zweifel bezüglich der Vorhersagekraft der Klimamodelle. Ein extrem komplexer Regelkreis mit vielen noch unbekannten Faktoren, sehr viele stark nichtlinear. Wer da behauptet, Zweifel seien ausgeräumt und alles ganz klar, hat einfach keine Ahnung.
    Richtig ist hingegen immer Ressourcen zu schonen. Leider ist das, was an “Klimaschutz” getan wird oder getan werden soll, eher das Gegenteil davon. Aber es spricht in Form von simplen Ideen vor allem die an, die aufgrund fehlender technischer Bildung besonders leichtgläubig sind.

    • Jörg Schulze
      10. Oktober, 2019

      Es wundert mich immer, dass wir Ingenieure in der öffentlichen Diskussion nicht gehört werden. Wir sind die Leute, die Dinge möglich machen und wir sind auch die Leute, die wissen mit wie viel Unsicherheit viele Systeme tatsächlich behaftet sind. Wir sind die, die Wissen, dass die Theorie nicht die Praxis ersetzt, aber nach Biologie, Politik und Ingenieurstudium muss ich mir in Diskussionen heuer oft anhören, ich hätte doch keine Ahnung und die Wissenschaft wäre sich ja einig und dabei gilt oft: je unbeleckter von tatsächlicher Wissenschaft, desto arroganter.

    • Dieter Schilling
      10. Oktober, 2019

      Abends,nach des Tages Müh’ und Arbeit, nach Hause zu kommen und auf meinem Tablet einen Artikel von Alexander Wendt vorzufinden ist vergleichbar dem Gefühl, das einen überkommt, wenn man es sich bequem machen kann vor einem bullernden Ofen an einem frostklaren Dezembermorgen.
      Ad multos annos!

  • Libkon
    9. Oktober, 2019

    Ein erstklassig recherchierter Bericht. Ich beschäftige mich mit dem Thema Klimaschwindel. Einen Klimawandel gibt es selbstverständlich immer und ewig.
    Was die deutsche Journaille betrifft, so wird dort nunmehr offen für eine einseitige Klientel geschrieben: Links. Das ist kein Journalismus, wie Sie, verehrter Herr Wendt, ihn verstehen und anwenden.

    Was Mr. Mann betrifft und warum er seine Forschungsergebnisse bezüglich des „Hockeysticks“ partout nicht offenlegen will: Sehr wahrscheinlich fürchtet er, wie sein Gerichtsgegner, Dr. Tim Ball vermutet, dass seine Angaben „frisiert“ sein könnten und er an Ansehen verlieren würde. Die durch ein Leak öffentlich gemachten internen emails auch von Mr. Mann sprechen eine deutliche Sprache (Versuch der Datenfälschung steht im Raum?).
    .
    Wissenschaft verliert langsam aber sicher ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie nicht bestätigt werden darf, um auf den Schlusssatz von Prof. Von Storch zu antworten. Jüngste Erkenntnisse sind zumeist noch nicht überprüfte Ergebnisse.

  • S.Rapp
    10. Oktober, 2019

    Großartiger Artikel, Herr Wendt. Endlich weist auch mal jemand auf die Unzuverlässigkeit wikipedias hin.
    Wer mag, kann ja z.B. mal nach William Connolley googlen, dem Herrn der mehr als 5000 Artikel rund um “global warming” editierte und massenhaft Kritiker löschen ließ, bis ihn selbst der Bannstrahl traf…

  • Dr. rer. nat. Konrad Klein
    10. Oktober, 2019

    Wenn ich das lese, frage ich mich, ob die erwähnten Proxy- und Baumringdaten identisch sind.
    Außerdem würde ich nicht von “Thermometerdaten” sprechen, sondern von “Temperaturdaten”. Klingt seriöser und trifft die Sache besser.

  • Dreggsagg
    10. Oktober, 2019

    Wenn sich also “die Wissenschaft” praktisch einig ist, erinnert das stark an einen Ausspruch Ruherfords:
    “Wenn sich alle Experten einig sind, ist Vorsicht angeraten.”

    Die paar mit anderer Meinung sind zu vernachlässigen und firmieren unter “Klimaleugner”, was per se schon ein NoGo ist.

  • Jörg Plath
    10. Oktober, 2019

    Eine gute Beschreibung über den grassierenden unseriösen Propaganda-Journalismus. Kritisch anzumerken: Die englischen Passagen sollten übersetzt angezeigt werden, auch wenn es mittlerweile (unvollkommene) technische Übersetzungshilfen gibt.

  • Berger
    10. Oktober, 2019

    Herr Wendt, ich schließe mich Ihren Laudatoren vorbehaltlos an.
    Bei der Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass es auf MMNews einen interessanten Artikel des Weltwoche-Autors Alex Baur gab, in dem beschrieben wird, mit welchen Manipulationen der Kognitionswissenschaftler John Cook zu der Behauptung kam, 97 % der Klimawissenschaftler söhen den Klimawandel als menschengemacht.
    Ich sehe den menschlichen Einfluss auf das Klima wohl, nur wie groß dieser ist, sollte mal unvoreingenommen geklärt werden. Und der Einfluss des CO2 wird meiner Meinung nach maßlos überschätzt, während die Ausbreitung der Städte, Straßen und Wüsten so gut wie gar nicht thematisiert wird.

  • Michael Glück
    10. Oktober, 2019

    Das Problem bei allen Hochrechnungen ist, dass sie nur richtig sein können, wenn die zugrunde liegenden Daten korrekt sind und tatsächlich fortgeschrieben werden können. Ich saß viele Jahre als Wirtschaftsjournalist auch auf der anderen Seite des Schreibtisches und musste mir immer Vorwürfe von Kollegen aus den Medien anhören, die Hochrechnungen der Lebensversicherer zu Ablaufleistungen hätten doch bloß Modellwert. Dabei ging es lediglich um einen Blick von mehr oder weniger 30 Jahren in die wirtschaftliche Zukunft.

  • Ludwig Wauer
    10. Oktober, 2019

    Der Artikel ist, wie immer bei Ihnen, exzellent gut recherchiert und geschrieben. Nachgewiesene Ungenauigkeiten oder Manipulationen an der „Hockeyschläger-Kurve” reichen aber nicht aus, um die Klimaideologen entscheidend zu widerlegen.
    Die Grünen und ihre Wähler sind ja fest überzeugt, daß ein Klimakollaps in naher Zukunft bevorsteht, und sie berufen sich dabei auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Überzeugung ist außerdem, dass der Klimawandel menschengemacht ist und dass er bei einer Änderung unserer Lebensweise noch verhindert werden kann. Die Änderungen sind einschneidend: Deindustrialisierung und Rückkehr zu einem ganz einfachen Leben wie in vorindustrieller Zeit. Das ist zwar hart, aber wenn es hilft, die Apokalypse mit viel schlimmeren Auswirkungen bis hin zum Weltuntergang zu verhindern, dann wär alles richtig, was die Grünen fordern.
    Der häufig vorgebrachte Einwand, dass Deutschland ein viel zu kleines Land ist, um am Weltklima etwas zu ändern, läuft bei den Grünen ins Leere. Man muss sich einfach vorstellen, die Klimaideologie ist eine Religion, an die sie fest glauben. Dann lohnt es sich gerade zu kämpfen. Bei der bevorstehenden Apokalypse werden sie die Reinen sein, frei von Sünde, die zwar mit untergehen, aber sie werden, wenn nicht in dieser Welt, so doch in jener Welt ihren verdienten Lohn empfangen.
    Der Kernpunkt der Ideologie ist ganz simpel:
    CO2 ist ein „Treibhausgas“, es verhindert die Abstrahlung der von der Sonne aufgenommenen Wärme in den Weltraum. Bei der bisherigen natürlichen Konzentration von CO2 in der Atmosphäre war dieser Effekt sogar nützlich, aber wenn sich durch menschgemachtes CO2 die Konzentration erhöht, kommt es zu einer todbringenden Überhitzung unseres Planeten.
    Ich selbst habe mich noch nicht gründlich genug mit der Rolle von CO2 als Treibhausgas beschäftigt. Ich habe lediglich einen Anfangsverdacht: Das ist entweder alles erstunken und erlogen oder die Rolle von CO2 als Treibhausgas wirkt nicht im Entferntesten so wie von den Klimaideologen dargestellt.
    Schon eine ganz einfache Beobachtung lässt mich skeptisch werden: Der Treibhauseffekt von Wasserdampf ist ja allgemein bekannt, jeder kann beobachten, dass die Nächte bei bewölktem Himmel meist erheblich wärmer sind als bei klarem Himmel. In der Wüste ist die Luft extrem trocken, der Treibhauseffekt durch Wasserdampf entfällt, deshalb sinken die Temperaturen, bei glühender Hitze am Tag, in der Nacht in der Sahara bis auf nahe Null. Wenn es aber als zweites Treibhausgas noch CO2 gibt, dessen Konzentration in letzter Zeit zugenommen hat, dann müssten die Nächte dort jetzt deutlich wärmer werden. Davon hat man aber noch nie etwas gehört, obwohl gerade das das entscheidende Paradebeispiel wäre, wenn es diesen Effekt wirklich gäbe.
    Was ich mit dem Beitrag sagen will: Um die Klimaideologie zu widerlegen, macht es wenig Sinn, über Arbeitsplatzabbau in der Braunkohle, Stilllegung von Kohlekraftwerken, Verteufelung des Verbrennungsmotors zu jammern, oder Manipulationen aufzudecken. Das Übel packt man nur an der Wurzel, wenn man den behaupteten Treibhauseffekt von CO2 wissenschaftlich widerlegt und die Ergebnisse in den maßgebenden Medien, vor allem aber auch in den Schulen unter die Leute bringt. Ich bin überzeugt, das wäre möglich.

  • Starhemberg
    10. Oktober, 2019

    Das ist nüchtern-sachlicher und beeindruckend akribischer Journalismus vom Allerfeinsten. Vielen Herzlichen Dank!

  • Stephan Fleischhauer
    11. Oktober, 2019

    Hier eine ganz andere Darstellung des Sachverhalts – aus der übrigens hervorgeht, dass von Storchs Kollege Zorita die Hockeyschläger-Kurve als Mitautor einer unabhängigen späteren Rekonstruktion bestätigt (!).

    https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/palaeoklima-die-hockeyschlaeger-debatte/

    Mich würde auch mal interessieren, wo in der klimatologischen Fachliteratur diese Temperaturkurve noch kontrovers diskutiert wird. Da würde ich mir Quellenangaben wünschen. Allerdings bitte keine fachfremden Skeptikerseiten, sondern peerreviewte Publikationen in renommierten Fachzeitschriften.

    • Berger
      11. Oktober, 2019

      Herr Fleischhauer, auf ACHGUT wird schön beschrieben, wie Wissenschafftler, die nicht die offizielle Lehrmeinung vertreten, aus der Öffentlichkeit verbannt werden:
      https://www.achgut.com/artikel/der_mann_dem_sie_die_sonne_uebelnehmen
      Meine Interpretation: Wer andere Meinungen nicht ertragen kann, ist sich seiner eigenen Meinung nicht sehr sicher.

      Im übrigen halte ich das Ansinnen, Temperaturen von vor 1000 Jahren aus Baumringen und dergleichen auf 1/10 Grad genau zu ermitteln, für Kaffesatzleserei. Das Baumwachstum hängt auch ab von anderen Dingen als der Temperatur, z. B. von der Regenmenge (und auch vom CO2-Gehalt der Atmosphäre).

    • Libkon
      11. Oktober, 2019

      Zur leidigen Hockeystick Sache: Spektrum der Wissenschaft ist nicht mehr wirklich seriös, da einseitig parteiisch, und in politischen Dingen wie dem Klimawandel nicht mehr sachlich, wissenschaftlich orientiert.

      Die Mannsche Theorie ist schon deshalb zu bezweifeln, weil er sich unter allen Umständen weigerte, seine Messdaten (bezüglich der Hockeyschläger Theorie) dem Gerichtsgegner, Dr. Tim Ball, seines Zeichens renommierter Klimatologe, offenzulegen. Daher wurde die Klage von Dr. Mann gegenüber Dr. Ball abgewiesen und die Kosten des Verfahrens dem Kläger auferlegt. Was hat Mr. Mann diesbezüglich zu verbergen? Auf die o.g. These des Hockeyschlägers beruft sich das IPCC, anders als bisher, NICHT mehr. Die werden ihre Gründe dazu haben.

  • Stephan Fleischhauer
    11. Oktober, 2019

    Noch ein paar grundlegende Einwände.

    Wenn man wenig kimatologische Fachkenntnisse hat, sollte man eher dem wissenschaftlichen Mainstream eines Fachs vertrauen als irgendwelchen Außenseitern. (Hans von Storch z.B. hat kaum relevante Publikationen vorzuweisen, es gibt von ihm so gut wie keine eigene Forschung. Er vertritt unter den Klimatologen eine Außenseitermeinung.)

    In meinem oben verlinkten Artikel ist ein Link auf das klimawissenschftliche Blog RealClimate. Dort gibt es weitere Quellenangaben zur Kritik an von Storchs bzw. Zoritas Publikation. Dort wird genau erklärt, welche methodischen Fehler sich hier finden. Es erfordert allerdings einige Sachkenntnis, um dies zu überprüfen. Aber es hilft nichts, man kann das nicht einfach ignorieren, man muss sich da schon reinfuchsen.

    Ich kann den Kommentatoren hier deshalb auch nicht zustimmen. Dieser Artikel ist leider sehr lückenhaft.

    Die Warnungen der Atmosphärenphysiker vor einem anthropogen Klimawandel durch Treibhausgas-Emissionen gibt es viele Jahrzehnte, mindestens seit den fünfziger Jahren. Es wäre absurd zu glauben, dass diese Wissenschaftsdisziplin seitdem durchgehend korrupt und politisch unterwandert wäre. Woher hätte das kommen sollen, in einer Zeit, in der es keine relevante Umweltbewegung gab? Das müsste man schon begründen können.

    Nehmen wir an, die Bradley/Mann-Rekonstruktion wäre tatsächlich fehlerhaft. Was sollte daraus folgen? Sollte man dann den steilen globale Erwärmungstrend seit den siebziger Jahren anzweifeln? Alles nur ein Hoax? Die Wissenschaftler zu doof, ihre Messstationen richtig auszuwerten? Das arktische Meereis schmilzt gar nicht, die Satellitenaufnahmen gefälscht? Die Temperaturrekorde der letzen Jahre nur erfunden?

    Oder geht es hier um die These, dass es im Mittelalter schon mal wärmer war? Nun gut, nehmen wir an, es wäre so. Aber könnte man dann daraus folgern, dass es keine negativen Folgen hätte, wenn man ohne jede Einschränkung weiter Treibhausgase emittiert? Wenn man das Klima immer weiter und weiter aufheizt – zwei Grad, drei Grad, vier Grad …? Wohl kaum.

    CO2 hat in der Atmosphäre eine sehr lange Verweildauer, es sammelt sich deshalb an. Je mehr CO2, desto stärker der Treibhauseffekt.

    Selbst wenn es tatsächlich im Mittelalter wärmer war – wir würden es mit ungebremsten Emissionen irgendwann “überholen”. Es wäre also kein Grund für eine Entwarnung.

  • Dr. Wolfgang Hintze
    11. Oktober, 2019

    Ich finde, das Thema sollte durch Versachlichung beruhigt und nicht durch weitere Polemik verschärft werden.

    Man kann m.E. bei der “Hockeyschläger”-Kurve auf die rekonstruierten Temperaturwerte (ab ca. 1000) verzichten und sich auf die Messwerte beschränken. Diese liegen ab 1850 vor und sind hier öffentlich verfügbar https://crudata.uea.ac.uk/cru/data/temperature/.

    Mit ein wenig technischem Verständnis kann man sich aus diesen Daten den Temperaturverlauf selber zeichnen. Man benötigt die komplizierte und teilweise umstrittene Glättungsprozedur von Mann nicht, um in der Punktewolke einen Hockeyschläger zu sehen.

  • Gerhard Sauer
    12. Oktober, 2019

    Die Hockeyschlägerkurve ist m. E. nicht so wichtig wie sie genommen wird. Sie ist lediglich ein Versuch, den Verlauf der Lufttemperatur in den letzten 1000 Jahren im Mittel durch eine Funktion darzustellen. Ob diese Funktion richtig ist, kann ich nicht beurteilen. Allerdings kann jeder eine solche Funktion durch eine Ausgleichsrechnung z. B. ermitteln, vorausgesetzt, er verfügt über entsprechende Temperaturwerte für den Beobachtungszeitraum. Viel wichtiger ist die Frage nach der Ursache für den geringfügigen, nur wenige Zehntelgrad betragenden Anstieg in den letzten Jahrzehnten. Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Die vom Klimarummel lebenden „Experten“ halten den Anstieg des CO2-Anteils an der Luft für ursächlich. Andere schreiben der Sonne die entscheidende Rolle zu. Auch die zunehmende Urbanisierung mit der Versiegelung immer größerer Flächen wird als Ursache genannt. Wer hier näher an der Wahrheit ist, kann man als „Beobachter“ nicht entscheiden.

    Man kann jedoch ein paar Plausibilitätsüberlegungen anstellen. Mit steigendem CO2-Gehalt in der bisherigen und in Zukunft zu erwartenden Größe ändern sich die Wärmeeigenschaften der Luft nur geringfügig: Die Temperaturleitfähigkeit nimmt leicht ab, Wärmekapazität und der Absorptionskoeffizient der Wärmestrahlung nehmen leicht zu. Die Änderungen liegen im Promillebereich. Man kann aus ihnen schließen, daß mit dem CO2-Gehalt die Lufttemperatur minimal ansteigt, wenn man zusätzlich bedenkt, daß die drei genannten Größen der Luft durch ihre Feuchtigkeit entscheidend bestimmt werden. Die Zahlenwerte belegen, daß gerade die Luftfeuchtigkeit den Einfluß des CO2 auf die Wärmeeigenschaften weit überdeckt. Er verschwindet nicht ganz, ist aber unbedeutend. Ich habe mal abgeschätzt, wie stark die Temperatur bei einer Verdoppelung des CO2-Gehalts zunehmen würde. Ich kam auf maximal 0,3°C. Bei der gegenwärtigen Steigungsrate von 1,5 ppm pro Jahr würde die Verdoppelung in ca. 250 Jahren erreicht. Inwieweit es notwendig und sinnvoll ist, sog. „Klimaschutz“ durch CO2-Reduktion zu betreiben, bleibt zweifelhaft.

  • Fantomas
    12. Oktober, 2019

    Das Beste an der ganzen Klimahysterie ist ja der Fachartikel eines bayerischen Psychologen (oder gar Psychiaters) in seinem Verbandsorgan, worin er die Skeptiker der bevorstehenden Klimakatastrophe für verrückt erklärt. Na ja, und was macht man mit den Verrückten, damit sie keinen Schaden anrichten können ???? Die Nazis und die DDR’ler haben es vorgemacht. Der Weg in die Ökodiktatur ist daher kein dummes Gerede sondern leider gruselig wahr.

  • Regina Reiling
    13. Oktober, 2019

    Vielen Dank für diesen hervorragend recherchierten Artikel.
    Ich war entsetzt, als ich den „WELT“ Beitrag zu Michael Mann las.
    Meine Versuche über das Kommentarfeld auf die Ungereimtheiten und Manipulationen im Artikel aufmerksam zu machen wurden natürlich ignoriert.
    Die Damen haben sich übrigens recht heftig, und leider auch unsachlich mit den kritischen Kommentatoren regelrecht „gefetzt“.
    Meine gelegentlichen Besuche bei der WELT habe ich danach endgültig eingestellt.

    Ihre Meinung dazu

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