Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.
[mc4wp_form id="4890"]
Zapisz Zapisz

Die schalltote Kammer

Bist du für die Regierung oder ein Aluhut? Nicht erst seit Corona liebt die politisch-mediale Elite Debattensurrogate. Für diejenigen, die wirklichen Streit vermeiden wollen, sind Verschwörungsgläubige wie Attila Hildmann ein großer Glücksfall

Stephan Kohn, der mittlerweile beurlaubte Beamte des Bundesinnenministeriums, wirkt wie eine Figur aus einem Text von Martin Walser. Der 57-jährige Oberregierungsrat arbeitete in dem Bereich Kritische Infrastruktur.

In dieser Eigenschaft verfasste er ein umfangreiches Papier, gestützt auf Zulieferungen mehrerer Wissenschaftler und Ärzte, das zusammengefasst die These vertritt: Das Herunterfahren der Wirtschaft wegen Covid-19 – der sogenannte Shutdown – ist unverhältnismäßig und dürfte am Ende mehr Schäden an Leben und Gesundheit anrichten als das Virus selbst. Seine Ausarbeitung verschickte Kohn innerhalb des Ministeriums, außerdem gab er sie an die Krisenstäbe der Bundesländer. Er wollte also unbedingt Öffentlichkeit für sein Papier herstellen. Der Beamte erhielt mittlerweile Tätigkeits- und Hausverbot, er musste seinen Dienstlaptop abgeben, ihn erwartet ein Verfahren, das seine bescheidene Ministeriumskarriere mit Sicherheit beenden wird, möglicherweise auch seine Existenz als Beamter.

Manches an seinem Papier mag sich in der Formulierung als zu pauschal herausstellen, etwa sein Urteil, es gebe „keinen vernünftigen Zweifel mehr, dass die Coronawarnung ein Fehlalarm war“; der Staat habe in der Coronakrise „in geradezu grotesker Weise versagt“. Staatliches Handeln mit einer Vorsicht, die sich später als übertrieben herausstellen kann, wäre angesichts eines bis vor kurzem noch unbekannten Virus nichts Verwerfliches. Allerdings hält Kohn der Bundesregierung auch keine böse Absicht vor.

Auch die Zuarbeiten seiner akademischen Helfer könnten sich bis Ende des Jahres an der einen oder anderen Stelle als ungenau oder inkorrekt herausstellen. Trotzdem schwebt über Kohn, dem Ministerium, der Bundesregierung und mehr oder weniger dem gesamten Land die Frage: Was ist, wenn die zentrale Aussage zutrifft? Wenn der Shutdown auf wirtschaftlichem Gebiet durch drastische Einkommensverluste und Insolvenzen, auf dem Gebiet der Gesundheitsvorsorge durch verschobene Operationen und Routineuntersuchungen tatsächlich größere gesundheitliche Schäden anrichtet als SARS-CoV-2? Das könnte vor allem dann der Fall sein, wenn sich auch noch zeigt, dass der Shutdown eine viel geringere Auswirkung auf den Pandemieverlauf hatte als von der Regierung bisher glaubt oder behauptet.

Zwei Ökonomen des bundeseigenen Instituts für Arbeitsmarkt und Beschäftigungsforschung (IAB) untersuchten gerade die Wirksamkeit der einzelnen Corona-Maßnahmen in Deutschland. Nach ihren Berechnungen führte vor allem der Verzicht auf Großveranstaltungen zu einem Rückgang der Neuinfektionen. Einen Effekt der Wirtschaftsstillegung auf den Pandemieverlauf konnten sie nicht erkennen.
Auch eine Untersuchung eines Teams um die Mathematikerin Tanja Stadler von der ETH Zürich kam für die Schweiz zu dem Schluss, dass vor allem das Verbot von Großveranstaltungen die Neuinfektionen nach unten gedrückt hatte. Als die Schließung von Läden und Friseurbetrieben verfügt wurde, befand sich die Infektionskurve schon im Fall.

Die Behauptung, ohne die drastischen Wirtschaftseinschränkungen wären die Infektionszahlen explodiert, steht also auf wackligem Grund. Der amerikanische Epidemologe John P. A. Ioannidis warf schon im März in einem Aufsatz die Frage auf, ob der Corona-Shutdown an einem bestimmten Punkt mehr schaden als nützen könnte, und verwies auf die Schwache Datenbasis, auf die Politiker ihre Entscheidungen stützten:

„Wie können politische Entscheider erkennen, ob sie mehr Schaden als Nutzen verursachen?“ (“How can policymakers tell if they are doing more good than harm?“)
Seine vorsichtige Antwort damals: Die Todesrate bezogen auf die Gesamtfälle, die so genannte Case Fatality Rate (CFR) liege bei Covid-19 deutlich niedriger als von der WHO zunächst angenommen, wahrscheinlich deutlich unter einem Prozent. Je länger Maßnahmen andauern, die den Lebensstandard von Millionen Menschen schlagartig verschlechtern, so Ioannidis, desto wahrscheinlicher, dass sich die Nebenwirkungen der Corona-Bekämpfungspolitik schlimmer auswirken als das Virus selbst.
Inzwischen sprechen mehr Hinweise als noch im März dafür, dass die Befürchtung des Wissenschaftlers plausibel sind. John Ioannidis, der in Stanford lehrt, gehört zu den renommiertesten und am häufigsten in wissenschaftlichen Veröffentlichungen zitierten Epidemologen weltweit. Auch darin liegt natürlich keine Garantie, dass er mit allem richtig liegt. Aber seine Bedenken lassen sich nicht ohne weiteres wegwischen, auch nicht andere Untersuchungen, die in seine Richtung deuten. Und auch nicht die Zusammenstellung des einzelnen Beamten aus Berlin.

Bisher brachte das Innenministerium auch erstaunlich wenig Inhaltliches gegen Kohns Papier vor. Es widerspreche, sagte Innenminister Horst Seehofer, den „geistigen Grundlagen“ der Anti-Coronapolitik der Bundesregierung. Worin diese geistigen Grundlagen bestehen, sagte er nicht. Jedenfalls müssen sie sich seit Januar stark verändert haben. Immerhin erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn damals Covid-19 für „milder als eine Grippe“ und riet von Gesichtsmasken mit der Begründung ab, es gebe gar keinen Beleg dafür, dass sich das Virus über die Atemluft übertrage.
In einer Mitteilung, mit der das Ministerium auf die Kohn-Ausarbeitung reagierte, heißt es, „viele Länder“ hätten „ähnliche Maßnahmen“ zur Bekämpfung der Pandemie ergriffen wie Deutschland, und die Maßnahmen seien „wirksam“. Beides bestreitet niemand. Nur unterscheiden sich die Strategien von vergleichsweise sehr viel erfolgreicheren Ländern wie Südkorea und Taiwan in zwei wesentlichen Punkten:

Sie führten schon Hygiene- und Quarantänemaßnahmen ein, als in Deutschland noch Großveranstaltungen stattfanden, verfügten aber nie einen Shutdown der Wirtschaft. Südkorea mit seinen 51 Millionen Einwohnern verzeichnet bis jetzt (18. Mai 2020) 263 Tote durch SARS-CoV-2, Deutschland bei 83 Millionen Einwohnern 7977 Tote, Belgien beklagt mit 9080 Toten bei gut 11 Millionen Einwohnern trotz eines rigiden Shutdowns sogar die weltweit höchste Opferrate im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Wirksam war und ist die wochenlange Stilllegung der Dienstleistungswirtschaft in Deutschland zweifellos, wie sich an 10 Millionen Kurzarbeitern und einem Steuerausfall von mindestens 100 Milliarden Euro ablesen lässt. Aber auch wirksam gegen die Virusausbreitung?
Für einen ähnlich einschneidenden gesundheitlichen Effekt fehlt bisher, anders als bei den allgemeinen Quarantäne- und Hygienemaßnahmen, der Beleg. Jedenfalls führte das Bundesinnenministerium in seiner Stellungnahme keinen an. Die meisten Medien betonen, Kohn sei ein Sonderling, die Ausarbeitung habe er ohne Genehmigung verfasst. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Kevin Kühnert twitterte unter großem Hallo, er sei Kohns Ortsvereinsvorsitzender in Lichtenrade-Marienfelde, und hängte ein Bewerbungsvideo Kohns für den SPD-Parteivorsitz an. Offenbar hielt er das für einen wichtigen Fingerzeig auf die Verschrobenheit seines Genossen. Es beweist nur nichts für oder gegen dessen Thesen. Auch ein 57-jähriger linkischer Oberregierungsrat mit Halbglatze kann in einem wesentlichen Punkt gegen den kompletten politischen Apparat Berlins Recht behalten. Was also, wenn genau das passiert?

Möglicherweise gilt dann frei nach Hegel: Umso schlimmer für den Oberregierungsrat. Die Frage nach dem Umgang mit Leuten wie Kohn und den Wissenschaftlern, die er in seinem Papier zitiert, führt weit über Corona hinaus. Wie verfahren diejenigen in Politik und Medien, die Definitionsmacht besitzen, mit Einwänden? Das mediale Verfahren lässt sich beispielhaft an einem Bericht der Tagesschau vom 10. Mai studieren, der das Papier aus dem Innenministerium mit so genannten Corona-Demonstrationen unter dem Stichwort „Verschwörungstheorien“ zusammenrührt. Über den Inhalt der Ausarbeitung erfahren die Zuschauer nichts. Noch nicht einmal nichts: Der Sprecher serviert ihnen eine Metarealität.
„Ein Gegner der Coronamaßnahmen – ausgerechnet im Bundesinnenministerium: Er soll den Umgang mit Covid-19 als globalen Fehlalarm bezeichnet haben“, erklärt ein Tagesschau-Reporter, während Bilder einer Demonstration laufen:
„Seine Privatmeinung habe er mit einem offiziellen Briefkopf verschickt, heißt es in einer Pressemitteilung. Es ist der gleiche Tenor wie bei den Demonstrationen gegen die Coronamaßnahmen, etwa in Erfurt.“

Ein Demonstrant wird eingeblendet: „Ich hol‘ mir meine Informationen aus dem Internet. Das deckt sich nicht mit dem, was ich jeden Tag im Fernsehen und Presse serviert kriege.“
Dann wieder der Sprecher aus dem Off: „Ein Blick ins Internet zeigt, wo der Hass herkommt. Verschwörungstheoretiker hetzen derzeit vor allem gegen Bill Gates, der sich weltweit für Impfungen einsetzt und angeblich auch die Regierung und Medien manipuliere.“ 

Dazu zeigt die Tagesschau den Chef der Identitären Bewegung Österreichs Martin Sellner beim Reden im Grünen. Sellners Name wird nicht erwähnt, das Schnittmaterial ist alt und hat mit den aktuellen Coronademonstrationen in Deutschland nichts zu tun. Mit dem Papier von Kohn schon gar nichts. Dessen Inhalt stammt auch nicht „aus dem Internet“, sondern, siehe oben, von mehreren Wissenschaftlern und einem Arzt. „Hass“ und „Hetze“ findet sich darin nirgends. Mit ihren suggestiven Bildschnitten und Behauptungen suggeriert die Tagesschau aber, das sei der Fall, und die Identitären, die Demonstranten in Erfurt und anderswo und der Mann aus dem Innenministerium steckten unter einer Decke. Die ARD-Sendung arbeitet also exakt nach dem Muster von Verschwörungstheoretikern: Unterstellen, behaupten, wider besseres Wissen zusammenmixen, was nicht zusammengehört.

Diese Praxis erstreckt sich mittlerweile nicht nur auf leichte Gegner wie einen praktisch für unzurechnungsfähig erklärten und wehrlosen Beamten, sondern auch auf einen Politiker wie den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Er hatte bekanntlich leicht abgewandelt die gleiche Frage gestellt wie der amerikanische Epidemologe Ioannidis: Könnte es sein, dass der erzwungene Wirtschaftsstillstand mehr Opfer fordert als Covid-19? Wenn ja: Was sollte die Gesellschaft daraus für die nächste Infektionswelle und die nächsten Pandemien lernen?
Auch in Palmers Fall folgte keine Argumentation in der Sache. Noch nicht einmal die halbwegs korrekte Wiedergabe seiner Position. Stattdessen zitierten die meisten Medien und seine Gegner einen einzigen Satz von ihm, der isoliert von dem Rest so klang, als fordere er dazu auf, alten Infizierten mit Vorerkrankungen die medizinische Hilfe zu verweigern. Das war eine böswillige Unterstellung. Trotzdem brachten ihn andere Grüne, die ihn schon seit langem aus der Partei entfernen wollen, in Verbindung mit dem Begriff  ’Selektion’ und in die Nähe des Auschwitz-Arztes Josef Mengele. Hundert Mitglieder der Grünen, die den Ausschluss des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer aus ihrer Partei forderten, begründeten das mit der Feststellung, Palmer habe sich schon in der Migrationsdebatte als „unbelehrbar“ erwiesen. Womit sie noch einmal fürs Protokoll festhielten: Es geht ihnen um Belehrung, nicht um Argumentation. Denn ihre Aufforderung, Palmer auszuschließen, formulierten sie ähnlich argumentationsfrei wie das Bundesinnenministerium seine Stellungnahme zu Kohns Papier und die Tagesschau ihre Berichtssimulation zu ihrem selbstgewählten Thema ’Verschwörungstheorien’.

Nach diesem Muster einer Spieluhr, die nur ein einziges Stück in petto hat, laufen gesellschaftliche Großdebatten in Deutschland nicht erst seit Corona ab.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und andere wohlmeinende Vertreter des Guten betonen zwar bei fast jeder Wortmeldung, dass natürlich ein „Dialog“ geführt, also irgendwie geredet werden müsse. Beim genaueren Hinhören und -lesen zeigt sich, dass damit kein Gespräch unter grundsätzlich Gleichen gemeint ist, sondern eine Art Verkaufsgespräch, das auch noch sehr einseitig geführt wird. Bürger dürfen nach dieser Vorstellung gern „Fragen stellen“ und von ihren Sorgen sprechen, sollen dann aber die Antworten von Regierungspolitikern und ihren alliierten Medien möglichst bis in einzelne Wortprägungen hinein übernehmen. Tun sie das nicht, sagt sich die wohlmeinende Seite, die Antwort müsse eben noch einmal besser erklärt werden. Fruchtet auch das nicht, folgt der nächste und letzte Schritt, nämlich die Feststellung, ein Gespräch mit diesen Antwortübernahmeverweigerern sei eben sinnlos, sie seien unbelehrbar. Ja, Sprechen sei dann nicht nur sinnlos, sondern sogar gefährlich, da es nur die falschen Ansichten legitimieren würde.
Genau das schrieb kürzlich eine Spiegel-Journalistin über den Auftritt des Kabarettisten Matthias Richling bei Maischberger: Richling hatte dort die ähnliche Frage wie Palmer und andere nach den Kollateralschäden der staatlichen Corona-Maßnahmen gestellt (und übrigens COVID-19 mit einer Grippe verglichen, ungefähr so also wie Jens Spahn im Januar 2020). „Wer Faschisten in eine Diskussionsrunde einlädt“, so die Spiegel-Autorin, „legitimiert sie und ihre Position“ und „überlässt verantwortungslos viel Raum für Realitätsverweigerung“.

In seiner letzten Ausgabe nannte der Spiegel Leute wie Palmer „Dissidenten“. Der SPD-Abgeordnete Helge Lindh sagte in seiner Bundestagsrede, bei den Wissenschaftlern, die an dem verfemten Corona-Papier des Innenministeriums mitgearbeitet hatten, handele es sich um „renitente Wissenschaftler“, die „die Position der Bundesregierung vehement ablehnen“. Und deshalb handle es sich nicht um Wissenschaft.

Wäre es nach den gravierenden Fehleinschätzungen der politischen und medialen Elite zu Corona – „milder als eine Grippe“ (Spahn), „Masken nützen nichts“ (Spahn, Robert-Koch-Institut), „Grenzschließungen kein adäquates Mittel“ (Merkel) – wäre es nach all diesen erzwungenen Wendungen für diese Elite nicht naheliegend, etwas bescheidener aufzutreten und um Nachsicht für sich selbst und andere zu bitten? Überhaupt nicht, meint der SPD-Politiker Karl Lauterbach in einem Zeit-Interview: “Ich finde nicht, dass wir eine Bringschuld haben, uns unters Volk zu mischen, um angebliche Versäumnisse wiedergutzumachen.“

Die politisch-mediale Elite des Landes präsentiert sich als erstaunlich homogene Gruppe, die kaum noch einen Dissens erträgt.
Wann begann diese erstaunliche Verkapselung?

Wahrscheinlich schon mit der so genannten Energiewende, in deren Verlauf Politiker und Journalisten erstaunliche Prognosen abgaben. Der grüne Strom werde billig sein – keine Erhöhung der EEG-Umlage bis 2020, so Merkel 2011 – , sollte es doch etwas mehr kosten, werde ein grünes Jobwunder alles wieder ausgleichen, die Energiewende werde Deutschlands „Exportschlager“ (Peter Altmaier) für die Welt sein: Diese Erklärungen wurden wieder kassiert, aber eben stillschweigend, ohne Revision der Grundidee, und vor allem ohne die Frage, wie sich serielle Fehlentscheidungen auf die eigene politische Kreditwürdigkeit auswirken.

Mit der Migrationskrise von 2015 entstand dann endgültig der Zustand der institutionalisierten Debattenverweigerung, der das Land wahrscheinlich jetzt schon tiefer prägt als der Epochenbruch von 1968. Worin die Debatte hätte bestehen können, das blitzte für winzige Momente auf, die sofort wieder unter dem Schutt der Belehrungsdialoge begraben wurden. Die Zeit führte 2015 ein Interview mit dem britischen Migrationsforscher Paul Collier, einem Wissenschaftler, der darauf hinweist, dass eine unlimitierte Einwanderung von armen Ländern in reiche auf Dauer beiden schadet: den reichen, weil sie dort den Sozialstaat überdehnt, den armen, weil es eben nicht die ’Ärmsten der Armen’ sind, die fortgehen, sondern die dortige Mittelschicht. Die Zeit-Redakteure fragten Collier damals, was er zu den Demonstrationen von Pegida sage, und erwarteten offenbar eine moralische Antwort. Collier sagte, die Proteste seinen die Folge einer unterbliebenen Debatte über Einwanderung in der Mitte der Gesellschaft. Aber darüber, so die Zeit-Interviewer, würde doch debattiert.

Collier: „Wir erleben eine emotionale, lächerliche und polarisierte Debatte. Sie gipfelt ständig in einer Frage: Ist Einwanderung gut oder schlecht? Die einen sind bedingungslos für mehr Einwanderung, die anderen lehnen sie ab. Dabei ist diese Frage Nonsens.“
Die in Wirklichkeit undebattierte Frage, so Collier, laute: „Wie viel Migration ist für alle am besten? Das ist die entscheidende Frage – und zwar sowohl für die reichen Länder, in die gewandert wird, als auch für die Herkunftsländer.“

Am 22. November 2017 veröffentlichte die FAZ einen Text des Hamburger Rechtsphilosophen Reinhard Merkel unter dem Titel: „Wir können allen helfen“. Darin schreibt er, die Grenzöffnungsentscheidung seiner Namensvetterin sei ein „moralisches Desaster“: Während mit einer abstrakten Weltmoral jeder in Deutschland eingelassen und versorgt werde, der es bis zur Grenze schaffe, würden die viel Hilfsbedürftigeren völlig ausgeblendet, die gar nicht erst das Geld für einen Schlepper aufbringen könnten.
„Zum moralischen Desaster wird die deutsche Migrationspolitik mit der nachgerade tragischen Fehlallokation der Mittel“, so Reinhard Merkel: „An die 300 Milliarden Euro werden die Aufnahme und die Versorgung schon der bisher Zugewanderten in den kommenden zehn Jahren kosten. In den oft bitterarmen Ländern ihrer Herkunft wäre dieses Geld das Zehn- bis Fünfzigfache wert. Damit ließe sich das Elend der Menschen dort, ja beinahe das der ganzen Welt in ungleich höherem Maße lindern als durch die Aufnahme und Versorgung jenes Bruchteils von ihnen, der es bis hierher geschafft hat.“

Wie heute bei der Frage der Corona-Maßnahmen und ihren Folgen ging es Collier und Merkel bei der Migrationsfrage um eine Abwägung, also um Dialektik. Beziehungsweise: darin hätte der Gegenstand eines echten Gesprächs bestanden. Reinhard Merkels Text gehört zu den intelligentesten deutschen Wortmeldungen in der Migrationsdebatte. Und er blieb für diese Debatte völlig folgenlos. Er konnte zwar erscheinen, so, wie auch Collier seinen kurzen Auftritt hatte. Ihm folgte weder ein politisches noch ein nennenswertes mediales Echo. Die wesentlichen Meinungspräger der Republik entschieden sich, diese Gedanken in eine schalltote Kammer zu sperren, und sich selbst und den öffentlichen Raum mit Formeln wie „Menschlichkeit kennt keine Obergrenze“ zuzudröhnen. Eine Formel wie „Menschlichkeit kennt keine Obergrenze“ enthält keine offene Frage. Es lässt sich darauf nichts Sinnvolles entgegnen. Sie tötet das Gespräch.

Statt mit Leuten wie Collier und Reinhard Merkel zu debattieren, stürzten sich die meisten Politiker und Leitartikler seinerzeit auf Pegida und dessen Gründer Lutz Bachmann. Bachmann erwies sich für die Mitglieder der Meinungselite seinerzeit als ähnlicher Glücksfall wie Ken Jebsen und Attila Hildmann heute in der Corona-Nichtdebatte. Ihnen fühlen sich die Meinungsführer nicht nur moralisch überlegen, sondern, nicht ganz unwichtig, auch intellektuell gewachsen. Neben dem Pegida-Häuptling wirkt in der Tat jeder Spiegel-Online-Schreiber gut und klug. Indem sie den Nachweis führten, dass es sich bei Bachmann um einen beschränkten Tribun mit kleinkrimineller Vergangenheit handelte, waren sie sich sicher, auch die Richtigkeit der Migrationspolitik von Angela Merkel bewiesen zu haben. Und ihre eigene Brillanz gleich mit.

Exakt diesem Muster folgen die Wohlmeinenden vom Bundespräsidenten bis zum Qualitätsredakteur auch bei Corona. Den Koch Attila Hildmann für einen Trottel zu halten ist leichter, als ein totes Schaf zu treten. Das Interessante liegt nicht in der Erscheinung eines Attila Hildmann, der sich sicher ist, dass Bill Gates, Angela Merkel und andere Diktatoren die Weltbevölkerung dezimieren und den verbliebenen Nanochips einimpfen wollen. Diesen öffentlich anstarrbaren Phänotyp hält jede Gesellschaft gerade für Krankheits- und Krisenzeiten bereit. Merkwürdig ist es vielmehr, dass Medien, die sich viel auf die Erkenntnis zugutehalten, Hildmann sei ein esoterischer Trottel, ihrerseits Botschaften wie diese für völlig vernünftig halten:

Erstaunlicherweise merken die Debattensimulanten nicht, wie sehr sie in ihrer Gut-Böse-Aufteilung und ihrer völligen Fraglosigkeit denjenigen ähneln, die sie Seite an Seite bekämpfen. Auf wunderbare Weise bestimmt ein durchgedrehter Koch die wesentlichen Regeln der öffentlichen Kommunikation in Deutschland mit, mindestens so sehr wie ein Chefredakteur eines großen Mediums oder eine Talkshowgastgeberin.

So, wie Paul Collier 2015 in der Migrationsdebatte ein Phantom blieb, ein Wissenschaftler, der keiner Antwort gewürdigt wurde, bleibt der amerikanische Epidemologe John Ioannidis mit seinen Fragen nach Nutzen und Kosten der Corona-Maßnahmen ohne Echo. Er lässt sich schlecht als Leugner, Faschist, Regierungsgegner oder Aluhut brandmarken. Aber so zu tun, als gäbe es ihn und seine Fragen gar nicht (und als würden sich die Abwägungsfragen nicht auch ohne ihn stellen), dieses Mittel funktioniert immer, und die meinungsprägende Elite wendet es mittlerweile mit großer Routine an.

Um zum Anfang zurückzukehren: Was passiert also, wenn die wesentliche These des linkischen Oberregierungsrats (demnächst wahrscheinlich a. D.) zutrifft, dass der Corona-Shutdown mittelfristig mehr Opfer kostet als das Virus? In der Atmosphäre eines ohnehin schon stark gestörten gesellschaftlichen Gesprächs festigt ein solches Ergebnis wahrscheinlich die Fronten, so, wie auch alle Falschprognosen und Illusionen in der Energiepolitik, in der Migrationsfrage und beim Euro dazu geführt haben, dass die Produzenten der Falschprognosen enger zusammenrückten.
Der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche, der 2015 ein Wirtschaftswunder durch all die hervorragend gebildeten Facharbeiter aus Arabien und Afrika vorhersah, muss heute von keinem Chefredakteur und von keiner Katrin Göring-Eckardt („wir kriegen Menschen geschenkt“) Kritik befürchten und umgekehrt. Die Tatsache, dass schon vor der Corona-Rezession die meisten Migranten aus Syrien und Somalia von Hartz IV lebten, bleibt in der schalltoten Kammer, wo die offizielle deutsche Gesellschaft ihre undebattierten Fragen mittlerweile gewohnheitsmäßig stapelt.
Woher kommt der grundlastfähige Strom für die Millionen Elektroautos der Zukunft, wenn alle grundlastfähigen Kraftwerke vom Netz gehen, nach Willen der Grünen als nächstes auch die Gaskraftwerke?
Wer erwirtschaftet die Umverteilungsmittel der Zukunft für Deutschland und demnächst die halbe EU, wenn jetzt schon nur 18 Millionen Nettosteuerzahler auf 83 Millionen Deutsche kommen, und die Einwanderung in die Sozialsysteme ungebrochen weitergeht, weil sie ja moralisch alternativlos ist?
Und, auf Corona gewendet: muss jetzt auch bei jeder Influenzawelle wie 2017/18 die Wirtschaft wochenlang stillgelegt werden, weil Nutzen und Schaden einer Maßnahme nicht abgewogen werden dürfen?

Diejenigen, die diese Fragen in die Abstellkammer schieben, haben sich entschieden, dass es besser ist, die Tür immer nur für die Eskamotierung der nächsten Frage ganz kurz zu öffnen, aber um Gottes Willen bloß nicht hineinzuschauen. Wo sollte man auch anfangen? Den wenigen Publizisten und sonstigen Einzelmeinern, die versuchen, diese Kammer wenigstens ab und an zu lüften, werden die Rechtschaffenen schon noch nachweisen, dass sie den Aluhut tragen oder Aluhutträgern zumindest Wasser auf die Mühlen gießen. Das verwandte Kleidungsstück, die spitze Papiermütze, steht nach Ansicht vieler Leitartikler neuerdings sogar renitenten Bundesverfassungsrichtern gut.

So, wie es hieß: Bist du für die Energiewende oder ein Klimaleugner?, bist du für grenzenlose Menschlichkeit oder ein Rassist?, bist du für die Corona-Maßnahmen der Regierung oder ein Aluhut?, so wird es sehr bald auch bei der billionenhohen europäischen Schuldenvergemeinschaftung von Seiten der Wohlmeinenden heißen: Bist du für Solidarität, oder bist du ein nationalistischer Egoist?
Ein Land, dessen Repräsentanten in Politik und Medien sich diese Art der Gesprächssimulation an- und jede Dialektik abgewöhnt haben, kann sich selbst beim Dümmerwerden zuschauen.

Es gibt nur eine Tücke dabei: Mit jeder Fehlprognose, mit jedem kollektiven Irrtum wachsen die Glaubwürdigkeitsschulden des Milieus weiter, das auf seine Irrtümer beharrt. Anders als Zentralbankgeld ist ideeller Kredit nicht beliebig vermehrbar.
Und Glaubwürdigkeit lässt sich nicht erzwingen. Selbst in repressiven Systemen nicht.

 

 


Dieser Text erscheint auch auf Tichys Einblick.

 

 


Unterstützen Sie Publico

Publico ist werbe- und kostenfrei. Es kostet allerdings Geld und Arbeit, unabhängigen Journalismus anzubieten. Mit Ihrem Beitrag können Sie helfen, die Existenz von Publico zu sichern und seine Reichweite stetig auszubauen. Danke!

Sie können auch gern einen Betrag Ihrer Wahl auf ein Konto überweisen. Weitere Informationen über Publico und eine Bankverbindung finden Sie unter dem Punkt Über.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter, wir benachrichtigten Sie bei neuen Beiträgen.
* Ja, ich möchte über Neue Beiträge von PublicoMag.com per E-Mail informiert werden. Die Einwilligung kann jederzeit per Abmeldelink im Newsletter widerrufen werden.

47 Kommentare
  • RN
    21. Mai, 2020

    Wie so oft – ein hervorragender Artikel.

    • Robert Georg
      22. Mai, 2020

      Eine Generalabrechnung mit dem System Merkel und den zugehörigen medialen Hofschranzen wie sie treffender nicht denkbar ist.
      Deutsche Politik und Medien verursachen inzwischen Albträume.

  • chrisamar
    21. Mai, 2020

    Vielen Dank für diese in sehr schöner Sprache gehaltene Analogie der Strukturen.

  • Jürgen
    21. Mai, 2020

    Mal wieder auf den Punkt getroffen. Man schaue sich nur die Reaktionen auf die (seien sie nun “berechtigt” oder nicht) Demonstrationen an: Da unbequem, wird sofort wieder mit der “Rechtskeule” hantiert, frei nach dem Motto: Wer das regierungsseitige Handeln einschließlich der Medien anzweifelt, kann ja nur ein N… sein. In diesem Zusammenhang auch interessant das typische und sich immer wiederholende Verhalten unseres BP: Im ersten Satz wird zum Dialog miteinander aufgerufen, im zweiten Satz wird das aber umgehend auf die “Gutwilligen” beschränkt, wobei ja nur alle die gemeint sein können, die grün-links drehend sind. So haben Sie die Finger genau in die schwärende Wunde gelegt: Meinungsfreiheit in Deutschland wird nur noch sehr, sehr selektiv gewährt.

    • Libkon
      21. Mai, 2020

      Meinungsfreiheit ist aber gerade gedacht für ANDERSDENKENDE. Sonst brauchte man diesen Artikel im GG nicht. Da liegt dann auch schon das Problem unserer regierenden „Demokraten“. Ende der Anführungszeichen.

    • herrattamann
      22. Mai, 2020

      Wer hört sich denn das Geschwafel des derzeitigen BP an? Ich jedenfalls nicht mehr!

      • Jörg Karkosch
        26. Mai, 2020

        Das geht mir auch so. Eigentlich ist das bei der gesamten Truppe so. Unerträgliche Dummheit, Verlogenheit, Propaganda, Abgehobenheit.

  • Materonow
    21. Mai, 2020

    Diffamiere deinen Gegner … und er ist keiner mehr!
    Irgendwas bleibt immer hängen.
    Der Fall Kohn ist ein Paradebeispiel dafür, wie vom linksgrünen Zeitungeist abweichende Meinungen zur Existenzfrage werden können.

    Deshalb auch, beeilen sich alle, oder fast alle, Künstler, Komiker, liederträllernde oder -gröhlende C-Promis, Solidaritätsadressen an die Politik der Altparteien und auch ihre Brötchengeber zu senden, um ihren Job nicht zu riskieren.
    Weit haben wir es gebracht mit der Meinungsfreiheit in linksgrünen Zeiten!

  • WiesoWeshalbWarum
    21. Mai, 2020

    Vielen dank für Ihre Arbeit, Herr Wendt.

    Was mir in dem Zusammenhang auffällt: Noch 2017/2018 haben sich öffentlich-rechtliche und private Medien selbst als Verschwörungstheoretiker betätigt – haben also Meinungen vertreten, die einen heute zum Aluhut-Träger machen sollen. Das Öffentlich-rechtliche Fernsehen sieht sich sogar genötigt eine eigene Sendung nachträglich einem Faktencheck zu unterziehen, siehe hier:

    “Die WHO am Bettelstab: Was gesund ist, bestimmt Bill Gates”
    https://www.swr.de/swr2/wissen/who-am-bettelstab-was-gesund-ist-bestimmt-bill-gates-100.html

    Oder hier::

    “Der heimliche WHO-Chef heißt Bill Gates”
    https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-03/who-unabhaengigkeit-bill-gates-film

    Interessant ist dieser aktuelle Faktencheck der WELT:

    “Feindbild Bill Gates – Vier Behauptungen und was dahintersteckt”

    https://www.welt.de/vermischtes/article207542275/Bill-Gates-als-Feindbild-in-der-Coronakrise-Faktencheck-zu-den-Geruechten.html

    Dieser Artikel lässt, obwohl er anscheinend das Gegenteil bezweckt, Verschwörungstheoretiker sehr viel weniger verrückt erscheinen.

    So scheint es ja die Gates unterstellten Pläne durchaus zu geben – dass diese nur im Zusammenhang mit Corona gelten, hat meines Wissens gar keiner behauptet. Man arbeitet sich also an einem Strohmannargument ab, belegt aber dabei die Richtigkeit der Aussagen der “Aluhutfraktion”.

    Auszug aus dem Artikel der WELT:

    “BEHAUPTUNG I: Gates will im Kampf gegen den Erreger den Menschen Mikrochips einpflanzen lassen – und so die totale Kontrolle erlangen.”

    “BEWERTUNG: Falsche Zusammenhänge.”

    “FAKTEN: Gates schrieb im März, dass irgendwann „digitale Zertifikate“ Auskunft darüber geben könnten, wer eine Infektion mit dem Coronavirus bereits durchgestanden hat oder – sobald das möglich ist – dagegen geimpft ist. Diese Aussage wurde mit vollkommen anderen Projekten verrührt, die von der Gates-Stiftung unterstützt werden – etwa Forschungen zur digitalen Identifizierung, zu einer Technik, die Impfungen im Infrarotlicht auf der Haut anzeigt, sowie zu Verhütungsmethoden via Mikrochips. Mit dem Coronavirus haben sie nichts zu tun.”

  • Gerhard
    21. Mai, 2020

    Konflikte kann man unter den Teppich kehren, indem man Debatten verweigert. Am Anfang ist das bequem, wie im wirklichen Leben. Statt den Staub zu entfernen, kehrt man ihn unter den Teppich. Auf dem Teppich ist dann alles in Ordnung. Man sieht nicht, was darunter ist. Macht man aber so weiter, dann wölbt sich irgendwann einmal an der Stelle der Teppich. Das irgendetwas unter dem Teppich nicht stimmt wird unübersehbar! Dann muss man sich mit dem darunter beschäftigten, und es ist aufgrund der Menge, die sich angesammelt hat, nicht sehr angenehm. Ich fürchte, wir steuern in Deutschland genau darauf zu.

    • Bernd
      22. Mai, 2020

      Großartiger Artikel, danke.
      Die ohne Selbstzweifel gegen Kritik immune herrschende “Elite” sollte man so schreiben.
      Echte Elite bedeutet für mich progressiv, etwas voran zum Guten bringen.

  • Alexander Peter
    21. Mai, 2020

    Wie stets eine kluge, nachdenkliche Betrachtung.
    Damit markiert sie genau das Problem einer Regierungschefin, der sie stützenden Elite in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Medien, die nichts weniger können oder möchten als eine lebendige, offene Debatte.
    Die “Echokammer” oder die tabuisierten Themen wachsen parallel zu den realen Problemen.
    Anzunehmen ist, dass letztere irgendwann das Maß des Tolerierbaren überschreiten werden.
    Gesellschaftliche Widersprüche und Konflikte lassen sich auf Dauer nicht von Figuren wie Lauterbach, Steinmeier, Illner, Will usw. wegmoderieren.
    Eher ist eine weitere Verhärtung der Fronten wahrscheinlich und in deren Gefolge eine Verschärfung der Auseinandersetzungen.
    Selbst wenn sich diese vermeiden lassen, werden Dinge wie eine verkorkste “Energiewende” mit stetiger Umverteilung von “Unten” nach “Oben”, eine kopflose Einwanderungspolitik oder die “Rettung” der EU
    mit deutschem Geld in nicht allzu ferner Zeit möglicherweise zu massiven Problemen (Wohlstandsverluste breiter Schichten, Zerbrechen eines gesellschaftlichen Konsens, Inflation oder Währungsreform ) führen.
    Debatten kann man vielleicht verhindern, um Proteste zu unterbinden bedarf es dann doch wieder der “klassischen” staatlichen Methoden.
    Naja, Expertise aus der ex-DDR ist ja noch vorhanden und China lässt grüssen.

  • Dr. rer. oec. habil. W. Manuel Schröter
    21. Mai, 2020

    Sie sprechen es aus, wie es hierzulande ist, “Corona” oder nicht. Mehr kann man nicht dazu sagen. Danke, Herr Wendt.

  • Joseph
    21. Mai, 2020

    Wieder ein erstklassiger Beitrag, der die vielen kleinen Schnipsel zu einem Gesamtbild fügt.

    Schade, dass diese Gedanken niemals ein breites Publikum erreichen werden weil der Autor eben nicht in der einheitlichen Mediensuppe schwimmt.

    • Thomas Bernhart
      22. Mai, 2020

      Genau das treibt unsereins um – ein Wendt bei Spiegel, Zeit und RND – die Welt sähe anders aus.

  • Freundliches Gesicht
    21. Mai, 2020

    Der repressive Diskurs braucht nicht unbedingt “Glaubwuerdigkeit”, um weiter zu laufen. Es sind auch andere Modi moeglich, z.B. “Es war zwar nicht alles gut, aber es gibt jetzt kein Zurueck mehr”, oder “Kritik ist zwar rein logisch nicht falsch aber unangebracht, schauen wir nach vorn” – das werden dann die naechsten Stufen sein, die gezuendet werden, wenn sich alles nicht mehr voellig unter den Teppich kehren laesst.
    Wer glaubt denn noch, dass die “Globalisten” aufgrund besserer Einsicht, bzw. Plausibilitaetsueberlegungen freiwillig das Feld raeumen? Nach allem, was jetzt schon passiert ist? Auch psychologisch nicht: Denn das, was passiert ist, ist fuer sie ein “Investment ” in die “Gesellschaft der Zukunft” – jetzt, kurz vor dem “Sieg”, alles aufgeben, alles zurueckrollen? Dem verhassten Gegner das Feld kampflos ueberlassen?! Niemals. Ich bleibe weiter Zaungast Ihrer Essays, die die Hoellenfahrt D-Lands hoffenlicht noch lange begleiten werde…. Das ist doch alles erst der Anfang, der Appetizer, sozusagen das Vorspiel… 😉 Das beste kommt noch!

  • Libkon
    21. Mai, 2020

    Die beste Analyse zu dem Thema “Die Partei, äh, die (angeblich) Guten (aber in Wahrheit Böswilligen) haben immer Recht”, die ich je gelesen habe.

    Zitat: “Ein Land, dessen Repräsentanten in Politik und Medien sich diese Art der Gesprächssimulation an- und jede Dialektik abgewöhnt haben, kann sich selbst beim Dümmerwerden zuschauen.” Zitatende.

    Stichwort DÜMMERWERDEN. Das ist wohl das Schicksal Deutschlands. In so gut wie jeder Entscheidung der Regierung kann man das Dümmerwerden fast mit Händen greifen. Irgendein Systemwechsel scheint da im Gange zu sein.

    Wer, wie die Regierung und die Regierungspresse/TV , die Mehrheit der Bürger für nicht satisfaktionsfähig hält, ist wohl selbst nicht bis zur Verantwortungsfähigkeit eines erwachsenen Menschen herangereift.

    • anders
      22. Mai, 2020

      Volle Übereinstimmung mit Ihrem Kommentar und mit den Ausführungen von Herrn Wendt. Besser geht nicht.

      • J
        27. Mai, 2020

        Nun ja also was Lutz Bachmann betrifft: Im Gegenteil, der wirkt wie ein praktischer, bodenstaendiger Typ mit dem man gerne mal ein Bier trinkt und der keine Diskussion mit einem dieser Informationsoffiziere von Spiegel&Konsorten zu scheuen braucht.
        Ansonsten guter Artikel!

    • Schulterzucker
      22. Mai, 2020

      Die ganz überwiegende Mehrheit der Bürger Deutschlands wählt aber diese Volksvertreter in freien Wahlen und befürwortet diesen Kurs ganz klar. Informieren kann sich heutzutage jeder. Es ist der freie Wille und die freie Entscheidung eines jeden Bürgers, entweder träge und desinteressiert sich berieseln zu lassen oder kritisch und wißbegierig sich selbst kundig zu machen. Der von Ihnen angesprochene “Systemwechsel”, der von den überwiegend Deutschen in freien Wahlen gewählt wird, ist in meinen Augen Ausdruck einer Art Degeneration oder Regression. Entscheidend sind für die Meisten heute Essen, Bier/Wein, Händi und Glotze. Die Mehrheit der Bürger in D ist womöglich gar nicht satisfaktionsfähig bzw. will es nicht sein.

  • Peter Thomas
    21. Mai, 2020

    Zwei Dinge löste der Artikel bei mir aus: erstens inhaltliche Zustimmung, zweitens eine ziemlich resignative Gemütsverfassung. Orwell, Orwell, immer wieder Orwell! Und die GröKaze haben dazugelernt: Sie schenken dem Volk das Debattensurrogat, auch Freiemeinungssurrogat genannt oder Pluralitätssurrogat. Ihr größtes Geschenk aber ist noch unfertig, wiewohl nicht mehr lang: das totale Demokratiesurrogat. Anläßlich seiner Vollendung – vielleicht 2021? – wird Berlin in “Sonnenglücksstadt” umbenannt werden und jedes “Mensch” wird auf der Stirn das GröKazsche Brandzeichen tragen: “Freiheit ist Sklaverei!”. Und die Massen werden jubeln und die Ungezogenen werden sich in den Wäldern verschämt aufhängen.

  • Andreas Rochow
    21. Mai, 2020

    Ich schweife ab und greife zu einer aktuellen Analogie: Die Journalistin Monica Lierhaus hat kürzlich berichtet, dass ihr Neurochirurgen zur Operation eines Aneurysmas an einem Hirngefäß rieten, andernfalls könne sie jederzeit “plötzlich tot umfallen”. Dass die “erfolgreiche” Operationen auch, wie in ihrem Fall, irreversible psychophysische Störungen hinterlassen könnte, geriet bei einer solchen Todeswarnung aus dem Blick. Lierhaus würde heute anders entscheiden. – Die Merkelregierung war von Beginn der Corona-Epidemie an gar nicht in der Lage und nicht Willens, verantwortungsethisch zu entscheiden. Sie betrieb Panikmache, während das Machbare unterblieb oder zu spät kam. Globalistische Oligarchen und undemokratische Organisationen mit einem ungebremsten Hang zur Ergreifung der Weltmacht übernahmen die Führung, indem sie willige “Experten” und Medien kauften. Bill Gates schaffte es bis zu einem 7-Minuten-Interview in der Tagesschau. – Schon heute steht fest: Der Globalismus und übernationale Machtgremien sind krachend gescheitert und haben der Welt einen unermesslichen Schaden zugefügt. Jetzt verlangen sie Geld für diese Großtat und wieder wird kein amtierender Politiker zur Verantwortung gezogen. Gates und Konsorten sollten ihre Stiftung schließen und einfach mal Steuern zahlen.

  • Tabascoman
    21. Mai, 2020

    Warum gab es Null Aktivitäten der Politiker bei der Grippewelle 2017/2018? Diese war wesentlich heftiger als jetzt wegen der jetzigen Mutation des Coronavirus trompetet wird?

    Diese Frage ist nicht rhetorisch, ich will es wirklich von den Politikern wissen.

    Bisher meine ich:
    Damals wurde (weshalb eigentlich?) Klima-Glücksbrei gekocht.
    Aus Suppensteinen und Schneebällen.

  • L´Epouvantail du Neckar
    21. Mai, 2020

    Donnerwetter, eine wahre Fleißarbeit!

    Aber: “Auch die Zuarbeiten seiner akademischen Helfer könnten sich bis Ende des Jahres an der einen oder anderen Stelle als ungenau oder inkorrekt herausstellen….”

    Ich schätze einmal, dass sich am “Ende des Jahres die eine oder andere sich als inkorrekt herausgestellte Stelle …” nur noch geringe Relevanz haben wird. Dann werden nicht mehr überwiegend Linke auf den Straßen sein sondern die Lockdown-Geschädigten. Und unsere “Reichswehr” der Notstandsgesetzgebung liegt ja vor Kabul und im roten Staub von Mali auf heia Safari-Wacht.

  • heimatloser
    21. Mai, 2020

    Kann vielem zustimmen, aber zu Ionnanidis ein kluges Wort von Marc Lipsitch, Harvard-Epidemiologe heute bei twitter: “It’s getting increasingly hard to take John Ioannidis’s “let’s keep to the science” line seriously. My postdoc advisor Bruce Levin said “What distinguishes science from the rest of academia is that in science, you can’t predict the conclusion from the name of the author.”“

  • Wolfgang Illauer
    21. Mai, 2020

    Wie immer ein glänzender Artikel!
    Kleine Ergänzung: Ich grüble über ein Geheimnis nach!
    Fachwissenschaftler haben zu Corona die verschiedensten Meinungen und Einschätzungen. Auf der einen Seite z.B. ein Drosten, ein Wieler, ein Lauterbach – auf der anderen Seite z.B. ein Ioannidis, ein Sucharit Bhakdi, ein Streeck.
    Wie sind denn nun, und darüber grüble ich nach, unsere Regierungspolitiker, unwissende medizinische Laien, in der Lage, sich in einem fachwissenschaftlichen Streit zu positionieren und sicher zu entscheiden, welche Wissenschaftler recht haben und welche sich irren, welche wissenschaftliche Richtung also zur Grundlage des politischen Handelns gemacht werden muß? Das kann doch kein Laie! Das kann doch eigentlich nur ein Fachwissenschaftler, der seine Kollegen an Wissen und Erfahrung weit, weit überragt! Nur er kann sagen: Ihr habt recht, ihr habt unrecht, ihr habt nur zum Teil recht.
    Ich veranschauliche meine Aussage mit einer Analogie: Unsere Regierenden verhalten sich wie einer, der von der lateinischen Sprache nicht die geringste Ahnung hat, der aber die Frechheit besitzt, eine bestimmte deutsche Übersetzung aus einem schwierigen lateinischen Schriftsteller für richtig zu halten und eine davon abweichende Übersetzung für falsch.
    Regierung und Medien haben sich für Drosten, Wieler, Lauterbach entschieden! Warum?
    Sind es die besseren Rhetoriker? Können sie ihre Sicht besser erklären? Wirken sie sympathischer auf unsere regierenden Laien? Oder sind düstere Botschaften überzeugender? Haben Merkel und Söder Angst bekommen und fühlen in sich die Verpflichtung, mit radikalen Maßnahmen eine Katastrophe abzuwenden? Haben sie aber dabei die immensen Kollateralschäden ihrer radikalen Maßnahmen bedacht und sorgfältig abgewogen?
    Auf mein Grübeln finde ich keine Antwort. Gern würde ich Merkel und Söder fragen: Warum habt ihr nicht wenigstens einen Mittelweg gewählt und mit weniger radikalen Maßnahmen auch die Position eines Bhakdi berücksichtigt?

    • Gerhard Sauer
      23. Mai, 2020

      Am Morgen des 30. April 1945 sagte Hitler zu Göbbels: „Es war doch ein Fehler, alles vom Ende her zu denken. Besser wäre gewesen, vor dem Krieg eine Analyse über seine Folgen zu machen. Das haben wir versäumt und sind so in den Schlamassel hineingerutscht. Diesen Fehler mache ich nicht noch einmal.“

      Was es bedeutet, wenn jemand alles vom Ende her denkt, siehe den Kommentar zu einer Karikatur von Herrn Zeller vom 4. Mai.

    • asisi1
      24. Mai, 2020

      Ich war 45 Jahre im Gesundheitswesen, selbstständig tätig!
      Wir hatten in diesen Jahren keinen, ich betone keinen Gesundheitsminister der von der Materie wenigstens ein bisschen Ahnung hatte. Ein funktionierendes System wurde durch mafiöse Strukturen, mit Hilfe von Politikern , gekapert. Gesunde und natürliche Heilweisen wurden zu Gunsten der Pharma abgeschafft. Es geht heute nicht mehr darum, den Menschen gesund zu erhalten, sondern krank zu machen und in diesem Zustand zu halten!

  • Christoph Nielen
    21. Mai, 2020

    Merci Herr Wendt,

    Sehr prägnante Zusammenfassung des Problemes.
    Das wäre mal die Grundlage für eine neue öffentliche Diskussion.
    Gibt es denn nicht die Möglichkeit, im Geiste dieses Artikels ein paar Köpfe der etablierten Eliten, die noch ein wenig Restmut und Tapferkeit behalten haben, an den Tisch zu holen und die Diskussion neu zu beginnen ?
    ……oder hat die exzellente Scheurebe gerade meine Tastatur geführt ?

  • LorettA
    21. Mai, 2020

    DANKE! oft genug habe ich das Gefühl im immer giftiger werdenden Wackelpudding des pc festzustecken wie das ganze Land und immer wieder treffe ich liebenswerte Menschen die sofort in “Achtung Feind- Bereitschaft” gehen wenn man ein Signal gibt, dass man zu den Zweiflern ( = Leugnern) gehört – dieser Artikel hilft zu verstehen, was hier läuft und es tröstet, kluge unverblümte Worte zu lesen. Meine Hoffnung ist, dass die vielen wirtschaftlich geschädigten, teils ruinierten Unternehmermenschen als Selberdenker Macher und Selbstverantwortliche – jetzt zwangsweise Motivation und Zeit haben, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen und Antworten fordern, so dass am Ende doch die Schein-Debattierer gezwunden sind, Farbe zu bekennen. Wenn nicht, fürchte ich werden viele von diesen Unternehmern, Selbstständigen, Leistungsbereiten sich dagegen entscheiden, in diesem Staat weiterzumachen.

    • Hans-Hasso Stamer
      22. Mai, 2020

      Sie haben ja recht, die Unternehmer, Selbstständigen, Leistungsbereiten sind der Motor dieses Landes. Aber sie werden in 🇩🇪 regelrecht herausgedrängt, demotiviert, behindert, verlacht, verleumdet. Stattdessen haben die gut vernetzten Schwätzer die Macht übernommen. Der Motor wird abgewürgt.

  • Lothar Rumold
    21. Mai, 2020

    In “Niels Lyhne”, einem 1880 erschienenen Roman des dänischen Schriftstellers Jens Peter Jacobsen (1847-1885), sagt ein gewisser Hjerrild im Laufe eines heiligabendlichen Dialogs über Gott, den Atheismus und die Welt: “Eine Opposition soll nicht erwarten, um dessentwillen angegriffen zu werden, was sie wirklich ist und will, sondern um dessentwegen, was die Macht glauben [machen – L. R.] will, daß sie ist und bezweckt; und außerdem, die Macht, dem Schwächeren gegenüber angewandt, und der Mißbrauch der Macht, wie sollen das zwei verschiedene Dinge werden? Und da ist doch wohl keiner, der verlangen will, daß die Macht sich selbst schwach stellen soll, um mit gleichen Waffen gegen die Opposition kämpfen zu können.”

  • Wanninger
    22. Mai, 2020

    Der offene Dialog mit den Bürgern, nicht nur eine Simulation davon, ist das gemeinsame Problem von Politik und Medien. Politiker, die den direkten Dialog suchen wie Kretschmer, sind verdächtig. Er trägt nicht einmal eine Maske und hält den Mindestabstand nicht ein. Allein damit hat er sich disqualifiziert, obwohl er eigentlich eine gute Erklärung dafür lieferte. Merkels Kommunikationsverhalten ist prägend. Wird es brisant, taucht sie fast immer ab und äußert sich dann viel zu spät. Sie verweigert Kommunikation. Im jetzigen Stadium der Pandemie ist es vielleicht noch zu früh, den Lockdown als Fehler zu sehen; siehe UK und USA. Das Problem, der Unwille sich mit abweichenden, nicht genehmen Meinungen auseinanderzusetzen, ist ja auch schon viel länger zu beobachten. Die Medien (Print, TV+Radio) haben immer noch keine Antwort auf die Herausforderungen des Internets gefunden, außer dass sie selbst Webseiten betreiben und Inhalte ins Netz stellen. Sie sind immer noch verunsichert, weil sie ihren vormaligen Einfluss verloren haben. Deswegen verunglimpfen sie alle, die sich alternative Infoquellen im Netz suchen. Als Schüler in der noch jungen BRD hatten wir Lehrer, die dankbar für Widerspruch waren. Man fühlte sich ernst genommen. Man hatte eine Recht auf eine eigene, auch abweichende Meinung. Eine zutiefst demokratische Erfahrung!

  • Jan
    22. Mai, 2020

    Wie immer brillant… Es gibt derzeit in Deutschland niemanden, der die Schwaechen des medial tonangebenden Milieus stilistisch eleganter und in der Sache konzentrierter dekuvriert. Ohne Ihre kluge und differenzierte Arbeit waere ich aermer.

  • Werner Klemperer
    22. Mai, 2020

    Ich wünschte, ich könnte mich so präzise ausdrücken. Danke

  • Jürg Rückert
    22. Mai, 2020

    Unsere praktizierte Demokratieform hat zu einer negativen Selektion (im Sinne Darwins!) unter den “gesellschaftlich relevanten Kräften” geführt.
    Opportunismus als Grundlage staatlichen Handelns ist inzwischen so breit gestreut und so verheerend wirksam wie Korruption in Afrika.
    Beispielhaft steht für mich in jüngster Zeit Herr Seehofer, der Merkels Migrationspolitik geißelte, dann aber eine Wende um 180° vollzog, als er sich auf verlorenem Posten sah. Macht bricht Charakter.

    Zunächst wurde die Seuche lässig unterschätzt. Dann brach Panik aus: Jeder da oben hatte Angst vom Mob gelyncht zu werden, da man ihm Todesfälle anrechnen könnte. Dafür war man bereit (rette sich wer kann), das Gemeinwesen an die Wand zu fahren. Das Motto des Regierungsschwarmes: “Just us!” Wir zuerst, das Land zuletzt! So wirft die Merkel jetzt mit Golddukaten um sich, um noch einige Monate länger Kanzler sein zu dürfen. Bereits ohne die Seuche war das Ende der EU absehbar. Jetzt geht es rasch.
    (Merkel hat eine Delegation nach Delfi geschickt, um sich ihren Endsieg bestätigen zu lassen. “Ihr müsst dran glauben!”, orakelte die Phytia.)
    Aber es liegen genügend Anwärter auf der Lauer, um das Erbe des Chaos antreten zu können. Die alte Welt soll aus den Angeln gehoben werden, Corona macht es möglich – Aluhüte werden wahr:
    George Soros: We’re now in a ‘revolutionary moment’ that allows us to achieve the ‘inconceivable’
    (https://www.lifesitenews.com vom 15.05.20)
    Diese Pandemie wird die Weltordnung für immer verändern – H. Kissinger Anfang April.

  • Jürg Rückert
    22. Mai, 2020

    Der Aluhut der Woche: Land ohne Rassismus
    Zwei treffen sich.”He, Eskimo”, sagt der eine. “He, Neger” antwortet der andere. Sofort springt ein Schrumpfgermane aus der Hecke, zeigt seinen Antifaausweis vor, hält eine Moralpredigt wie vorkonziliare Pastoren in der Fastenzeit, greift die Haut-Chips der Sünder mit seinem Huawei ab, sendet negative Sozialpunkte nach Flensburg.
    Wir haben uns im Griff! Wir sind nämlich die Guten.

  • Hans-Hasso Stamer
    22. Mai, 2020

    ich bin jetzt seit 30 Jahren Bürger der Bundesrepublik Deutschland, vorher war ich 40 Jahre lang Bürger der DDR. In der DDR gab es keine Diskussionen zur Sache. Umso größer war mein Erstaunen, dass es die auch in der Bundesrepublik nicht gibt. Man arbeitet nur noch mit Skandalisierung.
    Nicht nur von Boris Palmer wurde ein Satz entstellt, man hat das auch mit vielen anderen Leuten durchexerziert. Björn Höcke zum Beispiel. Man brauchte einen Rechtsaußen, und dessen blumig-literarischer Stil erwies sich als ertragreich, ihn umzulügen. Diese Aufgabe übernahm ein Aktivist namens Andreas Kemper in einem Aufsatz, der Karriere machte.

    Wikipedia lügt, sie und alle andern von Zeit bis Spiegel haben von Andreas Kemper abgeschrieben:

    https://aktuellezeitkultur.wordpress.com/2020/02/09/wikipedias-luege/

    Ich bin überzeugt: kein einziger Mensch in diesem Land könnte die Frage beantworten, was an den Positionen dieses Mannes rechtsextrem sei. Weil sie nirgends diskutiert wurden. Und dies ist nur ein einziges Beispiel. In seinem Buch jedenfalls finden sich weder faschistische noch rechtsextreme Überzeugungen.

    Aber letztendlich ist es auch egal. Die Linken haben diese Republik infiltriert, paralysiert und übernehmen jetzt Stück für Stück die Macht. Wenn wir schreiten Seit an Seit, vom Verfassungsgericht über Stiftungen, Medien, NGOs bis in die Regierung, neuerdings sogar den VS und die Polizei, man hätte es wissen können. Und müssen. Aber die, die es noch wussten und sich dafür interessierten, sind inzwischen gestorben. Das wird ein bitteres Erwachen geben, wenn man den Motor, der Deutschland international konkurrenzfähig gemacht hat, endgültig abgewürgt hat.

    Wie weit die Macht der Linken inzwischen reicht, erkennt man doch an den Kotaus von VW und Siemens gegenüber den heißlaufenden Zeitgeistkämpfern “gegen rechts”.

  • Trebon
    23. Mai, 2020

    Wer die Hetze und den Dreck der Medien heute noch konsumiert ist für mich ein Fall für die Psychiatrie. Diese endlose Kette an Lügen, Falschdarstellungen und offenen Manipulation kann nur ein Mensch ertragen der komplett gehirngewaschen wurde.

    Das Ergebnis ist hier wunderbar zu beobachten. Der Mist wird auch noch diskutiert.
    Ja dafür wird er doch produziert, um den ach so kritischen Teil der Konsumenten dieses Mülls bei der Stange zu halten.

    Wer das macht ist für mich nur ein Mitläufer der sein Gehirn – frei nach Einstein- nur dazu bekommen hat in Reih und Glied zu marschieren. Ab jetzt in den Abgrund, aber “kritisch” natürlich.

    Worauf wartet ihr als nächstes? Auf eine Hungersnot, Energieknappheit, Megainflation, Aufstände oder alles auf einmal? Der III Weltkrieg kommt in die heiße Phase. Nachdem es mit Krieg gegen Russland nicht geklappt hat, die Flüchtlingsarmeen infiltriert sind und die Infrastruktur mit dem CO2 Schwachsinn maximal geschädigt wurde kommt jetzt die heiße Phase. Hier wird dann diskutiert was irgendein Staatsknecht gelabert hat und ob er vorher das Gegenteil abgelassen hat.

    Wie kann man nur so blind sein?

  • Werner Wirbel
    23. Mai, 2020

    Ein großartiger Beitrag. So stelle ich mir Qualitätsjournalismus (ohne Anführungszeichen) vor. Die Artikel von Alexander Wendt sind einfach top!

  • caruso
    23. Mai, 2020

    Aus Versehen erst jetzt gelesen. Ein ganz großartiger Bericht über D und seine fast totale Verrücktheit. Wo Formalien wichtiger sind als der Inhalt. Wo die Regierung sich einbildet, in medizinischen Dingen besser orientiert zu sein als eine Menge Fachleute usw., usf. Und das große Publikum, blöd wie es ist, applaudiert noch.
    Wo wird dieses Land enden, wenn es so weitergeht? Das ist die Frage. Wo man vernünftige Meinungen nicht wirklich anhört, sondern den Sachverhalt außer Acht läßt und auf Nebengleisen schiebt. Auf die sogenannte Moral. Wenn das Moral sein soll, was die Regierung und die Medien vertreten, kann ich nur sagen, auf so eine Moral sch**** ich.
    lg
    caruso

  • Peter Paul
    24. Mai, 2020

    Ein Artikel, den man sich einrahmen sollte, oder noch besser, den man als Unterrichtsmaterial in einer gymnasialen Oberstufe verwenden sollte. Und dann mal feste diskutieren, pro und contra. Apropos: Wird heutzutage eigentlich noch diskutiert in den Schulen oder nur noch diktiert?
    Einziger kleiner Kritikpunkt: “Auch ein 57-jähriger linkischer Oberregierungsrat mit Halbglatze…” Das ist unter der Gürtellinie und weit unter dem Niveau von Herrn Wendt.

  • Jörg Plath
    24. Mai, 2020

    Die Frage ist doch, warum das alles so funktioniert. Es kann nur funktionieren, weil ein Großteil der Bevölkerung sich verblöden lässt und auf die Techniken der Verkürzung, Weglassung, Diffamierung, Diskursverweigerung etc. bereitwillig hereinfällt. Erschreckend ist also aus meiner Sicht die große Dummheit und das Mitläufertum der Masse.

  • Jochen Schmidt
    25. Mai, 2020

    Überzeugende Analyse – danke hierfür!

  • Heike Richter
    26. Mai, 2020

    Sehr geehrter Herr Wendt,
    zum Thema Pegida und Herrn Bachmann, dieser hat nie behauptet klüger zu sein als seine Diffamanten, er verbirgt auch nicht seine Kleinganovenvergangenheit. Mit seinen paar Leuten hat er wenigstens trotz Diffamierung, den Zerstörungswillen unserer Nation durch unsere sogenannten Eliten und bei jeder Pegidaversammlung wird mehr als nur das Migrantenmissmanagement der Regierung, kritisiert. Wo waren denn all die heutigen Kritiker, haben diese irgendeine öffentliche Kundgebung oder Demo organisiert? Sogar die sogenannte Spaziergänge, die jetzt schon zu verbotenen Demos erklärt werden und heute in vielen Städten gegen diese “Verbotsorgien” im Rahmen der Coronapandemie durchgeführt werden, wurden von Pegida verbal angestoßen. Schauen sie mal wieder rein in die Montagsspaziergänge, diese finden immer noch in Dresden statt.

    Ihre Meinung dazu

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.