Moralpolitiker zeichnen sich dadurch aus, dass sie Missstände für „komplex“ und faktisch unlösbar erklären. Macht sich dann doch jemand an eine Lösung, fällt sie grob aus – in Trumps USA, demnächst vielleicht auch hier


von Dirk Schwarzenberg

Manche Texte erhellen den Debattenraum so brillant, dass man nicht umhinkommt, sie ausführlicher zu zitieren. Der amerikanische Dramatiker und Drehbuchautor David Mamet versuchte sich Ende 2025 in einem Text für die Weltwoche an einer Erklärung der Wahlerfolge Donald Trumps – und der Frage, warum dieser nicht konservative, sondern disruptive Politiker einen derart erbitterten, geradezu weißglühenden Hass der linksliberalen Funktionselite auf sich zieht.

Mamets Antwort reicht weit über das Phänomen Trump hinaus. Der Republikaner, so lautet die Kurzfassung, habe das über lange Zeit herrschende System der Gesellschaftsklempner, Gremiengrößen, Universalexperten und Zustandsverwalter zwar nicht beseitigt, aber gründlich demoliert, das „komplizierte Gebilde aus Jargon und Komitees“ (Mamet), dessen Praxis darin besteht, alle wesentlichen Probleme der Gesellschaft für „komplex“ zu erklären, was in ihrer Sprache bedeutet: nicht lösbar. Damit entziehen sie diese Probleme erstens der öffentlichen Debatte, um sie zweitens dauerhaft zu verwalten. Diese Problemverwaltung, so Mamet, müsse man nicht in erster Linie als politisch gewollte Verdrängung betrachten, sondern vor allem als überaus lukratives Geschäftsmodell für die Verwalter.

„Das Problem ist nie die Sache selber“, heißt es in seinem Essay, „sondern der Umgang mit ihr: Man braucht keinen Damm; man braucht ein ämterübergreifendes strategisches Wasserressourcenaufsichtsgremium. Man braucht keine Polizisten, man braucht eine Initiative für Gemeinschaftssicherheit und holistische Wellness. Die konkrete Realität wird aufgelöst und ersetzt durch eine Abstraktion; und dank dieser Abstraktion gibt es Arbeitsstellen, fließen Stipendien, häuft sich Macht an. Das ist eine Industrie, die auf der bewussten und profitablen Vernebelung des Offensichtlichen beruht. Für die Priesterschaft der Experten muss jede Lösung drei neue Probleme generieren, von denen jedes eine zusätzliche Schicht administrativer Überwachung, mehr Sitzungen und einen neuen Satz Akronyme benötigt. Ihr wahres Ziel ist nicht die Bewältigung der Krise, sondern die Krise zu ihrer permanenten Heimadresse zu machen.“

Unter diesen geschilderten Bedingungen vermehren sich Probleme nach dem Prinzip der Zellteilung – und mit ihnen die Posten und Budgets der Problemverwalter. Um diesen Prozess nicht zu stören, müssen die Perpetuierungsexperten Krisen und Missstände zwangsläufig für „komplex“ erklären – was nichts anderes als den Hinweis an Normalbürger bedeutet, dass sie schon am Problemverständnis scheitern und die Angelegenheit deshalb besser der Priesterschaft überlassen sollten. Und zweitens, dass es „keine einfachen Antworten“ gibt. Heißt: Alle Maßnahmen, die ein Krisensymptom ernsthaft mildern oder sogar beseitigen könnten, scheiden von vornherein aus der Debatte aus. Mamet unterscheidet zwischen „der Sprache der Arbeit und der Sprache des Geschwätzes“, die einander entgegengesetzte Welten hervorbringen, nämlich die Sphäre der Produktion und die der Administration: „Der Schweißer, der Bauer, der Lastwagenfahrer funktionieren nach dem Prinzip des Machens. Sie sind notwendig, aber sie sind auch unangenehm körperlich. Die Menschen von der Administration, der Analyst, die Diversitätsbeauftragte, der Stipendienvergeber funktionieren nach dem Prinzip des Verwaltens. Sie sind abstrakt, und ihr Wert bemisst sich nach der Schwierigkeit ihrer Sprache und der Unsichtbarkeit ihrer Arbeit.“
Die Beschäftigten aus dem Bereich der Produzenten, so die These, schickten Trump zweimal ins Amt, um sich erstens überhaupt bemerkbar zu machen, und zweitens, um die Glasglocke zu zertrümmern, mit der sich die administrative Klasse lange gegen alle Fragen und sonstige Widrigkeiten abschirmte. Für diese Aufgabe sei Trump eben wegen seines Naturells hervorragend geeignet: „Die notwendige Zerstörung der Autorität der Verwalterklasse erforderte ein Werkzeug, das ebenso grobschlächtig und kompromisslos war.“

Mamet schrieb das später verfilmte Bühnenstück „Glengarry Glen Ross“, die Drehbücher für „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, „Die Unbestechlichen“, „Hannibal“ und „Wag the Dog“. Für den Thriller „Haus der Spiele“ (“House of Games“) schrieb er nicht nur das Skript, sondern führte auch Regie. Mit seinem Buch „The Disenlightenment“ (HarperCollins, 2025) bewies der heute 77-Jährige, dass er nach wie vor zu den scharfsinnigsten Köpfen Amerikas zählt. Sein Befund geht, wie schon erwähnt, weit über die USA und das Phänomen Trump hinaus. Der Gegensatz zwischen den Wertschöpfern und der chattering class beherrscht fast alle westlichen Länder. Überall besteht der nahezu einzige Beitrag der Berufspolitiker, Agendawissenschaftler und Einordner zu den zentralen Themen wie erwähnt in der Feststellung, das Problem sei eben komplex und der Parole, es gebe keine einfachen Antworten. Übrigens handelt es sich gerade bei diesen Formeln um intellektuell außerordentlich schlichte und banale Aussagen, die man im Sinn ihrer Anspruchslosigkeit auch einfach nennen könnte.

Allerdings fällt hier ein zentrales Phänomen auf: Als unlösbar beschreiben Politiker ausschließlich Probleme, die sie nicht lösen wollen; als in einfacher Weise unbeantwortbar nur Fragen, zu deren Beantwortung sie keine Lust verspüren. In anderen Fällen greifen die gleichen Mandatsträger und Rechtfertiger geradewegs zu der allereinfachsten Lösung. Auf jeden neuen politischen Ausgabenwunsch lautet die Antwort beispielsweise: entweder Steuererhöhung oder mehr Schulden, idealerweise beides. Und niemals: Lässt sich die Ausgabe wirklich durch einen wahrscheinlichen Nutzen rechtfertigen? Und falls ja: Was sollten wir dafür an anderer Stelle streichen? Auch um die feine Dialektik, nur ganz bestimmte Fragen unter den Schutz der Unlösbarkeit zu stellen, und andere wiederum nach ihren Maßstäben so bequem wie möglich zu lösen, soll es in diesem Text gehen.

Aber zunächst muss etwas Spracharchäologie sein. Wann kam dieses „Es gibt keine einfachen Antworten.“ eigentlich auf? Der eine oder andere Politiker benutzte die Formulierung möglicherweise schon in früheren Zeiten. Aber erst seit Merkels Grenzöffnung 2015 und den Folgen erlebte sie eine wirkliche Konjunktur. In Merkels Erklärung einen Tag nach dem Attentat vom Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 durch den algerischen Islamisten Anis Amri (12 Tote, 170 teilweise schwer Verletzte) sagte die damalige Kanzlerin: „Millionen von Menschen, auch ich, fragen sich heute Morgen: Wie können wir damit leben, dass beim unbeschwerten Bummeln über einen Weihnachtsmarkt, also an einem Ort, an dem wir das Leben feiern, ein Mörder so vielen den Tod bringt? Eine einfache Antwort darauf habe auch ich nicht.“

Es fällt erstens auf, wie sie, die rundum abgesicherte Politikerin, sich kontrafaktisch auf eine Stufe mit Normalbürgern stellt: Millionen Weihnachtsmarktbummler, auch ich. Um dann – irgendwie auch aus der Position der ohnmächtigen Bürgerin – nachzuschieben: Tja, was kann man schon groß machen? Darauf hätte es eine gar nicht so schwierige Antwort gegeben. Beispielsweise: Wir beenden ab sofort den Einlass aller beliebigen Personen nach Deutschland, überprüfen Migranten schon an der EU-Außengrenze und erlauben nur tatsächlich politisch Verfolgten die Weiterreise. Und schieben außerdem konsequent alle nichtdeutschen Straftäter und Terrorverdächtigen in ihre Herkunftsländer ab. Zu diesem Zweck setzen wir auch Druckmittel ein, wenn Staaten sich weigern sollten, ihre Bürger zurückzunehmen.

Dadurch wäre zwar keine absolute Garantie für die Vermeidung weiterer Anschläge entstanden (die allerdings sowieso niemand erwartet); derartige Maßnahmen hätten allerdings die Anschläge von Ansbach, Brokstedt, Dresden, Solingen und viele andere wahrscheinlich verhindern können. Natürlich gibt es keine absolute Sicherheit (auch ein typischer Plappertextbaustein), wohl aber vernünftige Sicherheitsmaßnahmen. Politiker wissen schließlich, dass auch sie Opfer von Attentätern werden können, trotzdem kämen sie nicht auf die Idee, auf Leibwächter und Panzerlimousinen mit dem Argument zu verzichten, dass es sowieso keinen hundertprozentigen Schutz gibt.

Im selben Jahr, also 2016, verwendete der damalige SPD-Vizechef Ralf Stegner in einem Deutschlandfunk-Interview das Argumentarium in seiner ganzen Breite. Es ging um den Vorschlag der CDU-Politikerin Julia Klöckner, die hereinströmenden Asylantragsteller erst einmal gesammelt zu erfassen, und erst dann auf die Kommunen zu verteilen, um Vielfachidentitäten (wie bei Anis Amri) zu verhindern.

Stegner erklärte: „Aber es gibt keine einfachen Antworten, wo man den Menschen suggeriert, wir haben jetzt einen Schalter, den drehen wir um und dann klappt das.“ Dann folgte eine normative Einordnung, die bis heute gilt, und zwar auf die Frage des Moderators: „Was tun wir, um diese hohen Flüchtlingszahlen einigermaßen in den Griff zu bekommen, sie möglicherweise abzusenken. Darüber will die SPD gar nicht nachdenken?“
Stegner: „Das stimmt überhaupt nicht. Das tun wir. Aber die Antworten sind eben nicht einfach. Schauen Sie, wer einfache Antworten gibt, der kann gleich zu den Rechtsradikalen gehen.“
Bestimmte Möglichkeiten sollen also gar nicht erst zur Debatte stehen. Wer sie trotzdem anführt, gesellt sich automatisch zu den politisch Unberührbaren. Als einzig möglichen Weg, mit dem Zustrom nach Deutschland umzugehen, akzeptierte der SPD-Politiker die Forderung nach mehr Sprachlehrern, Betreuern, Sozialarbeitern: „Das braucht Konzepte, das braucht Geld, das braucht Stellen.“ So, als hätte er damals schon Mamets Text von 2025 gelesen.

Die Bundeszentrale für Politische Bildung definiert das Übel der einfachen Antworten folgendermaßen:
„Der Begriff kommt vom lateinischen Wort ‚populus‘, das heißt auf Deutsch ‚das Volk‘ oder ‚die Leute‘. Populisten und Populistinnen sind Menschen, die von sich behaupten, dass nur sie für das ganze Volk sprechen können und auch nur sie das Volk vertreten. Dabei schüren sie Ängste und Vorurteile. Populisten und Populistinnen tun so, als gebe es selbst für sehr schwierige Probleme immer ganz einfache Antworten und Lösungen. Gerade bei schwierigen Problemen ist es aber wichtig, sich genau zu informieren, zu beraten und demokratische Lösungen zu finden.“

Problemlösungen sind demnach entweder einfach oder demokratisch, aber nie beides. Außerdem tapert auch hier wieder der Strohmann des Populisten durchs Bild, der sich zum Sprecher für das Ganze aufschwingt. Welcher Linksparteipolitiker behauptet, auch für alle AfD-Wähler zu sprechen? Welcher AfD-Vertreter erklärt sich eigentlich zum Sprachrohr für alle Bewohner Kreuzbergs? Und welcher Grünen-Vertreter für Arbeitnehmer in der fossilen Industrie?

Die Politikwissenschaftlerin und Professorin an der Bundeswehruniversität München, Hedwig Richter, erklärt kurzerhand einfache Antworten per se für falsch („die werden keine Lösung sein“), und zwar mit der Begründung, dass sie von Populisten stammen, die man wiederum daran erkennt, dass sie einfache Antworten geben. „Demokratische Parteien“, so Richter, müssten noch viel besser erklären: „Was sind die Probleme?“ Ohne diese Erklärung wüssten das die Menschen da draußen nämlich nicht, beziehungsweise sie kaprizierten sich auf die falschen Probleme, die dann ganz zwangsläufig zu den falschen Antworten führten.

„Migration ist nicht das zentrale Thema“, erklärte beispielsweise der frühere Bundespräsident Christian Wulff 2025 in einem Podcast. „Die Migration ist nicht das entscheidende Problem“, wusste der unlängst verstorbene Bundesinnenminister a. D. Gerhart Baum in der Zeit. Kürzlich appellierte der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter bei „Markus Lanz“ noch einmal, das „Hauptthema ist nicht Migration“.

Auf Wulff, Baum, Kiesewetter, Lanz und auch Richter trifft es zweifellos zu, dass sie privat wenig bis nichts von der real existierenden Migrationspolitik zu spüren bekommen. Wenn dank staatlicher Apanagen Privilegierte den Nichtprivilegierten erläutern: „Was für uns kein Problem darstellt, sollte euch auch nicht kümmern.“ Dann kann man das eine sehr einfache und obendrein dreiste Antwort nennen.

Die drei Sprechhaltungen bilden zusammen ein rhetorisches Bermudadreieck, in dem die Realität einfach verschwindet: Erstens ist ein Problem gar kein Problem oder jedenfalls heillos übertrieben. Kommt man trotz Kleinredens nicht umhin, die Existenz eines Problems anzuerkennen, erklärt man es für faktisch unlösbar („komplex“). Und zwar dadurch, dass drittens alles, was tatsächlich zu einer Verbesserung beitragen würde, für die chattering class von vornherein ausscheidet („populistisch“). Es gibt noch eine Spezialform der Dasistsokomplexologie: Manche Politiker argumentieren ganz direkt mit ihrer Inkompetenz. Etwa diese Vertreterin der Grünen, die hier in etwa vier Sekunden ihr Verständnis der deutschen Energiewende zusammenfasst. Merkel, die Mutter aller „Es-gibt-keine-einfachen-Antworten“-Deklarationen, konnte in ihrer Amtszeit übrigens außerordentlich einfache Antworten produzieren.

Als im März 2011 ein Tsunami das Atomkraftwerk Fukushima traf (Null Strahlentote) und die Landtagswahl in Baden-Württemberg für die CDU auf der Kippe stand, beschloss die Kanzlerin bekanntlich, aus der sicheren deutschen Kernkraft auszusteigen. Was hätte einfacher, simpler, anspruchsloser sein können? Übrigens auch nutzloser, denn die CDU verlor die Wahl ja trotzdem. Als Merkel im August 2015 unter dem propagandistischen Druck von Kirchen, NGOs, Medien und linken Parteien stand, entschied sie, die Grenzen einfach für alle zu öffnen, die nach Deutschland wollten („Sie können die Grenzen nicht schließen.“). Einfacher ging es nun wirklich nicht, als passiv-progressiv den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen. Die absehbaren Folgen fielen dann zwar komplex aus, aber nicht kompliziert. Es gibt also gute und schlechte einfache Antworten, je nachdem, worum es gerade geht. Und sogar in Abhängigkeit davon, wer sie erteilt – selbst dann, wenn es sich um die gleiche Antwort handelt.

Das lässt sich gerade in den USA und der Reaktion in Deutschland an dem erbitterten Streit um Abschiebungen mustergültig beobachten. In den beiden Präsidentschaften Barack Obamas fanden insgesamt 3,1 Millionen Abschiebungen illegaler Ausländer aus den USA statt. In Gewahrsam der US-amerikanischen Einwanderungs- und Zollbehörde ICE (United States Immigration and Customs Enforcement) starben damals laut Global Detention Project 56 Personen. Der Höhepunkt der Abschiebungen lag im Jahr 2012, damals ließ Obamas Administration 407 000 illegale Einwanderer außer Landes schaffen. In der ersten Amtszeit Trumps erreichte die Zahl der Abschiebungen weniger als eine Million; seit seinem Amtsantritt beträgt sie laut Regierungsangaben 605 000. In den meisten deutschen Medien kommt die Tatsache nicht vor, dass die meisten illegalen Migranten die USA freiwillig verlassen (seit Januar 2025 1,9 Millionen), indem sie den angebotenen Freiflug plus 1000 Dollar Handgeld akzeptieren.

Obama erklärte 2010 die Abschiebungen Illegaler für unumgänglich: „Jeder Staat hat das Recht und die Pflicht, seine Grenzen zu kontrollieren.“ Gegen illegale Migration vorzugehen sei auch eine Frage der Gerechtigkeit gegenüber allen legalen Einwanderern.

Das galt damals als akzeptierte Position eines linksliberalen Politikers. Es gab keine Straßenproteste gegen ICE, schon gar keine Gewaltakte und keine Medienempörung, weder in den USA noch in den allzeit US-kritischen deutschen Blättern.

Was Mamet beschreibt, hängt eng mit dem zusammen, was seit 2011 in der westlichen Welt passierte. In einem ihrer wenigen Interviews meinte die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Kamala Harris, 2024 auf die Frage nach der sprunghaft gestiegenen illegalen Einwanderung in Bidens Amtszeit, das sei ein „long standig problem“. Das wirkte umso bemerkenswerter, als Biden ihr die Aufgabe zugewiesen hatte, die Zahl der ungesetzlichen Grenzübertritte zu senken und Rücknahmeabkommen mit den Herkunftsändern auszuhandeln. Ihr Kommentar bedeutete: Kann man nichts machen, zu komplex – die Sache lässt sich höchstens durch mehr Geld und mehr Stellen verwalten. Die Ansicht Obamas, der Staat müsse das Mögliche tun, um legale von illegaler Einwanderung zu unterscheiden, wurde nach und nach durch die Überzeugung von Linksmedien und linken Demonstranten verdrängt, dass es sich bei der Abschiebung Illegaler um einen unmoralischen Akt handelte. Das einzige Mittel, das illegale Migration wenigstens begrenzt, erklärt der Komplex der Wohlgesinnten für praktisch unanwendbar. Hinter jeder auf Dauer gestellten Misere steht eine Problembewirtschaftungsindustrie, die so lange floriert, wie niemand den Missstand zu beseitigen oder zu minimieren versucht. Das trifft für die illegale Migration in jedem westlichen Land zu, für die Solar- und Windwirtschaft in Deutschland, also die teutonische Energiewende, für die Clankriminalität und viele andere Bereiche.

Wie mit illegaler Migration in Deutschland umgegangen wird, lässt sich an den Zahlen ablesen. In den Jahren 2023 bis 2025 fielen von 6397 geplanten Abschiebungen 4053 aus –, weil die Betreffenden untertauchten, sich krankmeldeten oder mit körperlicher Gewalt dagegen wehrten. Niedersachsen führte im gleichen Zeitraum von 9454 angemeldeten Rückführungen nur 3688 durch. In Nordrhein-Westfalen scheiterten zwischen 2023 und 2025 mehr als die Hälfte der geplanten Abschiebungen: Es kam zu 10 129 Rückführungen, während 12 404, obwohl angeordnet und geplant, ausfielen.

Das Vorgehen der ICE-Beamten in den USA erscheint tatsächlich oft brutal. Die Tötung des bereits entwaffneten Demonstranten Alex Pretti in Minneapolis stellt eine veritable Katastrophe dar. Hier spielt sich ein Drama ab, zu dem der Dramatiker David Mamet die einleuchtende Erklärung gibt: Je länger die Problemverwaltungsklasse einen Missstand für komplex und unantastbar erklärt, desto gröber fallen die Mittel aus, wenn sich dann doch jemand daran macht, ihn wenigstens einzudämmen. Denn alle wirksamen Mittel fallen in die Rubrik „einfach“: Grenzkontrolle und Abschiebung gegen illegale Masseneinwanderung, radikaler Rückschnitt des zum Behemoth angeschwollenen Staates wie in Argentinien und demnächst auch anderswo. Die Kettensäge gehört nicht zu den subtilen Instrumenten. Aber das „komplizierte Gebilde aus Jargon und Komitees“ führt zwangsläufig dazu, dass eine Gesellschaft irgendwann entweder unter der Last der Dauermiseren erstickt – oder jemand mit dem martialischen Werkzeug auf den Plan tritt.

Mamet zählt sich zu den Optimisten, was den Ausgang betrifft. „Am Ende“, meint er, „setzt sich immer die Realität durch.“

 

 

 


Dirk Schwarzenberg verfasste früher Kriminalromane und bleibt auch als Journalist dem Genre im weitesten Sinn treu. Er lebt und arbeitet in Bayern. In der Publico-Kolumne „Frisch gepresst“ behandelt er gesellschaftliche Stilfragen.

 


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