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Der rote Knopf

Das Hauptproblem der Medien liegt nicht in ihren Meldungen. Sondern in ihrer Unfähigkeit, sich zu korrigieren

Eigentlich gilt es als gute Nachricht, wenn sich etwas Schlimmes – eine Straftat, eine Katastrophe – auf den zweiten Blick doch als milder erweist. Für Medien gilt das nicht unbedingt. Am Dienstag traf in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Altena der arbeitslose Maurer Werner S. an einem Imbißstand auf Andreas Hollstein, den Bürgermeister des Ortes. Was dann passierte beziehungsweise passiert sein sollte, wusste bald die ganze Republik: ein rechtsradikales Messerattentat, das der CDU-Politiker nur knapp überlebte. „Bürgermeister von Altena bei Messerangriff schwer verletzt“, meldeten Welt, Sat1, ARD, Focus Online und etliche andere und berichteten auch unisono, Hollstein habe eine „15 Zentimeter lange Verletzung“ am Hals davongetragen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet teilte schon kurz nach der Messeattacke mit, der Angriff habe ein politisches Motiv gehabt.

Das Ereignis besaß, wie es unter Medienleuten heißt, Fallhöhe: Bürgermeister Hollstein hatte nach der Grenzöffnung 2015 mehr Asylbewerber in seinem Ort aufgenommen, als er nach dem Verteilungsschlüssel musste. Dafür war er überregional bekannt geworden und hatte eine Auszeichnung erhalten. Eigentlich hätte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Ort in diesen Tagen besucht, wenn ihm nicht die Regierungsbildungsgespräche in Berlin dazwischengekommen wären. Und der Messermann hatte bei seinem Angriff tatsächlich etwas gerufen, was seine Wut über die Migrantenaufnahme ausdrückte. Ein Attentat also auf einen Politiker, der stellvertretend für Merkels Migrationspolitik steht. Fallhöhe, das hieß hier vor allem: es meldete sich Kanzlerin Angela Merkel über den Twitter-Account des Regierungssprechers, es meldeten sich der SPD-Chef Martin Schulz, der amtierende Justizminister Heiko Maas, und, siehe oben, Armin Laschet mit Kommentaren, die ihr Entsetzen ausdrückten. Merkel ließ mitteilen, sie sei erleichtert, dass Hollstein schon wieder bei seiner Familie sein könne.  Mehrere Organisationen riefen „nach dem entsetzlichen Attentat“ zur Bildung einer Lichterkette in Altena auf. Kaum ein Medium versäumte es, den Meldungstext mit einer Zusammenfassung des Messeranschlags auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker  2015  anzureichern. So, wie sie den Angriff auf Hollstein beschrieben, handelte es sich in Altena um ein ganz ähnliches Muster. Promt gab es auch eine medial transportierte Forderung nach Gesetzesverschärfung – nicht für allgemeine Messerattacken, davon fanden allein in Berlin 2016 insgesamt 2 600 statt, sondern für Politiker-Stalking.

Leser und Zuschauer besaßen also schon eine bestimmte Erwartung, als die ersten Bilder von Hollstein nach dem Angriff  über die Kanäle liefen und in Zeitungen auftauchten. Und die passten ganz offensichtlich nicht zu der Geschichte: der Mann trug ein Pflaster unter dem Ohr, dessen so genannte Wundauflage etwa fünf mal fünf Zentimeter groß war. Woher die Meldung über eine 15 Zentimeter große Wunde ursprünglich kam, lässt sich nicht ohne weiteres rekonstruieren. Jedenfalls stimmte sie nicht. In einem Interview mit der „Welt“ sagte Hollstein, er habe eine etwa vier Zentimeter große „oberflächliche Wunde“ davongetragen. Nun ist „oberflächliche Wunde“ ein seltsamer Ausdruck: als Wunde gilt eine tiefere Gewebsverletzung. Für das, was der Bürgermeister augenscheinlich abbekommen hatte, eignet sich also eher der Begriff „Kratzer“.

Dazu passt auch der von dem Politiker geschilderte Tatablauf:  Der Angreifer habe nicht zugestochen, sondern ihm ein Messer an den Hals gedrückt; der Inhaber des Imbißstandes sei dazwischen gegangen, ehe Schlimmeres habe passieren können. Auch von dem politischen Hintergrund blieb auf den zweiten Blick wenig bis nichts. Bei dem arbeitslosen Maurer handelt es sich um einen sozial etwas auffälligen 56jährigen, dessen Haus gerade zur Zwangsversteigerung freigegeben wurde. Die Stadtwerke hatten ihm das Wasser abgestellt, und da Bürgermeister Andreas Hollstein auch als Chef des Wasserwerks amtiert, stürzte sich der Mann offenbar im Affekt auf den Politiker. Laut Zeugen schrie er dabei: „Du Schwein lässt mich verdursten, und holst Flüchtlinge in die Stadt.“

Als „Attentat“ bezeichnet man üblicherweise einen geplanten Anschlag. Im Fall von Altena geht auch die Staatsanwaltschaft nicht davon aus, dass der Maurer über den Besuch des Bürgermeisters an dem Imbissstand Bescheid wusste und ihm gezielt auflauerte.

Eine bundesweite Korrektur der ursprünglichen Meldung hätte also von Tagesschau bis Wochenblatt so lauten müssen:

„Entgegen der ersten Meldung über einen Messerangriff auf den Bürgermeister von Altena trug der Politiker dabei nur eine leichte oberflächliche Verletzung davon. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Berichten handelte der alkoholisierte Täter aus persönlichen Motiven. Nach dem Erkenntnisstand der Staatsanwaltschaft geschah die Tat auch nicht geplant, sondern spontan.“

Dabei geht es überhaupt nicht darum, den Gewaltakt kleinzureden. Natürlich ist es auch eine Straftat, einem anderen aus welchen Gründen auch immer ein Messer an den Hals zu drücken und ihn zu beleidigen. Und sicherlich spürt der Attackierte dabei Todesangst. Er kann ja nicht wissen, dass die Sache nach wenigen Sekunden glimpflich ausgeht. Aber Gewicht und Dringlichkeit des Ereignisses stellen sich eben im Licht der Fakten anders dar. Eigentlich.

Allerdings nicht für die meisten Medien, die es nun einmal zu einem  politischen Anschlag auf die Migrationspolitik schlechthin erklärt hatten. Sie änderten zwar die Meldung nach und nach, ohne von Korrektur zu sprechen, aus der schweren wurde irgendwann eine leichte Verletzung. Aber die Wichtigkeitsalarmstufe Rot blieb unverändert, was zu einer grotesken Medienlage führte. Die BILD beispielsweise druckte am 29. November – da hatte Hollstein schon selbst öffentlich gesagt, er habe nur eine oberflächliche kleine Verletzung abbekommen – ein Foto von ihm mit dem kleinen Pflaster unter dem Ohr, und dichtete dazu: „Ein dickes Pflaster am Hals von Bürgermeister Andreas Hollstein (54, CDU) verdeckt die 15 Zentimeter lange Schnittwunde.“ Die Riesenschlagzeile: „Maurer sticht Bürgermeister in den Hals“. Im Text selbst hieß es über den Täter: „Dann zückte der Mann ein 34 Zentimeter langes Messer und rammte es dem Politiker gegen den Hals.“ Dickes Pflaster, gegen den Hals mal gestochen, „gerammt“: Man spürt den Schweiß der Redakteure, ihre Geschichte um jeden Preis auf XXXL zu halten.

Die Behandlung der Altena-Story zeigt geradezu mustergültig: entgegen aller Beteuerungen verhalten sich die großen Medien in Deutschland als Kollektiv. Ist einmal der rote Alarm eingeschaltet – Kanzlerin-Tweet,  Meldung in der Tagesschau, eilig anberaumte Themensetzung bei Maischberger – dann traut sich kein einzelnes Medium, den roten Knopf wieder zu deaktivieren, obwohl ihre Mitarbeiter wissen, dass sich die Fakten längst anders darstellen.

In den großen Medien existieren spätestens seit 2015 zwei gegenläufige Vektoren: Zum einen der bewährte Immerschlimmerismus bei allen Berichten um Klimafragen, um Gift allerorten (Alarm! Glyphosat!), und natürlich, wenn es gegen Rechts geht, wobei demokratische Rechte, Rechtsradikale und Rechtsterroristen praktisch eine amorphe Einheit bilden.

Parallel läuft ein permanentes Beschwichtigungsprogramm: Die These des Kriminologen Christian Pfeiffer, Migranten seien gar nicht häufiger kriminell als Einheimische, sie würden nur häufiger angezeigt, wird gern genommen. Und die Nachfrage bleibt aus, woher Pfeiffer als Einziger in Deutschland die Zahl der nicht angezeigten Straftaten kennt, aufgeschlüsselt nach Deutschen und Nichtdeutschen.

Im Gegensatz zum Fall Altena entschieden sich die allermeisten Medien auch instinktiv, den linksradikalen Überfall auf den AfD-Landesvorsitzenden von Rheinland-Pfalz Uwe Junge nicht zu einem bundesweiten Thema zu machen. Das fiel vergleichsweise leicht, denn hier gab es auch kein entsprechendes Agendasetting, keinen Kanzlerinnen-Kommentar, keine entsprechende Talkshow. Und auch die Mahnung von Heiko Maas, solche Hetze im Netz führe zu solchen Taten, blieb hier selbstredend aus.

Nach den Massenübergriffen Silvester 2015 in Köln schafften es fast alle Medien sogar, beide Programme nur kurz zeitversetzt durchzuziehen: Beschwichtigung in Gestalt einer zweitägigen Sendepause, um dann sofort mit Warnungen vor Zusammenhangherstellung und Generalverdacht einzusetzen – und Hysterisierung durch die im ZDF von der Aufschrei-Aktivistin Anne Wizorek vorgebrachte dreiste Mär, es gebe auf dem Münchner Oktoberfest (weiße Männer! Bier! Bayern!) eine „offizielle Dunkelziffer“ von 200 Vergewaltigungen im Jahr.

Eine ziemlich naheliegende Lösung dieser ganz speziellen deutschen Medienkrise bestünde darin, sich zu korrigieren und künftig beides bleiben zu lassen, die eilfertige Baldrianisierung von Migrantenkriminalität, politischem Islam und linksextremer Gewalt genau so wie das beidhändige Drücken des Tatütata-Buttons, sobald es um irgendetwas mit Rechts oder Klima geht.

Das wäre einfach.

Aber lieber pädagogisieren sich die Medienschaffenden kaputt.


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33 Kommentare
  • Simon Templar
    1. Dezember, 2017

    Nachdem ich als Junge Simmels “Stoff, aus dem die Träume sind” gelesen hatte, waren Reporter für mich wie Helden.

    Jetzt liegen sie zwischen Hütchenspielern und Maklern. No offence, Herr Wendt.

  • kdm
    1. Dezember, 2017

    Trefflich zusammengefasst.
    Danke!

    Wieso sind “die” in ZEITARDZDFSZBILD etc. so?
    Dummheit? Filterblase? Ideologie?
    Wahrscheinlich eine Mischung von allem.
    (und ‘danach’ waren schon immer alle dagegen und hatten einen ‘Rechten’ im Keller versteckt).

    • Michael Fischer
      6. Dezember, 2017

      Offensichtlich ist der von den Medien so sehr beklagte Begriff “Lügenpresse” hier richtig angewendet.
      Sicher ist dieses Prädikat nicht für alle Medien und Journalisten treffend und pauschal zu wählen, man muss sich den Titel nämlich redlich verdienen, was einige von ihnen immer wieder sehr erfolgreich schaffen .
      Wer heute sachlich und umfassend informiert sein will, findet zum Glück in den neuen Medien im Netz reichhaltige Alternativen.

    • Schreiberling
      7. Dezember, 2017

      Das liegt an der strikten Hierarchie dort. Themen werden vorgeschlagen und oben angenommen oder abgelehnt. Mit der Zeit lernt man, welcher Chef welche Themen bevorzugt und ablehnt. Das ist Anpassung, auch wenn das dem journalistischen Selbstbild zuwiderläuft. Am Ende liegt die Stoßrichtung einer Zeitung in sehr wenigen Händen. Von einem bunten Marktplatz der Meinungen und Ideen habe ich jedenfalls bei den Medien, für die ich bisher tätig war, noch nichts mitbekommen. Und das zieht sich bis ganz oben. Das konnte man am Beispiel Nicolaus Fest studieren. Der schrieb als Vize der Bild am Sonntag einen islamkritischen Artikel und wurde dafür gefeuert. Es ist also niemand sicher, selbst wenn er eine sehr verantwortungsvolle Position bekleidet. Das Gute ist, dass dieses System sein Deutungsmonopol verliert. Das Internet ermöglicht wahrhaft unabhängigen Journalismus. Das kann man hier ja sehen.

  • Werner Wusel
    1. Dezember, 2017

    Genauso isses! Und dann wundern sich die Medien, wenn ihnen Merkelnähe und Propaganda vorgeworfen wird, ich wundere mich nicht mehr! Früher, in Vor-Merkel-Zeiten, gab es noch eine objektivere Berichterstattung, die ohne den meinungsmachenden Claus und die Slomka auskam. Heute ist alles schon vorgefertigt für den Otto Normaldeutschen inclusive der Meinung, die er zu einem Thema zu haben hat. An dem “Lügenpresse” Vorwurf ist mehr dran als gemeinhin bekannt. Selber Hirn einschalten, soweit vorhanden, und solche Blogs wie dieses hier lesen. Das vergrößert zumindest die Informationsbasis und schafft Objektivität.

    • Arno Besendonk
      2. Dezember, 2017

      Sie wundern sich nicht mehr, sie wissen es längst.
      Und manchmal rutscht was durch.
      Zitat aus der Printausgabe der Rheinischen Post, der Autor schreibt auch für die Süddeutsche:
      “Die Bundesrepublik gehört zu den Ländern mit freiem Internet, allerdings war der Bundestagswahlkampf beeinflusst von einem erhöhten Maß an Falschinformation.”
      Und weiter im Text:
      “Die Regierenden haben den Vorteil, dass sie nur den Status quo bewahren müssen. Das heißt, sie brauchen die Öffentlichkeit nicht von ihrer Position überzeugen, sondern nur Zweifel an der Gegenseite zu wecken, durch Falschmeldungen zum Beispiel.”

  • Gordao
    1. Dezember, 2017

    Danke für das Geraderücken der “Fakten”! Wen wundert die überreizte Stimmung im Lande?

  • oldman
    1. Dezember, 2017

    Das Hauptproblem mit unseren Großmedien besteht in derem reinen Zweckjournalismus (=Propaganda) mit klaren Zielvorgaben – so haben Vorgänge berichtet zu werden – :
    es passt zur Ideologie > aufbauschen, dramatisieren und instrumentalisieren, und das tagelang (mindestens); erforderlichenfalls kann auch der Grundvorgang ” aufgehübscht” werden. Sollte sich die Ursprungsmeldung im Verlauf als unhaltbar erweisen: ablenken; wenn wirklich unvermeidlich : relativieren und ein “neues Fass aufmachen”.

    unpassend für den Erziehungsauftrag / kontraproduktiv : totschweigen, abwiegeln, unter den Teppich kehren oder gar durch üble Nachrede (siehe Fall der ermordeten Polin) die Aufmerksamkeit in eine ganz andere Richtung lenken.
    Traurig.

    • G. Blunk
      1. Dezember, 2017

      Ergänzend zu dem erhellenden Bericht von Herrn Wendt habe ich heute auch einen Artikel im Rubikon gelesen, der die Hintergründe und insbesondere die Motive der Medien (Presse/TV) beleuchtet.

      Beide Berichte zusammen ergeben eine klare Sicht auf das, was man noch vor einiger Zeit in holder “Unschuld” als unbedarfter Leser unter einer “freien Presse” verstand. Lang ist es her.

      • Enrico Stiller
        4. Dezember, 2017

        Seien Sie vorsichtig beim ‘Rubicon’. Da sind Beiträge dabei, die dermassen albern sind, dass ich mich frage, ob die wirklich von Konservativen verfasst wurden oder von irgendwelchen Leuten, die entweder etwas verwirrt sind, oder die andere bewusst verwirren wollen. Letzteres gibt es ja. Pecunia non olet.
        Wir Konservativen kritisieren doch nicht die linken Spinner, um selbst in Spinnereien zu verfallen!
        Seien Sie misstrauisch! Gegenüber jedem. Gegenüber dem Rubicon, gegenüber Ihnen selbst, gegenüber mir. Überlegen Sie mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Informationen, wie wahrscheinlich etwas ist.
        Wir sollten nicht den Linken Gleiches mit Gleichem entgegensetzen. Wir sollten weniger manipulativ, weniger durchgeknallt, weniger absurd sein. Wir müssen an uns selbst höhere Ansprüche stellen. Wir müssen dreimal überprüfen, ob die Fakten stimmen oder logisch zusammenpassen, wenn die Linken dies nur einmal oder gar nicht tun.
        Wir können nicht erfolgreich sein, wenn wir alles kopieren, was die Linken machen – (einiges ist schon kopierenswert!) – aber wir müssen wieder intellektuelle Redlichkeit in die öffentliche Debatte einführen. Wenn die Öffentlichkeit den Eindruck haben sollte, dass wir auch nur lügen oder spintisieren, genau wie die Linken, haben wir verloren.

    • Dietrich Martin Schilling
      6. Dezember, 2017

      …deren reinem

    • Dietrich Martin Schilling
      6. Dezember, 2017

      …deren reinem..

  • Czernitz
    1. Dezember, 2017

    Da geht doch tatsächlich der Bürgermeister von Altena, einer Stadt im Sauerland, in die Imbißbude des Abdullah, steht an für einen Döner und gerät an einen Maurer, der noch eine Rechnung offen hat. Muß man Altena kennen? Man muß zumindest den Bürgermeister Andreas Hollstein kennen. Herr Hollstein ist der Träger eines neuen Preises. Die Merkel verlieh ihm den Nationalen Integrationspreis 2017. Hollstein hat nämlich seine Stadt mit Musels geflutet, und zwar weitaus stärker geflutet, als die Räson es verlangte. Für derart hündische Folgsamkeit verleiht die Merkel einen Preis, den sie Integrationspreis nennt, andere aber Islamisierungspreis. Man sollte das mal bedenken: Der Maurer, arbeitslos, von einem Räumungsverfahren bedrängt, seelisch zermatscht, trifft beim Abdullah den Mann, der seine Stadt kaputt macht, die Stadt des Maurers, die Stadt mit den schönen Dächern aus blauen und grauen Schiefern, und ihn, den Maurer, mittels Büttel aus seinen vier Wänden schmeißen läßt. Und dann? Der Maurer sieht ein Messer.- Nun posiert Herr Hollstein mit einem Pflaster am Hals. Es war eben nur ein Küchenmesser gewesen, kein Dönermesser. Der Maurer aber sitzt im Knast. Von einem Mordversuch ist die Rede. Frage: Wer hat hier wen zu morden versucht?

    • Ostfale
      2. Dezember, 2017

      Alles richtig erkannt. Und bezüglich der von den Medien aufgeblasenen ‘Ausländerfeindlichkeit’ als Ursache für das schändliche Verhalten des abgehängten und daher rechtsgerichteten Maurers die Frage: Weshalb geht ein Rechter und Ausländerfeind zum Türken etwas essen? Wohl nicht, weil es für ihn da alles umsonst gibt. Aber pfeif drauf – der Zweck heiligt das Mittel. Intellektuell kleinstausgeformte Demagogen und devote Hofberichterstatter eben.

  • winkler
    1. Dezember, 2017

    Zumindest in meinem Bekanntenkreis weiß man mittlerweile flächendeckend, was man von derartigen Meldungen, besonders wenn sie aus der Festung der objektiven Wahrheit des Hauses Springer hervorwabern, zu halten hat. Insofern kam insbesondere die Maischberger-Sendung mehr als unfreiwillige Komik daher. Man hat es dem Bürgermeister regelrecht angesehen, wie unangenehm ihm die ganze Skandalisierung war.

  • Heinrich Niklaus
    1. Dezember, 2017

    Hatte der Bürgermeister von Altena nicht behauptet, die Kriminalitätsrate sei in Altena nicht gestiegen? Ein Blick in die Polizeistatistik des Ortes zeigt das genaue Gegenteil:
    https://www.come-on.de/lennetal/altena/kriminalitaetsstatistik-2016-stadt-altena-7568982.html
    Herrn Hollsteins Glaubwürdigkeit sinkt in diesem Moment auf den Nullpunkt! Es ist unglaublich! Da setzt sich dieser Mann ins Fernsehen und lügt seine Mitbürger an. Leute, wählt den so schnell wie möglich ab.

  • Astrid Schneider
    1. Dezember, 2017

    Eigentlich ist es doch ganz einfach. Ein Looser, Abgehängter, ein Verlierer …sein Wasser wird abgestellt. Und wer ist Geschäftsführer der Stadtwerke Altena- Herr Hollstein. Den trifft er in der Dönerbude und er dreht ab. Schluss, aus. Aber Herr Hollstein stellt sich als Märtyrer dar und schlachtet die kleine Geschichte medial aus. Und alle Korrekten wie ARD ZDF BILD WELT usw machen mit.

  • Ben Schiffner
    1. Dezember, 2017

    Sehr sehr gut.
    An mir war die tatsächliche Faktenlage vorbeigegangen, danke dafür.

  • Magic
    1. Dezember, 2017

    Lebt denn der alte Mannichl noch, Mannichl noch, Mannichl noch? Jaaaaaaaaa er lebt noch…

  • treu
    1. Dezember, 2017

    Die Medienschaffenden pädagogisieren nicht einfach nur, sie propagandieren, fehlinformieren und sie lügen!

    • Gudrun Eussner
      6. Dezember, 2017

      Eine Zeitung ist nicht nur ein kollektiver Propagandist und kollektiver Agitator; sie ist auch ein kollektiver Organisator. Wladimir Iljitsch Lenin (1870 – 1924)

  • Dietrich Martin Schilling
    2. Dezember, 2017

    O-Ton Laschet:” Es ist verabscheuungswert,wenn Menschen,die sich für das Gemeinwohl einsetzen,in dieser Weise attackiert werden. ”
    Herr Laschet,sie meinen jetzt aber nicht die Sozialarbeiterin,die ein oder zwei Tage vor “Altena” ,in der Wohnung eines syrischen Flüchtlings vergewaltigt wurde ,den sie da dienstlich aufgesucht hatte?
    Nein ?Ah ja, vielen Dank, ichdachte schon,ich hätte mich verhört.

  • Jürgen
    2. Dezember, 2017

    Es ist bemerkenswert, mit welcher Dreistigkeit unsere Medien dien deutsche Bevölkerung belügen: Sieht doch jedes Kind, dass der gute Schultes von Altena keine Wunde von 15 cm am Hals hat. Natürlich ist der Angriff in keiner Weise zu rechtfertigen oder zu billigen, aber es drängt sich ein Eindruck auf, dass dieser Zwischenfall von den Medien geradezu dankbar aufgegriffen wird, um große Teile der Bevölkerung für dumm zu erklären und den “Rechten” einen von ihr in keiner Weise zu verantworteten Vorfall anzuhängen. Also was bleibt: Leider ist der Vorwurf der “Lügenpresse” mal wieder bestätigt worden.

    • Ostfale
      2. Dezember, 2017

      Wieso ‘leider’? Im Gegenteil, glücklicherweise ist hier ein weiteres Beispiel für die unrühmlichen Praktiken der ‘Lügenpresse’ aufgezeigt geworden.
      Dafür muß man dankbar sein, so paradox es auch klingen mag.

  • Helene
    2. Dezember, 2017

    Einige Kommentatoren spielen die Messergeschichte nun zu sehr herunter. Wie Herr Wendt schreibt, konnte der Bürgermeister in dem Moment nicht wissen, daß die Sache glimpflich ausgehen würde, und ich gestehe ihm große Angst zu. In höchstem Maße ärgerlich ist natürlich das Ausschlachten und Hochstilisieren zu einem rechtsextremem (oder „rechten“ oder von Pegida oder sonstwem angestifteten) Attentat, aus ziemlich durchsichtigen politischen Gründen. Ich finde, daß der Artikel die Dinge sehr gut zurechtrückt.

  • Jens
    2. Dezember, 2017

    “:ein rechtsradikales Messerattentat, das(s) der CDU-Politiker nur knapp überlebte.”

    Lieber Herr, nicht Sie auch noch. Das “das” wird natürlich mit einem s geschrieben. Vielen Dank für eine Korrektur.

  • Julius Fischer
    2. Dezember, 2017

    Ein wichtiger Beitrag von Ihnen.
    Ich hatte die Sache nur kurzfristig gelesen und war schockiert, weil der CDU-Politiker nur relativ knapp dem Tod durch Messerstiche in den Hals entronnen ist. Eine Korrektur durch die Presse Tage später hätte ich vermutlich auch nicht gelesen. Und so scheint es, solche ein Tat am Tag des Erscheinens möglichst groß, möglichst widerlich erscheinen zu lassen, ist das wichtigste politische Kalkül mancher “Journalisten”.

  • Gudrun Eussner
    6. Dezember, 2017

    Eine Bemerkung zur Überschrift dieses Artikels, der den Vorwurf zwar nicht mindert, jedoch zeigen möge, daß die versäumte Richtigstellung nicht so wichtig ist. Man sieht daran auch noch einmal die beabsichtigte (!) verheerende Wirkung der ursprünglichen 15-cm-Nachricht. Die oben zitierten Medien verstehen ihr Handwerk:

    Reisen in das Land der Kriege. 2002 – 2008 – 2014
    http://eussner.blogspot.fr/2014/03/reisen-in-das-land-der-kriege-2002-2008.html

    Besonders faszinieren mich die Ausführungen im [Buch von Kurt Köpruner] im Kapitel “Ruder Finn – oder: Dementis sind wertlos” (S. 159 ff.) Darin wird der französische Journalist Jacques Merlino zitiert, der auf die in Washington ansässige Firma Ruder Finn stieß. Sie verdient ihr Geld mit der Verbreitung von Nachrichten. Der Firmenchef James Harff plauderte aus der Schule, wie er für seine Auftraggeber Nachrichten, ob wahr oder erfunden, schnellstens an ausgewählte Multiplikatoren streut, und daß “nur zählt, was einmal behauptet wurde. Dementis sind dagegen völlig unwirksam.”

    The first statement counts. The retractions have no effect.

    Ruder Finn
    http://www.ruderfinn.com/

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