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Wochenrückblick am Montag: Heißzeit für Habeck

Der Grünen-Vorsitzende Robert „Charismatiker“ Habeck meinte in der verwichenen Woche, den Grünen könne man – wer auch immer genau – „auch die innere Sicherheit anvertrauen“. Auch die innere Sicherheit, also zusätzlich zu den anderen Dingen, die man den Grünen ohnehin schon anvertraut, etwa die Energieversorgung Deutschlands, die Regierung von Kreuzberg-Friedrichshain oder – zusammen mit anderen politischen Partnern – die weiter fortschreitende Angleichung Berlins und Bremens an Caracas.

Nun ist es ja so: Wer sagt, Sie können mir getrost ihr Erspartes, Ihr Haus, Ihr Auto und Ihr Töchterlein anvertrauen, der bekommt in der Regel nichts davon, weil schon die Formulierung auf halbwegs normalverdrahtete und risikobewusste Menschen hinreichend abschreckend wirkt. Weshalb auch kein Trickbetrüger, der es in seiner Branche zu etwas gebracht hat, seine Gimpel mit der Aufforderung ködert: vertrauen Sie mir Ihren ganzen  Zaster an, unterschreiben Sie hier, lesen Sie das Kleingedruckte nicht, das ist schlecht für die Augen!, sondern irgendwie geschickter vorgeht. Robert Habeck müsste also noch ein bisschen üben, eigentlich.

Andererseits hat er es meist nicht direkt mit dem oben beschriebenen, sondern mit besonders fein verdrahteten Leuten zu tun, nämlich Journalisten. Nur die sind bisher in der Lage, in dem Grünenpolitiker einen Mann von außerordentlichen Fähigkeiten zu erkennen. Vor kurzem interviewte der Tagesspiegel Habeck. Wer etwas über das Verhältnis von Journalisten und Habeck lernen will, der kann seine Antworten ruhig überspringen. Es geht um die Fragen. Ach was, natürlich handelt es sich nicht um Fragen, jedenfalls nicht im ontologischen Sinn. Die Art und Weise, wie der grüne Parteivorsitzende von Journalisten so richtig oral durchverwöhnt wird, stellt selbst für den abgehärteten Leser von Qualitätsmedien eine neue Entwicklungsstufe dar. In der Folge also das Tagesspiegel-Interview, sinnverstärkend gekürzt:

Herr Habeck, was muss man tun, um als Charismatiker zu gelten?

Sie werden mit Politstars wie Emmanuel Macron und Justin Trudeau verglichen. Was haben Sie, was andere nicht haben?

(Rollt die Augen).

…ist der Vergleich keine Auszeichnung?

Ein charismatischer Politiker muss authentisch und einnehmend sein, aber auch machtbewusst. Heißt das Vorbild von Robert Habeck vielleicht Joschka Fischer?

Was heißt es denn konkret, wenn Sie die Grünen zur führenden Kraft der linken Mitte machen wollen?“

 

Noch einen Schüsselsprung besser in der Beschreibung des Politikers, der mit Justin Timberlake und Richard David Precht verglichen wird, ist nur Spiegel Online:

 

 

Bis jetzt jedenfalls. Über die große ideologische, mentale und soziale Überschneidung zwischen Qualitätsjournalisten und Grünen-Personal habe ich schon des Öfteren geschrieben. Beide haben, das kommt dazu, eben auch diesen Schlüsselsatz gemeinsam: Uns können Sie vertrauen.

Warum ist nun die innere Sicherheit bei Habeck, Anton Hofreiter und der Kreuzberg-Friedrichshainer Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann so gut aufgehoben? Ganz einfach: Weil niemand so gut warnen und das Schlimmste verhindern kann. Habeck in der „Welt“:

„’Die Hitze der vergangenen Monate und die Warnungen vor einer Heißzeit haben ja jetzt allen deutlich gemacht, dass die ökologische Frage keine abstrakte ist und sie unser Land massiv treffen kann’, sagte der Grünen-Chef. ‚Was wir jetzt erleben, wird Standard werden, die Frage ist: Kommt es noch schlimmer?’ Habeck weiter: ‚Wir werden Anpassungsstrategien brauchen, aber wir müssen auch das Schlimmste verhindern.’ Der Kohleausstieg und das Überwinden der Verbrennungsmotoren seien vordringliche Fragen der Zeit.“

 

Die Hitze der vergangenen Monate, ja die Heißzeit überhaupt nennt man Sommer. Ja, er ist Standard. Und mancher Sommer kann, wie schon Rilke wusste, sehr groß sein, sehr warm, der Sommer 2006 war sogar noch ein wenig wärmer, nur nicht so trocken wie der 2018 oder 1904.

Mit freundlicher Genehmigung von Michael Klonovsky

 

Das Problem für die Bauern ist übrigens gar nicht die Wärme, sondern der Regenmangel. Und auch an dem tragen Kohlekraftwerke und Verbrennungsmotoren keine Schuld.

Seit 1998, also seit nunmehr 20 Jahren, steigt die durchschnittliche Globaltemperatur substanziell nicht mehr, sondern schwankt auf hohem Niveau um die 14, 5 Grad. Deutschland trägt mit allem, was es an Kohlendioxid produziert – also vom Kohlekraftwerk bis zu ausatmenden 80 Millionen Bürgern – etwa 2,3 Prozent zur weltweiten CO2-Produktion bei. Wer glaubt, dass die Abschaffung von Kohlekraftwerken und Verbrennungsmotoren in Deutschland irgendeinen messbaren Effekt auf die globale Temperatur hat, der gehört nicht nur zu der in Deutschland wachsenden Bewegung der Postnaturwissenschaftler und Postkalkulisten. Dorthin gelang ja ab einem bestimmten Einschulungsjahrgang sowieso jeder außerhalb Bayerns und Sachsens, und mit diesen beiden Problemstaaten wird die Mehrheit irgendwann fertig. Nein, er gehört auch zu denen, die sehen können, was anderen vorerst noch verschlossen bleibt. Auf die Frage des „Tagesspiegel“, wie er seine Sommerreise erlebt habe, antwortete Habeck in der vergangenen Woche:

„Es war brüllend heiß. Die Leute in den Städten litten unter der Hitze, die Böden waren rissig, braun, ausgetrocknet.“

Unter dem Marktpflaster liegt die Karakum. Hartgetrocknet und braun, so erlebte der Grünenvorsitzende vor allem Sachsen, nehmen wir an.

Wenn Deutschland sich also wieder abkühlen und die Risse im Boden sich schließen sollen, dann kann diese Wende nur ein Robert Habeck erreichen, unter Mithilfe von Journalisten, die die richtigen Fragen stellen. Und so, wie sie in Deutschland die Wüste wieder zum Grünen bringen, würden die Charismapolitiker auch am Kottbusser Tor in Berlin für innere Sicherheit sorgen, wenn sie endlich dürfen.

 

 


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13 Kommentare
  • Martin
    27. August, 2018

    Habeck sollte sich mal die Daten auf den Hungersteinen in der Elbe anschauen, die sogar in den USA wahrgenommen werden: https://www.zerohedge.com/news/2018-08-27/martin-armstrong-dashes-global-warming-doom-loop-fears-hunger-stones-have-appeared

    Da haben wir Glück, dass wir eine moderne Landwirtschaft haben und der Transportweg unabhängig von der Elbe ist. Aber Habeck könnte auch ein bisschen über die echten Klimatreiber lernen.

  • Roland
    27. August, 2018

    Ich lese sehr gerne Ihre gesellschaftlichen Stellungnahmen. Vieles was angesprochen wird scheint ein Ergebnis selbstgerechten Denkens und die Bequemlichkeit andere Sichtweisen mal sachlich nachzuvollziehen zu sein. Die Grünen sind sehr stark im Verbraucherschutz und einer sagen wir mal guten Landwirtschaft (ich hasse Glyphosat im Bier). Leider vermisse ich und dies nicht nur bei den Grünen die Fähigkeit Dinge bis zum Ende zu denken. Ein bisschen mehr Hintergrundwissen auch der “investigativen Jour.” wäre einfach mal schön. 5000 Jahre vor Chr. waren die durchschnittlichen Temperaturen 2-3 Grad höher. Da gab es die letzte große Einwanderung wärmeliebender Pflanzenarten (Baumhasel) in die hiesigen Breitengrade, wahrscheinlich gefolgt von einigigen sonnenbrandmüden Heimatvertriebenen. Wir befinden uns also am Ende einer langen kalten Periode. Und das einzige was sich nicht verändert ist die Veränderung. Ich glaube nicht dass die Masse der Deutschen die Karakum unter dem Pflaster gesehen haben sondern dass eher Licht der Sonne ihr Gemüt erhellt hat.

  • Robert Hagen
    27. August, 2018

    Einfach nur: Chapeau!

  • B.Rilling
    28. August, 2018

    Lassen Sie es gut sein Herr Wendt, die Presse hat nach dem kolossalen Scheitern von 100%-Schulz endlich einen neuen Messias gefunden. Als ich im Kommentarbereich der Welt unter einem Jubelartikel über die steigenden Umfragewerte der Grünen schrieb, dass ich das völlig irritierend finde, da in meinen Augen die Grünen mit ihrer Führungsriege aus absoluten Berufspolitikern ohne wirkliche reale Lebenserfahrung eine völlig verantwortungslose und für unser Land mitunter gefährliche Politik fahren und ich mir das nur so erklären kann, dass laut offiziellen Untersuchungen deren Wähleranteil bei den Erstwählern besonders hoch ist und diese halt noch ein ideelleres Wahlverhalten haben, als erfahrenere Bürger, da bin ich tatsächlich abgemahnt worden, wegen Beleidigung und Aufstellen unbewiesener Behauptungen. Ich war baff! Halte ich doch meine Wortwahl für neutral und meine Angaben für nachhaltig. Ich war schon dabei eine Mail zu schreiben, in der ich die beruflichen Karrieren von Roth, Habeck usw. kurz anreiße, auf deren teilweise unverantwortliche Politik in Berlin hinweise und die Studie über das altersabhängige Wahlverhalten verlinke, doch dann habe ich es gelassen. Es bringt ja nix! Selbst die noch relativ konservative Welt ist auf dem linken Auge sehr blind und mag es nicht, wenn man Wahrheiten gar zu deutlich formuliert.

    • maru
      28. August, 2018

      Ich wurde auch bei der Welt “ermahnt”, was mich irgendwie an Einträge ins Klassenbuch erinnert hat – und später gesperrt.
      Die Gesinnungs-Gestapo ist in ihrem Element.

  • Heinz Maier
    28. August, 2018

    Der Mainstream benötigt einen neuen Heilsbringer. Eine Meinung an meinem Stammtisch: Der einzige Politiker dem ich im Moment vertraue ist Habeck! Nachfrage warum? Der macht so einen ehrlichen Eindruck. Eigentlich wie Merkel.

    • WiesoWeshalbWarum
      28. August, 2018

      Habeck ist ein guter Darsteller einer vertrauenswürdigen Person. Letztens sah ich den Beginn eines Interviews (weiß leider nicht mehr wo) – da fragte der Interviewer: Wer ist Robert Habeck?” Die Antwort: ” Habeck ist der Mann mit der Bierflasche in der Hand.” Dazu hielt er natürlich eine solche in der Hand. Danach musste ich wegen Übelkeit und Fremdschämens leider wegschalten.

      Noch ein interessantes Interview mit Habeck von INFORMR.

      https://www.youtube.com/watch?v=KMiCkpxjyr8

      So etwas wie Volk gibt es ja seiner Meinung nach nicht – ich frage mich, von wem der sich wählen lassen will und in wessen Namen und Auftrag er dann tätig werden möchte.

  • Gerd Kistner
    28. August, 2018

    Frau Merkel, Journaillisten, Visagisten und Kleider entscheiden über die Karriere deutscher Politiker. Herr Habeck ist „Schwiegermutters Liebling“, er ist nützlich für die Kanzlerin, hängt dem gleichen Glauben ( Ideologie) an wie die maßgeblichen Journaillisten und ist modebewußt. Niemand sollte glauben, daß allein Augenringe und zunehmende Hamsterbäckchen seinen Stern zum Sinken bringen. Er wird Deutschland mit in die lichte Zukunft der Gouvernance (s. auch Ch.S. Maier: Auf dem Weg zum Leviathan 3.0? In: A. Iriye; J. Osterhammel( Hrsg.): Geschichte der Welt 1870-1945. S.2383-286) führen, am Ende eines jeden Tunnels kommt irgendwann ein bißchen Licht.

  • kdm
    28. August, 2018

    Für Nicht-Berliner:
    Das “Kottbusser Tor” ist mitten in Kreuzberg und damit Frau Bezirks-Bürgermeisterin Monika Herrmanns Wirkungsbereich. Say no more, say no more…
    Wir (Kreuzberger) hatten mal einen richtigen Bürgermeister: Willy Kressmann. Lang ist’s her. Der war beliebt! Leider hatte der auch eine Frau, die war Architektin und hat in Berlin-Steglitz (man munkelte damals: auch mit dubiosen Mitteln) ein sehr häßliches Hochhaus gebaut.

  • M. Koecher
    28. August, 2018

    Des einen Leid des anderen Freud: Während es nördlich der Alpen zu trocken war, erlebte Italien einen ungewöhnlich feuchten Sommer, mit herrlich grünen Wiesen (jedenfalls im Latium). Und selbst in der Westsahara (Niger, Mali, Algerien und .zT. auch West-Libyen) gab es lt. Regenradar regelmäßig sogar heftige Regenfälle. Es scheint, das Dauerhoch über Nordeuropa schwächte das Dauerhoch über der Sahara. Und das wollen die Grünen den Afrikanern wegnehmen? Reicht das schon, um sie “Rassistenpack” zu nennen?

  • Hermann Hewing
    28. August, 2018

    Rober Habeck charismatisch? Darunter habe ich Zeitlebens etwas anderes verstanden. Wer genauer hinsieht, Gestik, Mimik und Körpersprache einbezieht kommt zu einem völlig anderen Schluß.
    Aber in Zeiten in denen die Grünen in (fast) jeder gut bezahlten Wahlumfrage förmlich “gepusht” werden um einen bestimmten politischen Trend zu simulieren wundert mich das nicht.
    Ich habe es mir nicht nehmen lassen diesen Robert Habeck in einer der unzähligen und oft sinnlosen Talkshows genauer anzuschauen.
    Was ich gesehen habe war ein unausgeschlafener und übernächtigt wirkender, unrasierter, in seinem Sessel fläzender, den Kopf aufstützender und teilnahmslos wirkender Mensch. Seine Statements waren das was man von einem grünen “Hoffnungsträger” erwartet und ebenso gelangweilt vorgetragen.
    Auf mich macht Habeck den “irgend etwas muß ich ja machen” Eindruck.
    Wie ein Schauspieler der mit seiner Rolle – in diesem Fall als Politikerdarsteller – absolut unzufrieden ist und das auch in seiner Leistung zeigt. Charisma?

  • Peter Müller
    28. August, 2018

    Der neue grüne Posterboy nebst Sidekick Annalena hat nichts anderes im Programm als die mittlerweile selbst im eigenen Milieu als peinlich empfundenen Politrentner (wiewohl teilweise noch in hochbezahlten Scheinarbeitsverhältnissen tätigen) Künast, Roth oder Trittin: Autos sind böse, Industrie ist schädlich, Wohlstand ist Diebstahl an den Armen der dritten Welt, Verzicht ist Gewinn, der Deutsche ist per se gefährlich und “schuldig”; diese “Schuld” kann nur durch Zuwanderung aus Afrika und Arabien gelindert (nicht geheilt) werden usw.
    Das Mittel der Wahl grüner Politik ist das Verbot und die “Umerziehung” der dumpfen Massen zum richtigen, also grünen, Lebensstil. Es reicht ja, wenn der Vorsitzende der “Deutschen Umwelthilfe” (DUH) durch die Welt düst und das grüne Spitzenpersonal im E-Auto unterwegs ist.
    Habeck mag den Smartie geben und etliche Journalisten begeistern, aber hinter dieser
    Maske stecken mE. die “guten, alten” Fundis der frühen Achtziger nebst der Karrierorientierung eines “Joschka” als Inkarnation der “Ich-AG”.
    Und, nicht zu unterschätzen: Frau Merkel braucht neue Partner, die alten sind moribund. Daher die Begeisterung der “Hauptstadtpresse”.

  • Kurt
    28. August, 2018

    Über das Wasser laufen kann er nicht, der grüne Messias, wenn es fast vollständig verdunstet ist. Vielleicht über das Polarmeer, um dort die letzten Eisbären zu retten. Das könnte die notwendigen Prozente von den Jungwählern bringen, um sich Merkel als alternativlos andienen zu können. Die SPD im Überlebenskampf nervt doch immer mehr. Aber wäre das “krass, cool, alles supergeil”? Die Überschrift wirkt so, als wollten sich 35-Jährige bei 18-Jährigen einschleimen. Claudia Roth könnte man es auch zutrauen. Die ominöse linke Mitte, wo soll man die eigentlich verorten? Links sind sie alle mehr oder weniger, ausgenommen die AfD. In der Mitte, mittemittelinks, mittelinkslinks…., da treten sie sich fast alle auf den Füßen herum. Auch die CSU macht allenfalls auf mittemitterechts.

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