Der Schweißer und Autor Wolfram Ackner betätigt sich neuerdings auch als Politikberater. Von ihm können alle noch etwas lernen – am allermeisten Friedrich Merz
Ein Thema, das mich gleichermaßen interessiert wie fasziniert, ist das Thema „Comedy in der Spitzenpolitik“. Gut, gepflegtes Heucheln und Flunkern gehörte schon immer zum Handwerkszeug eines Politikers. Früher bezahlten Politiker für Mediencoachings. Heutzutage hat man eher das Gefühl, dass sich Kabarettisten von Politikern coachen lassen.
Aber wer kümmert sich dann um die politischen Profis? Die Antwort lautet: ich. Ich produziere gelegentlich Comedy, und der Brückenschlag zur Politik regt mich an, siehe oben. Ich coache also zurück. Von mir können alle noch etwas lernen: Friedrich Merz, Lars Klingbeil, sämtliche Grünen (ich kann Franziska Brantner und Ines Schwerdtner nie auseinanderhalten, weder optisch noch sonst, deshalb im Plural). Selbst Andreas Stoch, der sozialdemokratische Paté von Baden-Württemberg – Sie wissen schon, der Arbeitervertreter mit Vorliebe für Entendelikatessen aus Frankreich – könnte seine Performance nach ein paar Sprechstunden bei mir wieder verbessern.

Im Prinzip steht meine Praxis allen offen. Außer Angela Merkel. Der kann ich nichts mehr beibringen.
Die Neujahrsansprache von Kanzler Merz lieferte ein gutes Beispiel für staubtrockenen Buster-Keaton-Humor aus Berlin-Mitte. „Wir leben in einem sicheren Land“ und „Wir bauen Bürokratie ab“ sind Sprüche von der Sorte, bei denen ein Mario Barth auf der Bühne innehält, um den Zuhörern die Zeit zu geben, sich in Ruhe auszukichern. Nicht großartig, aber für ein Publikum ohne übertriebene Ansprüche ganz in Ordnung. Nur blieb es bekanntlich nicht dabei. Vieles, sehr vieles an den Auftritten von Merz lässt sich noch verbessern. Und zwar von mir.
Erinnern Sie sich noch, wie Friedrich Merz vor der Wahl verkündete, dass er ab Tag eins seiner Kanzlerschaft die Bundesgrenzen per Bundeskanzler-Richtlinienkompetenz für Asylbewerber schließen und alle Ausreisepflichtigen und nichtdeutsche Straftäter in Abschiebehaft nehmen lassen wird? Seine begleitende Darstellung auf der Pressekonferenz war so unfassbar großartig! Der unbeirrbare Ernst, die wilde Entschlossenheit, der laute, feste Ton. Das hatte etwas wahrhaft Luthereskes. Da stand der Friedrich vor der Hauptstadtpresse und konnte nicht anders: „Mir ist es völlig gleichgültig, wer diesen Weg politisch mitgeht. Ich sage nur, ich gehe keinen anderen. Und wer ihn mit mir gehen will, muss sich nach diesen fünf Punkten richten. Kompromisse sind zu diesen Themen nicht mehr möglich!“
Ich möchte Ihnen von einem recht exemplarischen Abschiebefall erzählen, ohne für oder gegen Abschiebungen Stellung zu beziehen. Denn man kann sich durchaus fragen, was derartige Aktionen überhaupt bezwecken. Am 18. Dezember 2024 wurden in der Erstaufnahmeeinrichtung in Wünsdorf bei Berlin vier Kenianer, drei Männer, eine Frau, von einer Brandenburger Polizeieinheit festgenommen, anschließend mit zwei Minibussen einmal quer durchs Land zur holländischen Grenze gefahren, dort der Bundespolizei übergeben, die sie den niederländischen Behörden überreichte, da die vier in den Niederlanden ihren Erstantrag auf Asyl stellten. Nach Recherchen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) war der erste dieser Kenianer bereits am Folgetag wieder in Wünsdorf, noch vor den Brandenburger Beamten, die ihn abgeschoben hatten. Denn die mussten sich vor der Rückreise an die vorgeschriebenen Ruhezeiten halten. Die beiden anderen Männer schlugen Anfang Januar 2025 wieder auf – und natürlich bezogen sie auch sofort wieder staatliche Leistungen. Das ist die Realität, über die wir reden. Und dann stellt sich der Merz hin und verspricht in ultimativem Eiserner-Kanzler-Ton, im Falle seiner Wahl Hunderttausende in Abschiebehaft zu nehmen? Klar doch. Ich hätte dann gern noch ein kostenloses E-Auto und eine Wärmepumpe zum halben Preis.
Es ist ja nicht so, dass ich absolut kein Verständnis dafür hätte, dass es Politiker aus purem Selbsterhaltungstrieb mit der Wahrheit nicht immer so genau nehmen können. Es gab einmal eine, die versuchte es trotzdem. Das war Angela Merkel 2005. Und sie scheiterte mit diesem Experiment grandios.
Sie erinnern sich vielleicht: Die erste rotgrüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder war beim Wahlvolk komplett unten durch, untereinander zerstritten, rien ne va plus, und Kanzler Schröder stellte im Bundestag die Vertrauensfrage, um den Weg für Neuwahlen freizumachen. Eigentlich war der CDU-Durchmarsch bei der vorgezogenen Bundestagswahl schon in Sack und Tüten – bis plötzlich Angela Merkel in ihrer Siegesgewissheit übermütig wurde und etwas Neues ausprobierte. Nämlich dem Wähler die Wahrheit zu erzählen. Dass in Deutschland die Lohnnebenkosten zu hoch sind, um auf Dauer konkurrenzfähig zu bleiben, und man um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent nicht herumkommt, um damit im Gegenzug die Senkung der Lohnnebenkosten zu finanzieren. Außerdem versprach sie ganz konkret ein einfacheres Steuermodell. Verbrauch stärker belasten, um Arbeit und Einkommen zu entlasten – das klang ungewohnt vernünftig.
Das ungläubige Gelächter im Willy-Brandt-Haus kann ich mir lebhaft ausmalen. Gerhard Schröder muss sich gefühlt haben wie der alte griechische König Menelaos vor Troja. Deine Sache ist komplett aussichtslos – und plötzlich siehst du, wie diese idiotischen Trojaner dein riesiges Holzpferd, deine letzte verzweifelte Schnapsidee, glücklich lachend in ihre Stadt schieben.
Nach Merkels damaliger Steilvorlage legten die Sozen nochmal richtig so los: „MERKELSTEUER / DAS WIRD TEUER“, dazu das heilige Versprechen, mit der SPD würde es eine Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 18 Prozent garantiert nicht geben. Damit haben die Genossen 2005 die wolkenkratzerhoch favorisierte Union doch noch fast auf der Ziellinie abgefangen und zumindest in die nach 1969 zweite große Koalition der Bundesrepublik gezwungen. Ganz nebenbei, Große Koalition – aus heutiger Sicht klingt das lustig. Heute feiert sich die SPD in ihrem Gründungsland Sachsen, wenn sie 7,3 Prozent erreicht. Aber man darf nicht außer Acht lassen, dass die SPD nicht immer diese linke Splitterpartei war, die Themenfelder wie Gendern, Tampons auf Männertoiletten und Radwege in Peru beackert.
Jedenfalls: Aus diesem einen Fehler ganz am Anfang lernte Merkel. Sie versuchte es nie wieder mit einer Festlegung vor der Wahl, sie vermied später überhaupt Sätze, auf die sie jemand hätte festnageln können. Als sie beispielsweise 2015 ihr berüchtigtes „Wir schaffen das“ sprach, erklärte sie weder, wen sie mit „Wir“ meinte, noch, was eigentlich geschafft werden sollte. Das war schlau.
Die Tragik oder vielmehr die Fehler des Friedrich Merz liegen darin, dass bei ihm anders als bei Merkel die Lernkurve flach bleibt. Er legte sich nicht nur damals fest, indem er bis zum 23. Februar 2025, Punkt 18 Uhr, den breitschultrigen Asyl-Hardliner, Neuschulden-Verhinderer, NGO-Sumpf-Austrockner, Heizungsgesetz-Abschaffer und Stromkosten-Reduzierer gab. Ab 18:01 Uhr galt dann sukzessive nicht nur das Versprechen nicht mehr, sondern das komplette Gegenteil. Darauf, dass die meisten Wähler das Gedächtnis von Fruchtfliegen haben, kann man sich als Politiker eigentlich immer verlassen. Aber hier handelte es sich um eine komplett neue Dimension. Und auch danach legte er sich immer wieder neu fest. Die Zahl der neuen Asylanträge, erklärte Merz bei seiner Amtsübernahme, sollte 2025 deutlich unter 100 000 liegen. Sie lag dann mit fast 120 000 deutlich darüber. Danach versprach er den „Herbst der Reformen“, womit er den Herbst 2025 meinte. Er hätte doch wenigstens die Jahreszahl weglassen können, mein Gott. Beim Bürgergeld wollte er einen zweistelligen Milliardenbetrag sparen. Nach den winzigen Änderungen, die ihm die SPD erlaubte, ist noch nicht einmal sicher, ob es auf einen zwei- oder einstelligen Millionenbetrag oder überhaupt auf eine Einsparung hinausläuft.
Wenn man ihn darauf anspricht, dann kommt der Merz mit dem Claudia-Roth-Gesicht, von dem ich vorhin sprach. „Den! Vorwurf! der! Wählertäuschung! möchte! ich! mir! entschieden! verbitten!“ Genau damit wirkt er allerdings wie ein ertappter Ladendieb, der mit hochrotem Kopf abstreitet, dass die Cognacflasche in seiner Jacke eben noch im Regal stand. Jaja, dann verbitte mal schön. Und dann das lahme Argument, dass man in der Politik Kompromisse machen muss: Sauerland-Schätzchen, wenn die SPD mehr Schulden machen möchte, und die CDU das verhindern will, dann lautet der Kompromiss, moderat neue Schulden aufzunehmen – und nicht diese geisteskranke Summe von einer Billion Euro, ein Mehrfaches dessen, was SPD und Grüne ursprünglich wollten. Einen Kompromiss zu finden zwischen der SPD-Forderung nach einer Grundgesetzänderung im neuen Bundestag, um die Schuldenbremse zu lockern, und dem strikten Nein der CDU, war zugegebenermaßen schon knifflig. Denn das war eine Geschichte, bei der ein Kompromiss unmöglich ist. Da kann es nur entweder oder geben. Entweder die SPD setzt sich durch mit ihrer Forderung oder die Union beharrt auf ihrer Ablehnung und ihrer Begründung, dass wir angesichts der Rekordsteuern kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem haben.
Aber auch hier hat sich der Magier Merz etwas einfallen lassen: Es bleibt dabei. Keine Grundgesetzänderung im neuen Bundestag. Wäre ohne die mächtig erstarkte AfD auch gar nicht möglich gewesen. Aber als Kompromisslösung könnte man ja noch mit dem alten, abgewählten Bundestag diese Grundgesetzänderung in einer Nacht-und-Nebelaktion beschließen. Und bitte erspart mir das Ammenmärchen, dass der arme Mann keine andere Wahl zu haben glaubte, weil er nach Trumps Ankündigung einer bedeutenden Verlautbarung dachte, der amerikanische Präsident wolle den Austritt seines Landes aus der NATO verkünden und dass er, Merz, als verantwortungsvoller Kanzler in einer unvorhergesehenen Situation einfach nur die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands sicherstellen wollte. Merz hatte schon vor der Wahl, während er noch von Sparkurs, Einhaltung der Schuldenbremse und Entbürokratisierung fabulierte, beim ehemaligen Verfassungsrichter Udo Di Fabio für 9500 Euro ein Gutachten in Auftrag gegeben, ob eine Last-Minute-Grundgesetzänderung mit dem abgewählten Bundestag rechtlich gesehen durchführbar wäre. Sicher hättest du auch vor dreißig Jahren nach so einer Nummer deine exklusive 20:15 Uhr Airtime bei den Öffis gekriegt. Allerdings in der Sendung „Vorsicht Falle – Nepper, Schlepper, Bauernfänger“, nicht im Format „Neujahrsansprache des Bundeskanzlers“.
Die SPD machte damals bei der Mehrwertsteuer vor, wie es geht: Sie schüttelte sich ganz kurz, vermied jeden Anschein eines schlechten Gewissens und lobte sich im Gegenteil selbst für so viel Abgebrühtheit. Erinnern Sie sich eigentlich noch, wie der erwähnte hochheilige Schwur 2005 ausging, dass mit der SPD eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent nicht zu machen ist? Die haben Wort gehalten. Auf Politikerart. Die haben eine Erhöhung auf 19 Prozent durchgesetzt und gleichzeitig eine Einkommenssteuerreform für immer beerdigt. So arbeiten Profis.
Kurzum, Merz fehlt die Lockerheit der SPD damals 2005. Ihm fehlen die Nerven der Grünen, die der jetzigen Wirtschaftsministerin der CDU, der „Gas-Kathi“, mit gespielter Wut vorwerfen, dass sie die Gaskraftwerke bauen lassen will, die schon Robert Habeck plante. Vor allem versteht Merz nicht, dass er, wenn ihm schon diese Geschmeidigkeit abgeht, den Fehler der Festlegung wenigstens nicht ständig wiederholen sollte. Stattdessen schafft er noch eine Steigerung, die man kaum für möglich gehalten hätte: Nach einer Untersuchung des ifo-Instituts fließt der allergrößte Teil der gegen das Wahlversprechen aufgenommenen Sonderschulden noch nicht einmal wie versprochen in die Reparatur von Straßen, Schienen, Brücken und kaputten Schulen, sondern versickert irgendwo im Bundeshaushalt, aus dem auch Kühlschränke für Kolumbien, allein 2026 30 Milliarden Euro für die Subventionierung von Solar- und Windkraft und tausend andere Spezialinteressen fließen. Der Kanzler und CDU-Chef versucht also einen doppelt eingesprungenen Merzberger der Öffentlichkeitsveralberung.
Erinnern Sie sich an die Daum-Hoeneß-Affäre? Uli Hoeneß stellte damals Christoph Daum als Kokser bloß, um ihn als Bundestrainer zu verhindern. Hoeneß wurde daraufhin von der Presse regelrecht gevierteilt. Alles abstreiten und den Empörten mimen – das hätte Daum tun sollen. Das kann doch verdammt nochmal nicht so schwer sein, ein Gesicht zu ziehen wie Claudia Roth, wenn man sie beispielsweise fragt, warum sie den damaligen iranischen Botschafter in Deutschland, der für den Tod tausender Oppositioneller verantwortlich gemacht wird, bei der Münchner Sicherheitskonferenz fröhlich lachend mit High-Five abklatscht, oder warum sie 2015 als damalige Bundestagsvizepräsidentin – und damit als eine der höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik – in Hannover bei einer Demo wenige Meter hinter vermummten Linksradikalen und einem Lautsprecherwagen herlief, aus dem jemand „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ deklamierte.
Einfach nur diese zwei simplen Dinge: Abstreiten, das allerentrüstetste Claudia-Roth-Gesicht ziehen – und dann zum Gegenangriff übergehen. Was machte Christoph Daum stattdessen? Rennt zum Labor und besteht auf einen freiwilligen, unaufgeforderten Drogentest. Genau das ist das Level der Unprofessionalität. Friedrich Merz ist der Christoph Superdaum der Politik, der immer wieder eine lange weiße Linie zieht, und mit seiner ungeschickten Art immer wieder neu den Beweis dafür auf dem Silbertablett liefert.
Was rate ich nun Friedrich Merz? Das ist ziemlich einfach: Wenn du in einem Loch steckst, dann grab‘ mit doppelter Geschwindigkeit weiter in der Hoffnung, auf der anderen Erdseite wieder herauszukommen. Praktisch heißt das: Vereinbare für die zweite Hälfte der Legislaturperiode noch einmal neue Schulden von, sagen wir, zwei Billionen Euro. Und zwar mit der Begründung: Mit der ersten hat es leider nicht geklappt. Wer sich darüber aufregt, bekommt es mit einer starken Klarnamenpflicht zu tun. Also: Handle stets so, dass deine vorerst letzte Wählertäuschung zur Fußnote schrumpelt. Schau dazu selbst- statt schuldbewusst.
Und nun zu den Grünen. Hier lautet mein Ratschlag, endlich Robert Habeck zurückzuholen, bevor er sich im Danish Institute for International Studies zu Tode langweilt oder noch anfängt, in Möbelhäusern Möglichkeitsräume zu eröffnen. Warum? Erstens: Wer auch in Zukunft will, dass Lehrerinnen, EKD-Pastorinnen, Verwaltungs- und NGO-Angestellte grün wählen, der muss ihnen jemanden geben, den dieser Personenkreis liebt. Und nicht das Trio Brantner-Dröge-Haßelmann, das genau so aussieht wie ein Gemeinschaftskundelehrerinnen- und Kirchentagskränzchen. Wer zum Harry-Styles-Konzert geht, möchte dort schließlich auch Styles auf der Bühne sehen und nicht die mehrgewichtigen Fan-Damen aus der ersten Reihe.
Zweitens: Habeck besitzt genau diese Geschmeidigkeit und Abgebrühtheit, die Merz bis jetzt fehlt. Ich meine, im Bundestagswahlkampf setzte er sich mit kunstvoll verwuscheltem Haar an kuratierte Küchentische, um einen herrschaftsfreien Diskurs zu üben, der wie Habermas in einfacher Sprache klang: Während ich den zwanglosen Zwang des besseren Arguments an dir übe, kannst du ruhig meinen Pullover streicheln. Der gleiche Habeck erstattete Anzeige gegen eine alleinerziehende Mutter, weil sie ein Meme teilte, das ein Foto von ihm mit dem vermeintlichen Zitat zeigte: „Ein Laden, der aufhört zu verkaufen, ist doch nicht pleite. Er verdient nur kein Geld mehr.“ Begründung: Das hat er nicht gesagt. Diese alleinerziehende Mutter wurde von Beamten bei der Arbeitsstelle aufgesucht, damit es ja auch die Kollegen mitkriegen, was sie da für eine Social-Media-Hassnatter am Busen genährt haben, während zur gleichen Zeit in ihrer Abwesenheit ihre Wohnung durchsucht und alle internetfähigen Geräte beschlagnahmt wurden, auch die des Kindes. Und die Frau verfügte über einen Social-Media-Account ohne jede Reichweite. Das geteilte Meme mit dem Falschzitat wurde von ein paar hundert Leuten zur Kenntnis genommen.
Und jetzt hören wir uns doch einfach mal an, was Herr Habeck wirklich sagte: „Dann sind die [gemeint sind die betroffenen Läden und Betriebe, Anm. d. Autors] nicht insolvent, automatisch, aber sie hören vielleicht auf zu verkaufen.“ Das Meme gab also korrekt, wenn auch nicht wortwörtlich, den Inhalt seiner Nonsens-Aussage wieder. Nur die Anführungszeichen waren fehl am Platz. Und für so etwas schickte im Jahr 2024 ein Bundesminister persönlich die Staatsmacht gegen einen bis dato unbescholtenen Nobody in die Spur. Deswegen, falls diese Anekdote einige Leute zu sehr aufregt, hier ein kleiner, absolut gerichtsfester Tipp. Habeck einen „Vollpfosten“ zu nennen, kostet 2100 Euro. Ihn einen „Vollidioten“ zu nennen, ist dagegen kostenlos, zumindest nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Hamburg. Für weitere Spartipps folgen Sie mir bitte auf Facebook.
Den Sozialdemokraten empfehle ich insbesondere nach den letzten beiden Landtagswahlen und vor den Wahlen im Osten die Fusion mit den Grünen. Als kleine Einheitspartei käme man wahrscheinlich noch ins Parlament von Sachsen-Anhalt. Nur nicht lange warten: Bei Fusionen gibt es immer einen stärkeren und einen schwächeren Teil. Das kennt man aus der Wirtschaft und von der Ehe. Den Sozialdemokraten würde es jetzt noch vergleichsweise leicht fallen, Posten für sich in dem Gemeinschaftsprojekt herauszuhandeln. Jedenfalls deutlich leichter als in vier Jahren, wenn sie im gesamten Osten und in Bayern zur APO gehört. Und um Posten geht es doch. Hören Sie sich die Partei an. Dort heißt es nach der Wahl: „Keine Personaldiskussionen“. Und zwar vom Personal.
Bevor es an die Fusion geht, gibt es aus meiner Praxis noch einen goldenen nachträglichen Tipp speziell für den oben erwähnten Sozialdemokraten Andreas Stoch. Sie wissen schon, den Arbeiterversteher aus Baden-Württemberg mit der Entenpastete. Eigentlich meinte der Mann überhaupt keine Pastete, also ein Gebäck, sondern Paté, einen Aufstrich, in diesem Fall aus Entenleber. Die kommt zwar in proletarischen Haushalten auch ungefähr so selten vor wie ein persönlicher Chauffeur, den man zum Einkaufen nach Frankreich schicken kann. Genosse Stoch, Sie hätten einfach in dem SWR-Film sagen sollen, dass Sie gern Leberwurst essen. Das wäre nicht direkt gelogen gewesen. Die Details über die Beschaffung lässt man weg.
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