Liebe Leser von Publico,
für die längere Pause gibt es einen Grund, der niemanden besorgen muss: die letzten Arbeiten an einem neuen Buch von Alexander Wendt, das ab November bestellt werden kann.

In der kommenden Woche geht es im gewohnten Publikationsrhythmus weiter. Auf einen Text von Dirk Schwarzenberg folgen neue Veröffentlichungen von Alexander Wendt und anderen Publico-Autoren.
An Themen mangelt es nicht – ganz nach der alten chinesischen Verwünschungsformel: Mögest du in interessanten Zeiten leben. In Kurzform: 生不逢时.
Wir danken allen Lesern für Ihre Geduld und ihre fortwährende Unterstützung.

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1 Kommentar
  • Werner Bläser
    12.09.2026

    Was hat Herrn Wendts Blog-Pause mit Fußball zu tun? Nun, während der Bundesligapause im Sommer müssen wir ja irgendwie die schreckliche, die fußballose Zeit überbrücken. Versuchen wir, in gleichem Sinne über die wendtlose Zeit hinwegzukommen! Indem wir selbst einige unwesentliche Bemerkungen hier anbringen.
    – Es ist mir selbst absolut unerklärlich, aber seit einiger Zeit drängt mich irgendetwas, mich mit geisteskranken Herrschern zu befassen; ich habe wirklich keinerlei Ahnung, wie ich darauf gekommen bin. Ich glaube, ich habe hier schon einmal den französischen König Karl VI. erwähnt dessen Beiname sich vom „Vielgeliebten“ zum „Wahnsinnigen“ wandelte. Nun, wenn man glaubt, der eigene Körper bestünde aus Glas, ist das vielleicht nicht unverständlich.
    – Auch die Engländer standen hier nicht zurück und verfügten mit George III. über einen Herrscher, der mehr als nur einen „Spleen“ hatte. Der König konnte, so Zeitgenossen, über viele Stunden reden, bis ihm buchstäblich Schaum vor dem Mund stand. Daß der gute George Probleme hatte, bei Sinnen zu bleiben, ist vielleicht verständlich. Schließlich mußte er sich mit den Amerikanern und ihren Unabhängigkeitsbestrebungen herumschlagen, und obwohl damals noch nicht Trump dort am Ruder war, können einen die Amis ja mitunter durchaus zum Wahnsinn treiben. (Könnte es sein, daß dies einiges an der deutschen Politik erklärt??).
    – In der indischen Geschichte fällt Mohammad bin Tughlaq auf, der das Sultanat Delhi von 1325 bis 1351 regierte. Er war eigentlich hochgebildet, neigte aber zu völlig irren Großexperimenten mit der Bevölkerung; so ließ er das staatliche Zentrum von Delhi über 1100 Kilometer nördlich nach dem kleinen Daulatabad verlegen und zwang einen großen Teil der Bevölkerung Delhis zur Umsiedlung dorthin. Sein neu eingeführtes Geld führte zu Inflation und wirtschaftlichem Kollaps.
    Gottseidank sind in unseren heutigen aufgeklärten mitteleuropäischen Umständen Bevölkerungsexperimente und Zerstörung von Währung und Wirtschaft ausgeschlossen.
    – Entsprechend ihrer Bevölkerungszahl und des Alters ihrer Kultur erstaunt nicht, daß die Chinesen von dieser Sorte Staatenlenker ebenfalls ein paar besonders deftige Exemplare hatten.
    Kaiser Sima Zhong (290-307), dem man sagte, daß seine Untertanen zu wenig Getreide zu essen hätten, fragte, warum sie denn keine Fleischsuppe äßen, was ihn als geistiges Vorbild für Marie Antoinette ausweist. Als er das Quaken von Fröschen aus einem Teich hörte, hielt er dies angeblich für ein Gespräch unter Geschäftsleuten (nun ja, ich gebe zu, man kann darüber streiten, ob es da nicht doch Ähnlichkeiten geben könnte).
    Kaiser Gao Yang (550-559, ich nenne sie alle hier bei ihren persönlichen, nicht ihren Herrschernamen) begann seine Karriere als ein durchaus fähiger Anführer, doch zeigte sich bei ihm bald die Neigung, zu tief ins Gläschen zu schauen. Er neigte schließlich zu bizarren öffentlichen Spektakel und lief sogar nackt durch die Strassen.
    (Bitte, Herr Merz, falls Sie dies lesen: machen Sie dies um Gotteswillen NICHT nach; wenn jemand aus der Regierung unbedingt nackt durch die Strassen laufen muß, überlassen Sie das bitte Ihrer Wirtschaftsministerin, Frau Reiche!).
    Kaiser Liu Ziye, 464-465, war ein Tunichtgut von neronischen oder caligulanischen Ausmaßen. Er richtete Leute nach Belieben hin, wenn er schlechte Laune hatte, beging Inzest, und zwang Hofdamen, sich nackt auszuziehen (da Chinesinnen nicht das lockere Verhältnis zu Hüllenlosigkeit haben wie Schwedinnen oder Finninen) ist zu vermuten, daß die Damen eher „not amused“ waren).
    Zhou Youjian, 1627-1644, war von extremer persönlicher Unsicherheit geprägt und mißtrauisch bis zum Psychotischen (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht beabsichtigt und wären rein zufällig). Er ließ seinen siegreichen Heerführer, der ihm gerade den Allerwertesten vor den heranrückenden Manchu-Heeren gerettet hatte, hinrichten. Er fiel nämlich in seinem krankhaften Mißtrauen auf ein Gerücht herein, das der feindliche Heerführer hatte streuen lassen: dergestalt, daß der chinesische General heimlich mit ihm verhandelt hätte.
    So wurde General Yuan Chonghuan vom Kaiser zu einer besonders unangenehmen Hinrichtungsart verurteilt, dem „Tod durch tausend Schnitte“ (Lingchi), bei der man langsam in Stücke geschnitten wird. Der General war allerdings, darin sind sich Historiker heute einig, höchstwahrscheinlich völlig unschuldig.
    – Da sich die Leserzahl des Blogs, wie ich gehört habe, stark vergrößert haben soll, weiß ich natürlich nicht, wer hier alles mitliest. Falls Alice Weidel und Tino Chrupalla hier sind, habe ich eine spezielle Botschaft für Sie: Herr Merz beschuldigt Sie eines monströsen Verbrechens, der Planung einer „ethnischen Säuberung. Ist ja eigentlich noch schlimmer als Verhandeln mit dem Feind Putin.
    Ich kann Sie beruhigen, haben Sie keine Angst: Erstens ist unser geschätzter Bundeskanzler natürlich weder verrückt noch psychotisch. Und außerdem ist die Hinrichtungsmethode der 1000 Schnitte seit 1905 verboten.
    Jedenfalls in China.

    • Werner Bläser
      13.09.2026

      Passend dazu:
      „Das Ziel des Lebens besteht nicht darin, auf der Seite der Mehrheit zu stehen, sondern zu vermeiden, in den Reihen der Verrückten zu landen.“ (Marc Aurel, nun ja…).
      – Das Zitat findet sich in den Übersetzungen von Tolstois „Besinnt Euch!“ (Kap. 8). Und WIRKLICH nur in den Übersetzungen. Sowohl bei Marc Aurel als auch in Tolstois Original kommt es nicht vor. Woraus wir zweierlei ableiten können:
      1. Es wäre besser gewesen, Marc Aurel HÄTTE es gesagt, denn es ist zweifellos weise.
      2. Manche Übersetzer sind verrückt.

    • Gisela Mueller
      13.09.2026

      Danke, schöne Beispiele!
      Nur: Entsprechend + Dativ

      • Werner Bläser
        14.09.2026

        „Entsprechend ihrer Bevölkrungszahl“ – was für ein Fall ist das Ihrer Meinung nach?😉

        • Gisela Mueller
          15.09.2026

          Leider Genitiv. Denn der Satz geht ja weiter:
          „Entsprechend ihrer Bevölkerungszahl und des Alters“
          Müßte aber heißen: Entsprechend ihrer Bevölkerungszahl und dem Alter….
          Also muß da ein Dativ hin. Man kann es sich aber selbst aufdröseln:
          Das entspricht nicht dem Alter… (und nicht: das entspricht nicht des Alters…).
          Der weitverbreitete Fehler kommt wohl daher, daß beim Femininum Genitiv und Dativ gleich lauten. Wie z.B. bei der „Bevölkerungszahl“.

          • Werner Bläser
            16.09.2026

            Sie haben Recht. Pisa hat bei mir voll zugeschlagen. Muß daher kommen, daß ich lange in der Nähe, in Lucca, gewohnt habe.

          • Gisela Mueller
            19.09.2026

            Kurz: dementsprechend!

  • Thomas Wiedemann
    19.09.2026

    Es ist wieder mal ein Genuss für meinen dahindümpelnden morgendlichen Synapsenwald, beim Lesen dieses kurzen Hinweises auf das kommende Buch von Alexander Wendt mit einer chinesischen Verwünschungsformel beworfen zu werden. Was mich zur sofortigen Suche über Google Translate sowie einer Schnellsuche im WWW mit den chinesischen Schriftzeichen veranlasst hat. Ich bedanke mich für den „Hirninput“ und bin auf das bald erscheinende Buch gespannt.