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Gute Nachricht: in China scheint das Schlimmste vorbei zu sein

Auch in anderen ostasiatischen Ländern steigt die Zahl der von Covid-19 Genesenen. Ganz langsam kehren die Menschen zum Normalbetrieb zurück

Vor etwa einem Monat wagte der chinesische Epidemologe Zhong Nanshan, 83, eine Prognose: das Schlimmste werde China im April überstanden haben, dann werde sich die pandemische Kurve umkehren. Seine Voraussage scheint sich jetzt zu bestätigen.

Zhong Nanshan genießt in China hohes Ansehen: Er war einer der führenden Ärzte bei der Bekämpfung des SARS-Ausbruchs 2003. Nach dem Beginn der SARS-CoV-2-Epidemie kritisierte er öffentlich die Behörden in Wuhan, die im Dezember erste Meldungen über das Virus unterdrückt und erst spät gegegengesteuert hatten: „Sie haben ihre Arbeit nicht gut gemacht.“

Für chinesische Verhältnisse ist das eine harsche Kritik. Nachdem der Arzt Li Wenliang im Februar 2020 an Covid-19 starb, der von der Polizei zuerst eingeschüchterte Whistleblower von Wuhan, weinte Zhong Nanshan in einem Fernsehinterview, als er davon sprach. Auch das, eine heftige Gefühlsregung in der Öffentlichkeit, gilt in China als sehr ungewöhnlich. Sehr viele Chinesen nehmen das als Zeichen, dass sich der Wissenschaftler nicht verstellt.

Pandemische Kurven verlaufen üblicherweise in Glockenform: Den steilen Anstieg zu Beginn bremsen die Quarantänemaßnahmen etwas ab, schließlich erreicht die Linie ihren Höhepunkt oder ein kurzes Plateau, dann nehmen die Neuerkrankungen sehr stark ab, die Zahlen der geheilten Patienten dagegen mit einer Dynamik zu, die der Erkrankungsdynamik vorher entspricht. Als Messgröße dafür dienen die so genannten aktiven Fälle, also die kumulierten Erkrankungsfälle minus die der Genesenen. Nach den Zahlen des Johns Hopkins Corona Resource Center steht für China der Moment unmittelbar bevor, an dem beide Linien einander schneiden. Danach gibt es Stand 18. März in Hubei, der am stärksten betroffenen Provinz mit 67 800 gezählten Infizierten mittlerweile 56 927 Genesene und nur noch 7 751 aktive Fälle (bei insgesamt 3122 Toten). In Hubei und besonders Wuhan lag die Zahl der Toten aus den gleichen Gründen so hoch, aus denen in Italien so viele Patienten sterben: Die große Menge der fast zur gleichen Zeit Erkrankten sprengt die Kapazität des Gesundheitssystems.

Der aktuelle Vergleich zwischen China und dem europäischen Land zeigt die Proportionen: In Italien liegt die Zahl der positiv Getesteten per 16. März bei 31 506, genesen sind bisher nur 2 941 (bei 2 503 Toten). In den fünf am meisten getroffenen Provinzen Chinas liegt die Zahl der als wieder geheilt registrierten Fälle bei 61 720. Zusammen mit den weniger befallenen Regionen gelten schon über 70 000 Menschen in China als geheilt. Der mit Abstand größte Teil der etwas über 81 000 Genesenen weltweit entfällt demnach auf China. Dazu kommt ein fast völliger Stillstand bei Neuerkrankungen.

Es stellt sich die Frage: Wie vertrauenswürdig sind die Zahlen? Natürlich gehen sie durch den Filter der staatlichen Kontrolle in China. Ob sie sich tatsächlich exakt so verhalten wie von Johns Hopkins registriert, lässt sich deshalb nicht unabhängig prüfen. Die Proportion dürfte allerdings stimmen. Erstens entspricht die Entwicklung ziemlich genau der aus anderen Pandemien bekannten Kurve, zweitens der Erfahrung, dass die meisten an Covid-19 Erkrankten mit leichten oder mittleren Symptomen davonkommen, die sich gut behandeln lassen und wie eine Grippe ausheilen. Außerdem mussten Chinas Behörden viel Kritik für ihr zögerlichen Handeln und die Vertuschung am Anfang einstecken; Li Wenliangs Beispiel zeigt, dass es durchaus Whistleblower gibt, die in sozialen Netzwerken an die Öffentlichkeit gehen. Wären die Corona-Zahlen also völlig anders, könnte die Regierung das nicht landesweit über längere Zeit verbergen. Sie würde auch kaum eine zweite Erkrankungswelle durch ein zu schnelles Aufheben der Restriktionen riskieren – denn nahezu die gesamte Politik der Führung kreist um wirtschaftliches Wachstum, das 2020 ohnehin gering ausfallen wird.

Der Virologe Alexander Kekulé sagte am Dienstag auf die Frage, ob er den chinesischen Zahlen Glauben schenke: im Großen und Ganzen ja. Er beruft sich dabei auch auf seinen Informationsaustausch mit Ärzten in China, vor allem in Hongkong.

Die Zahlen aus China passen auch ziemlich gut zu der Entwicklung anderer ostasiatischer Länder. In Südkorea scheint der Höhepunkt ebenfalls bald vorüber, in Taiwan, Japan, Vietnam und Singapur, wo die Kurve durch schnelle Quarantänemaßnahmen ohnehin viel flacher verlief als in China und jetzt in Europa, steigt die Zahl der Genesenen auch rasch, während es kaum Neuinfektionen gibt.

In den meisten chinesischen Regionen kehrt langsam das Alltagsleben vor Covid-19 zurück. Das bestätigen auch Einwohner im direkten Gespräch. Restaurants öffnen beispielsweise wieder, wenn auch vorsichtig: Es muss zur Sicherheit ein leerer zwischen zwei besetzten Tischen liegen. Erste Unternehmen fordern ihre Angestellten zu zusätzlicher Arbeit am Samstag auf. Mit der Sechstagewoche versuchen sie, den Rückstand durch die Corona-Zwangsferien wieder aufzuholen.

Die Chancen stehen gut, dass im April und Mai die Wirtschaft in Ostasien wieder Tritt fasst. Zur gleichen Zeit erfahren in Europa und den USA Regierungen und Bürger erst, wie stark der Corona-Schock die Volkswirtschaften trifft, die Realwirtschaft, in Europa außerdem viele Banken. Europa und die Vereinigten Staaten begeben sich gerade in eine Blackbox.
Ihre Hoffnung liegt jetzt in Asien.

 

 


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6 Kommentare
  • Andreas Rochow
    18. März, 2020

    Wenn es keine Mittel gibt, das neue Virus durch Medikamente oder Impfstoffe in die Schranken zu weisen, dann ist das dramatisch! Ich musste Weihnachten 2019 mit meinen Söhnen “Pandemie” spielen. Als Arzt habe ich das für anrüchig gehalten. Heute denke ich anders darüber. Die Spielidee “Pandemie” ist eine globalistische Geschäftsidee geworden. Wer führt hier die Regie?

  • Arnim Kuhn
    19. März, 2020

    Lieber Herr Wendt,

    wenn Sie sich da mal nicht vertun. Selbst in offenen Gesellschaften sagen die gemeldeten Infektionszahlen kaum etwas aus, solange keine repräsentativen Zufallsstichproben genommen werden. Bei selektiver Testung von Verdachtsfällen, wie das derzeit eigentlich überall gemacht wird, haben wir nur die Durchseuchung der getesteten Subpopulation mal Anzahl der Tests. Je knapper die Tests, desto restriktiver die Auswahl der Testpersonen. In einer Diktatur wird die Aussagekraft der Daten dann völlig beliebig. Die KP China könnte etwa beschließen, die Ergebnisse geheim zu halten, weil man nicht auf Dauer 100 Mio Wanderarbeiter mit nichts dastehen lassen kann. Und das ist in Anbetracht der wahrscheinlich überschätzten Mortalität ein ziemlich starkes Argument.

  • Stefan Stulle
    19. März, 2020

    Wie erklären Sie die geringen Todeszahlen in Deutschland im Vergleich zum Beispiel zu Italien?

    Darüber bin ich gar nicht überrascht. Denn in Italien hat man nur die sehr schwer symptomatischen Fälle getestet. Dabei hat die aktuelle Studie aus Shenzhen zum Beispiel auch herausgefunden, dass sich Kinder genauso häufig mit dem Erreger anstecken wie Erwachsene, sie entwickeln allerdings nur leichte oder gar keine Symptome. Folgt man der Studie und legt zugrunde, dass 91 Prozent Covid-19 nur mit milden oder moderaten Symptomen durchmachen, dann haben sich die Italiener zunächst nur auf die verbliebenen neun Prozent fokussiert. Hinzu kommt, dass dort auch nachträglich die Toten auf Sars-CoV-2 getestet werden. Auch in China gingen anfangs die Todeszahlen stark in die Höhe, nicht aber die Infektionszahlen, weil man sich dort ebenfalls auf die Toten konzentrierte. Jetzt ist es umgekehrt, weil in China viel mehr getestet wird.

    Ein Virologe in der FAZ

  • Stephan Fleischhauer
    19. März, 2020

    Die Entwicklung in China ist zwar erfreulich, aber ich glaube kaum, dass die jetzt zum Alltag zurückkehren können. Denn die große Mehrheit ist ja immer noch anfällig für eine Infektion. Die müssen nach wie vor engmaschig kontrollieren und das Sozialleben drosseln. Sonst geht es nämlich wieder los.

  • Gerhard Sauer
    20. März, 2020

    Nach Angaben des Robert Koch Instituts nimmt die Zahl der Infizierten in Deutschland gemäß einer Exponentialfunktion mit 1,33 als Basis und der Anzahl der Tage seit Feststellung des ersten Infizierten als Exponenten zu. Ich nehme an, die meisten Leser von Publico wissen das bereits. Schritte die Infektion mit dieser Rate fort, wären alle 82 Millionen Einwohner nach 62 Tagen infiziert. Mit zunehmender Zahl der Infizierten nimmt die Progression jedoch ab, die Verbreitung des Virus verlangsamt sich. Virologen nehmen an, daß ab einer Durchseuchung von 60% der Bevölkerung die Neuinfektionen stark sinken und letztlich ausklingen. Angesichts dieser Zahlen erscheint es unwahrscheinlich, daß in China keine Neuinfektionen registriert werden. Die Schwelle von 60% haben sie noch lange nicht erreicht. Oder doch? Man kann nicht hinter die Große Mauer schauen, erst später wird man erfahren, ob die Meldung über den Stop der Infektionen stimmt.

  • Gerhard Sauer
    20. März, 2020

    Entschuldigung, ich melde mich schon wieder. Ich möchte auf den Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte und Zahl der Infizierten hinweisen. Es ist nicht schwer, die Hypothese aufzustellen, daß mit der Bevölkerungsdichte die Infektionszahlen steigen. Höhere Bevölkerungsdichte bedeutet häufigeren zwischenmenschlichen Kontakt und ein Anwachsen der Wahrscheinlichkeit für die Übertragung des Virus. Die Leser von Publico wissen das und werden mir meine Besserwisserei verzeihen. Hier nun ein paar aktuelle Zahlen in der Reihenfolge Stadt/Land, Bevölkerungsdichte (Einwohner/km²) und Zahl der Infizierten absolut und pro 100000 Einwohner:

    München: 4700 676 45
    Hamburg: 2430 506 28
    NRW: 526 4320 24
    BW: 310 2728 25
    Thüringen: 155 107 5

    Die von schwarz-grün-rot betriebene Erhöhung der Bevölkerungsdichte durch die Zulassung des Eindringens von „Migranten“ und Resettlement-Programme ist also auch beim Ausbruch einer Epidemie bedenklich, zusätzlich zu den generell nachteiligen Folgen für die ansässige Bevölkerung.

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