Abschied von Ost und West, Abschied vom Überlegenheitsgefühl, Abschied vom Bundestag – neue Bücher von Monika Maron, Joana Cotar und 14 Ex-Linken


 

Politisch völlig unberechenbar

Monika Maron schlägt in ihren Tagebüchern einen großen Bogen vom DDR-Osten über den Westen in die Gegenwart. Die präzisen Aufzeichnungen handeln von Brüchen – aber auch davon, wie sich bestimmte Muster wiederholen

von Alexander Wendt

Es gibt zwei Sorten von Tagebüchern: Echte, die der ungefilterten Aufzeichnung dienen, und Diarien, die mit Veröffentlichungsabsicht entstehen. Die ungefilterte und oft auch gegen den Verfasser rücksichtslose Variante wollten viele Tagebuchschreiber am Ende gar nicht oder nur in Auszügen mit der Leserschaft teilen. Franz Kafka ordnete an, nach seinem Tod alles bis dahin Ungedruckte zu vernichten, nicht nur die Tagebücher. Bekanntlich entschied sich sein Nachlassverwalter Max Brod anders. Als hätte er es geahnt, riss Kafka etliche Tagebuchseiten schon eigenhändig aus. Thomas Mann vernichtete einen Teil seiner intimen Aufzeichnungen, um zu verhindern, dass sie den Nationalsozialisten in die Hände fielen. Wolfgang Herrndorf weichte die Lebensnotizen kurz vor seinem Freitod in der Badewanne ein, um sie unleserlich zu machen, bevor er sie wegwarf.

Monika Marons private Notizen fallen in die Kategorie der echten Tagebücher. „Eigentlich war ich entschlossen, meine Tagebücher vor meinem Tod zu verbrennen, sie waren nie für die Veröffentlichung geschrieben“, heißt es auf dem Rückumschlag von „Immer noch freundlich, kaum noch geduldig“ – Tagebücher 1980-2021: „Nur zur Selbstverständigung und für meine Erinnerungen“. Wir können sie also entgegen der ursprünglichen Absicht der Verfasserin lesen. Um es vorwegzunehmen: zum Glück.
Marons Tagebücher besitzen literarisches, aber auch historisches Gewicht. Was macht echte Diarien überhaupt aus, abgesehen davon, dass ihre Autoren öfter daran zweifeln, ob sie jemand anderen hineinschauen lassen sollten? Echte Einträge ähneln der Straßenfotografie, sie halten einen Moment fest, von dem der Fotograf bis eben selbst noch nichts ahnte. Es gibt nur den Moment und das Festhalten, nichts davor und nichts dazwischen. Im besten Fall entstehen trotzdem hoch verdichtete Bilder, wie sie selbst mit großem Aufwand niemand inszenieren könnte. 
Diese Tagebuchsprache bringt nicht auf jeder Seite, aber ab und zu verdichtete Sätze zwischen Aphorismus und luzider Traumlogik hervor, die so gut wie nie in Romanen und Erzählungen der gleichen Autoren vorkommen. Denn dort müsste sich in eine Handlung einfügen, was im Tagebuch völlig losgelöst schweben darf.

Der berühmteste aller Tagebuchsätze stammt bekanntlich von Kafka: „Im Kino gewesen, geweint.“ Thomas Mann hätte seinen Eintrag „Zerwürfnis mit dem Pudel wegen seiner Unfolgsamkeit nach Auffindung abstoßender Dinge“ für einen öffentlichen Text wahrscheinlich ausgebaut und geglättet, im Tagebuch blieb er zum Glück genau so stehen. Am 21. Dezember 1970 notierte Ernst Jünger den erstaunlichen Gedankensprung: „Die Drogenszene. Ein Vorpostengefecht mit enormen Verlusten; hier fehlt ein Clausewitz.“ Genau diese Art unnachahmlicher Sätze findet sich in Monika Marons Tagebüchern, etwa, wenn sie über einen Abend mit Kollegen festhält, zu denen auch der Literaturkritiker Hellmuth Karasek gehörte: „Karasek hat geredet und geredet. Und hat es nicht gemerkt.“ Allein für solche Stellen lohnt sich die Lektüre.

Marons Einträge beginnen 1980, enden vorläufig 1991 und setzen 1997 wieder ein. Dieser Bogen, manchmal mit nur einer Notiz für ein ganzes Jahr, führt bis ins Jahr 2021. Der erste Teil beginnt, womit der zweite endet: Auf 230 Seiten schlägt sie den Bogen über 41 Jahre von einem ersten zu einem zweiten Bruch in ihrem Leben. Am 10. April 1980 erhält sie die dringend erwartete Nachricht aus Frankfurt, dass der S.Fischer-Verlag ihr Buch „Flugasche“ drucken will, das die Umweltzerstörung in der DDR am Beispiel Bitterfeld beschreibt. Im Osten darf es nicht erscheinen, weil sie sich weigert, abschwächende Änderungen vorzunehmen, die der Aufsichtsapparat unter dem für Literatur zuständigen Vize-Kulturminister Klaus Höpcke von ihr verlangt. „Höpcke erzählt über mich, ich hätte die Änderungen aus Faulheit nicht gemacht und ich sei unzuverlässig“, hält Maron fest, und kommentiert den Vorgang mit einem Satz, der von damals bis in die Gegenwart reicht: „Sie können es nicht lassen, politische Konfrontation in moralische Diffamierung zu verwandeln.“ Mit der Publikation im Westen endet ihre DDR-Existenz. Sie darf zunächst auf Zeit das Land verlassen.

Am 30. September 2019 hält sie fest: „Wie es aussieht, hat eine neue Zeit begonnen […]. Seit zwei Wochen ist das Vertrauen in meinen Verlag nach fast vierzig Jahren vollkommen zerstört.“ Ein Artikel zum 80. Geburtstag der langjährigen Verlagsleiterin Monika Schoeller nennt Marons Namen neben vielen anderen Autoren und Autorinnen des Verlags in einer ersten Fassung, dann verschwindet er wieder; „Nicht aufgezählt zu werden ist das eine, entfernt werden etwas anderes. Das ist meine Lage.“ Sie sieht sich aussortiert, den Grund kann sie nur ahnen, denn niemand sagt ihr offen, warum S. Fischer unter seiner neuen Leitung so tut, als würde sie nicht mehr dazugehören. Maron zählt zu den wenigen Intellektuellen in Deutschland, die sich kritisch mit Merkels faktisch bedingungsloser Grenzöffnung von 2015 auseinandersetzen. Sie fragte damals und fragt auch heute nach den Folgen der Einwanderung von Millionen Muslimen für eine bis dahin säkular und westlich geprägte Gesellschaft.

Spätestens seit ihrem Roman „Munin“ gilt sie mit diesen Ansichten bei den Korridorwächtern des Feuilletons als Verdachtsfall. Eigentlich schon vorher. Ihr Essay in der NZZ unter der Überschrift „Links bin ich schon lange nicht mehr“ erscheint 2017. Dort fragt sie: „Welche Achse hat sich gedreht, dass ich mich auf einer anderen Seite wiederfinde, ohne die Seite gewechselt zu haben?“ Trotzdem scheint sich das Verhältnis zwischen der neuen Fischer-Chefin Siv Bublitz und der Autorin wieder einzurenken, ihr nächster Roman soll dort erscheinen, auch ihre Essay-Sammlung – bis es 2021 zur Trennung auf offener Bühne kommt, die allerdings trotz stiller Vorbereitung ganz anders läuft als vom Management geplant.
Denn sie schreibt ein ursprünglich nicht geplantes, unpolitisches Buch über ihren Hund „Bonny Propeller“, den sie adoptiert, eigentlich wieder zurückgeben möchte und dann doch behält. Fischer lehnt das Manuskript ohne Begründung ab. In dem Moment weiß Maron, dass der Verlag nur noch auf die schon angekündigten Bücher wartet, um die Zusammenarbeit danach zu beenden. „Sie haben also geplant, mir einen Vertrag vorzulegen, den ich unmöglich hätte unterschreiben können“, schreibt sie im Juni 2021: „So wären wir sang- und klanglos auseinandergegangen. Frau Maron will zu viel Geld – und basta.“ Aus Verlagskreisen heißt es damals halboffiziell, Maron sei als Autorin mittlerweile „politisch völlig unberechenbar“. Zur öffentlichen Begründung bemüht der Verlag den moralisch aufgeladenen Vorwurf, dass Maron einen Band schon veröffentlichter Texte bei der hinreichend als rechts etikettierten Buchhändlerin Susanne Dagen herausbrachte. Darüber wusste man bei S. Fischer Bescheid und störte sich erst einmal nicht daran – bis zu dem Eklat, der nun ganz dringend nach einem passenden wording verlangte.

Bei allen Unterschieden wiederholt sich das Grundmuster von 1980, übrigens auch, was die Folgen betrifft: Sie findet mit Hoffman & Campe eine neue literarische Heimat, gleichzeitig bürgert der politisch-korrekte Kulturbetrieb sie endgültig und unwiderruflich aus. Dort beschäftigen sich seitdem die meisten Rezensenten kaum noch mit dem Inhalt ihrer Romane, sondern verfassen ein mittlerweile schon standardisiertes politisches Dossier über die Frau, „die immer wieder mit rechten Äußerungen für Empörung sorgt“ (so das Empörungsfachblatt Spiegel, das früher einmal Texte von Maron druckte). Der Deutschlandfunk stochert selbst noch im Hundebuch „Bonnie Propeller“ nach politisch bedenklicher Konterbande. Die Verfasser dieser Texte merken nicht einmal, wie sehr sie einem Klaus Höpcke im Typus ähneln – wobei Höpcke sehr wahrscheinlich wesentlich belesener war als seine Adepten.

Als die DDR-Behörden Maron nach längerem Hin und Her im Sommer 1983 schließlich erlauben, in den Westen zu fahren, will sie den Staat, in dem ihr Buch nicht erscheinen kann, noch nicht dauerhaft verlassen, sondern nur auf begrenzte Zeit herauskommen. Bis zuletzt bleibt es unsicher, ob man sie ziehen lässt. „Ich denke selten an die Reise“, schreibt sie am 16. Mai 1983, „jedenfalls nicht ernsthaft, höchstens wie an einen Hauptgewinn in der Lotterie, in der ich gar nicht mitspiele.“ Ihr Reisejahr erweist sich als ambivalentes Privileg. Jedenfalls handelt es sich nicht um den Hauptgewinn, der alles durchweg zum Besseren wendet. Sie tauscht die Probleme der Enge gegen die Schwierigkeiten in einem Westen, der in seiner Offenheit auch wenig Halt und Sicherheit bietet. „Ich war zweiundvierzig Jahre alt, reiste mit sehr wenig Geld, ohne Sprachkenntnisse, wohnte bei Freunden von Freunden, die mich weder kannten noch freiwillig eingeladen hatten“, heißt es in einer der wenigen nachträglich zur Erklärung eingeschobenen Stellen des Tagebuchs. Überwiegend stößt sie bei ihren Gastgebern auf Wohlwollen, von diesem Wohlwollen hängt ihr ziemlich prekäres neues Leben aber auch ab.

Ihre Aufzeichnungen aus den Achtzigern bieten den Lesern etwas Seltenes: den Blick von außen auf den Westen zu einer Zeit, in der noch niemand mit dem Fall der Mauer rechnete. In ihrem Tagebuch nimmt sie nicht die umgekehrte Perspektive vieler nach 1990 entstandener Texte westlicher Autoren ein, die den Osten an ihrem vertrauten Referenzpunkt messen und Unterschiede zum Westen als Normabweichung behandeln. Die Autorin kommt mit ihren Erfahrungen, aber nicht als Vertreterin des Ostens, des Staates sowieso nicht („Es gibt nichts, was ich für die DDR vorbringen könnte, nichts.“), sondern einfach als Monika Maron, eine skeptische, präzise Beobachterin mit einem Hang zu lakonischen Sätzen. Als sie in Frankfurt eintrifft, bevor es weiter nach London und später nach Paris geht, meint ihr Fischer-Lektor Thomas Beckermann zu ihr, er habe den Eindruck, sie sei „da und doch nicht da“. Aus diesem Zwischenzustand beschreibt sie. Er schärft die Sinne.

In London fällt ihr der selbstverständliche Umgang mit Tradition auf: „Anderthalb Meter von meinem Kopf entfernt hängt ein Kronleuchter. Hier hat man zu keinen Zeiten die Kronleuchter abgehängt, hier waren sie, wie mir scheint, niemals aus der Mode.“ Die Metropole, zu der es keine deutsche Entsprechung gibt, kommt ihr gleichzeitig auch ein bisschen unheimlich vor: „Wie ist Günter Kunert in London bloß Auto gefahren? Viel verständlicher ist, dass Rolf Dieter Brinkmann hier überfahren wurde.“
Bei ihrem Aufenthalt in Paris erlebt sie die Distanz nicht so sehr der Stadt, sondern vor allem den Intellektuellen gegenüber, die sie hier trifft – und das eben nicht als die Autorin mit Werk und Literaturpreisen wie heute, sondern als relative Anfängerin im Kulturbetrieb, die hier noch einmal ganz von vorn beginnen muss. Darauf wird sie beispielsweise in einem Gespräch mit Alain Lance gestoßen, der Deutsch in Paris und Leipzig studierte: „Die geben hier viel auf Namen, und meiner ist nicht bekannt. Die Wolf findet er wunderbar, auch ‘Kassandra‘. Viel Sinn für Pose. Ich bin in der schwierigen Lage, vieles von der Hochverehrten nicht zu mögen, was mir, da ich selbst nicht berühmt bin, wahrscheinlich nicht zusteht.“

Nach ihren Aufenthalten in London, Paris, Rom, Mailand, New York, Los Angeles und anderswo lernt sie erst wirklich den Westen Deutschlands kennen, nämlich nach ihrer endgültigen Übersiedlung. Sie beobachtet vor und nach 1990 die westdeutschen Intellektuellen, ähnlich wie eine Ethnologin einen Stamm, mit dem sie zusammenlebt, ohne dabei die Unterschiede zu vergessen. Über Peter Rühmkorfs „Tabu I“ hält sie fest: „Porträt der westdeutschen Linken, wie es abstoßender nicht ausfallen könnte, von einem, der das Gegenteil zu schreiben glaubt.“

Der große Bogen durch die Jahrzehnte, die Länder und Milieus macht dieses Buch aus. Auch deshalb, weil die Städte – etwa das London der Achtziger, damals noch ohne Canary Wharf, ohne Norman Fosters Gherkin und ohne islamistische Aufmärsche – so nicht mehr existieren, weil es keine abgeschlossene westdeutsche Intelligenzia mit dem gefühlten Monopol auf Weltdeutung mehr gibt, weil Ost und West nicht mehr als Orientierungsbegriffe taugen, rechts und links in ihrer klassischen Bedeutung eigentlich auch nicht mehr. So sehr Maron der Kulturbetrieb der Achtziger und Neunziger damals an vielen Stellen auf die Nerven ging – im Vergleich zu heute fällt die Verarmung der offiziös-verkniffenen Sphäre im Steinmeier-Deutschland erst richtig auf.

Zum Glück gibt es daneben noch eine ziemlich lebendige Öffentlichkeit. Monika Marons Tagebücher gehören dazu. Man versteht die Gegenwart besser, wenn man einer Autorin dahin folgt, die sich immer nur sich selbst und nie einer Weltanschauung verpflichtet fühlte.

 

 

Monika Maron, Immer noch freundlich, aber kaum noch geduldig – Tagebücher 1980-2021, Hoffman und Campe, Hamburg, 2026, 256 Seiten, 28 Euro


 

 

Warum unsere Parteien zum politischen Problem geworden sind

Von Doppelmoral, Demokratiedefiziten und anderen Problemen:
Die Ex-Abgeordnete Joana Cotar führt die Leser in „Inside Bundestag“ hinter die Kulissen unseres Parlaments

von Jörg Hackeschmidt

Es kommt eher selten vor, dass man hinter die Kulissen einer geschlossenen Gesellschaft, eines exklusiven Clubs, schauen darf. Und erklärt zu bekommen, wie diese geschlossene Gesellschaft funktioniert, warum sie so funktioniert, wie sie funktioniert und welche Mechanismen dort wirken. Joana Cotar, die im Februar 2025 aus dem deutschen Bundestag ausschied, tut genau das: Sie lässt ihre Leser hinter die Kulissen des Parlaments blicken. Ihr Buch bietet eine fesselnde Lektüre – und eine zutiefst besorgniserregende.

„Inside Bundestag“ hat einen Untertitel, der einen nicht kalt lässt: „Wie ich in 8 Jahren im Zentrum der Macht das Vertrauen in unsere Demokratie verlor“. Cotar, Anfang 50, ist keine frustrierte Politikerin, die ihren Ex-Kollegen zornige Worte hinterherruft. Sie gehört auch nicht zu den gratismutigen Polit-Rentnern, die nach Jahrzehnten des Wegduckens und Mitmachens ganz plötzlich „Klartext“ reden wollen. Cotar machte schon vor Jahren den Rücken gerade, sie machte sich als prominente Stimme im bundesdeutschen Politikbetrieb bemerkbar. Eigentlich ein Glücksfall und ein Vorbild: Sie präsentiert sich klug, aufrichtig, wirklich engagiert und auch fachlich versiert. Cotar studierte Politikwissenschaft, arbeitete jahrelang als Social-Media- und IT-Projektmanagerin in Unternehmen, bevor sie in die Politik wechselte – als Bundestagsabgeordnete und Fachfrau für Kryptowährungen, Digitalisierung und Staatsmodernisierung. Zuerst engagierte sie sich in der CDU der Stadt Mannheim, ab 2013 dann in der frisch gegründeten wirtschaftsliberalen AfD in Hessen. Sie sammelte Erfahrungen im Kreistag in Gießen und zog 2017 für die AfD in den Bundestag ein. Nach diversen politischen Auseinandersetzungen und schlechten Erfahrungen verließ sie 2022 die AfD-Fraktion und trat aus der Partei aus.

„Inside Bundestag“ ist 202 Seiten lang, eingängig geschrieben und in acht Kapitel gegliedert. Das Buch beginnt mit dem Stoff, der der Schmierstoff für alles ist: dem Geld. Anschließend widmet Cotar sich der Frage, was das eigentlich für Menschen sind, die als „Abgeordnete“ nach Berlin geschickt werden, und schildert das Leben in der Berliner Blase mit seinen Privilegien und Abgründen. Vieles von dem, was Cotar in diesen ersten drei Kapiteln referiert, hat man schon einmal irgendwo gehört – und längst wieder vergessen. Zum Beispiel, dass die Obergrenze der staatlichen Parteienfinanzierung in großen Schritten erhöht wurde, was in der Praxis bedeutet, dass Wahlschlappen finanziell kaum Auswirkungen haben. Und dass genau dasselbe bei den parteinahen Stiftungen passierte, die mittlerweile im Geld schwimmen und in erster Linie als Versorgungsagenturen von Mitarbeitern der korrespondierenden Parteiapparate dienen.

Auch die materielle Ausstattung der Abgeordneten gleicht eher einer Parodie vom Schlaraffenland als einer sachorientiert-angemessenen Umgebung für seriös arbeitende Politiker. Denn: Es ist ja nur das Geld der anderen. Die Anreize, alles mitzunehmen, was möglich ist, sind groß – von der Ausstattung der Mitarbeiter mit digitalen Geräten bis zum Service des parlamentseigenen Reisebüros. Ebenfalls ernüchternd, wenn auch auf andere Weise, sind Cotars Berichte über die mangelnde Qualifikation vieler Abgeordneter, über den kalten Opportunismus links wie rechts im Hohen Haus.

 

Bundestagsdebatten sind Scheindebatten

Doch wirklich ans Eingemachte geht es in den folgenden vier Kapiteln. Darin schildert Cotar, wie politische Entscheidungen wirklich gefällt werden, wie skrupellos parlamentarische Regeln gedehnt und instrumentalisiert werden, wie stark mittlerweile außerparlamentarische Einflussgruppen auftreten, die Debatten im Parlament sowie konkrete Politik buchstäblich verhindern können.

Zur Erinnerung: Der Deutsche Bundestag wird als einziges Verfassungsorgan unmittelbar vom Staatsvolk gewählt – laut Verfassung ein Repräsentationsorgan aller Bürger und des Volkswillens. Der Bundestag ist der Gesetzgeber, er schafft das Bundesrecht und ändert das Grundgesetz. Und: Der Bundestag übt die parlamentarische Kontrolle der Exekutive aus, er wacht also über die Regierung. Soweit die Theorie. In der Praxis ist es mittlerweile so, dass Abgeordnete noch nicht einmal mehr genug Zeit haben, Gesetze, die sie verabschieden sollen, vorher zu lesen. Am bekanntesten wurde in diesem Kontext Thomas Heilmanns (CDU) Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, weil die „Ampelregierung“ im Juli 2023 Robert Habecks Heizungsgesetz im Hauruckverfahren innerhalb weniger Tage durch den Bundestag prügeln wollte. Erst die Anordnung des Verfassungsgerichts stoppte diese Missachtung des Parlaments.

Das Parlament, so Cotar, ist zu einem reinen Abnickverein verkommen. Was in unserem Land passiert, bestimme de facto eine „sehr kleine ‚Elite‘“ in den Parteizentralen der Regierungsparteien und ihren assoziierten Zirkeln. Die Parlamentarier der Regierungsfraktionen nicken in der Regel alles nur noch ab, was aus dem Kabinett kommt. Auch deshalb kam es zu einer derart großen Aufregung, als die links-aktivistische Juristin Frauke Brosius-Gersdorf, vorgeschlagen von der SPD, entgegen aller Absprachen keine Mehrheit im Bundestag fand und ihre Kandidatur zurückziehen musste. Ein echter Betriebsunfall, denn solche „Wahlen“ gelten üblicherweise nur noch als Pro-Forma-Bestätigung von Absprachen und Deals in den Hinterzimmern. Das gesamte linke Lager der Bundesrepublik, von SPD und Grünen bis zu TAZ, Süddeutscher Zeitung und ÖRR, schlug regelrecht um sich, weil seine informelle Macht ausgehebelt worden war – und zwei Dutzend bürgerliche Parlamentarier ihre Rolle ausnahmsweise ernst nahmen.

 

Neue Spurstangen für die Politik: Die linke „Zivilgesellschaft“ konterkariert die parlamentarische Demokratie

Aufschlussreich ist, dass Cotar in „Inside Bundestag“ ein ganzes Kapitel außerparlamentarischen Organisationen widmet, namentlich dem Netzwerk linker, woker und grüner NGOs, die sie als „Vorfeld-Demokratie“ bezeichnet. Diese „gezüchtete Zivilgesellschaft“ definiere mittlerweile den politischen Korridor, in dem das Parlament agiert. Ohne, dass Cotar den Namen erwähnt, schildert sie eindrücklich das, was der italienische Marxist und strategische Vordenker der neuen Linken, Antonio Gramsci, in seinen „Gefängnisheften“ ausgearbeitet hat: Dass durch die Eroberung der „kulturellen Hegemonie” sowie der „Deutungshoheit“ bald auch reale politische Macht erlangt werden kann – ohne jemals dafür eine demokratische Mehrheit erlangt zu haben. Die Voraussetzung dafür lautet, den vorpolitischen Raum (Medien, Vereine, Institutionen und Sprache) zu beherrschen. Dann sei das „effektive Erzwingen von Veränderungen” möglich, wie Wolfgang Fritz Haug, Marxist und einer der Herausgeber von Antonio Gramscis „Gefängnisheften”, es formuliert hat.

Und genau das: Die Anwendung von Gramscis Strategie, schildert Joana Cotar in dem siebten Kapitel ihres Buches.

Wenn eine Regierung etwas durchsetzen wolle, so Cotar, brauche sie drei Dinge: „ein Narrativ (‘das ist alternativlos / moralisch / wissenschaftlich klar‘), Druck (medial, auf der Straße, in Verbänden, in Institutionen) und die Illusion von Konsens (‘Alle anständigen Menschen sind dafür‘).“ All das werde durch den NGO-Komplex geliefert, der sich „die Zivilgesellschaft“ nennt und ein „perfekt verzahntes Vorfeld“ ist, bestehend aus Bürgerinitiativen, Aktivisten, Experten, Juristen, Künstlern, Medienkontakten und internationalen Partnern. Die Finanzierung des Ganzen übernimmt größtenteils der Staat selbst, manchmal auch im Verbund mit amerikanischen Stiftungen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, beispielsweise die „Energiewende“ durchzusetzen – koste es, was wolle. Die Akteure dieses vorpolitischen Raumes stellen sich keiner Wahl, haben keine demokratische Legitimation, sind aber professionell durchorganisiert: mit fest angestellten Teams, eigenen Pressestellen und spezialisierten Juristen. „Wer wirklich verstehen will, wie heutzutage politische Entscheidungen entstehen, der muss diesen Vorraum in den Blick nehmen“, so Cotar. Denn es handele sich bei diesen Gruppen nicht um „charmantes Bürgerengagement“, sondern um gezielt aufgebaute und finanzierte Strukturen. Soft Power, so könnte man anmerken, wirkt eben alles andere als „soft“. Diejenigen, die das seit Jahrzehnten ignorieren, sind die Bürgerlichen: CDU/CSU und die bereits angezählte FDP. Der Preis, den das bürgerliche Lager dafür zahlt, nicht hinzusehen und zu sehen, was vor sich geht, ist nicht nur hoch, sondern mittlerweile existenzgefährend.

In der parlamentarischen Praxis bedeute diese Wirklichkeit nämlich, dass es kaum mehr jemand wagt, sich gegen diesen vorgeprägten, von linken Pressure-Groups dekretierten Konsens zu stellen. Denn es drohe nicht nur aggressiver, oft auch unsachlicher politischer Widerspruch, sondern moralische Deligitimierung. „Abgeordnete wissen das. Sie spüren den Druck lange vor der Abstimmung und passen sich an. Die Schere im Kopf wird übermächtig und es beginnt die Selbstzensur.“ Andere, so Cotar, „passen ihr Weltbild ganz selbstverständlich an“. So werde das Parlament schleichend entmachtet, ohne dass ihm formal Kompetenzen entzogen werden. Mahnendes Beispiel sei die CDU/CSU-Fraktion, die den Kundgebungen und Übergriffen, aber auch dem medialen Dauerfeuer nicht gewachsen war, nachdem die AfD im Bundestag einem Antrag der Union zum Thema Migration zugestimmt hatte und schon Stunden später ein bundesweites Netzwerk „Zusammen gegen Rechts“ die politische Situation in Deutschland gezielt eskalierte. Übrigens genauso, wie es Heidi Reichinnek von Linken im Parlament sogar angedroht hatte mit den Worten „Wir werden dafür sorgen, dass das jetzt hier ein Ende hat“. Und genau so kam es. Auch die 551 Fragen der Unionsfraktion zum NGO-Komplex verschwanden über Nacht im Nirvana. Offensichtlich reichte dafür bereits eine hochgezogene Augenbraue des Junior-Regierungspartners SPD. Möglicherweise wird die touretteartige Politik von Bundeskanzler Friedrich Merz nach Lektüre dieses Kapitels ebenfalls verständlicher.

Was tun? Joana Cotar bietet kein Patentrezept an. Aber sie gibt in ihrem letzten Kapitel „Denkanstöße für eine bürgerfreundliche Politik“ – sprich: einen „15-Punkte-Plan“, der bei Licht betrachtet kein Plan ist, sondern eine Sammlung von guten Ideen, die dazu führen könnten, unser parlamentarisches System wieder funktionsfähig und durchschaubar zu machen. Ihre Vorschläge reichen von punktuellen Volksentscheiden über eine Veränderung des Wahlrechts bis hin zu einer realistischen Politikerhaftung. Schließlich gilt das Haftungsprinzip auch für Top-Manager.

Fazit: „Inside Bundestag“ ist lohnenswerte Lektüre. Nur werden die Parteien, die es sich in Unsererdemokratie gerade bequem eingerichtet haben, eines sicherlich nicht tun: Auf Stimmen wie die von Joana Cotar hören.

 

 

Joana Cotar, Inside Bundestag. Wie ich in 8 Jahren im Zentrum der Macht das Vertrauen in unsere Demokratie verlor, Westend-Verlag Neu-Isenburg 2026, 24 Euro


 

Abschied von einer Sekte, oder: Warum Helmut Kohl nicht „bodypositiv“ ist

TAZ-Mitgründer Ulli Kulke und Publizist Reinhard Mohr haben ein interessantes Buch herausgegeben: „Wenn das Denken die Richtung ändert. Warum wir nicht mehr links sind“. Es versammelt 14 prominente Personen des öffentlichen Lebens: ein Stück Zeitgeschichte.

von Jörg Hackeschmidt

Sammelbände sind unbeliebt – bei Verlegern wie beim Publikum. Warum diese Sammlung von biographisch gefärbten, sehr politischen Essays anscheinend zwei Jahre keinen Verlag fand, dürfte andere Gründe haben: Sie ist ein Dokument des Renegatentums. Vierzehn teils prominente Intellektuelle erzählen und begründen darin, warum sie nicht mehr links sind. Warum sie ausgebrochen sind aus ihren alten Milieus, und die dort herumgereichten politischen Theorien samt Aktivismus nicht mehr teilen. Was dazu führt, dass sie heute alle von den links-grün-woken Diskurswärtern als irgendwie „rechts“ oder gar als „Nazi“ verunglimpft werden.

Mathias Brodkorb, ehemaliger SPD-Spitzenpolitiker, zählt ebenso zu den Autoren wie die Kabarettisten Monika Gruber, Dieter Nuhr und Andreas Rebers. Die Kolumnisten Harald Martenstein und Henryk M. Broder haben ebenso zum Sammelband beigetragen, der kürzlich verstorbene Schriftsteller Peter Schneider, der Ex-Grünen-Politiker Hubert Kleinert oder die Hannah-Arendt-Expertin Antonia Grunenberg. Die wenigsten von ihnen sehen heute ihre politische Heimat rechts der Mitte. Vielmehr schildern sie fast alle einen Punkt, einen Moment in ihrem Leben, an dem sie sich an der Doppelmoral, der Heuchelei oder schlicht der intellektuellen Dürftigkeit linker Organisationen und Freundeskreise wund stießen – und ihr Denken schließlich die Richtung änderte.

Nuhr berichtet davon, dass er in seinen Zwanzigern, also in den 80er Jahren, „das Gemeinschaftsgefühl in einer Blase“ genoss, die sich „moralisch überlegen“ fühlte. Erste Störgefühle meldeten sich bei ihm, als er merkte, dass Selbstironie in diesen Kreisen unerwünscht war. Gelacht werden durfte nur über jene, die als politische Feinde markiert waren, etwa der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl, der von jedem nur „Birne“ oder „der Dicke“ genannt wurde. Als „bodypositiv“ würde er wohl auch heute nicht bezeichnet werden, so Nuhr. Sensibel oder „politisch korrekt“ verhalten sich Linke nämlich damals wie heute nur sich selbst gegenüber.

 

Quatsch und Comedy als Rettungsanker

Meinungsfreiheit sollte schon damals in erster Linie „für die eigene Meinung gelten“, und nicht für die der „Abweichler“. Dieser Gesinnungsdruck habe ihn renitent gemacht, so Dieter Nuhr. Geholfen habe ihm, dass die ideologische Verbohrtheit der deutschen Kabarettistenszene durchlöchert wurde vom neuen „Comedy“-Trend. Comedy war damals eine neue, ideologiefreie Kunstform und ziemlich lustig – der GAU für alle linken Diskurswächter und Polit-Kommissare.

Als besonders schockierend erlebte Nuhr einen Besuch in der thüringischen Stadt Nordhausen am 10. November 1989. So schlimm wie es die westdeutschen Konservativen immer geschildert haben, werde es im „linken Mauerdeutschland“ schon nicht sein. Jedoch: Es war sogar schlimmer. „Die DDR war nicht erobert oder gekauft worden. Sie war unter ihrer Dysfunktionalität zusammengebrochen. Kaputt. Verstunken. Am Ende.“ Da war er: Dieter Nuhrs Moment der nicht mehr zu leugnenden Wahrheit. Und der Einsicht, dass mit den linken Parolen etwas sehr grundsätzlich nicht stimmte.

Nach dem Kollaps der Sowjetunion und der DDR mutierte der Kampf der Linken endgültig zum „absurden Theater“, so Nuhr: „Antikapitalisten erklärten sich solidarisch mit religiösen Fundamentalisten, Antisemiten sowie Frauen- und Schwulenhassern, die sie zu Opfern des Westens verklärten“. Mittlerweile, so Nuhr, ist Linkssein am ehesten mit der „Mitgliedschaft in einer Sekte“ zu vergleichen.

 

Der Begriff „Täter-Opfer-Umkehr“ war 1976 noch nicht erfunden

Auch Henryk M. Broder, deutlich älter als Nuhr und ein echter Zeitzeuge der wilden linken 68er-Jahre, beschreibt eine Phase, in der er ein klassischer Mitläufer war. Noch als Schüler machte er bei Störaktionen mit (zum Beispiel gegen den braven Sozialdemokraten Carlo Schmid), und war stolz darauf, mit älteren Genossen des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes politisieren zu dürfen.

Broders Moment der Erkenntnis und des Bruchs mit dem linken Milieu fällt auf den 27. Juni 1976. An diesem Tag entführten palästinensische zusammen mit linksradikalen deutschen Terroristen eine Air-France-Maschine auf dem Weg von Tel Aviv richtung paris nach Entebbe in Uganda, damals regiert von Idi Amin und seinen Totschlägern. Die Entführer separierten die Geiseln in Juden und Nichtjuden – in der Absicht, die jüdischen Geiseln besonders grausam zu behandeln und sie für den Israel-Hass der Entführer büßen zu lassen. Besonders eifrig dabei: die linken deutschen Entführer. Gewissermaßen stand die Rampe von Auschwitz also plötzlich in Entebbe, organisiert von linken Genossen.

Bekanntlich konnte ein Sonderkommando der israelischen Armee fast alle Geiseln befreien. Doch die „gesamte linksradikale Szene der Bonner Republik – bestehend aus Kommunisten, Maoisten, Trotzkisten, Revisionisten und freien Radikalen bis hin zu einigen Juso-Ortsverbänden“ solidarisierte sich mit Idi Amin und empörte sich über die Befreiungsaktion. Man kennt das: Das sogenannte Völkerrecht schützt auch heute vor allem Schurkenstaaten, nicht aber die vielen Opfer, also die Völker, die unter ihnen zu leiden haben. Dass Idi Amin der „Schlächter Afrikas“ genannt wurde und mindestens eine halbe Million Ermordete auf dem Gewissen hat, interessierte die Linke nicht. Israels Operation galt als Staatsterrorismus, die Geiselnahme und die Selektion der Geiseln „legitimer Widerstand“.

 

Abschied vom „manichäischen Weltkampf“

Auch wenn es letztlich willkürlich und ein wenig ungerecht ist, einzelne Beiträge des Sammelbandes herauszuheben, soll auf den Beitrag von Antonia Grunenberg, Politikwissenschaftlerin und Hannah-Arendt-Kennerin, an dieser Stelle noch kurz hingewiesen werden. Denn er wirkt sehr persönlich, dabei bemerkenswert ehrlich und selbstkritisch. Und gleichzeitig analytisch, denn er bemüht sich um zeitgeschichtliche Einordnung und grundsätzliche Erkenntnis.

Grunenberg, geboren 1944, schildert ihren Weg durch einen „ideologischen Irrgarten“ in den 60er und 70er Jahren, der schließlich in einer Art ideologischer Menschenverachtung mündete. Bestes Indiz: die Sprache wurde „eisern“ und manichäisch. „Wir gegen die Schweine“ und das Schweinesystem. Politische Texte jener Jahre kannten bald nur noch „ein einziges Ziel: Aktionen zu rechtfertigen“. Und mit „Aktionen“ war linke Gewalt und der beginnende Links-Terrorismus gemeint. Kaufhausbrände, Anschläge gegen die Infrastruktur und bald auch auf Menschen. „Alle Revolutionen scheitern an der Gewaltfrage, wenn sie das Rechthaben absolut setzen, wenn sie den Prozess der Meinungsbildung kontrollieren und beschleunigen wollen“, so Grunenberg. – Es kommt einem alles auf beklemmende Weise bekannt vor, blickt man auf Phänomene wie die sogenannte Hammerbande, linksradikale Anschläge auf die Bahn oder die Stromversorgung.

Antonia Grunenberg war klug genug, sich abzuwenden und nicht nur ihre falschen Freunde, sondern auch das komplette Gedankengebäude in Frage zu stellen, das sie umgab. Eine wichtige Etappe war die Niederschlagung des Protestes der Tschechen und Slowaken 1968. Die Sowjetunion (und die DDR) begründete ihren brutalen Militäreinsatz in der Tschechoslowakei damit, es müsse dort der „Faschismus“ bekämpft und „ausgemerzt“ werden.

Grunenberg interessierte sich zunehmend für Bücher, die vor den Gefahren totalitären Denkens warnten. Doch der „Prozess der Ablösung von der schwarz-weißen Ideologie des Antifaschismus“ war nicht nur für sie ein langwieriges Unterfangen. Ihre „Illusion von einem ‘menschlichen Sozialismus‘“ sei noch lange intakt gewesen.

Seitdem treibt Antonia Grunenberg die Frage um, wie der „Selbsterhaltungstrieb“ einer Demokratie am Leben erhalten werden kann. Und wie man verhindert, dass aus der „Zerstörungswut der Systemgegner eine selbstzerstörerische Erosion wird, die niemand aufhält, weil sie unabwendbar scheint“.

 

 

Ulli Kulke / Reinhard Mohr (Hrsg.), Wenn das Denken die Richtung ändert. Warum wir nicht mehr links sind, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 2026, 259 Seiten, 24 Euro

 


Jörg Hackeschmidt, promovierter Historiker, war u. a. im Kanzleramt und im Bundesgesundheitsministerium als Redenschreiber und politischer Berater tätig. Er ist Mitgründer der liberal-konservativen Denkfabrik R21. Mit „Der Sound unserer Jugend“ veröffentlichte er kürzlich ein Buch über die Popmusik der 80er Jahre und das Lebensgefühl der Babyboomer.


 


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