Politiker und ihre Trabanten-Journalisten als dogmatisch und engstirnig bezeichnen – das tun viele. Vor dem Urteil „intellektuell unzureichend“ scheut man trotzdem zurück. Warum eigentlich?


Die breite Öffentlichkeit kennt bis jetzt weder seinen Namen noch seinen Arbeitsplatz – aber ein paar Millionen kennen nun immerhin seine Erscheinung. Das Gesicht der Person, um die es hier geht, erinnert ein bisschen an den jüngeren Peter Sellers als Inspektor Clouseau, die Sonderausstattung sagt: zentrales Berlin. Ein gelber Schutzhelm mit schwarzen Strichen, der wie ein Wespenkopf wirkt, dazu Großkopfhörer, die nicht unter die Kopfbedeckung passen würden, wenn er sie tatsächlich auf den Ohren tragen würde. In dieser Aufmachung rollte der Mann zwei Compact-Reportern vor Mikro und Kamera und brachte es in den noch nicht einmal fünf Minuten, die dann folgten, zum deutschlandweiten Meme in Menschengestalt. Das liegt vor allem an einem Satz, den man wirklich nicht oft hört, vor allem nicht in der Hauptstadt: „Ich bin deutscher High Performer.“

Die Geschichte des Mannes, den das Netz „Helmfried“ taufte, lässt sich kurz erzählen: Er fuhr mit seinem Rad in dem Moment vor, als auf der anderen Seite des Brandenburger Tors Teilnehmer einer Demonstration gegen die Bundesregierung („Merz muss weg“) Deutschlandfahnen schwenkten. Dem Reporter erklärte er, dass die Kundgebungsteilnehmer mit ihren Flaggen die Wirtschaft und ganz allgemein Deutschland ruinierten. Denn die würden nicht nur ihm Angst machen, sondern auch hoch qualifizierten Einwanderern. „Wegen euch“ – er nimmt offenbar Demonstranten und Reporter als Einheit wahr – „verlieren wir Geld. Wegen euch verlieren wir einfach Wachstum.“

Der Reporter fragt sicherheitshalber nach: Ob er denn wirklich meine, dass der wirtschaftliche Niedergang Deutschlands nicht an der Regierung liege, sondern an denen, die gegen sie demonstrieren. Damit löst er die erste Satzkaskade des Gelbhelmradlers aus, die mit einer Gegenfrage beginnt: Ob er, der Reporter, denn glaube, High Performer aus anderen Ländern hätten Lust, bei deutschen Unternehmen anzuheuern, „wenn das in die Medien kommt“? Das würde auch ihn ganz persönlich treffen, den Behelmten: „Es besteht Gefahr, dass ich keine guten Kollegen bekomme für meine Projekte“. Hochqualifizierte zieht es also deshalb nicht mehr nach Deutschland, weil man dort gegen die Regierung protestieren darf? Und das auch mit der Landesfahne? Beziehungsweise, weil sie es erst jetzt ganz gegen ihre Erwartungen mitbekommen?

Der Journalist weist darauf hin, dass zurzeit Hochqualifizierte das Land verlassen, und zwar nicht wegen der Anti-Merz-Proteste (2025 übrigens 288 579 Deutsche, zwei Drittel davon unter 40, drei Viertel mit Hochschulabschluss). „Ich bin deutscher High Performer“, erwidert der High Performer ebenda. Was offenbar heißen soll: Wenn er als Hochleistungsträger in Berlin immer noch seine Projekte vorantreibt, dann kann das mit der Auswanderung unmöglich stimmen. Die abschreckende Wirkung auf Arbeitsmigranten geht für ihn, wie er weiter erklärt, nicht so sehr von den Demonstranten an sich aus, sondern von Schwarzrotgold. Davor hätten internationale Fachkräfte Angst. Denn: „Ich hab’ Angst vor Leuten, die eine Nationalflagge hissen.“

Nach der Reporterfrage: „Wie haben Sie denn gewählt?“, Antwort: „Grüne“, folgt ein zweiter abgeschlossener Textblock, der vom Interviewten selbst handelt: „Ich will, dass hier die Wirtschaft nach vorne geht. Das ist meine Stammpartei, ich bin Stammwähler. Ich bin loyal. Ich denke nach, was ich wähle.“ Woher kommt uns die Figur in ihrer ganzheitlichen Erscheinung so vertraut vor? Woher kennt man diesen Typus mit dem Ich-erklär-dir-die-Welt-Ton, diese Begleitpantomime, die ausgeprägte Privatheuristik („Ich bin High Performer und habe Angst vor der Landesfahne, also muss das für Fachkräfte aus anderen Ländern auch zutreffen“)? Diese Neigung, in einem vernünftelnden Vortragsstil einen generischen Textbaustein nach dem anderen auszustoßen?

Gelbhelm repräsentiert den Typus des Hochleistungsschwätzers, vor dem die wenigen Hochschullehrer, die das Thema überhaupt anschneiden, seit Jahren warnen. Die Betreffenden verfügen nur über eine Fähigkeit: nämlich die, flüssig zu reden. Sie entwickeln in der Regel ihre Gedanken nicht selbst, sondern übernehmen vorgefertigtes Material, weshalb sie auch alle sehr ähnlich klingen. Über vertiefte Kenntnisse verfügen sie auf keinem Gebiet, sie sehen sich daher als die geborenen Generalisten. Thesen stützen sie meist auf persönliche Zu- und Abneigungen oder zumindest milieutypische Marker, verlangen aber für beides objektive Geltung. Ihren Professoren – zumindest der älteren Riege – fallen sie dadurch auf, dass sie zwar zu fast allem etwas sagen, aber kaum eine Aufgabe eigenständig bewältigen können, also ohne vorgegebenen Lösungsweg und einen sachdienlichen Hinweis, wie das erwartete Ergebnis ausfallen soll. All diese Eigenschaften kombinieren sie mit einem titanharten Selbstbewusstsein, das man sich vor ein paar Jahrzehnten noch in teuren Motivationskursen implantieren lassen musste. Bei ihnen gehört das Überlegenheitsgefühl zur Grundausstattung.

Die aufgezählten Merkmale treffen schätzungsweise auf achtzig bis neunzig Prozent aller Personen im Politik- und Medienbetrieb zu. Bei Gelbhelm handelt es sich um potenzielles Politikermaterial, das kaum noch Nachbearbeitung braucht; Politiker, die Gelbhelm zum Verwechseln ähneln, finden sich in sämtlichen Parteien und in den meisten Redaktionen des Landes. In den meisten beherrschen sie den Apparat.

Die nicht ganz freiwillige Leistung des wandelnden Memes liegt darin, den Begriff Schwachkopf durch den völlig beleidigungsklageresistenten High Performer ersetzt zu haben. Wer Bärbel Bas, Robert Habeck, Annalena Baerbock und andere so nennt, tut ihnen auf keinen Fall unrecht. Renitente Bürger bezeichnen Amtsträger dieser Sorte als eitel, verbohrt, dogmatisch, schlecht informiert, milieugeprägt, lebensfern, unfreiwillig komisch. Aber nur wenige lassen sich dazu hinreißen, sie als intellektuell unzureichend zu bezeichnen. Höfliche Leute scheuen davor zurück, weil das passende Wort ihrer Meinung nach einen Angriff auf die Persönlichkeit darstellt. Man will sachlich bleiben, also die falsche Weltsicht demontieren und nicht den, der sie verbreitet. Aber was, wenn sich beides gar nicht so sauber trennen lässt? Dass die Intelligenz im polit-medial-institutionellen Komplex mit dem Zustand der Gesellschaft irgendwie zusammenhängt, lässt sich schwer bestreiten. Aber sowohl Wissenschaft als auch Medien umlaufen das Thema weiträumig. Empirische Untersuchungen dazu existieren nicht.

In ihrem neuen Buch „Die Tyrannei der Gleichheit“ schreiben die Autoren Mathias Brodkorb und Klaus Zierer, was im Prinzip alle wissen oder zumindest wissen könnten: Wenn heute fünfzig, in Großstädten um die sechzig Prozent eines Jahrgangs das Abitur erwerben, dann bleibt die Normalverteilung der Intelligenz in Gestalt der Gauß’schen Glockenkurve trotzdem gleich. Auch der Anteil der Gesamtbevölkerung, der über das nötige Abstraktionsvermögen verfügt, das früher als Voraussetzung für fast alle Studienfächer galt, liegt nach wie vor bei etwa 15 Prozent.

In einem Welt-Gastbeitrag gab Michael Sommer, Professor für Alte Geschichte an der Universität Oldenburg, kürzlich einen kleinen Einblick in die Hochschulpraxis. Ein Fünftel seiner Studenten, so Sommer, käme mit den Anforderungen gut zurecht: Texte selbstständig durcharbeiten, Quellenarbeit betreiben, konzise formulieren. Ein weiteres Fünftel würde schnell verstehen, dass ein Studium nicht zu ihm passt und stattdessen einen anderen Weg einschlagen. „Das Problem“, schreibt er, „ist die Mitte der 60 Prozent. Auch sie gab es schon immer. Allerdings ist sie jetzt eine gänzlich andere als vor zwanzig, dreißig Jahren. Damals war die Mitte grundsolide. Keine Überflieger, aber Leute, die man problemlos in sechs oder acht Jahren Studium dorthin bringen konnte, wo sie später in der Gesellschaft zu funktionieren hatten. Diese Mitte gab es, aber es gibt sie nicht mehr.“

Er erlebe Studenten, deren Schreib- und Lesefähigkeiten darauf schließen lassen, dass sie privat nur selten schreiben und kaum oder gar nicht lesen. Trotzdem schleppen sich die meisten aus dieser Gruppe irgendwie durch – wahrscheinlich mithilfe von KI-Programmen und dank der Scheu von Professoren, studienunfähige Studenten zu exmatrikulieren. Aus dem IQ lässt sich kein Werturteil ableiten: Auch ein hochbegabter Programmierer kann nicht mehr Wert und Würde für sich beanspruchen als ein Gerüstbauer. Eine funktionierende Gesellschaft braucht beide. Sie bekäme aber sehr schnell Probleme, wenn sich aus irgendwelchen Gründen plötzlich in den Naturwissenschaften auffällig viele Aspiranten mit Rechenproblemen sammeln, während Leute mit zwei linken Händen plötzlich massenhaft in Handwerksberufe strömen. Es geht also um die Verteilung der Intelligenz auf einzelne Gesellschaftsbereiche.

Die Betrachtung müsste nicht unbedingt mit den IQ-Werten der einzelnen Kabinetts- und Parlamentsmitglieder beginnen, obwohl wahrscheinlich jeder diese Daten gern lesen würde, sogar in der Regierung und im Bundestag. Aber man wüsste beispielsweise gern, wie viele der fähigen zwanzig Prozent der Studenten in den vergangenen Jahren in der Berufspolitik landeten, wie viele aus den erwähnten sechzig Prozent stammen, und welchen Anteil andere ausmachen, beispielsweise Facharbeiter und Meister. Oder Unternehmer, die auch nicht zwingend ein Diplom besitzen müssen. Gut, zumindest Letzteres lässt sich den Politikerbiografien entnehmen.

Zumindest Eindrücke lassen sich sammeln, wenn auch unsystematisch. Anders als ihre Bemerkung über die einheitsgraue beziehungsweise -braune Volksbevölkerung verursachte eine andere Bemerkung der Arbeitsministerin und SPD-Chefin Bärbel Bas erstaunlicherweise kaum Erschütterung, obwohl sie ebenfalls das ganze Land betrifft. Bei einer Klausurtagung mehrerer SPD-Landesgruppen in Bielefeld erklärte sie im April, die Bundesregierung sollte einen Zwanzig- bis Dreißigjahresplan für die Wirtschaft entwerfen: „Das heißt, welche Branchen, welche Bereiche müssen wir jetzt auch stärken und bei Innovationen auch mit Fördergeldern versorgen, damit diese Standorte gesichert werden können.“

Sie geht also erstens davon aus, dass deutsche Kabinettsmitglieder als einzige Personen der Welt die Technologien und Geschäftsmodelle der 2040er und 2050er Jahre heute schon kennen. Und zweitens, dass Innovationen durch staatliche Fördergelder zustande kommen. Damit auch jeder versteht, wie sie denkt, setzte Bas dazu: „Dafür braucht es einen guten Plan.“ Als sie kürzlich beim Verband der Familienunternehmen auftrat, erklärte sie, von dieser Bundesregierung, der sie angehört, wird es „abhängen, ob dieses Land demokratisch bleibt oder nicht“, und phantasierte zusammenhanglos, sie werde möglicherweise „im Knast“ landen, das sei ihr aber egal.
Bei der gleichen Veranstaltung antwortete sie auf die Frage einer Unternehmerin, warum sie ihr und anderen Firmeninhabern per Erbschaftssteuer am liebsten noch mehr wegnehmen will: „Weil wir Verteilung wollen. Das war nie umstritten.“ Vor ihrer Betriebsrats- und Parteikarriere war Bas bis 2001 Sachbearbeiterin bei den Duisburger Verkehrsbetrieben; später Ausbildungsleiterin bei einer Betriebskrankenkasse. Natürlich ist nichts davon kritikwürdig oder gar ehrenrührig. Das Problem beginnt, wenn jemand mit ihren Vorstellungen von Wirtschaft und Gesellschaft an die Spitze einer Regierungspartei gelangt und im Kabinett das Ministerium mit dem größten Ressort übernimmt.

Angeblich trifft Bas erst am späteren Vormittag im Büro ein, Positionen ihres Ressorts soll sie sich dort auf wenigen Seiten in 16-Punkt-Schrift ausdrucken lassen. Sobald man diese Äußerungen und durchgestochenen Äußerungen aus ihrer Umgebung zusammenstellt, gelangt man als Autor an den skrupulösen Punkt: Greift man hier eine öffentliche Figur ad personam an? Andererseits gibt es eben auch perfekte Methoden, sich selbst zum Ziel überwiegend spöttischer und auch höhnischer, aber meist gar nicht bösartiger Betrachtungen zu machen. Gelbhelm, Bas und andere politische Funktionäre erfahren das, wobei es sich bei Gelbhelm nur um einen einflussreichen Milieu-Repräsentanten handelt, bei den anderen aber um Leute, deren Entscheidungen Millionen betreffen und sich über Jahre, möglicherweise Jahrzehnte hinweg auswirken.

Womöglich gab es noch nie eine so homogene politische Riege wie heute. Robert Habeck, der nach der Wahl 2025 das Bedürfnis verspürte, seine Nichtwähler durch vorübergehende Abkehr nach Berkeley zu bestrafen, sitzt wieder in Talkshows und auf Bühnen. Möglicherweise, weil es sich auch bei ihm in erster Linie eben doch um einen deutschen High Performer handelt. Jedenfalls meint er, dass er dem Land seine Talente nicht vorenthalten darf. Vor kurzem gab er öffentlich Einblick in sein ökonomisches Weltbild. Auf diesem Gebiet passt wirklich kein Blatt einer Maja-Göpel-Schwarte zwischen ihn, Bas und Heidi Reichinnek.

Bei einem seiner Auftritte beklagte er, Deutschland würde jährlich fossile Energie im Wert von 80 Milliarden Euro importieren, und die „werden buchstäblich verbrannt“. Ganz ähnlich, denkt der Betrachter, geht es übrigens auch mit importierten Lebensmitteln, die man hierzulande buchstäblich isst, trinkt und verdaut. Öl und Gas braucht man, um eine moderne Volkswirtschaft in Gang zu halten, Gas insbesondere als Stütze für die teutonische Energiewende, in der es auf besonderen Wunsch von Habecks Partei keine Kernkraft geben darf, außerdem bald auch keine Kohleverbrennung mehr. Nach Meinung des Ex-Wirtschaftsministers, der mit ein bisschen Pech für die Nation demnächst vielleicht wieder in einer Regierung sitzt, täte Deutschland besser daran, seine Wirtschaftsprozesse zu unterbrechen – bekanntlich ist es nicht schlimm, vorübergehend kein Geld zu verdienen – und in der Zwischenzeit eine eigene Wasserstoffherstellung aufzubauen, die Öl und Gas von außerhalb ersetzt.

Die kostet dann zwar schätzungsweise das Zehnfache der importierten Brennstoffe. Aber dafür, so Habeck, wäre das Land endlich autark. Unter ähnlichen Gesichtspunkten könnte man auch eine Ananaszucht in Mecklenburg etablieren. Technisch ginge das. Der komparative Kostenvorteil im Handel der Nationen gehört seit Adam Smith zum ökonomischen Basiswissen. Wie eigentlich jeder wissen kann, denkt der größte anzunehmende Ex-Vizekanzler nicht nur gelegentlich so. Hier etwa stammelt er bei einem Zeit-Forum seine Kritik an der Sanierung – „Ich mach mal zwei Beispiele“ – des sozialistisch ruinierten Baubestandes in Ostdeutschland nach 1990. Dass man Kapital brauchte, um die Folgen des ersten Sozialismus auf deutschem Boden aufzuräumen, und Ostdeutsche nach vierzig Jahren Sozialismus in der Regel nicht über dieses Kapital verfügten, hält er für skandalös. Beziehungsweise – hier schlug seiner Meinung nach „die reine Lehre“ der vermaledeiten Marktwirtschaft zu. Sein anderes Beispiel handelt vom Aufbau des nächsten Sozialismus; seiner Ansicht nach sollte nämlich der Staat – also eigentlich Leute wie er – „Start-ups an die AI heranführen“.
Nur zur Vollständigkeit: In den Büros des Habeck‘schen Heranführerstaats, der Firmengründern AI beibiegen soll, rattern auch 2026 noch die Faxgeräte und raschelt das Papier, selbst für die Bearbeitung einfachster Anträge brauchen Ämter Monate; der Ersatz für die eingestürzte Carolabrücke in Dresden steht frühestens Anfang der 2030er Jahre – also etwa zeitgleich mit Stuttgart 21. Ein typisches Persönlichkeitsmerkmal von Inkompetenten besteht darin, dass sie ihre eigentliche Arbeit nicht einmal ansatzweise bewältigen, aber unentwegt verkünden, sie müssten „eigentlich etwas ganz anderes machen“ und sich sehr viel anspruchsvolleren Tätigkeiten widmen, mit denen sie der Welt einmal gründlich ihr Talent unter die Nase reiben.

Ein weiteres berühmtes Habeckvideo erregt wirklich Mitleid mit ihm und dem Land: Es zeigt ihn, wie er bei einer Diskussion über die Basel-Regeln zum Eigenkapital von Banken versucht, irgendwie einen Zipfel zu erwischen, den er versteht („mehr schuldnerischer Verkehr als das reale Geld“). In der Szene wirkt er wie eine Personalunion aus einer Loriot-Figur und Leslie Nielsen in „Naked Gun“. Der Politiker pflegt auch öfter zu sagen, wenn ihm jemand bei einer Diskussion das allerkleinste ökonomische Einmaleins entgegenhält, man komme eben aus „unterschiedlichen Denkschulen“. Damit erinnert er stark an die Leute, die nach Eröffnung ihrer eigenen Denkanstalt beim Patentamt ihr Perpetuum mobile anmelden. Dort weist man sie schonend darauf hin, dass sie einfach den ersten Hauptsatz der Thermodynamik ignorieren. Nur: Man kann es ihnen erklären, aber nicht für sie verstehen. Wir können Robert Habeck höflich einen High Performer nennen, oder grob, unhöflich und allgemeinverständlich feststellen, dass der Rentner Stefan Niehoff schlicht eine offenkundige Tatsache beim Namen nannte, so wie das Kind in Andersens Märchen sich eben nicht an die hauptstädtischen Konventionen hielt.

Dieser Tage kursierte nach der Nichtwahl Deutschlands in den UN-Sicherheitsrat auch wieder der Vortrag Annalena Baerbocks über die Platzierung von Dorftoiletten in Afrika. Dem Präsidenten von Botswana zufolge kostete (auch) dieser dummerhafte Auftritt UN-Stimmen. Im Ausland gehen die meisten nicht so schonend mit den deutschen High Performern und Denksonderschülern um wie im Heimatland des Paragraphen 188 StGB.
Die sehr zurückhaltende Times schrieb mit tongue-in-cheek über den „Bacon of Hope“; ganz China fand ihre Aufforderung an Putin zu einer 360-Grad-Wende unglaublich lustig. So dezent, wie es immer heißt, sind die meisten Chinesen nämlich nicht. Ein Professor dort vermutete in einer Talkshow, bei Baerbock würde es sich womöglich um die erste Außenministerin der Welt mit einem zweistelligen IQ handeln.

Nun mag jemand einwenden: Live-Auftritte können schnell ins Erratische abrutschen, man sollte da nicht so streng urteilen. Katrin Göring-Eckardts Buch „Deutschland, lass uns reden“ entstand nicht in einer Talkshow, sondern in Heim- und Fleißarbeit. In diesem Werk vergleicht sie den Wechsel des US-Historikers Timothy Snyder an eine kanadische Universität mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR. Snyder ließ sich von Yale lediglich beurlauben, er erklärte mehrfach, die USA nicht verlassen zu wollen. Seine Posts auf X zeigen ihn auch regelmäßig in den Vereinigten Staaten. Seine Frau, auch Professorin, nannte familiäre Gründe für den Wechsel an eine Hochschule im Nachbarland. Das alles lässt sich mühelos nachlesen, nur eben nicht im Buch der Politikerin, die in manchen Redaktionsstuben als wahrscheinliche Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue gilt.

Zur Energiepolitik heißt es in Göring-Eckardts Traktat: „Eine Wärmepumpe rettet im Jahr acht Quadratmeter arktisches Eis.“ – „Eine Wärmepumpe“ hält sie mithin für eine Recheneinheit, den Zusammenhang mit dem Antarktiseis führt sie – tausendmal schade – nicht weiter aus. Um die Antarktis muss es sich deshalb handeln, da sie die Wichtigkeit der Wärmepumpe hilfsweise noch mit der Rettung der Pinguine begründet. Das Eisschild der Antarktis wächst übrigens per Saldo seit 2021. Da vermisst man bei ihr glatt ein: „Danke, Robert Habeck“. Wer das Opus liest, denkt nicht nur einmal: Ist die Frau irre? Nein, das nicht. Sie sollte nur besser keinen öffentlichen Einfluss ausüben. Tut sie aber wortwörtlich dummerweise doch.

Mit der Rekrutierung des deutschen Politikpersonals läuft etwas grundlegend schief. Der neue Neokommunistenführer Luigi Pantisano mit seiner Bemerkung über die faschistische CDU dürfte wahrscheinlich der dümmste Politiker sein, der es je an die Spitze einer im Bundestag vertretenen Partei schaffte. Überhaupt wirkte der gerade zu Ende gegangene Parteitag des Pantisanoverbandes eher wie ein Inklusionsprojekt.
Irgendwoher muss die „dümmste Energiepolitik der Welt“ (Wall Street Journal) ja kommen, genauso wie die dümmste Migrationspolitik mit faktisch immer noch offenen Grenzen plus Bürgergeld auch für Nichtbürger.

Die Dummheit führender Politiker schlägt mit leichter Verzögerung immer auf das Land als Ganzes durch. Deutschland performt high. Ob sich die schlimmsten Folgen noch abwenden lassen – wer weiß. Aber unabhängig davon sollten sich Bürger einfach seelisch Luft verschaffen, indem sie die Repräsentanten, um die es geht, nicht nur „speziell“ nennen, sondern verglichen mit dem, was sie sich zutrauen, ungewöhnlich dumm. Auch gern minderintelligent, Spinner, Schwätzer und Scharlatane.
Wem das zu riskant vorkommt: High Performer geht immer.

 

 

 


Dieser Text erscheint auch auf Tichys Einblick.


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