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Das war die Euro 2019: Schreckensbilder eines Schicksalswahlkampfes

Zusammengestellt von Mascha Memel, Dirk Schwarzenberg, der Publico-Redaktion und den Parteien

Nie gab es mehr Schicksalswahl. Jedenfalls dann, wenn der Endverbraucher von Politik die Leitartikel, öffentlich-rechtlichen Fernsehapelle und Aufrufe wohlmeinender Prominenter beherzigt: Wählen gehen, Zettel in die Schicksalsurne werfen, Europa am Zerbrechen hindern, „denjenigen, welchen“ (Frank-Walter Steinmeier) nicht in die unsauberen Hände spielen, und sich statt für „Krieg und Leid“ (Martin Schulz) lieber für „Frieden und Freiheit“ (ebenfalls Martin Schulz) entscheiden – so lautet die Parole für den EU-Entscheidungstag.

Wer sich zwei Monate lang die Wahlwerbung anschaute, der sah eine etwas andere Metabotschaft. Nämlich: Hoffentlich sieht unser Ergebnis nicht schlimmer aus als dieses Plakat. Und: Puh, am 27. Mai ist alles vorbei.

Ist es ja auch fast. Deshalb gibt es hier noch einmal den großen Rückblick. So war die Euro 2019 – nämlich auch nicht viel grässlicher als der ESC.

Fangen wir ganz vorn an, nämlich mit dem Auftritt von Andrea Nahles zum Wahlkampfabschluss in Bremen, wo gleichzeitig mit dem EU-Parlament auch eine neue Bürgerschaft gewählt wird. In dem Ibiza-Moment (es gibt ein Video) gluckste schon ein wenig die Vorfreude, das Amt der SPD-Chefin demnächst weiterreichen zu können:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=BOqt1qRbDYs&feature=youtu.be

 

Was war der neue, frische Trend bei der Euro 2019? Auf SPD-Plakaten: Schlaggegenstände in den Händen halten.

 

Im erweiterten Sinn gilt das auch für die Linke. Hier muss der Gegenstand allerdings erst noch a) geleert werden, und b) ist Übung für eine halbwegs unlächerliche Handhaltung dringend nötig.

Ansonsten gab es bei der SPD Rätselhaftes.

Aber auch Slogans in sehr einfacher Sprache. Und mit vielen Punkten.

Und die Aufforderung, zusammenzukommen.

Was, siehe links oben an der Hausfassade, auch von anderen bekräftigt wird.

Klappt allerdings nicht immer. Dann gibt es melancholische Schatten bei tiefer Sonne.

Bei den Grünen fiel es nicht immer leicht, die Absicht hinter dem Plakat zu deuten. Abschreckung, Drohung? Scary Movie 13? Jedenfalls: „I’ve got a scream.“

Aber:

Stimmt nicht ganz, Angst vor Klima, Rechts, Atom und Gen muss sein. Nur vor der Spitzenkandidatin der Grünen Frau Keller soll man sich nicht fürchten dürfen. Klingt nicht ganz fair.

Ein bisschen Spaß resp. Naturschutz muss auch sein, denn alles, was Flügel hat, jedenfalls „jede Biene, jeder Schmetterling“ (Katrin Göring-Eckart) und überhaupt alles, was nicht auf die Artbezeichnung Milan hört, kommt bekanntlich persönlich angeschwirrt, um Danke zu sagen, falls es nicht zu den jährlich 1,2 Billionen Insekten gehört, die von Windradflügeln so eiskalt geklatscht werden wie Nationalisten von den Jusos (s. oben).

Und was macht die Union so? Sagt noch einmal Bescheid, dass es sich ihrer Meinung nach nicht um ein Europa der Bienen handelt. Ein paar kontroverse Funken müssen ja sprühen.

Im Übrigen geht es – wir feiern 2019 schließlich 100 Jahre Bauhaus – auch immer noch ein bisschen schlichter und reduzierter. „26.5.“ Hätte eigentlich auch gereicht.

Trotzdem gestaltete sich das Zusammenkommen auch bei der Union – hier am Wahlkampfstand Wittenbergplatz in Berlin –  ziemlich schwierig.

Pamela Anderson wirbt für „Demokraten in Europa“, den „Green New Deal“ und wahrscheinlich gegen Kurzstreckenflüge.

Und jetzt noch ein kurzer Blick auf andere Kämpfer um die Ressource Aufmerksamkeit:

Wer durch die Freitagsdemos ein paar Unterrichtsstunden versäumt, der kann, wie die Bundesumweltministerin kürzlich bekräftigte, immer noch ins Kabinett aufrücken. Wenn in Zukunft gut bezahlte Jobs in der Industrie fehlen, tun sich also andere Möglichkeiten auf. Wenn auch nicht ganz so zahlreich.

Allerdings gibt es keinen Anlass, jetzt kulturpessimistisch zu werden. Wahlwerbung war schon früher schlimm. Sehr schlimm.

Und überhaupt ist schlechte Werbung kein Privileg der Politik.

 

 

 


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9 Kommentare
  • Immo Sennewald
    26. Mai, 2019

    Wahlversprechen

    Wenn‘s im Keller schimmlig müffelt
    könnte es geboten sein
    man schaut dort in Ecken rein
    wo von Flaschen, ausgesüffelt
    noch Kartons ihr Dasein fristen
    die uns einstmals, bunt und fein
    sagten, was wir trinken müssten
    um von Herzen froh zu sein.

    Solche Reste riechen übel
    wie Erinnerung an Wahlen
    als ich einstmals unter Qualen
    bombardiert mit Wachstumszahlen
    leicht beschwipst von den Versprechen
    mich entschloss, den Schwur zu brechen
    nimmermehr daran zu glauben
    dass – ob Falken oder Tauben –
    der Gewählten einzig Ziel
    nicht sei: Wähl mich – und schweig still.

    In der Stille fault sodann
    was man nur noch ändern kann
    wenn man hart und ohne Säumen
    ausräumt, was statt bunten Träumen
    Moder und Verfall gebar.
    Merke: Über falsch und wahr
    frage nicht die Emballage
    Prüf den Inhalt, hab Courage.
    Was dir imponieren will
    allzu oft ist‘s nichts als Müll.

  • Jürgen
    27. Mai, 2019

    Alles schön und gut, aber die AfD hat ihr Wahlziel auch weit verfehlt. Wichtig wird es nun sein, den deutlich geringeren Erfolg zu analysieren: Lag es an dem unsäglichen Strache Faux pas, oder an den AfD Rändern (Höcke & Co)? Am wahrscheinlichsten erscheint aber das völlig undemokratische Verhalten der Medien und der organisierten Öffentlichkeit, die entweder die AfD ignorierten oder sie diskriminierten. Das wird eine der größten Aufgaben der AfD zukünftig sein, besseren Zugang zur Öffengtlichkeit zu gewinnen, sonst werden die Ergebnisse zwangsläufig weiter rückläufig sein.

    • Freespeech
      27. Mai, 2019

      Besser kann man es nicht ausdrücken.
      Allerdings möchte ich bemerkeln, dass es die SPD war, die sich seit Jahrzehnten ein Presseimperium aufgebaut hat, und fast überall die Finger drin hat. Die Beteiligungen dahingehend sprechen Bände.
      Dass es trotzdem nichts genutzt hat, schreibe ich eher Leuten wie Nahles, Stegner, Karst oder Özoguz zu.
      Menschen mit der Aura eines Büroschrankes…

    • Libkon
      28. Mai, 2019

      Die linke Presse/ARD u. ZDF werden ALLES tun, um zu verhindern, dass der “Feind” AfD, die Partei mit Realitätsbezug, weitere Stimmen bekommt. Das Flaggschiff, die Tagesschau/Propaganda ist im Weglassen und Manipulieren von Informationen einsame Spitze. Unbedarfte bekommen davon überhaupt nichts mit und halten diese Sendung doch tatsächlich für seriös.

  • wolfgang fubel
    27. Mai, 2019

    Die Meisten haben vor lauter EU-Besoffenheit nicht begriffen, dass sie nichts aber auch gar nichts ändern können. Fast alle haben den Schuss nicht gehöhrt. Die Medien haben alle Register gezogen, um der Öffentlichkeit ein Europa ins Gehirn zu prügeln, das es so nicht gibt. Diese Clique in Brüssel wird da weitermachen, wo sie vor dem 26. war! Ein Haufen selbsherrlicher Ignoranten, von niemandem gewählt, von niemandem autorisiert oder gar gewollt, erfüllen sie den Auftrag der Bangster und Konzerne, die Völker Europas in einem Einheitsbrei untergehen zu lassen. Und für diese für uns nutzlose Arbeit werden diese Parasiten von den Mitgliedern dieses “ehrenwerten” Clubs auch noch fürstlich alimentiert!

  • Frank Bodenstedt
    28. Mai, 2019

    Die großteils blödsinnigen Wahlplakate sind von den Vorbeigehenden sicher nur selten zur Kenntnis genommen worden, noch weniger dann die Worthülsen darauf. Hauptagitation fand in den ÖRR-Sendern und den MSM statt. Bestes Beispiel dafür ist der ‘Erfolg’ der Grüninnen, die eine bevorzugte und kritiklos positive Behandlung in allen ‘Medien’ erfuhren. Das mag Klein Fritzchen und Klein Erna, oder wie sie heute heißen mögen, Klein Kevin und Klein Greta, beeindruckt und entscheidend beeinflußt haben. Hinzu kam das für die AfD schädliche Totschweigen dieser Partei. Wenn denn mal etwas dargeboten wurde, so war es gezielt destruktiv. Haupt-Manko beim Wähler hierzulande allerdings scheint zu sein, daß bei Vielen kein Licht im Oberstübchen brannte bzw. brennt.

  • Lichtenberg
    28. Mai, 2019

    Beim nächsten Wahltermin wird alles einfacher: dann finden wir all die bunten Bilderchen auf dem dann drei Meter langen Stimmzettel, zur besseren Orientierung.

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