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Das Drama des unbegabten Kindes

Interessanter als der Punkt, ob Annalena Baerbock Kanzlerin wird, ist die Frage: Warum findet sie überhaupt Wähler? Weil sie einen bestimmten Typus verkörpert. Und zwar völlig makellos.

In der Folge “The Hot Towel“ der Serie “Curb Your Enthusiasm“ gibt es die berühmte Geschenksong-Szene. Auf einer Party eines befreundeten Paars, zu der Larry David mit seiner Frau eingeladen ist, verkündet eine ebenfalls eingeladene Frau, sie würden dem wunderbaren Gastgeberpaar nichts Materielles schenken – „ihr habt offenbar schon alles“ – sondern ein Lied ihrer unglaublich begabten Tochter Sammy. Das Mädchen beginnt mit einem Vortrag, bei dem sie keinen einzigen Ton trifft. Bei dem im Krächzgesang vorgetragenen Lied handelt es sich um „Can’t Take My Eyes Off You“, und tatsächlich starren die Gäste auf Sammy wie auf den berühmten Verkehrsunfall, von dessen Anblick man sich bekanntlich auch nicht losreißen kann. Jemand würgt leise ein oh God heraus.

In postmateriellen Kreisen – die gesamte Serie spielt unter Bessergestellten in Los Angeles – bleiben die Leute höflich und stoisch, weil sie wissen, dass auch der Auftritt einer hochbegabten Tochter irgendwann zu Ende geht. Nur nicht Larry mit seiner Unmusikalität für gesellschaftliche Situationen: Er würgt sie in dem Moment, als Sammy zum Refrain ansetzen will, mit einem ultimativen Applaus ab und ruft in die Runde: „Das war gut. Sehr gut.“
Das Mädchen zieht nur ein wütendes und beleidigtes Gesicht, ist aber augenscheinlich zu verdattert, um etwas zu sagen. Seine Mutter zischt: „Warum unterbrichst du sie, Larry? Warum wartest du nicht, bis sie zu Ende gesungen hat?“
Worauf Larry sehr larryhaft antwortet: „Was? Der Song war vorbei.“
„Nein, der Song war nicht vorbei“, sagt die Mutter, die deutlich wütender ist als Sammy: „Du weißt, dass der Song nicht vorbei war. Du hast das ganze Geschenk ruiniert!“

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Natürlich wusste Larry, dass der Song nicht vorbei war. Auf seine Angewohnheiten, Konventionen zu ignorieren oder gar nicht wahrzunehmen, hatten wir schon hingewiesen. Gewiss, es wirkt sehr herzlos, in einer festlichen Runde die Aufführung einer sehr untalentierten Tochter von Bekannten abzukürzen, zumal in besseren, höflichen Kreisen. Andererseits fallen die Partygäste sofort in Larrys Schlussapplaus ein, weil sie ebenfalls wissen, dass es normalerweise noch lange nicht vorbei gewesen wäre. Selbst Sammy hätte objektiv betrachtet Grund, Larry dankbar zu sein. Es gibt nämlich auch das Drama des unbegabten Kindes. Es besteht beispielsweise darin, von einer psychotischen Mutter unglaublich Talent eingeredet zu bekommen und nach vorn geschoben zu werden.

 

Wenn sie aufhören würde, wäre die Erleichterung nirgends größer als im Wahlkampf-Stab der Grünen

Nun ist der Bundestagswahlkampf eigentlich keine Party in einer Villengegend. Und es gibt wahrscheinlich auch institutionell niemanden, der jetzt, im Juni 2021 ’sehr gut, sehr gut’ rufen, klatschen und den Auftritt der Kanzlerkandidatin Annalena Charlotte Alma Baerbock für beendet erklären könnte, obwohl sich dann ähnlich wie in der Szene Erleichterung mit lebhaftem Applaus breitmachen würde, am tiefsten, heimlichsten und ehrlichsten wahrscheinlich im Wahlkampfstab der Grünen.
Dass Baerbock und ihre Helfer schon daran scheitern, innerhalb von zwei Wochen den kurzen Lebenslauf der Vierzigjährigen so aufzuschreiben, dass er Nachfragen standhält – diese Unfähigkeit wirkt erstaunlich, macht aber nur einen Teil des Baerbock-Problems aus. Und dieser Teil könnte sich am Ende auch noch als der kleinere herausstellen.

Manche Beobachter, die ähnlich wie bei Sammy Augen und Ohren nicht abwenden können, fragten in den letzten Tagen, ob denn in Baerbocks Umgebung niemand damit gerechnet hatte, dass selbst eine grüne Kanzlerkandidatin in Deutschland so etwas wie Wahlkampf absolvieren muss, zu dem es nun einmal gehört, dass zwar nicht die Faktenchecker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit seinem Acht-Milliarden-Etat oder ein stiftungsfinanzierter Konzern wie Correctiv in der Vita einer bisher praktisch unbekannten Kandidatin herumstochern, aber die eine oder andere Einzelfigur eben doch. Ob denn nicht, fragten sich diese Beobachter, einer aus dem Team der Bewerberin wenigstens eine Folge von „House Of Cards“ gesehen hätte? Eigentlich genügt schon der Blick in ein viel älteres Buch, „Primary Colors. A Novel Of Politics“ von Joe Klein, erschienen 1996. Dort gerät Präsidentschaftsbewerber Jack Stanton – ein nur leicht literarisierter Bill Clinton – trotz seiner Begabung in Schwierigkeiten, die aus seiner Biografie stammen, eine andere Art von Schwierigkeiten als die von Baerbock, aber handfest genug, um seine Kampagne zu gefährden. Er engagiert deshalb eine Frau namens Libby Dustbuster, eine Spezialistin für das Aufspüren großer und kleiner Schwachstellen, die früher oder später auch ein Journalist herausfinden könnte. Libbys Arbeitsmotto ähnelt der Katzenstreu-Werbung: Saugt auf, bevor Geruch entsteht.

Möglicherweise konnten die Grünen eine solche Fachkraft nicht finden, oder sie hätten jemand an der Hand gehabt, aber Baerbock war der Ansicht, bei ihr gebe es keine Lücken und Schwachstellen. Jetzt spielt die Frage keine Rolle mehr. Das Geld für eine noch so begabte Dustbusterin kann sich der Wahlkampfstab der Grünen sparen. Denn, siehe oben: der Geruch ist längst entstanden. Er breitet sich seit gut drei Wochen jeden Tag etwas stärker aus.

Die ersten Anfragen zu Baerbocks Lebenslauf erreichten die Bundesgeschäftsstelle der Grünen in der ersten Maihälfte, unter anderem von dem Blogger Hadmut Danisch und von dem Autor dieses Textes, der Anfang Mai bei der Universität Hamburg nachforschte, und am 10. Mai eine Reihe von Fragen zu Ungereimtheiten im Lebenslauf der Kandidatin an Baerbocks Sprecher mailte. Von dort kam keine Antwort, allerdings verschickte Partei-Sprecher Andreas Kappler einen Tag später die Faksimiles zweier undatierter Urkunden, des Vordiploms von Baerbock in Hamburg und ihres Master-Abschlusses in London. Kappler behauptete, „es kursieren erneut Falschmeldungen über Annalena Baerbock, diesmal über ihre akademische Ausbildung“, und behauptete, die „Fakten“ zu liefern. Auf etlichen Internetseiten der Partei, der Fraktion, der Parteistiftung und bei Wikipedia fanden umfangreiche Aufräum- und Umbauarbeiten statt. Es verschwand die Behauptung, sie hätte in Hamburg eines Bachelor-Abschluss erworben (diese Falschmeldung beispielsweise kursierte sowohl bei den Grünen als auch bei etlichen Medien),

 

 

 

 

 

Aus ihrem Masterabschluss in Völkerrecht an der London School of Economics, der suggerierte, sie sei Juristin, wurde ein Abschluss in Internationalem Recht. Dann verschwand auch der Hinweis auf ihre angefangene Völkerrechts-Promotion an der FU Berlin, die sie schon 2015 endgültig abbrach, bis vor den Putzarbeiten aber noch so dargestellt wurde, als würde die Promotion nur ruhen. Aus der Politologin und Juristin mit LLM und kurz vor der Doktorwürde wurde also Mitte Mai eine mitteljunge Frau, die ihr Studium in Hamburg abschlusslos beendet hatte, sich dann für umgerechnet etwa 11000 Euro in einen Jahreskurs an der LSE einkaufte, bei dem laut Universitätsannalen noch nie ein Absolvent scheiterte, und die es mit diesem Papier wiederum als Promotionsstudentin an die FU schaffte, allerdings, ohne dort etwas abzuliefern. Hier, nach diesem ersten Waschdurchgang, in dem die Vita schon erheblich zusammenschrumpelte und ausfaserte, wäre der allerletzte sinnvolle Zeitpunkt für einen Libby-Dustbuster-Einsatz gekommen, die zusammen mit der Kandidatin jedes weitere Komma im Lebenslauf hätte abklopfen müssen. Bekanntlich passierte das nicht.

Dabei hätte Baerbock sogar einen kompetenten Berater in ihrer Nähe gehabt, theoretisch jedenfalls. Ihr mittlerweile pensionierter Vater Jörg Baerbock arbeitete als Personalchef bei dem Automobilzulieferer Wabco in Hannover. Er müsste wissen, wie ein wasserfestes Bewerbungsschreiben aussieht, und welche Fehler jemand unbedingt vermeiden sollte. Beispielsweise alle, die bei Annalena Baerbock dann noch folgten. In den nächsten Wochen erledigten sich dann durch Nachfrage des FAZ-Journalisten Philip Plickert und von Don Alphonso mehrere Pseudo-Mitgliedschaften in ihrem Lebenslauf, etwa beim UNHCR – in dem es gar keine Mitgliedschaft von Einzelpersonen gibt – und beim German Marshall Fund, wo sie einmal einen Kurs absolvierte, mehr aber auch nicht.

Dann schrumpfte noch ihr Büroleiterposten bei der EU-Abgeordneten Elisabeth Schroedter zusammen: In der neuen Biografieversion übte sie den „nicht die ganze Zeit“ aus, die sie ursprünglich angegeben hatte. Und auch nicht überwiegend von Brüssel aus. In der vorerst letzten Umbaustufe kippte auch noch die freie Mitarbeit bei der Hannoverschen Allgemeinen von 2000 bis 2003 aus dem Lebenslauf, keine Kleinigkeit, denn es handelte sich um ihre einzige Tätigkeit außerhalb der Berufspolitik. Aber eben nicht ganz um die Tätigkeit, die sich die Öffentlichkeit unter der einer freien Journalistin vorstellt. Im Archiv der Zeitung finden sich für die drei Jahre gerade eine handvoll Beiträge, ein Text beispielsweise über die Stimmung bei Abiturienten in ihrem Heimatort („zwei ZiS-Autorinnen fassen ihre Abi-Gefühle in Worte“) – ZiS, Zeitung in der Schule, steht für eine Kooperation des Blattes mit Schülern – ein Bericht über eine Theateraufführung in einer Kirche, ein Artikel über den TSV Schulenburg.

Zu einer Vita, die jetzt nur noch ein mit etwas finanziellem Einsatz hingebogenes Studium und ausschließlich Berufsstationen in der Politik enthält, kam dann noch die Sache mit den spät nachgemeldeten Nebeneinnahmen und dem steuerfreien Corona-Bonus von 1500 Euro, der eigentlich nur für Angestellte gedacht ist. Als Parteivorsitzende arbeitet Baerbock nicht im Angestelltenstatus, als gut versorgte Abgeordnete mit 10083,47 Euro Diät im Monat hätte sie den Bonus außerdem nicht nötig gehabt.

 

‘Ich habe wirklich keine Lust, mir sagen zu lassen, das kann nicht funktionieren’

Hier beginnt der deutlich unangenehmere Teil der Geschichte, unangenehm für Baerbock, ihr Team und das Unterstützungsumfeld in den Medien: Verfehlungen wie das unberechtigte Kassieren eines Corona-Bonus, das späte Nachmelden von Nebeneinkünften und das Aufblasen des eigenen Lebenslaufs wären weniger gravierend, wenn es irgendeinen Ausgleich gäbe, ein politisches Verdienst oder zumindest irgendetwas von Gewicht in ihrem Wirken und Wesen. Aber gemessen an dem, was sie ohne Zwang und nach eigenen Ambitionen anstrebt – nämlich das Kanzleramt – sieht es auf dieser Seite ihrer Bilanz noch viel, viel schlechter aus.

Die New York Times zählte während der Amtszeit von Donald Trump seine falschen und irreführenden Aussagen, und nummerierte sie durch – oder was sie dafür hielt – , manches auf der NYT-Liste bewegte sich auf der wichtigtuerischen Faktenchecker-Ebene, aber es kam auch allerhand zusammen. Eine Baerbock-Liste nach diesem Muster legte bisher kein Medium in Deutschland an, obwohl sie mittlerweile auch ziemlich umfangreich ausfallen würde.

Annalena Baerbock erfand in ihrem mittlerweile legendären Deutschlandfunk-Interview (21.1.2018) das Speichernetz: „An Tagen wie diesen, wo es grau ist, da haben wir natürlich viel weniger erneuerbare Energien. Deswegen haben wir Speicher. Deswegen fungiert das Netz als Speicher. Und das ist alles ausgerechnet.“

Wie ein Netz, das nur stabil funktioniert, wenn so viel eingespeist wie entnommen wird, als Speicher funktionieren soll, begründete sie nicht, baute aber schon einmal mit einer Art Generalklausel möglichen Nachfragen vor: „Ich habe irgendwie keine wirkliche Lust, mir gerade mit den politischen Akteuren, die das besser wissen, zu sagen, das kann nicht funktionieren.“

Sie behauptete bei Maybritt Illner (am 13.12.2018), Deutschland hätte einen CO2-Aussstoß „von 9 Gigatonnen pro Einwohner“. Tatsächlich waren es 2018  8,9 Tonnen. Eine Gigatonne bedeutet: eine Milliarde Tonnen. Der menschengemachte weltweite CO2-Ausstoß lag 2020 insgesamt bei etwa 40 Gigatonnen.
In einem Interview mit dem Blogger Tilo Jung sprach sie von der „UN-Charta als höchstes Gremium“. Die UN-Charta ist ein Dokument, kein Gremium.
Im Juni 2019 diagnostizierte sie die Zitteranfälle von Angela Merkel als Auswirkung der Klimaerwärmung: „Auch bei der Bundeskanzlerin wird deutlich, dass dieser Klimasommer gesundheitliche Auswirkungen hat”.
 
Bei Markus Lanz schrieb sie die Geschichte Thüringens um:
„Da standen wir kurz davor, dass ein Nazi, dass jemand, der nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht, in einem unserer Bundesländer zum Ministerpräsidenten gewählt wird.“ Nicht kurz davor, sondern tatsächlich zum Ministerpräsidenten gewählt wurde im Februar 2020 bekanntlich der FDP-Politiker Thomas Kemmerich. Die Argumentation, warum er ein Nazi sein sollte, blieb Baerbock schuldig. Vielleicht meinte sie den AfD-Politiker Björn Höcke. Aber der stand nicht kurz davor, zum Ministerpräsident gewählt zu werden.

Am 11. März 2021 twitterte Baerbock zum 10. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima: „Zeit innezuhalten und an die vielen Menschen zu denken, die durch das Unglück zu Schaden gekommen sind oder ihr Leben verloren haben. Es ist beruhigend, dass Deutschland nächstes Jahr aus der Hochrisikotechnologie #Atomkraft aussteigt. “

 

Durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 verloren nicht viele Menschen das Leben, sondern zum Zeitpunkt des Unglücks niemand. Im Jahr 2018 starb ein früherer Mitarbeiter des Kraftwerks an Krebs. Er gilt als das einzige Fukushima-(Langzeit)-Strahlenopfer.

Die soziale Marktwirtschaft hielt die Politikerin, die immerhin einige Semester Politikwissenschaft studierte, in einer Bundestagsdebatte im Mai 2021 für eine Erfindung der SPD. Und kürzlich sorgte sie sich in einem Tweet um die soziale Gerechtigkeit von Klima-Maßnahmen; „Menschen mit geringem Einkommen verbrauchen meist weniger CO2“.
Menschen verbrauchen überhaupt kein CO2, egal ob arm oder reich. Sie stoßen es aus.

 

Diese Fehler- und Verwechslungsliste ist natürlich unvollständig. Bisher wurde sie von einer amtslosen Oppositionspolitikerin befüllt, die aber in Zukunft die größte Volkswirtschaft Europas regieren will. In ihren Vorträgen, Interviews und Talkshow-Auftritten wirkt Baerbock fast nie wie eine Person, die sich auf ein Gespräch einlässt, sondern eher wie eine Sprecherin, die abgespeicherte Textbausteine ausstößt, dabei aber deutlich öfter durcheinanderkommt als andere im Politikbetrieb.
Etwas unheimlich wird die Sache, wenn sie keinen Fehler im Detail macht, sondern, was ihr auch öfter passiert, an einem Sachverhalt vorbeispricht.

In einem Interview mit RND etwa forderte sie, überall, also auch im Pflegebereich einen Mindestlohn von 12 Euro einzuführen. „Das“, erkennt sie selbst, „kostet natürlich Milliarden“. Zur Lösung des Finanzierungsproblems schlägt sie vor, dann eben die Rücklage der Pflegeversicherung zu verbrennen:
„Wir wollen den Pflegevorsorgefonds auflösen, um das Geld unverzüglich zu nutzen.“

Auf den sanften Hinweis der Interviewerin, diese Rücklage sei eigentlich für die Zeit nach 2030 gedacht, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in die Rente wechseln, und deshalb deutlich weniger Menschen in die Pflegekasse einzahlen, weiß Baerbock Rat:
„Wir müssen mehr Menschen in sozialversicherungspflichtige Jobs bringen. Die zahlen dann auch in die Pflegekasse ein.“

Da schlägt man sich mit der Hand vor die Stirn: In Zukunft einfach mehr Menschen in Jobs bringen. Hätte man gleich drauf kommen können. Die Lösungsidee der grünen Parteivorsitzenden erinnert an den Vorschlag der Titanic zu besseren Zeiten: „Hungerproblem gelöst: Einfach mehr spachteln“.

Neben ihren Schwierigkeiten, halbwegs strukturiert zu argumentieren, kommen bei ihr auch öffentliche Momente, die in – um es vorsichtig zu sagen – mindestens den Bereich der Verhaltensauffälligkeit lappen. Als Sandra Maischberger ihr das mittlerweile zehntausendmal abgerufene Video eines NDR-Auftritts von ihr und Robert Habeck vorspielte, in dem sie sich mit dem Satz „ich komme eher aus dem Völkerrecht“ etikettiert, nachdem sie den promovierten Philosophen Habeck mit „Hühner, Schweine, ich weiß nicht was haste, Kühe melken“ zum Landei gestempelt hatte, erklärte Baerbock, das sei ja „zusammengeschnitten“, und die Ausgangsfrage – also: Was unterscheidet die beiden – sei für die Zuschauer nicht erkennbar. Tatsächlich kommt genau diese Ausgangsfrage in dem Video vor, das Maischberger zeigte. Es handelte sich auch nicht um einen Zusammenschnitt. Baerbock biegt ein Video, das in diesem Moment hunderttausende Zuschauer sehen, einfach kontrafaktisch um.
Gegenüber dpa erklärte sie ihren aufgeplusterten Lebenslauf so:
„Meinen Lebenslauf habe ich knapp und komprimiert veröffentlicht und dabei unwillentlich einen missverständlichen Eindruck erweckt, den ich nicht erwecken wollte.“
Knapp und komprimiert wurde ihre Vita erst durch gut ein dutzend Korrekturen, weil immer mehr mürbe Zacken aus ihrer Krone brachen.

Eine Politikerin, die sich nobilitierende Mitgliedschaften erfindet und sich als Doktorandin ausgibt, die sie längst nicht mehr ist, und dann, wenn sie ertappt wurde, behauptet, sie hätte ihre Vita eben knapp und komprimiert halten wollen, leidet mindestens unter einer schwer gestörten Selbstreflexion. Auf jeden Fall fehlen ihr kompetente Berater und Helfer, die sie wenigstens an den schlimmsten Selbstdemontagen hindern.
Apropos Berater und Unterstützer: Die Grünen in Leipzig suchen für den Wahlkampf Helfer, sie bieten für den Job 40 Stunden Arbeit pro Woche und eine Vergütung von 450 Euro, was einem Stundenlohn von 2,81 Euro entspricht.

 

Die Grünen sind kollektiv das verzogene Blag der wohlmeinenden Medien in Deutschland

Und das führt uns in Zentrum der Frage, wie es überhaupt passieren konnte, dass eine 40-jährige Frau mit etwas merkwürdiger Bildungskarriere, ohne bürgerlichen Beruf und ohne Erfahrung in einem öffentlichen Amt, eine Politikerin, die sich ständig verhaspelt, unangenehm narzisstisch wirkt („ich Völkerrechtlerin, du Schweinebauer“), und die, zurückhaltend gesagt, Schwierigkeiten mit der Realitätseinschätzung zu haben scheint, dass eine solche Politikerin als aussichtsreiche Kanzlerkandidatin durch die Medienöffentlichkeit zieht. Baerbocks Position wirkt ein bisschen, als stünde Sammy aus “Curb Your Enthusiasm“ vor 15000 Menschen in der Hollywood Bowl, um einen Gesangsabend zu geben.

Um jemanden dahinzubringen, müssen sich mehrere Handlungsstränge miteinander verbinden. Annalena Baerbock stünde nicht dort, wo sie jetzt kippelnd steht, wenn sie nicht ein wichtiges und hinreichend großes Milieu in Deutschland verkörpern würde, und das nicht nur gut, sondern nahezu perfekt. Sie stellt den Idealtyp der höheren Töchter und Söhne dar, die nie in ihrem Leben ersthafte Konflikte durchzustehen hatten und sich sozial nie nach oben hangeln mussten, weil sie familiär schon ein gehobenes Wohlstandsniveau mitbekamen, denen sich nie ernsthafte Widerstände in den Lebensweg stellten, weswegen sie sich nie wirklich anstrengen mussten, um irgendwo unterzukommen.
Die Kinder dieses Milieus werden von Anfang an mit einem Zaubertrank großgezogen, der tatsächlich ein bisschen wirkt und viele trotz mäßiger Begabung erstaunlich weit trägt, nämlich Lob, Lob und noch einmal Lob. Die Praxis, Kinder schon für ihre Anwesenheit zu loben, zuhause, später in der Schule, und selbst einen Krächzgesang höflichst zu beklatschen, das gilt unausgesprochen als Merkmal dieser besseren Kreise, in denen Scheitern gar nicht vorgesehen ist. In diesen gepflegten Vorstadtsiedlungen kann es durchaus vorkommen, dass jedes dritte Kind nach Meinung seiner Eltern hochbegabt ist. Wer dagegenhält, dass das nur für 2 Prozent eines Jahrgangs gilt, nämlich für die mit einem IQ von über 130, der macht sich ähnlich unbeliebt wie Larry auf der Dinnerparty, der die talentierte Tochter abwürgt.

Die führenden Politiker der Grünen stammen meist aus diesen besseren Kreisen, ein großer Teil ihrer Wählerschaft auch. Vertreter dieses Milieus finden sich auch noch in zwei anderen Bereichen überdurchschnittlich oft: in den Medien und in den NGOs. Die Wirkung dieses Phänomens potenziert sich dadurch, dass sich hier der gleiche latent narzisstische Typus in einem Selbstbestätigungszirkel aus Partei, Fernsehstudio und Aktivistenorganisation unentwegt selbst begegnet. In diesem Zirkel behandeln die wohlmeinenden Medien die Partei der Grünen insgesamt exakt wie die Eltern aus diesem Milieu ihre Kinder: Sie loben, loben und loben nochmals. Sie bestaunen die Löcher in den Socken des Parteivorsitzenden, wuscheln ihm freundschaftlich durchs Haar, wenn er Unsinn über die Pendlerpauschale und die BaFin erzählt, sie unterbrechen die Kanzlerkandidatin nicht, wenn sie etwas über einen beinahe gewählten Faschisten in Thüringen und andere kontrafaktische Dinge erzählt, und vor allem gilt die stillschweigende Verabredung, jede Grundsatzkritik an der Partei als Ganzes zu vermeiden. Die Grünen ähneln folglich einem verzogenen Blag, das sich eigentlich alles erlauben kann, auch und gerade Dissonanzen, an denen Parteien weiter rechts zerbrechen würden.

Die Grünen können sich für eine Obergrenze bei Parteispenden von 20 000 Euro einsetzen und auf der anderen Seite eine der größten Einzelspenden in Deutschland überhaupt von einem deutsch-russischen Fondsmanager in der Höhe von 500 000 Euro und dann noch eine Million von einem Bitcoin-Millionär entgegennehmen, sie können die Abholzung im Hambacher Forst und im Dannenröder Forst im Kabinett mitbeschließen, den Protest dagegen anfeuern und gleichzeitig ungerührt riesige Abholzaktionen für Windkraftanlagen in Gang setzen, sie können sich gegen Antisemitismus einsetzen und gleichzeitig die Autorin Kübra Gümüşay, hofieren und einladen, die den islamistischen und antisemitischen Autor Necip Fāzıl Kısakürek als deutsche Schulbuchlektüre vorschlägt, sie kann – als einzige Bundestagspartei – ihrer Führung einen üppigen Bonus für Wahlkampferfolge zahlen und gleichzeitig Wahlkampf-Fußtruppen für einen rumänischen Hungerlohn anheuern. Sie kann Joe Kaeser zu ihrem Parteitag einladen und gleichzeitig mit anderen Linksaußen-Demonstranten unter Hammer-und-Sichel-Fahnen in Berlin auf die Straße gehen, als das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel kippte.
Alles ist möglich, und der Tag, an dem ein ARD- oder ZDF-Interviewer Baerbock wegen dieser Praxis, von Linksaußen bis zur Mitte Stimmen abzukassieren, tatsächlich nur ein bisschen in die Mangel nehmen würde, dieser Tag kommt so schnell nicht. Wie auch in einer ARD, deren Moderatorin die Grünen am Wahltag in Sachsen-Anhalt „mit zu den Gewinnern des Abends“ rechnet, weil sie immerhin mit 5,9 Prozent als kleinste Partei in den Landtag rutschten?

Wer das Phänomen des unentwegten Lobs in seiner ganzen Pracht verstehen möchte, muss sich noch einmal in Erinnerung rufen, unter welchem Klatschmarsch diese Medien Baerbock im April auf die Bühne schoben: „Die Frau für alle Fälle“ (Spiegel), „Endlich anders“ (Stern), „Erfrischend anders“ (View), „Eine wie keine“ (Zeit), „Eine, die aus dem Nichts kam“ (Tagesschau), eine Politikerin „mit der Lizenz zum Weltendeutertum“ (Süddeutsche): Das entspricht exakt der Mutter in dem “Curb“-Video, die ihre Sammy als unglaublich talentiert anpreist und zum Singen nach vorn schiebt. Dass sich Sammy tatsächlich für eine passable Sängerin hält, ist ihr unter diesen Umständen nicht vorzuwerfen. Ein einziges Buh kann bei solchen Kindern schon zu einem schweren Trauma mit jahrelangen Therapiesitzungen führen.

Besonders überraschend kommt es nicht, dass in einer Partei, die kollektiv das verzogene Kind der guten deutschen Medien ist, auch eine Politikerin nach oben steigt, die individuell genau diesem Persönlichkeitsmuster entspricht. An ihr fällt das für diesen Typus gar nicht so seltene Vermeidungsverhalten auf: Kein Diplom in Hamburg, für das sie eine Prüfung hätte ablegen müssen, keine zu Ende geführte Promotion, kein offener Vorwahlkampf in der eigenen Partei mit Robert Habeck um die Kanzlerkandidatur. Und bisher spricht alles an ihrem Verhalten und dem ihrer Umgebung dafür, dass sie fest daran glaubte, sich auch den Wahlkampf sparen zu können. Bei etwas aufkommendem Gegenwind über rechte Blogger und Falschinformationen im Netz jammern, die Mädchenkarte zücken, in den Ally-Medien die Kritiker als Frauenfeinde niederkeulen lassen – das, so dachte das Team Annalena bis praktisch gestern, sollte eigentlich reichen.

 

 

In seinem Wahlkampf 2016 sagte Donald Trump, er könne jemanden auf der Fifth Avenue erschießen, und würde trotzdem gewählt. Ein ähnliches Gefühl muss sich auch bei Annalena Baerbock eingestellt haben.

Zu dem Narzissmus des mittelmäßigen Bürgerkinds kommt bei den Grünen noch ein zweites Prinzip, das in diesem Milieu auch über tiefe Wurzeln verfügt, und dem der Soziologe Helmut Schelsky schon in den Siebzigern einen Namen gegeben hatte: Die Arbeit tun die anderen. 

Wenn es so etwas wie eine Die-Arbeit-tun-die anderen-Partei gibt, dann die Grünen. Das gilt zum einen ganz unmittelbar: Warum, wird man sich gedacht haben, teure Wahlkampfberater und Fehlersucher engagieren, wenn die Partei allein mit den öffentlich-rechtlichen Sendern über eine Agentur mit acht Milliarden Euro Budget verfügt? Wozu Fehlersuche im eigenen Team, wenn schon geklärt ist, dass Kritik beispielsweise am Lebenslauf nur von rechten Einzelmännern stammen kann?

Das Motto gilt aber auch im weiteren Sinn, nämlich in dem Grundvertrauen einer Annalena Charlotte Alma Baerbock und anderen, dass Deutschland ruhig seine Atom- und Kohlekraftwerke abwracken kann, und kundige Leute – keine gelobten Bürgerkinder mit PolWi-Studium – schon dafür sorgen, dass trotzdem genügend Strom fließt. So, wie sie darauf vertrauen, dass jederzeit genügend Steuergeld herangeschafft wird, das verteilt werden kann, trotz immer höherer Energiepreise. Und so, wie sie davon ausgehen, dass sie die Pflegereserve schon jetzt plündern können, und es irgendjemand hinbiegen wird, wenn es ab 2030 deutlich mehr Pflegebedürftige gibt, deutlich weniger Zahler, aber eben keinen Notgroschen mehr.

 

„Die Arbeit tun die anderen“ ist das heimliche Motto der Metaebenen-Bürgerkinder

Das Milieu der ewig gelobten Metaebenen-Bürgerkinder, die darauf vertrauen, dass die eigentliche Arbeit anderswo stattfindet, dieses Milieu bildet mehr oder weniger die harte Grünen-Wählerschaft in Deutschland. Wer dazu gehört, kreuzt die Grünen auch an, wenn Baerbock Spitzenkandidatin bleibt. Allerdings macht dieses Milieu nicht ein Vierteil der Wahlberechtigten aus. Sollten die Grünen ihren Parteitag vom 11. bis 13. Juni nicht doch noch nutzen, um die Kanzlerkandidatin im allerletztmöglichen Moment gegen Habeck auszutauschen, dann gilt: Der Song ist noch längst nicht vorbei. Er muss noch über viele Strophen gequält werden. Und das Publikum kann die Augen nicht abwenden. Am Ende reicht es höchstwahrscheinlich für ein Ergebnis zwischen 15 und knapp unter 20 Prozent, also für eine Juniorpartnerschaft mit der CDU. Das heißt: Es kommt noch ein ganzes Konzert mit Sammy und einer begeistert mitsingenden Mutti im Hintergrund.

Falls nicht ein Blackout den Partyort schlagartig verdunkelt. Denn das Prinzip „Die Arbeit tun die anderen“ reicht zwar weit. Aber irgendwann kommt es unweigerlich an eine Grenze.
Das Schöne daran ist: Dann haben die anderen versagt. Um mit Sammys Mutter zu sprechen: „Du hast unser Geschenk ruiniert.“

 

 

 

 


Dieser Text erscheint auch auf Tichys Einblick.

 


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82 Kommentare
  • Bernd Zeller
    10. Juni, 2021

    Dass sie die größte Volkswirtschaft Europas regieren will, ist ja auch nur als vorübergehend anzusehen.

  • A. Iehsenhain
    10. Juni, 2021

    Ich selbst habe noch nie einen Hörsaal von innen gesehen…was letzten Endes rein gar nichts ausmacht! Das beste Studium gibt es hier bei Publico! Kann ich auch Frau Baerbock und anderen Fantasie-Doktoranden empfehlen – und das möglichst zügig, bevor der Horizont durch Propeller verdunkelt wird…

    • Rudi
      11. Juni, 2021

      Und sind Sie Politiker? Bei Politikern besteht der Lebenslauf angeblich aus “Kreißsaal, Hörsaal und Plenarsaal”.

      • A. Iehsenhain
        11. Juni, 2021

        Um Gottes Willen – nein!!!

        • Rudi
          12. Juni, 2021

          Das habe ich auch nicht angenommen, daß Sie Politiker sind. Ihre Antwort erinnert mich an das Lied “Was gibt es es schöneres auf Erden als Politiker zu werden” von Reinhard Mey?

          • A. Iehsenhain
            13. Juni, 2021

            “Prost! Es lebe die Partei! Frisch und fromm und steuerfrei”…Danke für den Hinweis, kannte ich noch nicht!

      • Materonow
        12. Juni, 2021

        Bei vielen, besonders Obergrünen, kam der Hörsaal nur als Wärmehalle in Betracht!

      • Grand Nix
        12. Juni, 2021

        Bei Normalsterblichen sind andere Saalkreise von Bedeutung.
        Zum Beispiel:
        Esssaal, Beetsaal, Schlafsaal.
        Oder:
        Wartesaal, Saalschlacht, Saalschutz?
        Oder:
        Labsal, Rinnsal, Trübsal.

        Oder?

        Liebe Grüße

        Grand Nix

  • I am Ei
    10. Juni, 2021

    Bravo Herr Wendt: Brillant!

  • Peter Ackermann
    10. Juni, 2021

    Ich bin ja sowieso ein Fan-Boy von Alexander Wendt, aber dieser Text saugt so ungefähr alles auf, was mir zu dem Thema „Grüne“ einfällt. Ganz groß! Und vielen Dank auch für die Verweise ins Psychologische. Dort sollte eigentlich der komplette Text „spielen“. Aber man hat ja auch noch andere Leser, die es eher konventionell am Thema vorbei mögen…

    • ToNo
      11. Juni, 2021

      Dem schließe ich mich voll und ganz an – wieder ein grandioser Beitrag von Herrn Wendt! Fast kommt in mir Mitleid mit Frau Baerbock auf. Sie repräsentiert ja tatsächlich nur das eigentliche gesellschaftliche Problem in Deutschland.

      • Jens Richter
        12. Juni, 2021

        Genau dieses Mitleid wird dem Trampolin aus dem Völkerrecht noch Punkte bringen. Mutterinstinkte werden nämlich mobilisiert: das arme Kind hat sich doch entschuldigt! #annalenawählen.

        • ToNo
          12. Juni, 2021

          So weit würde mein Mitleid sicher nicht gehen. Ich würde eher mit einem Termin beim Psychologen helfen wollen.
          Den Grünen wäre mit der Wahl zur Regierungspartei meines Erachtens auch nicht so viel wie mit einer Wahl zur starken “Oppositionspartei” geholfen, die sie ja schon lange sind. Von dort aus haben sie seit Jahrzehnten extreme Macht und Einfluss entwickelt. Mehr würde es als Regierung vermutlich gar nicht werden können. So muss ja auch nichts einem Realitätscheck unterzogen werden. Extrem komfortabel für diese Partei und eine Katastrophe für das Land.

  • Grand Nix
    10. Juni, 2021

    Ein unglaublich guter Artikel, lieber Herr Wendt.
    Man müsste Sie dafür mit Preisen überschütten.

    Aber, Sie gehören nicht mehr den fast gleichgeschalteten MS-Medien an, also wird man diese ausgezeichnete Arbeit wieder nicht würdigen – und wenn möglich, wieder galant unter den Teppich kehren.

    Wie grottenschlecht lückenhaft und geradezu provozierend desinformierend das ZDF über Frau Baerbocks Absturz in der Wählergunst schwurbelt, ist einfach nur unfassbar, unerträglich, ungeheuerlich.
    Ab Minute 5.15.

    https://www.zdf.de/nachrichten/heute-19-uhr

    Ansonsten habe ich, als “die eine oder andere Einzelfigur” einige interessante Updates hinterlassen, fürs spätere Poesie-Album sozusagen. Siehe meine Kommentar, besonders am Ende.

    https://www.publicomag.com/2021/05/annalena-baerbocks-abschluss/

    All denen, die an diesem ungeheuerlichen Fall
    (Baerbock, Grüne und die willfähigen MS-Medien) weiter dran bleiben, ganz herzlichen Dank an dieser Stelle.

    Zum Schluss noch ein Artikel vom Spiegel, der zwar zu erkennen beginnt, was die Stunde für Baerbock geschlagen hat, aber in der Analyse und Gesamtbetrachtung immer noch im Nebel stochert (stochern will?).

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/kanzlerkandidatin-annalena-baerbock-das-war-s-a-69dfbcc1-a2c9-4a67-8c0a-89f1f4571f95

    Herr Wendt, nochmal herzlichen Dank.

    Das ist ganz großes Kino, was Sie hier veröffentlicht haben.

    Grand Nix

  • Frank Danton
    10. Juni, 2021

    Wenn schon “ein einziges Buh … zu einem schweren Trauma mit jahrelangen Therapiesitzungen führen” kann, dann haben Sie heute, und mit ihrer spitzen Feder, der Psychotherapie einen geldwerten Gefallen getan. Für alle anderen, die nicht von der Anerkennung der grünen Bourgeoisie abhängig sind, ist ihre inhaltsreiche Kritik der Grund noch ein wenig ohne Therapeuten auszukommen.

  • Andy B.
    10. Juni, 2021

    Eine sehr treffende Analyse, die ich auch wegen ihrer stilistischen Qualität gern gelesen habe.

  • Christoph
    10. Juni, 2021

    Ein großartiger Artikel, der die Entrücktheit weiter Teile der Medien, der Wähler und Lobbyisten beschreibt. Bearbock bindet sich und uns einen Bären auf.

  • Evarist
    10. Juni, 2021

    Als Person tut sie mir mittlerweile leid, und ich fühle mich schlecht weil ich vor Schadenfreude glühe, aber: trotzdem ein großartiger Text! Danke.

  • Johanna
    10. Juni, 2021

    Der Zaubertrank “Lob” wird in der Schule meines Wissens oft bevorzugt an viel redende Schülerinnen verteilt. Es zählt nämlich die mündliche Mitarbeit seit langem ganz entscheidend für die Note. Und leider ist oft das pure Gequatsche gemeint, also reden, ohne etwas zu sagen. Mädchen sind im Durchschnitt deutlich eloquenter als Jungen und punkten so, völlig zu Unrecht, mehr. Mit dieser Aussage behaupte ich nicht, dass es keine begabten, kompetenten und verhaltensunauffälligen Mädchen gibt!

    • Margarete Rausch
      12. Juni, 2021

      …Ergänzen möchte ich, daß gute sportliche Leistungen das noch weiter befördern,…. gerade bei Mädchen, besonders, wenn der Sportlehrer männlich ist.
      Das strahlt dann ab auf die Noten der anderen weichen Fächer und ebnet einem Schnatterinchen mit gutem Selbstbewusstsein und gutem Aussehen ganz einfach den Weg zum Abitur…

  • J.S.
    10. Juni, 2021

    Ich denke, Herr Wendt, Ihr Gleichnis von Sammy und Baerbock stimmt nicht. Sie unterstellen, die Unterbrechung von Sammy Baerbock würde auch bei den Grünen Mit-Applaus hervorrufen. Das ist falsch. Um in Ihrem Bild zu bleiben: Die Grünen sind ein “Sammy-Chor”!
    Hier meine Begründung dafür: Die zwischen Ungebildetheit und Dummheit changierende öffentliche Aussage der Baerbock (der Strom würde im Netz gespeichert) konnte nur erfolgen, weil sie in keiner, ich wiederhole: in offensichtlich KEINER internen Diskussion der Grünen über dieses Kernthema (!) der grünen Politik auf ihren dummen, ungebildeten Fehler hingewiesen wurde. Diese dumme Ungebildetheit konnte es nur geben, weil genau das Konsens in der Grünen-Partei ist, zumindest in dem Sinne, dass diese dumme Ungebildetheit in partei-internen Diskussionen nie widerlegt wurde bzw. widerlegt werden wollte.
    Ist das nicht gruselig?
    Aber es kommt ja noch schlimmer! Das alles ist im heutigen Deutschland in keinster Weise schlimm. Wir werden im Herbst ein Wahlergebnis sehen, das zeigt: Eh alles egal!
    Was bleibt? Man kann diesen ganzen Irrsinn, der heute läuft, dokumentierend begleiten. Das ist die Rolle, in der ich Sie, verehrter Herr Wendt, sehe. Mein Leben werde ich beobachtend aus einem Refugium gestalten. Und ich werde mich nicht hinreißen lassen, diese Dürre der Irrationalität mit einer Art Regentanz beenden zu wollen.

  • Joseph
    10. Juni, 2021

    Was würde Frau Baerbock wohl zu dieser Analyse sagen?

    Letztlich sind es die im Artikel gestellten Fragen, die Journalisten aus den großen Medien einer Kanzlerkandidatin stellen müssten.

    Danke, Herr Wendt.

  • Katharina Pehle
    10. Juni, 2021

    Großartig. Hach, wenn nur EIN Qualitätsmedium sich anschicken wollte, die Irrsinnigkeiten, die die Grünen im Allgemeinen und Annalena im Speziellen von sich geben, wäre der Spuk schnell vorbei. So viel Hoffnung habe zumindest ich noch in den Geisteszustand der deutschen Wählerschaft. In einer halbwegs funktionierenden Gesellschaft wäre doch eine Person, die solche Dinge von sich gibt wie Annalena neulich bei Maischberger, vollkommen erledigt. Ein für alle Mal.

  • Wilfried Lambertz
    10. Juni, 2021

    Auch etwas zum Hintergrund der frischen, sympathischen und einfach herüberkommenden Annalena C. A. Baerbock vom hannoverischen Land:

    Der Konzern ZF Friedrichshafen hat nach einer großangelegten Firmenkonsolidierung des WABCO Konzerns ( Westinghouse-Konzerntochter) diesen 2012 übernommen. Der Geschäftsführer der WABCO Unternehmen war von 2005 bis 2012 der Vater Jörg Baerbock. Mit dem Einkommen bleibt dann auch etwas an Finanzmitteln für das verbummelte Studium der hochbegabten höheren Tochter übrig, um sich den LLM-Titel bei der LSE zu kaufen.
    Die Damen Luisa Neubauer, die Reemstsma-Clan-Töchter und viele andere “Eliten”-Gewächse lassen die Abgehängten der Gesellschaft grüßen. Vorwärts zur großen Klima-Transformation, vorrangig wohl ein reines Eliten-Projekt einer völlig abgehobenen Oberschicht.

  • Oliver Driesen
    10. Juni, 2021

    Bravo! Schlicht bravo!
    Nur ein winziger Einwand: “Nun ist der Bundestagswahlkampf eigentlich keine Party in einer Villengegend” – doch, genau das ist Bundestagswahlkampf inzwischen. Etwas, das die Bewohner der besseren Viertel jetzt als Scheinwettkampf weitgehend unter sich ausmachen.

  • R. Borger
    10. Juni, 2021

    Ein sehr guter Beitrag! Was nicht genug hervorgehoben werden kann, ist, daß zuerst Danisch und dann Sie, Herr Wendt, den Lebenslauf der Baerbock destruiert haben. Die gesamte etablierte Journalistenschar hat nur dumm zugeguckt und jetzt versucht ein FAZ-Author noch etwas zu finden. Vielleicht eine Ausnahme: Don Alphonso, aber den schätze ich nicht als etablierten Journalisten ein.

  • Gast
    10. Juni, 2021

    Daß sich ihre Herkunft aus progressivem Elternhaus heftig niederschlägt und sie in der grün gewendeten Republik mit dem Geschlitztenbonus daraus ihre Vorteile zog, ist schon klar. Das Herrenreiter-Prinzip von früher gilt aber auch heute noch, statt der Adeligen sind’s halt nun die Sprosse der kulturmarxistischen grünen Dekadenz. Und es gilt der unbarmherzige Satz Bismarcks: „Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt.“ Das gilt für die grüne Schickeria genauso.

    Daß man bei ACAB in die Psychokiste greifen muß, ist schon klar. Eine lupenreine Pseudologia phantastica sowie Narzißmus F 68.1 und F 68.8 nach ICD springt einen da ganz penetrant an.
    Wenn man aber die wirklich hahnebüchenen Lapsus von Plappermäulchen sich anschaut, bekommt man ernsthafte Zweifel daran, daß die Tussi Abitur hat. Es ist leider noch schlimmer: Daß man heute im durchgrünten Bildungssystem mit derartigem Unvermögen zum Denken überhaupt Abitur bekommt. Es sind eben nicht die kleinen Bescheißerchen in ihrer ansonsten völlig belanglosen Vita (der Erwähnung wert wäre noch gewesen, daß der gekaufte hochtrabende Titel selbstredend auch ohne Prüfung erhältlich ist) oder ihre Kleinbetrügerei bei Zuwendungen. Es ist ihre – man kann es nicht anders benennen – bodenlose Dummheit. An sich die Idealbesetzung als hiesige Kanzlerdarsteller*_Innende, die sie mit der überwältigenden Mehrzahl ihrer in der Regel berufslosen Parteischmarotzer teilt. Was aber wirklich atemberaubend ist, ist die Geschwindigkeit, mit der sie sich ins Aus geschossen hat. Im leitmedialenden ehemaligen Nachrichtenmagazin ist just der Stab gebrochen worden: Das war’s.
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/kanzlerkandidatin-annalena-baerbock-das-war-s-a-69dfbcc1-a2c9-4a67-8c0a-89f1f4571f95

  • Dr. W. Manuel Schröter
    10. Juni, 2021

    Wie immer den trüben Wassern bis auf den Grund gesehen, Herr Wendt. Ich fürchte aber, diese Trübungen werden sich eher noch verstärken, denn nicht nur die Grünen, auch die anderen Parteien mit ihren “Würdenträgern” sorgen nicht für Klärungen, sie be- und verschmutzen alles nur noch mehr. Alle zusammen, von Baerbock über Esken bis Lindner, Chrupalla und Söder.

  • Immo Sennewald
    10. Juni, 2021

    Der brillante, wie immer genau recherchierte und Zusammenhänge verdeutlichende Text könnte zu jenen historischen Warnrufen gehören, mit denen gescheite und weitsichtige Einzelne versuchten, einen kollektiven Selbstmord abzuwenden, und der die bequeme Lüge der Mitläufer und Profiteure des Untergangs “Das haben wir damals doch gar nicht wissen können!” ad absurdum führt. Ob’s diesmal vor dem Kollaps eines ganzen demokratischen Staatswesens gelingt? In diesem Fall wären Alexander Wendt Denkmäler an jedem Standort der öffentlich-rechtlichen Medien zu gönnen, dazu eine Verpflichtung des akademischen Nachwuchses auf Lektüre seiner Texte als Prüfungsbedingung und die jährliche Vergabe eines aus den Mitteln des abgewickelten Staatsfunks zu finanzierender Journalistenpreises. Finde ich. Aber auf mich hören leider nichtmal die Grünen-Wähler in meinem Sportverein.

  • pantau
    10. Juni, 2021

    Poststrukturalismus, Faschismus, Sozialismus, Blacklivesmatter, Islam(ismus), alles Erscheinungsformen desselben Leistungsneides, oder in Nietzsches Terminologie: von Ressentiment. Die Grünen wie die Linken sind Ressentimentparteien, die die statistischen Verlierer einer Leistungsgesellschaft mit dem Balsam der poststukturalistischen Mythe, alle Menschen seien gleich begabt, pampern. Der mächtigste Hebel dieser Ideologie ist übrigens nicht so sehr der Journalismus, sondern die Serien und Filme, mit denen wir unser Hirn dauerspülen lassen. Die Baerbocks sind die Helden vieler Filme und Serien. Nichts prägt so effektiv wie Parolen in Geschichten verpackt. Danisch hat sehr schön herausgearbeitet, daß Baerbock eine poststrukturalistische Stilblüte ist. Mit besonderer Vorliebe lese ich Ihre Texte und die von Danisch, Herr Wendt.

    • Grand Nix
      12. Juni, 2021

      – Nietzsches Terminologie: von Ressentiment. –

      Ein guter, ein treffender Hinweis, lieber pantau.

      Ressentiment:
      Unwille Widerwille Widerstreben Idiosynkrasie Averison Animosität Degout Indignation und so fort.

      Das Ressentiment, aus der Schwäche geboren, niemandem schädlicher als dem Schwachen selbst, …
      [ECC, Wei 6]

      Das moralische Urteilen und Verurteilen, ist die Lieblingsrache der geistig Beschränkten an denen, die es weniger sind, …
      [Jen 219]

      Während der vornehme Mensch vor sich selbst mit Vertrauen und Offenheit lebt , so ist der Mensch des Ressentiments weder aufrichtig, noch naiv, noch mit sich selber ehrlich und gerade zu. Seine Seele schielt; … [Gen I, 10, KSA 5, 272 f]

      Oder, wie es neulich einem Dr. hier unverhofft widerfuhr:

      Du hast ihm eine Gelegenheit gegeben, Größe des Charakters zu zeigen, und er hat sie nicht benutzt. Das wird er dir nie verzeihen. [MEN II, Mei 384]

      Ihr Messerscharfer Beitrag, lieber pantau – da wie hier – ist mir nicht entgangen.

      Danke und Kompliment!

      Grand Nix

  • Alexander Peter
    10. Juni, 2021

    Frau Baerbock ist eine besondere Blüte des mit öffentlichen Geldern reichlich gedüngten grünen Biotops.
    Außerhalb dieses Milieus hat sie folgerichtig auch kaum etwas vorzuweisen.
    Wes Geistes Kind die Dame ist, erschließt sich eigentlich jedem recht schnell, der einmal (oder öfters) das zweifelhafte Vergnügen hatte, sie im Fernsehen gesehen und gehört zu haben,
    Dass so jemand als ministrabel gilt oder gar als Kanzlerkandidatin gehandelt wird, ist eigentlich erstaunlich.

  • Selbstständiger IT-ler aus der Unterschicht
    11. Juni, 2021

    Wenn Wendt über Medien schreibt (und damit automatisch über die Grünen) ist es immer lesenswert. Wenn nicht sogar das Lesenswerteste was es auf Deutsch dazu gibt. Dass er dazu noch Curb Your Enthusiasm zitiert interessiert hierzulande vielleicht eine Hand voll Leute, aber ist für diese ein zusätzliches Qualitätsmerkmal.

    “Nun ist der Bundestagswahlkampf eigentlich keine Party in einer Villengegend.”

    Hier musste ich laut Prusten: Doch Herr Wendt, genau das ist er. Zumindest bei den Grünen.

    Aber auf die psychischen und sozialen Charakteristika gehen Sie ja noch zur Genüge ein. Und das ist gut so, denn sie sind des Pudels Kern und meiner Meinung nach das am meisten unter-berichtete Thema. Dem Durchschnittsbürger fehlt dieses Wissen und so kann er selbst sehenden Auges nicht verstehen, was sich vor demselben abspielt.

    Dass es sich um einen “Klassenkampf” von oben handelt. Dass die Selbstaufgabe der Linken für die Grünen kein Zufall ist, sondern konsequente Evolution.

    Die geistige Linke bestand schon immer aus Oberschichts-Kindern, welche vor zu großen auszufüllenden Fußstapfen flohen und sich retteten in selbst gewählten Beschützer-Rollen, in denen sie Dritte als ihre Mündel definierten.

    Zu erst die Arbeiterklasse, mit welcher man sich zusehends schwer tat, denn diese murrte, konsumierte, wählte fremd und – besonders schlimm – wollte finanziell aufsteigen!

    Darum entledigt sich die Linke dieser unddankbaren Mündel und wendet sich Opfergruppen zu, die nicht murren, weil sie entweder nicht exisiteren (Gender-Studies), kein Deutsch sprechen (Mittelmeer) oder überhaupt keiner bekannten Sprachfamilie angehören (Mutter Gajas Kinder).

    “Und das führt uns ins Zentrum der Frage, wie es überhaupt passieren konnte”

    Ich spekuliere jetzt, aber zusätzlich zur völlig richtigen Milieu-Analyse vermute ich, dass ein Habeck und Co. ihr den Vortritt ließen, weil sie gar nicht wollen, dass die Grünen gewinnen. Denn aus der angeblichen Opposition bestimmen die Grünen (dank Elfenbeinturm, NGOs, Bürokraten und Journalisten) seit Jahrzehnten die deutsche Politik, wie es sonst für eine Unter-Zehn-Prozent-Partei nie möglich wäre. Zu viel Rampenlicht schadet da nur.

  • Bernhard Kaiser
    11. Juni, 2021

    Das mit den Stellenauschreibungen ist mir bei den “Grünen” schon öfters aufgefallen und zwar in dem Sinne, dass keiner von den grünen Politiker*innen und damit Arbeitgeber*innen auch nur annähernd die hohen Qualitätsanforderungen, die in diesen Stellenausschreibungen gefordert werden, erfüllen würde! Aber auch hier gilt wohl: “die Arbeit tun (dann eben) die anderen”!

  • Axel Geertz
    11. Juni, 2021

    Die selbsterfundene und fahrlässig beklatsche Kanzlerkandidatin

    Danke für den sehr gründlich recherchierten und umfangreichen Beitrag einer leichtgewichtigen Kanzlerkandidatin. Ich werde mich bemühen, viele weitere Leser Ihrer Ausführungen – durch Weiterleitung per E-Mail – zu finden.

    Axel Geertz

  • Ede Wolf
    11. Juni, 2021

    Ich habe nur eine Frage:

    Ist das Foto von Barbock echt?

  • Jürgen
    11. Juni, 2021

    Eigentlich ist ja alles zu dem Thema gesagt. Es bleibt aber das Rätsel, wie diese Frau solchen Zuspruch ja nicht nur von den gleichgeschalteten Medien (einschl. ÖR) bekommt, sondern auch, wie die Umfragewerte zeigen, von den Wählern. Aber wenn selbst ein Mann wie Kaeser (alias Käser), ex Vorstandschef von Siemens, sich zu solchen Lobgesängen hat hinreißen lassen, dann muss an der Kandidatin doch was dran sein. All das wird noch rätselhafter, wenn man die Kandidatin bei ihren TV-Auftritten erlebt. Selbst die rücksichtsvollsten der so zart mit ihr umgehenden Interviewer (m/w/d) können nicht verhindern, dass sie fahrig irgendwelchen Unsinn plappert, ohne dabei von denen, die als Journalisten dazu verpflichtet wären, korrigiert zu werden. Man kann nur hoffen, dass in den kommenden Wochen und Monaten auch der Dümmste merkt, was er oder sie sich mit Baerbock als Kanzlerin einbrocken würden.

    • pantau
      11. Juni, 2021

      Für mich ganz normale Vorgänge ohne Erklärungslücken: die Medien und die Klientel Kaeser bauen solche Leute (wie vorher etwa M. Schulz) auf, weil sie den langfristigen Plänen des sagen wir reichsten Zehntels nützlich sind. Daß zu große Teile der Bevölkerung drauf anspringen, liegt wiederum daran, daß die meisten Menschen sozusagen das personale Echo der Medien sind. Die Menschen waren früher auch nicht wesentlich klüger, sondern die Medien waren lediglich etwas vernünftiger, sodaß es auch vernünftelnd von der Wählertribühne echote. Das jetzt ist quasi ein Papageien-Lackmustest.

  • Martin Wolff
    11. Juni, 2021

    Großartig. Die Analogie zum Film öffnet einem die Augen. Vielen Dank dafür, vor allem auch für die Antwort auf die Frage “wer wählt sowas”?

  • Materonow
    11. Juni, 2021

    Die schlimmste aller Bildungen ist die Halbbildung!
    Eine solche Halbbildung hat offensichtlich Frau Baerbock “erlitten”.

    Dazu kommt, daß sie die Wohlstandsgöre der linksgrünen Medien ist und von diesen auf Teufel komm raus gepampert wird.
    Wird eine solche Person tatsächlich Bundeskanzlerin, ist es vorbei mit dem Deutschland, das wir kennen.

    • Rudi
      12. Juni, 2021

      Sie hat ja sogar Bildungslücken über die Geschichte der Bundesrepublik (Stichwort 60er Jahre, SPD Marktwirtschaft).

  • E. Berger
    11. Juni, 2021

    Besten Dank, Herr Wendt, ein sehr schöner Überblick zu Baerbock (wenn auch schon im Titel alles gesagt ist).
    Aber: Was Sie sich von Habeck versprechen, verstehe ich nicht. Er ist ähnlich ahnungslos wie Baerbock, hat im Kopf ein ähnliches Chaos wie sie, er kann es nur mit dem Sprachduktus des Philosophen (den er sich im Studium angeeignet hat) besser tarnen. Also keine echte Alternative.
    Ich kenne unter den prominenten Grünen überhaupt nur einen, der den Kopf nicht nur dazu hat, dass es nicht in den Hals hineinregnet, und das wäre Boris Palmer.

  • Lebensfreude
    11. Juni, 2021

    Annalena die Superfrau
    Größenwahnsinnig erkläre ich, ich kann, ich werde, ich bin
    Illusorisch Ansprüche stellend ohne Verstand oder Sinn
    Ich bin, ich werde, ich kann
    Besser als der alte weiße, erfahrene Mann
    Ihr werdet sehen, ich kann und ich werde
    Bundeskanzlerin einer Gehirn gewaschenen Herde
    Zeige euch dann wer ich bin und was ich kann
    Verzweifelt werdet ihr rufen nach dem alten weisen Mann
    Leider ist dann auch das Land von mir endgültig zerstört
    Erwarte dennoch Applaus wie es sich für eine reife Leistung gehört
    Bin ich doch eine studierte, sich selbst überschätzende Frau
    Glücklich, zufrieden wenn ich beschert euch hab den Super Gau

  • V. Meier
    11. Juni, 2021

    “Berufsziel als Kind: Aus Krisenregionen berichten”
    Nun ja, den Wunsch kann man ihr erfüllen. Immerhin ist sie ja schon vor Ort.

  • Ingo
    11. Juni, 2021

    Grandiose Analyse! das beste was ich jemals über die Grünen gelesen habe. Das flog alles in Fetzen und Bruchstücken schon seit Jahren in meinem Kopf, hat aber jetzt einen perfekten Rahmen drumherum. Das sind alles zur Bühne genötigte oder angezogene Schauspieler, die ihre eigenen Rollen glauben. Mit Politik hat das alles nix zutun. Hab soeben deshalb mit PayPal meine Wertschätzung formuliert. Danke für diesen Text!

  • Jürgen Mai
    11. Juni, 2021

    Phantastisch, Herr Wendt! Hervorragend! Welch eine Wohltat im Zeitalter des Schwachsinns. Den Beitrag verschicke ich jetzt an Freunde und Verwandte, und glauben Sie mir, einige von denen haben ihn nötig.

  • Be Jazz
    11. Juni, 2021

    Ich habe, seit ich wählen durfte, bis vor einigen Jahren Grün gewählt. Ich hatte zwar auch die Widersprüche gesehen, was das spezielle Milieu angeht, welches Alexander Wendt hier so hervorragend beschreibt (z.B. nicht mit schlecht gebildeten Migranten zusammen leben, Ihre Kinder nicht auf die gleiche Schule gehen lassen, wie Migrantenkinder). Und das spätestens seit ich in dieser absurden Agglomeration des Milieus eines bekannten Berliner Stadtteiles wohne, der auch z.B. bei Journalisten beliebt ist. Aber ich war auch derartig gefangen in der Zeit-Spiegel-ÖRundfunk-Süddeutsche-Echokammer, dass ich immer noch dachte, die Grünen stehen für eine bessere Politik, bzw. sie ergänzen die Politik um etwas Wichtiges. Das sehe ich heute komplett anders.

    Unter den vielen hervorragend “nerdig”-detaillierten Artikeln vom Autor ist das hier der Beste, wenn es um die Erklärung des Phänomens des Links-Grünen Erfolges geht. Man darf nicht vergessen, dass auch die aktuelle Regierung ihre Politik stets nach der Mehrheitsmeinung der tonangebenden (links-grünen) Medien richtete.

  • Theophil
    11. Juni, 2021

    Die so “begabten” Kinder reden überall mit, diagnostizieren auch ohne Medizinstudium die Ursache der Zitteranfälle der Kanzlerin. Möglicherweise hat gegen diese die CO2-Bepreisung schon gewirkt, da man davon nichts mehr liest. Aber Ernst beiseite: Artikel auf ähnlich hohem Niveau wie den Ihren, Herr Wendt, fand man in der guten alten Zeit gelegentlich in der guten alten “Zeit”. Seit diese zu “Schneeflöckchens Hauspostille” verkommen ist, braucht es Publico umso dringender. Ein kleines Dankeschön ist unterwegs.

  • TinaTobel
    11. Juni, 2021

    Horrorvision:
    Baerbock tritt von der Kandidatur zurück, Habeck übernimmt. Es gibt bei der Wahl im Herbst eine schwarzgrüne Mehrheit, mit der Union als stärkeren Teil eine möglichen Koalition.
    Bei den Koalitionsverhandlungen machen es die Grünen zur Bedingung für eine gemeinsame Koalition, dass Merkel Kanzlerin bleibt, weil nur eine Frau als Kanzlerin infrage komme. (Warum diese Frau nur Merkel sein kann, bleibt ihr Geheimnis. Es fragt aber auch keiner nach.)
    Merkel “opfert sich” und macht weiter. Baerbock wird Vizekanzlerin und Außenministerin, weil Expertin für Völkerrecht und überhaupt.
    Erklärtes Ziel der Koalitionspartner ist es, mit dem “weiblichsten Bundeskabinett aller Zeiten” aufzuwarten.
    Gesundheitsministerin wird deshalb Melanie Huml, die zuvor schon als Gesundheitsministerin Söders dem “weiblichsten aller bayerischem Kabinette” angehört hat. (Söder hat sie zwar im Januar 2021 abgesetzt, aber besser als Spahn zu arbeiten, ist so schwer ja nun auch wieder nicht.)

  • Thomas
    11. Juni, 2021

    Da gibt es prächtige Löcher

    in den Socken der Grünenpartei, Rhinosorosse im Raum und Kobold-Batterien im politisch-medialen Komplex. Aber selbst das politische Kabarett arbeitet sich seit Jahren „gegen rechts“ ab. Kein Millimeter Gehirn. Grünalternativlose Liste als Agenda. Weicht einer ab, dann kommt wie 1984 die Feuerwehr. Angst, Angst, Angst (aber eben die „richtige“ Angst) als neue Form der Zivilcourage. Statt Hänsel und Gretel heute Harry Potter. Die „richtigen“ Autos brennen, die „richtigen“ Menschen landen im Krankenhaus: Pack, Spinner, Arsc…cher und Idioten. Grimme-Preis für einen Mann aus Böhmen, der Echo Klassik Preis für ein Lutschbonbon.

    Immerhin zeigt Publico auf, was mit zum Bild gehört. Das ist gut. Bravo! Zustimmung.

    *Wer das Phänomen des unentwegten Lobs in seiner ganzen Pracht verstehen möchte, muss sich noch einmal in Erinnerung rufen, unter welchem Klatschmarsch diese Medien Baerbock im April auf die Bühne schoben: „Die Frau für alle Fälle“ (SPIEGEL), „Endlich anders“ (Stern), „Erfrischend anders“ (View), „Eine wie keine“ (ZEIT), „Eine, die aus dem Nichts kam“ (Tagesschau), eine Politikerin „mit der Lizenz zum Weltendeutertum“ (Süddeutsche“): Das entspricht exakt der Mutter in dem Curb-Video, die ihre Sammi als unglaublich talentiert anpreist und zum Singen nach vorn schiebt.*

    Ein gutes Beispiel.
    Mal angenommen, dass alle Beteiligten bei solch einer Veranstaltung entweder bewegt, bekifft oder betrunken sind und der Anlass harmlos ist, dann (und nur dann) könnte derlei Firlefanz allen Beteiligten Spaß machen. Dann wäre das okay. So ist es aber nicht.

    Heute sagt Frau Baerbock „ups“, und die grünen Socken bemühen ihre „guten“ Verschwörungstheorien – „Geheimdienst“, „die Rechten“, „die Russen“, „die Türken“. Das war zu erwarten. Vielleicht war es ja auch das CO2. Oder Corona. Vielleicht Außerirdische. Wer weiß. Die Kausalkette ist zwar unklar, aber der Verdacht, dass Cannabis Schizophrenie auslöst, wird von gewissen politischen Figuren sicher nicht widerlegt. Eiskübel hin oder her.

    Bei Frau Baerbock hat das „Recht auf Vergessen“ (Gerichtshof der Europäischen Union) wohl noch zu kurz gegriffen.
    https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=152065&amppageIndex=0&doclang=de&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&cid=276332
    Pech für Schnatterinchen. Der Staatstrojaner stehe ihr bei.

    Die politische Frage hierbei ist, wieso sich all jene „Vierte Kräfte von Rang“ in den Büros („Viererbande“?) als politische Dealer der Grünen Baerböcke andienen und deren politischen „Stoff aus dem die grünen Träume sind“ völlig ohne Scheu weiterverkaufen. Angebot und Nachfrage? Gewöhnung? Neuronale Belohnungssysteme? Ich weiß es nicht.

    Ich persönlich vermute diesbezüglich, dass sie das deshalb tun, weil AfDDR (Linke) und RAFD (Grüne) ihren politischen Kampf vor 76 Jahren gewonnen haben. Es ist wohl so eine Art konzertierte Aktion wegen … Weltfrieden, Klima, CO2, Euro, Corona, Menschheit, Mutter Erde, oder so. Und das natürlich gegen rechts. Also praktisch Verhältnismäßigkeit. Und wer genügend trinkt, fernsieht und kifft, der glaubt das dann irgendwann.

    Auf dem Grünweg der Republik (von der FDJ-Mutti zum Schnatterinchen der Aktuellen Kameras) ist es leider wahr geworden: „Die Baerbocks sind die Helden vieler Filme und Serien“. So ist es. Und das ist ja das Problem: Die Grünen müssen gar nicht offiziell regieren, sie ziehen die Fäden im Hintergrund und bei den Beraterfirmen. 2015 hatten Kanzlerin, SPD, Grüne und Linke im Parlament die Mehrheit. Und die so genannte Opposition? Wo war die? Tief drin im Seehofer?

    Die Erste Reihe wird heute von den „Subversive Festivals der Republik“ aus gutem Grunde gar nicht mehr gebraucht, denn vorne werden die Spießer bereits dann „getortet“, wenn sie bei einer Doktorarbeit pfuschen. Wer würde denn heute auch (ungestraft) eine Grüne in ein Lokal zum Gespräch einladen und sie dann „torten“. Oder, wie die Alpen-Prawda 2014 schrieb, eine „Süße Attacke“ oder „Süßen Anschlag“ (WELT) verüben.
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article13848837/Netzaktivisten-druecken-Guttenberg-Torte-ins-Gesicht.html
    https://www.sueddeutsche.de/politik/suesse-attacke-guttenberg-kriegt-torte-ins-gesicht-1.1274912
    Mal ganz zu schweigen von der Entfernung zweier Bundespräsidenten (Köhler und Wulff), eines Generalbundesanwaltes (Range, FDP) und eines Präsidenten des Verfassungsschutzes (Maaßen). Ich gehe sicher nicht “torten”, ich gehe wählen. Das ist zwar nicht links, aber erlaubt.

    Dieser Klatschmarsch ins Grüne ist makellos wasserdicht und kann auf friedliche und vernünftige Weise nur über die Parlamente verändert werden. Stramme, gewachsene Strukturen. Deshalb ist das Establishment ja auch so sauer auf die AfD und buckelt vor RAFD und AfDDR. Denn wo nicht, da kommen dann die Neostazis mit ihren publizistischen Sahnetorten zu besuch. Angst, Angst.

    Nun, immerhin kann der staunende Betrachter noch Publico lesen. Für eine gute Sache spenden. Und man kann im Herbst noch wählen gehen. Und danach (!) dann einen Schnaps. Bald.

  • Cornelius Angermann
    11. Juni, 2021

    Die Grünen leben in einer imaginierten “Realität” die wohl derjenigen entspricht, die durch den Ausspruch „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen!“ (fälschlicherweise Marie Antoinette angelastet, in Wahrheit jedoch auf Jean-Jacques Rousseau zurückgehend) markiert ist. Und nicht zufällig ist dieser Rousseau der geistige Vater grüner Gesinnung!
    Dies erkannte auch schon Christian Lindner 2013, als er in der Welt ein Interview gab und sagte: “FDP und Grüne, das ist Voltaire gegen Rousseau” Und der britische Philosoph Bertrand Russell sagte: Hitler war eine Folgeerscheinung Rousseaus (1950, S. 567). Da haben wir die geistigen Zusammenhänge.

    • Grand Nix
      12. Juni, 2021

      Was Sie hier kurz und kompakt ausführen, ist alles richtig, lieber Cornelius Angermann, setzt aber erhebliches Wissen und das genaue Erfassen von historischer Zusammenhänge voraus.

      Aber selbst für Menschen, die sich mit der Philosophie im Allgemeinen und den Philosophen Rousseau und Voltaire im Besondern bisher kaum beschäftigten, sind diese Persönlichkeiten und deren interessante sowie recht widersprüchliche Denk- und Lebensweisen, gute Stichworte, um sich einzulesen, schlau zu machen.
      Beide, wenn auch recht unterschiedlich in ihrem philosophischen Denken und Wirken, wurden vom religiösen und herrschenden Mob ihrer Zeit stigmatisiert, verachtet und verfolgt. Eine Gemeinsamkeit. Eine weitere, beide ausgeprägte Persönlichkeiten, mit ausgeprägten Widersprüchlichkeiten, fanden im damaligen Preußen Schutz und Asyl. Fast schon ein Treppenwitz der Geschichte.
      Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätten sich beide Verfolgten – trotz aller Unterschiedlichkeit – auf einen kurzen prägnanten Satz von Voltaire einigen können, der auch heute noch seine volle Gültigkeit hat:

      Écrasez l’infâme!

      Die unerschrockene Kampfansage gegen das inquisitorische „Bündnis von Thron und Altar”, das zerstörerische Zusammenwirken von „Dogma und Schwert”.

      Écrasez l’infâme!

      Wie müsste man den religiösen und herrschenden Mob unserer Zeit in Schlagworten richtig zusammenfassen, welcher Andersdenkende/Querdenker verachtet, stigmatisiert, verdächtigt, verfolgt, vernichtet?
      Politik, Kirche, Wirtschaft, Medien, NGO, sogenannte “Globalisten” und “Anti-Faschisten”?

      Écrasez l’infâme!

      Könnte man sich heute auf so eine kurze Formel verständigen?

      Wir werden sehen.

      Écrasez l’infâme!

      Grand Nix

      • Cornelius Angermann
        12. Juni, 2021

        Écrasez l’infâme! Ein gutes Motto, das ich dem “Allons enfants de la patrie” beistellen möchte!

        • Grand Nix
          12. Juni, 2021

          Ich sitze gerade in Ricks Bar, neben Victor László, und proste Ihnen zu, bevor wir, zusammen mit Rick und anderen Aufrechten, feuchtfröhlich los singen.
          Santé!

          Grand Nix

      • Thomas
        12. Juni, 2021

        Écrasez l’infâme!

        Mit allem Respekt.

        • „Aber selbst für Menschen, die sich mit der Philosophie im Allgemeinen und den Philosophen Rousseau und Voltaire im Besondern bisher kaum beschäftigten, sind diese Persönlichkeiten und deren interessante sowie recht widersprüchliche Denk- und Lebensweisen, gute Stichworte, um sich einzulesen, schlau zu machen.“

        Das stimmt.

        Ein Stichwort fasst einen komplizierten Sachverhalt kompakt und einprägsam zusammen. Der esprit gaulois soll den Deutschen allerdings naturgemäß verschlossen sein – heißt es in Frankreich.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Esprit_gaulois
        Das mag so ein.

        Gewiss war Voltaire ein wichtiger geistiger Wegbereiter der Französischen Revolution; jedoch halte ich naturgemäß gar nichts davon, wenn irgendwann die „Richtigen“ geköpft werden: Ich halte das für den falschen Weg. Der richtige Weg wäre die freie Debatte und der freie Zugang der Bürger zum gesprochen Wort, die Unterredung und die Abstimmung; dazu braucht es die Bereitschaft, runde Tische mit den Beteiligten zu bilden (beispielsweise Parlamente). Not tut die Bereitschaft, sich im gleichen Raum mit politischen Gegnern aufzuhalten, mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten; eine Übereinkunft; und die Ablehnung des politischen Druckmittels „politische Unreinheit“. Der freie und gleichberechtigte Zugang der Bürger zum freien Wort. Und das ist mit diesem Bonmot Voltaires („Écrasez l’infâme!“) kaum möglich.

        In den Artikeln „Eigentum“ und „Gleichheit“ stimmte Voltaire dem englischen Motto „liberty and property“ zu und kam zu der Überlegung „Das Menschengeschlecht kann, wie es ist, nur bestehen, wenn es eine sehr große Anzahl brauchbarer Menschen gibt, die überhaupt nichts besitzen“. Das mag so sein, nur nützt eine sehr große Anzahl unbrauchbarer (unbegabter) Menschen, die mit sehr viel Grünstolz gesegnet sind, weder einem Staat noch einer Menschheit etwas. Schon gar nicht in der Regierung.

        Immerhin erkannte (auch) Voltaire:
        „Es wäre töricht, wenn man wollte, daß die Berge, die Meere, die Flüsse alle nach regelmäßigen Figuren angeordnet wären; noch törichter wäre es, von allen Menschen eine vollkommene Weisheit zu verlangen; das wäre, den Hunden Flügel und den Adlern Hörner geben wollen.“
        (Contradictions)

        Im Grunde geht es auch in dieser Sache um Teilhabe. An einem runden Tisch mit allen Beteiligten (beispielsweise im Parlament) könnte heute immerhin auch über das „Infame und Niederträchtige“ dieser Welt debattiert werden. Das Mittel wäre der verträgliche Streit, nicht die demonstrative Unversöhnlichkeit. Dann käme das Für und Wider der politischen Lager auf friedliche Weise zutage.

        Und wieso auch nicht. Das wäre besser. Und es wäre viel unblutiger, als all das, was sich die Voltaires und Rousseaus dieser Welt aus den Erfahrungen ihrer Zeit zusammengereimt haben – und was wir heute bequem bei Zentralheizung und fließendem Wasser nachlesen … dürfen. Voltaire und Rousseau starben beide im Jahre 1778 in Paris; die Fahrzeuge hatten noch keine künstliche Intelligenz, sondern Pferde. Seither ist viel geschehen.

        Mit freundlichen Grüßen,
        Thomas

        • Grand Nix
          12. Juni, 2021

          Écrasez l’infâme!

          Die unerschrockene Kampf-Ansage gegen das inquisitorische „Bündnis von Thron und Altar”, das zerstörerische Zusammenwirken von „Dogma und Schwert”.

          Écrasez l’infâme!

          Rick sagt mir gerade, Thomas versteht das alles wortwörtlich?
          Ach was!
          Victor nickt nachdenklich!
          Was solls, ist sein gutes Recht.
          Los, singen wir erneut dagegen lautstark an.
          Singen Sie mit, lieber Thomas?
          Wenn nicht, trotzdem ein herzliches
          Santé!
          und
          liebe Grüße von
          Rick, Victor und Grand Nix, die gerade frische Luft schnappen.

          • Thomas
            12. Juni, 2021

            “Singen Sie mit, lieber Thomas?”

            Klar singe ich mit. Schließlich sind wir ja nicht rot oder grün, wir sind bunt. Und das gerne.

            Santé!

            Mit freundlichen Grüßen,
            Thomas

  • Nurdieh
    11. Juni, 2021

    Ich bin begeistert, Herr Wendt, über den von Ihnen so herrlich analysierten Text. Die Grünen sind noch nie, zumindest kann ich mich nicht erinnern, so gut auseinander genommen worden. Gleichzeitig im Nachgang die Auf/Abrechnung der “Grünen-Traumwelt-Sicht” für den begeisterten Leser.
    Die Belohnung erfolgt über PayPal.
    Ich werde dieses an viele Freunde per Email weiter geben, und vielleicht wird hier und da ein Aha-Erwache- Erlebnis daraus. Kompliment allerdings auch der Leserschaft mit wunderbaren Beiträgen. Kinder lachen 300 Mal am Tag, ich habe heute nicht so viel, aber doch auch sehr viel laut lachen können, obwohl es eigentlich traurig machen sollte. Dass nach Trump so was Unpolitisches auch hier passieren könnte, habe ich nicht erwartet. Danke!!

  • N. Schneider
    12. Juni, 2021

    Ein messerscharfes Gesellschaftsporträt des westdeutschen Juste Milieus (die Grünen sind in erster Linie ein westdeutsches Phänomen).

  • N. Schneider
    12. Juni, 2021

    Michael Klonovsky hat das grüne Führungspersonal sehr treffend in zwei Kategorien zusammengefasst:
    “Das grü­ne Füh­rungs­per­so­nal unter­schei­det sich in sol­che, die noch dar­über ver­blüfft sind, dass sie mit so gerin­gem Auf­wand und der­art limi­tier­ten Fähig­kei­ten so weit kom­men konn­ten, und die­je­ni­gen, die es über­haupt nicht bemerken”.

  • Gero Micheler
    12. Juni, 2021

    Genialer Artikel!

  • susi
    12. Juni, 2021

    Annalena Barbock kommt vom Land. Sie kennt die Probleme dort. Seit Umzug der Familie wohnt sie in Pattensen bei Hannover. Wikipedia schreibt:

    Pattensen verfügt über eine der höchsten Gastronomiedichten in der Region Hannover und über viele weitere mittelständische Unternehmen mit überregionaler Bedeutung. Trotz des Status eines Grundzentrums, verfügt Pattensen mit dem Calenberg-Center und einem Möbelgeschäft im Ortsteil Schulenburg über mit Mittelzentren vergleichbare Einzelhandelsstrukturen. Die Kaufkraft lag 2015 bei mehr als 111 Prozent des Bundesschnitts.

    Auf Wikipedia steht zu Annalena Baerbock, dass Ihr Vater Maschinenbauingenieur sei. Das ist er vielleicht aufgrund seiner Ausbildung. Er hat zuletzt bei WABCO im Management gearbeitet, eine Firma, die über sich selbst schreibt:

    Kann die Nutzfahrzeugindustrie ihr erklärtes Ziel des unfallfreien Fahrens erreichen? Es ist ebenso anspruchsvoll wie inspirierend, aber WABCO glaubt, dass diese Herausforderung zu meistern ist. Unsere Fahrerassistenz-Technologie, Fahrertrainings und fortschrittlichen Sicherheitssysteme für LKWs, Busse, Anhänger und Off-Highway-Fahrzeuge bringen die Industrie voran und bieten End-to-End-Lösungen, die das unfallfreie Fahren jeden Tag näher bringen.

    Wird das auf Annalena Barbocks Wikipedia Eintrag verschleiert, da das nicht “grün” genug ist. Üblich ist es, den Beruf der Eltern dort aufzuführen.

    • Selbstständiger IT-ler aus der Unterschicht
      12. Juni, 2021

      Bezüglich Wikipedia Editoren:

      “Eine Zensur findet nicht statt” (unbekannter Autor vergessener Schrift)

      Bezüglich Papa Baerbock:

      Er hat nicht einfach nur “im Management” gearbeitet, er ist der Geschäftsführer der 36 Milliarden $ umsetzenden Wabco Holding.

      Das Gehalt dürfte siebenstellig sein. Ein LLM Titel ist da an ein, zwei Tagen verdient.

      Das passt natürlich nicht ganz zu „auf einem Bauernhof aufgewachsen“ und Vater „ist Maschinenbauer“.

      Aber der Kenner weiß, wie man die Grünen Lebensläufe zu lesen hat: Meist handelt es sich um textuell verstecktes Versagertum der oberen 1%.

  • Jens Richter
    12. Juni, 2021

    Dumme umgeben sich am liebsten mit Dummen, also etwa mit einem Viertel der heutigen Bevölkerung Deutschlands. Bis zu einem Punkt, der erforscht werden will, lieben diese Dummen Annalena vor allem, weil sie eine von ihnen ist, nicht herausragt, genauso dämlich ist. Ich postuliere trotzdem, dass ein Wendepunkt die Frage aufkommen lässt, warum die dumme Pute das zehnfache Monatsgehalt eines anderen Dummen kassiert. “Was die kann, kann ich auch”, könnte der vollkommen berechtigte #aufschrei werden. Hoffentlich.

  • Jan Hauschildt
    12. Juni, 2021

    Bravo, Herr Wendt!
    Mit diesem Meisterstück haben Sie sich selbst übertroffen! Der beste Artikel, den ich seit langem gelesen habe. Souveräne journalistische Arbeit, definitiv preiswürdig… natürlich werden Sie keinen bekommen, das wissen Sie besser als ich.
    Ich unterstütze Sie und hoffe, daß viele andere es auch tun.
    Danke!

  • Asper
    12. Juni, 2021

    Eine großartige Analyse des Phänomens Baerbock. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich ganz vortrefflich. Irgendwie fühle ich mich an das Märchen von „des Kaisers neue Kleider“ erinnert. Endlich ruft jemand: Sie hat ja gar nichts an!

  • Jonas
    12. Juni, 2021

    Ich habe etwas sehr faszinierendes gefunden, was die These dieses Artikels treffend bestätigt:
    https://twitter.com/Kevin34523093/status/1403245777049292800

    Ein Baerbock-Fan möchte, dass man sich doch einmal vorstellen solle, wie man sich fühlen würde, wenn Annalena die eigene Tochter wäre und von allen Seiten attackiert wird. Das meinte er ganz unironisch.

    Viele Grünen-Fans sehen Annalena scheinbar wirklich als eine Art großes Kind und darum wird die Kritik auch als so ungeheuerlich aufgefasst. Dabei käme niemand auf die ebenso dumme Idee, sich vorzustellen, wie es wäre, wenn Armin der Sohn wäre. Denn im erwachsenen Mann Laschet sieht niemand ein Kind.

  • Jürg Rückert
    12. Juni, 2021

    Baer-Boick-Un-Jong ist gewählt, als lebten wir in Nordkorea. Dummheit kopuliert mit Chuzpe. Sie ist eben „anders begabt“, eine unter anders Begabten.
    Als Außenministerin wird sie alles bisher Dagewesene toppen. So wird sie uns des Klima-Mordes an 10 Milliarden Erdenbürgern vor der UNO bezichtigen. Sie wird uns zusammen mit dem Papst des Ertränkens unzähliger Flüchtlingen beschuldigen. Jede der Ägyptischen Plagen ruft sie über unsere Häupter. Sie wird schlussendlich Russland noch vor den USA den Krieg erklären. Danach herrscht Ruhe, aber erst dann.

  • Rainer Möller
    12. Juni, 2021

    Danke für die Erinnerung an den großen und immer noch unterschätzten Helmut Schelsky. Er verstand sein Buch als einen Beitrag zur Theorie der sozialen Klassen – aber die Klassenanalytiker haben ihn weitgehend ignoriert.

  • Werner G.
    13. Juni, 2021

    Kein einigermaßen vernünftiger Mensch möchte sich mit solch einem vorgetragegen Mist beschäftigen. Dämlichkeiten und Unfähigkeiten nachweisen, oder besser, darauf hinweisen. Man hat eigentlich auch keine Lust darauf, beim Zertrümmern von Wolkenkuckucksheimen beteiligt zu sein. Es gibt massenweise wichtigeres zu tun in Leben, das ist schwer und hart genug. NUR, wenn man die lässt, machen die ihren Mist einfach kritikbefreit weiter, vollkommen befreit von Scham und Anstand, das ist das wirklich Fatale daran. Normalerweise möchte ich mich mit Deppen eigentlich nicht beschäftigen!!

  • Lumpazi
    13. Juni, 2021

    Der Zaubertrank aus dem Hause Lob & Co. hat doch schon Greta, die Sammy Thunberg, zum grünen Weltstar gemacht. Die Strategie der grünen Partei ist nur eine blinde Umsetzung des Erfolgsrauschs. Was wohl der Genosse Chewehguevara dazu gesagt hätte?

    https://www.youtube.com/watch?v=RSJUo5jhBlQ

  • Jürg Rückert
    14. Juni, 2021

    Das Drama einer begabten Kanzlerin

    Das Märchen vom Kaiser ohne Kleider kennt jeder. Das Märchen vom Rumpelstilzchen ist zu unrecht vergessen worden. Da war einmal ein Müller. Der prahlte vor dem König, seine Tochter könne aus Stroh Gold spinnen! Der griff sofort zu: Her mit dem Gold oder Kopf ab!
    Da ist ein Kanzlerin. Die verspricht
    – der Welt, dass hier Milch und Honig für alle flössen
    – Europa, dass sie alle Schulden stemmen könne
    – und jetzt Afrika, dass wir noch so flüssig wären, um China mit links auszukonkurrieren.
    Und unsere Rumpelgrünchen backen und brauen bis Weizen und Hopfen restlos alle sind.
    Dann heißt es: Kopf ab!

  • Theo Tümmler
    14. Juni, 2021

    Ich weiß nicht, was ich diesem hervorragenden Artikel (und den Kommentaren) noch Originelles oder Informatives hinzufügen könnte. Vielleicht das:
    Annalena ist für mich das fleischgewordene “Kindchenschema” (Näheres: Wikipedia). Diesbezüglich ist sie ihrer Vorgängerin in spe (Merkel) gar nicht mal so unähnlich. Die Deutschen sind bekanntlich sehr kinderlieb (“Gebt den Kindern das Kommando!”). Also gute Karten fürs Annalenchen. Je kindlicher sie sich gibt, desto besser kommt sie beim “Volk” an.

    Was ist übrigens mit dem bedingungslosen Grundeinkommen? Haben die Grünen das in ihrem Partei- und Wahlprogramm stehen? Ehrlich gesagt habe ich keine Lust, da reinzugucken. Würde aber perfekt zur grünen Mentalität passen: Die Arbeit tun die anderen. Oder für Bibelkundige: Sie säen nicht, sie ernten nicht und doch enährt sie der deutsche Steuerzahler.

  • Jochen Schmidt
    16. Juni, 2021

    Anscheinend gibt es Hinweise darauf, dass Frau Baerbock ihre Dissertation von einem Ghostwriter verfassen lassen wollte.

    https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/nr-13-naechste-ungereimtheit-im-lebenslauf-von-annalena-baerbock-a3535107.html

    Ob sich dieser Verdacht erhärten lässt, ist noch offen.

  • Andreas Hofer
    17. Juni, 2021

    Herr Wendt! Mit Ihrem nie aufgeregten aber doch pointierten Stil haben Sie doch auch literarische Ambitionen, oder? Zu schreiben sind 2 Bücher: Der Radetzkymarsch von heute, also die Beschreibung des Untergangs der Bundesrepublik, also insgesamt des „Westens“. Aber das wäre fast nur eine Pflichaufgabe. Daher: Frau Jenny Treibel. Der (!) berliner Gesellschaftsroman. Letztenendes sprechen Sie das „Milieu“ schon an. Seien Sie so gut und werden Sie unser Fontane!

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