Die Aluhut-Bataillone marschieren auf, in ZDF und Bundestag: Hinter islamischen Anschlägen steckt – Tusch! – Putin. Irgendwie auch hinter Ceuta. Hier ein hilfreicher Blick auf Zahlen und Fakten


 von Dirk Schwarzenberg

Nicht wenige Wahnüberzeugungen beginnen am Rand der Gesellschaft. Man kann übrigens eine politische oder mediale Position im zentralen Berlin bekleiden und dennoch durch bizarres bis mental zerrüttetes Verhalten auffallen. So viel zum richtigen Verständnis des Begriffs Rand. Anders als der Mord an dem Studenten Marius Dick durch einen abgelehnten afghanischen Asylbewerber in Trier und die Schüsse eines Türken unter „Allahu akbar“-Rufen in Dresden lässt sich der Anschlag des IS-Anhängers Abdul Ballout auf den CSD in Berlin nicht klein- und zum Einzelereignis herunterreden: Hier traf es eine zentrale, politisch sehr positiv aufgeladene Veranstaltung in der Hauptstadt, während sich der inzwischen tote Täter mit langem IS-Vorlauf nicht wie in vielen ähnlichen Fällen psychopathologisieren lässt.

Nach längeren Wortfindungsstörungen im linken polit-medialen Apparat geben die Narrativklempner jetzt zwei Parolen aus, um die Diskursherrschaft wieder an sich zu reißen: Erstens durch den Versuch, die Terrorideologie des „Islamischen Staates“ begrifflich in das westlich-linke Verständnis von „rechts“, „rechtsradikal“ oder „konservativ“ hineinzuquirlen – so unternommen und noch einmal bekräftigt durch den „Queer-Beauftragten“ des Landes Berlin Alfonso Pantisano. Diejenigen, die ein Scharia-Weltkalifat anstreben, stehen für ihn also gleich neben Winston Churchill beziehungsweise der AfD, und nicht mehr oder jedenfalls vorübergehend nicht neben Radikal-Sören und -Dörte, die gern zusammen mit Hamas-Fahnenschwingern gegen den Judenstaat aufmarschieren.

Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak, immer im Wettbewerb um die kleinste Fallhöhe, bezeichnete die IS-Ideologie sogar als faschistisch, allerdings, ohne Verbindungslinien zwischen Benito Mussolini und dem obersten IS-Kopfabschläger Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri aufzuzeigen. Der Duce definierte Faschismus bekanntlich so: „Alles im Staat, nichts gegen den Staat, nichts außerhalb des Staates“, während der IS sich als Träger einer radikalen islamischen Globalisierung sieht, an deren idealem Ende keine Nation und noch nicht einmal ein weltlicher Staat steht. Mussolini konnte außerdem mit Hitlers Vernichtungswillen gegenüber den Juden wenig anfangen. Alles in allem lassen sich zwischen Nationalsozialismus und IS-Ideologie – anders als zwischen dieser und dem Faschismus – vielfältige Verwandtschaftsbeziehungen finden. Der Großmufti von Jerusalem wohnte nicht vorübergehend in Rom, sondern in Berlin, und besuchte von dort aus Konzentrationslager. Banaszak tat also aus seiner Sicht das Richtige, indem er gerade den NS-Begriff nicht benutzte. Das nur als sachdienlicher Hinweis.

Die zweite weltbilderhaltende Maßnahme der Linken besteht darin, ein Muster hinter den Anschlägen auszumachen beziehungsweise zu behaupten. Zusammenhänge zu sehen, wo keine existieren: Das nennt man in Fachkreisen ab einer bestimmten Intensität pathologisch.
ZDF-Nachrichtensprecher Christian Sievers fragt im heute-journal unmittelbar nach dem Berliner CSD-Anschlag den Bundesinnenminister, Alexander Dobrindt, ob es eine Häufung von Anschlägen „vor Wahlen“ gebe, ein „Muster“. Dobrindt verneint. Das enttäuscht das ZDF offenbar. Es vernimmt als Nächstes den SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Fiedler, der nun – natürlich ohne irgendeinen Beleg – behauptet, Anschläge würden sich „auffällig vor Wahlen häufen“. Der Parlamentarier baut die Erzählung mit seinen ganz speziellen analytischen Mitteln aus: Wer dahinterstecke, tja, da mache er ein „großes Fragezeichen“, aber klar sein doch, dass Moskau einen „hybriden Krieg gegen Deutschland“ führe. Und nun müssten seiner Meinung nach Geheimdienste erweiterte Kompetenzen erhalten, um irgendwie einen Beleg für sein Spinngarn heranzuschaffen.
Karl Lauterbach, bekannt durch Spökenkiekerei und Verbreitung von Desinformation im Netz, pflichtet seinem Parteikollegen auf X bei.

Schließlich meldet sich noch eine Linksparteiabgeordnete mit der rasiermesserscharfen Analyse, vor Gründung der AfD, also 2013, habe es solche Anschläge wie auf den CSD nicht gegeben. Für sie steht fest, dass Weidels Partei als verlängerter Arm von Moskau hinter dem Terrorismus junger muslimischer Männer in Deutschland (und ganz Westeuropa, merkwürdigerweise jedoch nicht in Mittelosteuropa) steckt.

Dass IS-Anhänger ganz aus eigenem Antrieb und ohne russisches Fädenziehen morden können – und zwar weltweit –, will Leuten dieses politischen Komplexes einfach nicht in den Kopf. Während der Corona-Zeit benutzten staatsgläubige Politiker, Journalisten und Bürger die Wendung „Aluhut“ nicht nur gegen echte Spinner, sondern gegen jeden, der auch nur nach dem Sinn von monatelangen Läden- und Schulschließungen oder Maskenzwang im Freien fragte. Heute muss man feststellen: Der Aluhut sitzt links, und zwar sehr stramm. Nämlich in den Kreisen, in denen der unerschütterliche Glaube herrscht, dass es sich beim Islam um eine Religion des Friedens handelt und bei Migration um einen segensreichen Prozess für das Aufnahmeland, egal wer aus welchen Motiven kommt. Migranten leiden immer unter Marginalisierung, sie sind grundsätzlich gut, treten Probleme mit ihnen auf, dann liegt es an der islamophoben Aufnahmegesellschaft. Bevor wir die Parole „so kurz vor den Wahlen, das kann doch kein Zufall sein“ von Berlin bis nach Ceuta näher betrachten, hier eine kleine Faktenübersicht:

Erstens: In Deutschland ereignen sich seit dem Nagelbombenanschlag von Ansbach und der Terrorfahrt auf dem Berliner Breitscheidplatz, beide 2016, beide IS-inspiriert, beide fernab von Wahlen – immer wieder terroristische Anschläge, außerdem nicht klar dem IS zuzuordnende Metzeleien, etwa der Messerangriff durch den Somalier Abdirahman Jibril A. im Juni 2021 in der Innenstadt von Würzburg (drei erstochene Frauen, neun Verletzte). In Deutschland mit seinen 16 Bundesländern, einer Bundes- und einer EU-Ebene, finden im dichten Abstand Wahlen statt. Folglich fallen einige Anschläge in das zeitliche Vorfeld von Wahlen, wobei „Vorfeld“ ganz davon abhängt, wie weit man den Rahmen steckt. Die korrekte Formulierung lautet: In Deutschland – und nicht nur dort – ereignen sich Mordtaten durch Migranten vor, nach und zwischen Wahlen.

Zweitens lohnt ein näherer Blick auf die Anschläge, die sich bisher tatsächlich in der zeitlichen Nähe von Wahlen ereigneten. Dröseln wir auf: Der syrische Täter des Messeranschlags von Solingen im August 2024 mit drei Toten und acht Verletzten – damals einen guten Monat vor Wahlen in Thüringen und Sachsen – hätte zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr in Deutschland sein dürfen. Das zuständige Amt ordnete seine (nicht vollzogene) Abschiebung an; nicht vollzogen, weil er kurz vorher untertauchte. Die Verantwortlichen verzichteten darauf, ihn zur Fahndung auszuschreiben. Der Afghane Enamullah Omarzai, der im Januar 2025 in Aschaffenburg auf eine Kindergruppe mit dem Messer losging (zwei Tote, drei Verletzte), hätte zu diesem Zeitpunkt entweder in Strafhaft sitzen sollen oder Deutschland schon zwangsweise verlassen haben müssen. Beides passierte wegen Behördenpfuschs nicht. Und wäre es nach der Staatsanwaltschaft Berlin gegangen, säße der CSD-Attentäter Abdul Ballout in Strafhaft: Sie beantragte für ihn wegen Anschlagsvorbereitung drei Jahre Haft; das Gericht entschied trotz seiner bekannten IS-Verbindung und erheblicher Vorstrafen auf Bewährung bei gleichzeitiger Verpflichtung, Ballout müsse einen Kurs zur „Deradikalisierung“ wahrnehmen.

Sehen wir uns die Taten näher an, in denen es gar nicht darum ging, Gefährder in Haft zu bringen, weil sie längst wegen schwerer Straftaten einsaßen und dem Staat nur die Aufgabe zufiel, sie von dort aus in Abschiebehaft und dann außer Landes zu bringen: Der syrische Täter, der 2021 ein schwules Paar in Dresden angriff (ein Toter), kam direkt aus der Justizvollzugsanstalt, die Behörden wussten über seine IS-Treue Bescheid. An ihm versuchte sich das gleiche „Violence Prevention Network“ (VPN), das auch an Abdul Ballout herumtherapierte, bevor er zuschlug. 
Auch der Araber mit abgelehntem Asylantrag, der 2023 zwei junge Menschen in einem Regionalexpress bei Brokdorf niedermetzelte, kehrte unmittelbar aus dem Gefängnis ins deutsche Zivilleben zurück. Putin müsste es also teuflischerweise geschafft haben, nicht nur die Täter, die schon längst mit dem IS in Kontakt standen, zum Morden zu animieren, sondern auch große Teile von Verwaltung und Justiz in Deutschland in seine Hand zu bekommen. Dabei verausgabt sich der Kremlherrscher offenbar dermaßen, dass seine Kräfte für ähnliche Machenschaften in Polen und anderen osteuropäischen Ländern nicht mehr reichen.

Die Attentate von Ansbach, Berlin-Breitscheidplatz, Brokdorf ereigneten sich wie erwähnt weit entfernt von Wahlen. Übrigens auch der Anschlag in Winterthur im Mai 2026, bei dem der türkischstämmige Islamist Nesip Dedeler „Allahu akbar“ rief und drei Zufallsopfer mit dem Messer schwer verletzte.
Warum schreiben die Aluhut-Bataillone eigentlich der AfD die Urheberschaft von islamischen Attentaten zu? Die Argumentation lautet: Weil dann mehr Wähler ihr Kreuz bei dieser Partei machen – denn die anderen bemühen sich offensichtlich nicht so um den Schutz der Bevölkerung vor fanatischen Täten, wie – um ein Beispiel heranzuziehen – um die Verfolgung des angeblichen Putschisten Prinz Heinrich Reuß. In seinem Fall kann der Justizapparat problemlos dreieinhalb Jahre Untersuchungshaft durchsetzen.
Wäre es den etablierten Parteien dann nicht ein Leichtes, der AfD durch eine etwas rigidere Verfolgungs- und Abschiebepolitik ein Schnippchen zu schlagen, um, wie man in Berlin-Mitte sagt, „das Thema abzuräumen“? Diese Frage wird ein ZDF-Mitarbeiter nie im Berufsleben stellen.

In Deutschland kam es 2025 insgesamt zu 29 243 Messerangriffen bei hoher Überrepräsentation nichtdeutscher Täter. Die sogenannte Kriminalitätsbelastungszahl, also Straftaten pro 100000 Menschen aus bestimmten Gruppen, gliedert sich laut Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der AfD-Fraktion so: Syrer 2183, Afghanen 2120, Deutsche 265. Die täglichen Messereien selbst in Kleinstädten wie Traunstein beeinflussen das Unsicherheitsgefühl der Bürger und damit mittelbar die Stimmen für die AfD noch stärker als Anschläge wie der in Berlin, denn sie finden vor der eigenen Haustür statt. Damit stellt sich unabweisbar die Frage: Zieht auch hier Putin die Strippen? Und wenn ja – wie schafft er das?

Noch eine Zahl zum Dauerspruch „die größte Gefahr kommt von rechts“, der in diesen Tagen aus allen voll aufgedrehten ÖRR-, Linken- und Grünen-Lautsprechern quillt: Hier schaut man am besten auf die Statistik der Bundesanwaltschaft. Sie leitete im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 174 Verfahren wegen Terrorverdachts ein. Davon entfallen 129 auf islamische („islamistische“) Verdächtige, 34 auf auslandsbezogene Straftaten, sechs auf mutmaßliche Links- und fünf auf Rechtsextremisten.

Kommen wir schließlich zu Ceuta. Hier lautete erst einmal der Spott auf X: „Ach, so kurz vor Wahlen in Deutschland“. Es dauerte nur Stunden, bis die Aluhutbrigade an die Tastaturen stürmte und genau dieses Wahnativ verbreitete, also eine Fusion aus Wahn und Narrativ.

Der Sturm von etwa 70 000 Invasoren auf die Kleinstadt Ceuta lässt sich ziemlich genau rekonstruieren. Ganz am Beginn stand die Legalisierung hunderttausender illegaler Migranten durch die ultralinke Minderheitsregierung von Pedro Sánchez – übrigens unter Umgehung des Parlaments. Dann folgte am 29. Juni 2026 ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, das besagt: Migranten, die in die Exklaven Ceuta oder Melilla schwimmen, dürften nicht mehr sofort nach Marokko zurückgewiesen werden. Denn anders als Personen, die Zäune oder andere Absperrungen überwinden, würden Schwimmer die Grenze nicht gewaltsam übertreten. Die Massen, die nach Europa wollen, mussten annehmen, dass ihre Asylverfahren nicht in der winzigen Exklave stattfinden würden, sondern auf dem Festland – mit der Möglichkeit, sofort beispielsweise nach Deutschland weiterzureisen.

Auf der marokkanischen Seite sammelten sich tagelang ganz überwiegend junge Männer, Händler – oder wer auch immer – schafften tausende Schwimmreifen herbei. Marokkos Grenzpolizisten zogen sich zurück. Trotz der eindeutigen Vorgänge unternahmen Spaniens Polizei und Militär nichts; sie gaben die Kleinstadt praktisch zum Plündern und Verwüsten frei. Wenn also jemand die Verantwortung für die Szenen trägt, die deutsche Rechte laut Aluhutraktion angeblich herbeisehnen, dann erstens die Regierung Marokkos (die offenbar den Massenansturm tatsächlich als Druckmittel nutzte), und zweitens der Heros aller westeuropäischen Linken, Ministerpräsident Sánchez. Auf Druck anderer EU-Staaten ließ er einen großen Teil (aber nicht alle) Invasoren wieder nach Marokko schicken. Es geschah also genau das, was nach Behauptung der westlichen Migrationsbegeisterten angeblich rechtlich und praktisch gar nicht geht – nämlich die massenhafte Zurückweisung. Siebentausend angeblich Minderjährige sollen trotzdem bleiben dürfen, also eine Kleinstadt. Beim Schwimmen verlor offenbar keiner von ihnen seinen Ausweis.

Die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland gaben wieder einmal alles: Sie erklärten die Eindringlinge umstandslos zu „Flüchtlingen“, suchten und fanden in den Massen tatsächlich eine Frau und Kinder zum Filmen und verbreiteten die Desinformation, die Leute aus Marokko hätten „stundenlang auf dem offenen Meer“ treiben müssen.
Videoaufnahmen zeigen, dass sie nur zwei zaunbewehrte Molen umschwimmen mussten, viele wateten auch nur durch das flache Wasser.

Welches Interesse besteht bei den spanischen Linksradikalen an einem steten Zustrom von Migranten? Eine EU-Abgeordnete von Sánchez’ noch linkerem Bündnispartner sprach genau das kürzlich in aller Offenheit aus: Es gehe darum, einheimische „Faschisten“ – zu Deutsch: Einheitsbraune – zurückzudrängen und aus denen, die zuströmen, neue Wähler zu rekrutieren.

Hier handelt es sich weder um eine Verschwörungstheorie noch eine Verschwörungspraxis, denn der Prozess läuft angekündigt und in voller Offenheit ab.
Genauso übrigens wie die demonstrativen Abschiebungen nach Afghanistan: Sie finden tatsächlich immer kurz vor Wahlen statt. Rund 35 000 Afghanen ließ Deutschland als angebliche „Ortskräfte“ und „Vulnerable“ bisher einfliegen. In der vergangenen Woche brachte ein Flugzeug 31 Afghanen nach Kabul zurück: Vergewaltiger, Pädosexuelle und sonstige Gewalttäter. Nur ein einziger – übrigens zum ersten Mal überhaupt – musste das Land verlassen, weil Deutschland seinen Asylantrag ablehnte.

Wenn klandestine Drahtzieher das tatsächlich alles zum Wohl der AfD zu steuern vermögen – warum übernehmen sie das Land dann nicht gleich offiziell?

 

 

 


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